Warum habt ihr euch versammelt?

Nachdem Nephis Turm in seinem Garten so gestanden hatte, dass er von der Straße her gut einzusehen war, bekamen die Vorbeigehenden sein Gespräch mit dem Herrn mit. Sie wurden neugierig, holten andere mit dazu und wollten den Grund seiner Trauer erfahren. Nephi erblickte die Menge, nachdem er sich vom Gebet erhob (Helaman 7:11-12). „Und es begab sich: Er öffnete den Mund und sprach zu ihnen: Siehe, warum habt ihr euch versammelt? Damit ich euch von euren Übeltaten erzähle?“ (Helaman 7:13).

Warum habt ihr euch versammelt? Auf die rhetorische Frage Nephis, an die vor seinem Garten versammelte Menge antwortete er selber. Menschen sind von Grund auf neugierig. Deshalb verwundert es nicht, dass sie den Grund für Nephis Aufgewühltheit in Erfahrung bringen wollten.

Heute geht es kein bisschen anders. Denken wir doch nur daran, was los ist, wenn irgendwo ein schwerer Unfall oder eine Naturkatastrophe passiert ist. Es gibt inzwischen ja schon den Katastrophentourismus – die Anreise Schaulustiger aus größeren Entfernungen. Die Rheinpfalz schrieb am Montag, den 04. Juni 2018: „Großes Entsetzen in den sozialen Medien und ein bundesweites Medienecho löste am Samstag der Abstecher einer pfälzischen Reisegruppe in das von einem Unwetter schwer getroffene Kleinblittersdorf aus.“ (siehe hier). Durch solche Neugier werden dann auch noch bewusst die Rettungsarbeiten massiv behindert oder sogar die Retter verunglimpft und angegriffen. Johann Wolfgang von Goethe prägte den Ausspruch: „Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.“ Wie immer haben wir auch hier zwei Seiten einer Medaille: Neugier nach Erkenntnis, die uns hilft uns unserem Zweck entsprechend zu entwickeln, Neugier aus Befriedigung an Sensationslust. Ich bin nicht neugierig darauf, in Erfahrung zu bringen, wie schlimm es jemanden getroffen hat. Eher geht es mir darum, herauszufinden, wie ich helfen kann. Welche Art von Neugier bevorzugst du?

katastrophentourismusKatastrophen-Tourismus: Schaulustige filmen und fotografieren fröhlich einen Groß-Brand. Foto: dpa
(Bild: Quelle)

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