Wir werden das Land Jerschon aufgeben

Das Resultat des Volksentscheids, den der höchste Richter der Nephiten veranlasste (Alma 27:21): „Und es begab sich: Die Stimme des Volkes erging, nämlich: Siehe, wir werden das Land Jerschon aufgeben, das im Osten am Meer liegt, das an das Land Überfluss grenzt, das im Süden des Landes Überfluss liegt, und dieses Land Jerschon ist das Land, das wir unseren Brüdern als Erbteil geben werden.“ (Alma 27:22).

Wir werden das Land Jerschon aufgeben. Die Nephiten stimmten nicht nur mit „Ja“ zur Aufnahme der `Anti-Nephi-Lehier´, ihrer ehemaligen Feinde, sondern sie entschieden auch darüber, dass sie ihnen einen Teil ihres Landes abtreten wollten und sie zudem noch mit ihrem Heer, gegen eine entsprechende Entschädigung, vor Übergriffen der nicht bekehrten Lamaniten schützen wollten, da sie ja ihre Waffen im Zuge ihrer Umkehr vergraben hatten und nicht wieder hervorholen wollten (Alma 27:23-24).

In diesem Zusammenhang muss ich an die Entscheidung unserer Kanzlerin in Bezug auf die Öffnung unserer Landesgrenzen für die Flutwelle an Flüchtlingen 2015/2016 denken. Eine mutige Entscheidung, die ihr wenig Freunde einbrachte. Ich denke, wir alle sind Flüchtlinge, die einen bleiben länger irgendwo, was sie dann ihre Heimat nennen, andere sind unstete Globetrotter. Wieso meinen wir, dass das Land, das wir unser Heimaltland nennen, uns gehören würde? Nur weil der größere Teil so aussieht und wenigere etwas anders und wir Angst haben, dass das Verhältnis kippen könnte? Auf der anderen Seite tun wir doch mehr dafür, dass viele erst gar nicht ihre Heimat verlassen wollen, weil sie ihr Auskommen und ihren Frieden dort finden. Solche Projekte unterstütz die Kirche im Rahmen der LDS Charities (siehe hier). Außer den freiwilligen Helfern kann jeder von uns diese Projekte durch Spenden in den Fond `Humanitäre Hilfe´ unterstützen.

(Bild: Quelle)

Der oberste Richter … wünschte die Stimme des Volkes in bezug auf die Aufnahme ihrer Brüder, …, zu erfahren

Alma der Jüngere, der Hohepriester über die ganze Kirche, begleitete seine Mitarbeiter im Missionswerk zu ihrem obersten Richter Nephihach (Alma 4:16-18), um ihm über ihren Dienst unter den Lamaniten zu berichten (Alam 21:20). „Und es begab sich: Der oberste Richter sandte einen Aufruf durch das ganze Land und wünschte die Stimme des Volkes in bezug auf die Aufnahme ihrer Brüder, nämlich des Volkes Anti-Nephi-Lehi, zu erfahren.“ (Alma 21:21).

Der oberste Richter … wünschte die Stimme des Volkes in bezug auf die Aufnahme ihrer Brüder, …, zu erfahren. Schon bei den Nephiten kannte man eine Gewaltenteilung. Zunächst wissen wir, dass es Könige gab, die sowohl die staatliche, als auch die kirchliche Gewalt ausübten. Dann allerdings hat König Mosia, ein gottesfürchtiger König, allerdings um 92 v. Chr. eine Gewaltenteilung vorgeschlagen (Mosia 29:11). Er ging davon aus, dass es nicht gut sei, wenn die Gewalten in einer Hand lägen, da es eben leider auch Übeltäter gibt, die nicht das Wohl des Volkes im Sinn haben, machtbesessen sind, und nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind (Mosia 29:18,21-23). Durch die Stimme des Volkes hat er ein Richtersystem etabliert (Mosia 29:25-29), das Ungleichheit vermeiden und gleiche Rechte und Freiheiten für jedermann garantieren sollte (Mosia 29:32). Das Volk bildete nun `Wahlkreise´ und wählte seine Richter (Mosia 29:39). So begannen sie eine neue Regierungsform, nämlich die der Richter (Mosia 29:44).

Wie dankbar bin ich, dass ich in einer Zeit leben darf, in der uns gleiche Rechte und Freiheit für jedermann garantiert werden, auch wenn es in diesem System Mängel gibt. Wir haben jedenfalls eine Gewaltenteilung (Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Staatsorgane zum Zweck der Machtbegrenzung und der Sicherung von Freiheit und Gleichheit – wie es König Mosia wollte) in die Legislative (Gesetzgebung), Judikative (Rechtsprechung) und Exekutive (Verwaltung). Und dieses System entwickelt sich bei uns nun auch immer mehr hin zu einer `direkten Demokratie´: Das Volk wird in Entscheidungen immer mehr und immer früher einbezogen (Volksentscheide). Stimmberechtigte Bürger können unmittelbar über die Annahme oder Ablehnung von Vorlagen (z.B. Gesetze) entscheiden. Freuen tue ich mich allerdings auf die Zeit, da Christus die Herrschaft übernehmen wird, denn das wird eine Zeit der wirklich gleichen Rechte und Freiheiten für jedermann (Lehre und Bündnisse 29:11).

Die dreistufige Volksgesetzgebung(Bild: Quelle)

Er war in der Freude an seinem Gott verschlungen

Ammon berichtete dem König der ganzen Lamaniten, dass der Herr eine Umsiedlung angewiesen habe (Alma 27:12-13) und der König ließ das Volk mit ihrer Habe zusammenkommen und sie zogen aus ihrer Heimat fort und kamen an die Grenze des Landes der Nephiten, Zarahemla (Alma 27:14). Ammon wollte nun zuerst die Lage in seiner Heimat sondieren (Alma 27:15) und traf dabei auf seinen Freund Missionar und Hohepriester über die ganze Kirche, Alma den Jüngeren (Alma 27:16). „Nun war die Freude Ammons so groß, dass er ganz davon erfüllt war; ja, er war in der Freude an seinem Gott verschlungen, so sehr, dass sich seine Kraft erschöpfte; und er fiel abermals zur Erde.“ (Alma 27:17).

Freude ist ein Zustand des Glücklichseins als Folge eines rechtschaffenen Lebens (2. Nephi 9:18). Auch sie ist eine Gabe des Geistes (Galater 5:22). Um Freude haben zu können, ist allerdings auch der Gegensatz hierzu notwendig: Elend. Beides erleben zu können, wurde erst durch die Übertretung Adams und Evas möglich (2. Nephi 2:22-25). Eine Fülle der Freude werden wir allerdings erst erfahren, wenn wir durch das Sühnopfer von Jesus Christus in seine Gegenwart eintreten dürfen (Lehre und Bündnisse 101:36).

Er war in der Freude an seinem Gott verschlungen. Offensichtlich kann eine so intensiv erlebte Freude jemanden so stark übermannen – plötzlich so stark über jemanden kommen, dass er nichts dagegen tun kann – dass man körperlich kraftlos wird. Die Schutzreaktion in einer solchen Situation der körperlichen Schwäche: die waagerechte Position – hinlegen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal von Freude in dieser Weise verschlungen war, dass ich kraftlos wurde. Solch eine Freude empfindet nur jemand, der „… wahrhaft reumütig und demütig nach Glückseligkeit trachtet.“ (Alma 21:18). Dennoch empfinde ich tagtäglich Freude, und zwar in dem Wissen, dass Jesus Christus unser Erlöser ist, er unsere Sünden auf sich genommen hat und ich keine Angst vor dem Tod zu haben brauche – jedenfalls für den Fall, dass ich sein Sühnopfer auch annehme (1. Johannes 1:7; 1. Nephi 11:32-33). Wann hattest du das letzte Mal ein großes Gefühl der Freude und was war dazu der Anlass?

An image of a young girl riding a bicycle, combined with a quote by President Thomas S. Monson: “Find joy in the journey.”„Freude an der Reise finden“ – Thomas S. Monson, Präsident der Kirche
(Ansprache siehe hier; Bild: Quelle)

Gesegnet ist dieses Volk in dieser Generation, denn ich werde es bewahren

Der König des ganzen Landes der Lamaniten hat Ammon aufgefordert, den Herrn zu befragen, ob sich sein bekehrtes Volk in die Obhut der Nephiten begeben sollte (Alma 27:10), wie Ammon es vorgeschlagen hatte (Alma 27:5). „Und es begab sich: Ammon ging hin und befragte den Herrn, und der Herr sprach zu ihm: 12 Zieh mit diesem Volk aus diesem Land fort, damit es nicht zugrunde gehe; denn der Satan hat großen Einfluss auf das Herz der Amalekiten, die die Lamaniten zum Zorn gegen ihre Brüder aufstacheln, damit sie sie töten; darum zieh aus diesem Land fort; und gesegnet ist dieses Volk in dieser Generation, denn ich werde es bewahren.“ (Alma 27:11-12).

Gesegnet ist dieses Volk in dieser Generation, denn ich werde es bewahren. Ammon bekam auf seine Frage vom Herrn eine Antwort. Er sollte mit den `Anti-Nephi-Lehiern´, den bekehrten Lamaniten, aus dem Land Lehi-Nephi, dem Land der Lamaniten, auswandern, und zwar in die nordwärts gelegene Heimat der Nephiten. Und dies aus dem Grund, weil der Herr diese Generation der bekehrten Lamaniten für ihre Herzenswandlung segnen und vor dem Zorn der nicht bekehrten Lamaniten bewahren wollte.

Von gesegneten Generationen ist in den Schriften häufig die Rede. So lässt der Herr sein auserwähltes Volk, die Israeliten, wissen, dass Jahwe sein treuer Gott ist, auch nach „… tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten.“ (Deuteronomium 7:9). Allerdings verfolgt der Herr auch Ungehorsam bis in die dritte und vierte Generation (Deuteronomium 5:9). Eine biologische Generation sind alle Menschen, die denselben Abstand von Vorfahren bzw. Nachkommen haben, also z.B. die Generation der Großeltern, Eltern oder Kinder. Unsere heutigen besonderen Zeugen für Jesus Christus betonen häufig, dass unsere Generation eine auserwählte Generation ist. So sagt Elder Russel M. Nelson, Präsident des Kollegiums der zwölf Apostel sich an die Jungen Erwachsenen der Kirche wendend: „Meine lieben Brüder und Schwestern, ihr seid dazu geboren, ein wahres Kind des Millenniums zu sein! Ihr seid eine auserwählte Generation (siehe 1 Petrus 2:9), von Gott zu einem bemerkenswerten Werk vorherordiniert, nämlich die Menschen dieser Welt auf das zweite Kommen des Herrn vorzubereiten.“ (Ein wahres Kind des Millenniums). Das Missionswerk betreffend, um das es ja auch bei Ammon ging, sagt Randall L. Ridd in Bezug auf die heutigen technischen Hilfsmittel: „Der Herr erwartet von euch, dass ihr diese großartigen Hilfsmittel nutzt, um sein Werk auf die nächste Stufe zu heben, um anderen das Evangelium auf eine Weise näherzubringen, die die kühnsten Vorstellungen meiner Generation übertrifft. Frühere Generationen haben ihre Nachbarn und ihren Heimatort beeinflusst. Ihr aber seid dank des Internets und der sozialen Medien imstande, Grenzen zu überbrücken und die ganze Welt zu beeinflussen.“ (Die auserwählte Generation, die gut wählen muss). Welche Mittel nutzt du, um die ganze Welt zu beeinflussen?

An image of a tunnel, with a quote from President Russell M. Nelson: “You are a chosen generation, foredetermined by God to do a remarkable work.”Ihr seid eine auserwählte Generation, von Gott zu einem bemerkenswerten Werk vorherordiniert, nämlich die Menschen dieser Welt auf das Zweite Kommen vorzubereiten. – Russel M. Nelson
(Bild: Quelle)

Es ist gegen das Gesetz unserer Brüder, …, dass es bei ihnen irgendwelche Sklaven gebe

Nachdem der Name Lamoni in diesem Kapitel nicht genannt wird, gehe ich davon aus, dass der König vom ganzen Land der Lamaniten zu Ammon sprach und ihm anbot, ihre Vergehen als Sklaven bei den Nephiten wiedergutzumachen (Alma 27:8), „Aber Ammon sprach zu ihm: Es ist gegen das Gesetz unserer Brüder, das von meinem Vater aufgerichtet wurde, dass es bei ihnen irgendwelche Sklaven gebe; darum wollen wir hinabgehen und uns der Barmherzigkeit unserer Brüder anheimgeben.“ (Alma 27:9).

Im Alten Testament begegnet uns die Sklaverei zuerst bei Noachs Fluch gegenüber seinem Sohn Ham, dem Stammvater der Kanaaniter. Noach stieg mit seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet aus der Arche. Ham hatte die Blöße seines Vaters Noach gesehen und seinen Brüdern davon erzählt. Als sein Vater dies erfuhr, sprach er: „Verflucht sei Kanaan. Der niedrigste Knecht sei er seinen Brüdern. 26  Und weiter sagte er: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, Kanaan aber sei sein Knecht. 27  Raum schaffe Gott für Jafet. In Sems Zelten wohne er, Kanaan aber sei sein Knecht“ (Genesis 9:25-27). Dieser Fluch wurde jahrhundertelang als hauptsächliche Rechtfertigung der Versklavung von Schwarzen benutzt. Wieso? Die Begründung findet man in den Abstammungsaussagen der Bibel: „Aramäer, Assyrer, Chaldäer, Elamiten und Lydier werden auf Sem zurückgeführt. In Anlehnung daran bezeichnete man alle Völker des Nahen Ostens (genauer: Hebräer, Assyrer, Aramäer, Araber, Erythräer und Äthiopier) als semitische Völker. Die Indoeuropäer (zentral und fernöstlichen) und Asiaten galten in Anlehnung an den Tanach als Nachfahren Japhets und die Schwarzafrikaner als diejenigen Hams.“ (Quelle)

Es ist gegen das Gesetz unserer Brüder, …, dass es bei ihnen irgendwelche Sklaven gebe. Wie fortschrittlich. Gesetzlich gibt es heutzutage auch keine Sklaverei mehr. Jedoch stellten Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen fest: „Sklaverei war das erste Menschenrecht, das weltweit Besorgnis erregt hat und das tut es heute noch.“ (Quelle) Schätzungen zufolge werden heutzutage weltweit knapp 46 Millionen Menschen skrupellos ausgebeutet und sind permanenter Willkür anderer ausgeliefert. Nicht nur Frauen und Männer, sondern auch Kinder sind davon betroffen. (Quelle). Also ist Sklaverei auch heute ein unerschöpfliches Thema. Ich wünschte mir, wir würden nach dem Gesetz leben, welches König Mosia ca. 91 v. Chr. erlassen hatte: keine Ungleichheit unter den Menschen, jedermann hat die gleichen Freiheiten und Rechte, solange es der Herr für richtig hält (Mosia 29:32,38,40). Die Völker der Vereinten Nationen haben sich doch zu so etwas festentschlossen verpflichtet (z. B. Artikel 1, 13, 55, 76. Quelle). Leider werden wir diese Verpflichtung erst erreichen, wenn der Böse gebunden ist (Lehre und Bündnisse 88:110) und Jesus Christus die Herrschaft auf Erden übernehmen wird (Lehre und Bündnisse 29:11). Solange muss einfach jeder Einzelne sein Bestes dazu beitragen. Ich versuche die Gebote des Herrn tagtäglich besser einzuhalten und wie sieht dein Beitrag aus?

A painting by Ted Henninger of Joseph of Egypt being restrained by two of his brothers while being sold into slavery.Joseph wird von seinen Brüdern verkauft
(Genesis 37:28; Bild: Quelle)

Bis wir ihnen die vielen Morde und Sünden, die wir an ihnen begangen haben, wiedergutgemacht haben.

Der König der Lamaniten hatte Bedenken in das Land ihrer früheren Feinde, der Nephiten, hinabzugehen. Vielleicht hätten sie den Wunsch sich an ihnen, wegen ihrer früheren Mordtaten, zu rächen. Ammon, der nephitische Missionar, schlug deshalb vor, diesbezüglich den Herrn zu befragen (Alma 27:6-7). „Und der König sprach zu ihm: Ja, wenn der Herr uns sagt: Geht, dann werden wir zu unseren Brüdern hinabgehen, und wir werden ihre Sklaven sein, bis wir ihnen die vielen Morde und Sünden, die wir an ihnen begangen haben, wiedergutgemacht haben.“ (Alma 27:8).

Immer wieder kommt es vor, dass jemand einem anderen, bewusst oder auch unbewusst, Unrecht zufügt. Allzu leicht wird es einem heute dadurch leicht gemacht, dass man sich u. U. hinter `Nullen und Einsen´ verstecken kann und somit anonym bleibt, nicht Gefahr läuft, erkannt zu werden. So werden heutzutage vielfach unbeliebte Personen mittels sozialer elektronischer Medien diffamiert, belästigt, bedrängt oder genötigt, u. U. unter Nutzung gestohlener oder virtueller Identitäten: Cyber-Mobbing, Cyber-Bullying oder Cyber-Stalking. Wenn ich Unrecht begehe, verletze ich die bestehende Rechtsordnung, was in der Regel zu einer Rechtsfolge führt, einer Schadensersatzverpflichtung oder Kriminalstrafe, also einem Ausgleich des zugefügten Schadens.

Bis wir ihnen die vielen Morde und Sünden, die wir an ihnen begangen haben, wiedergutgemacht haben. Die bekehrten Lamaniten hatten sich am Leben vieler Nephiten vergangen und dieses Unrecht durch die Bekehrung zum Evangelium von Jesus Christus erkannt. Sie haben das Gesetz der Umkehr verstanden und waren bereit, sich von sich aus als `Eigentum der Nephiten´ anzubieten, ihnen als Sklaven zu dienen. Ich lerne daraus, dass ich für zugefügtes Unrecht einzustehen habe, indem ich meinen Fehler zugebe, mich dafür entschuldige und für ihn, soweit es für mich möglich ist, Wiedergutmachung leiste. Dort, wo es mir unmöglich ist, dies zu tun, bleiben mir symbolische Möglichkeiten: Ich kann mich ernsthaft mit der Situation auseinandersetzen und in Gedanken den Kontakt suchen und mich mit den körperlich nicht anwesenden aussprechen, insbesondere mit dem Herrn, denn er hat durch sein Sühnopfer die Wiedergutmachung vollbracht, die ich nicht vollbringen kann. Dann muss ich mich bemühen, fortan ein vorbildliches Leben zu führen, eine Wandlung in meinem Herzen und in meinem Sinn zu vollziehen (3. Nephi 9:20). Wie gehst du vor, um nach begangenen Fehlern Wiedergutmachung zu leisten? Eine wunderbare Abhandlung kannst du hier nachlesen.

(Bild: Quelle)

Als Ammon und seine Brüder dieses große Werk der Vernichtung sahen, waren sie von Mitleid bewegt

Die Amalekiten fielen aus Frust darüber, dass sie unter den Nephiten im Land nordwärts keine Erfolge erzielen konnten, wieder über die Bekehrten Lamaniten, die sich nun `Anti-Nephi-Lehier´ nannten, im Land Nephi her und diese verteidigten sich wegen ihrer Umkehr von ihrem Übeltun wieder nicht (Alma 27:2-3). „Als nun Ammon und seine Brüder dieses Werk der Vernichtung unter denen sahen, die sie so sehr liebten, und unter denen, von denen sie so sehr geliebt wurden—denn sie wurden behandelt, als seien sie Engel, von Gott gesandt, um sie vor immerwährender Vernichtung zu erretten—darum, als Ammon und seine Brüder dieses große Werk der Vernichtung sahen, waren sie von Mitleid bewegt, und sie sprachen zum König:. 5  Lasst uns dieses Volk des Herrn versammeln, und lasst uns hinab in das Land Zarahemla zu unseren Brüdern, den Nephiten, gehen und aus den Händen unserer Feinde fliehen, damit wir nicht vernichtet werden.“ (ALma 27:4-5).

Mitleid wird als positive Eigenschaft bzw. Tugend verstanden. Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) betrachtet Mitleid als „ursprüngliches Gefühl, das alle leidensfähigen Wesen miteinander verbinde und auf Identifikation beruhe“ und ein Gegengewicht zum Egoismus bildet und sich als Grundlage der Moral eigne. Schopenhauerzitate: „Mitleid ist die ganz unmittelbare Teilnahme am Leiden eines Anderen: Wir leiden mit ihm, also in ihm.“ „Nur das Leiden des Anderen erweckt unsere Teilnahme. Keiner wird von Anderen Beweise echter Menschenliebe erhalten, solange es ihm wohl geht. Unglück ist die Bedingung des Mitleids.“ „Das Mitleid bezieht sich auf alles, was Leben hat, und nimmt deshalb auch die Tiere in seinen Schutz.“

Als Ammon und seine Brüder dieses große Werk der Vernichtung sahen, waren sie von Mitleid bewegt. Das Unglück, welches die bekehrten Lamaniten traf, war der Auslöser für ihr Mitgefühl, Erbarmen und ihre Güte, die sie ihnen entgegenbringen wollten. Bei dem Thema Mitleid kommt mir die Begebenheit von dem Reichen und dem Armen in Erinnerung: Der Reiche genoss auf Erden das Leben in vollen Zügen. Vor dem Tor seines Hauses lag der schwer kranke Bettler Lazarus, der wenigstens auf die Abfälle des Reichen hoffte. Doch nur die Hunde leckten seine Wunden und er starb. Die Engel brachten ihn in den Himmel und er durfte den Ehrenplatz an Abrahams Seite einnehmen. Der Reiche jedoch musste im Totenreich Qualen erleiden. Als er Lazarus an der Seite Abrahams sah ,,… rief der Reiche laut, ›hab Mitleid mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!‹“ und Abraham erklärte ihm, dass sich nun das Blatt gewendet hätte, „… Jetzt geht es ihm gut, und du musst leiden.“ (Lukas 16:19-31). Ich lerne daraus, dass ich die Tugend `Mitleid´ hier auf Erden gegenüber meinen leidenden Mitmenschen lernen und ausbauen muss (Sacharia 7:9-10). Dies tue ich u. a., indem ich regelmäßig in den Fond `Humanitäre Hilfe´ der Kirche spende. Aus diesem Fond erhalten die Notleidenden, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Rasse, durch die `LDS Charities´, humanitäre Hilfe (siehe hier und hier). Wie drückt sich dein Mitleid gegenüber den Not leidenden Mitmenschen aus?

30 Jahre Humanitärer Dienst(Bild: Quelle)

Als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten

Nachdem die Lamaniten, erkannten, dass sie die Nephiten nicht vernichten konnten, kehrten sie in ihr Heimatland zurück (Alma 27:1). „Und es begab sich: Die Amalekiten waren wegen ihrer Verluste überaus zornig. Und als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten, fingen sie an, das Volk zum Zorn gegen ihre Brüder, das Volk Anti-Nephi-Lehi, aufzustacheln; darum fingen sie abermals an, sie zu vernichten.“ (Alma 27:2).

Als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten. Ein deutsches Sprichwort lautet: „Die Rache ist süß, aber man verdirbt sich leicht den Magen daran.“ und ein chinesisches Sprichwort: „Die wunderbarste Medizin kann Rachsucht nicht kurieren.“ Warum haben wir Menschen dieses Empfinden in uns, wenn wir meinen, dass uns unrecht geschehen ist, Rache zu üben? Wir sehnen uns offensichtlich danach, es demjenigen `heimzuzahlen´, nach unserem Empfinden Gerechtigkeit zu erwirken. Nach deutschem Strafrecht kann Rache als `niedriger Beweggrund´ gewertet werden, wenn sie ihrerseits auf niedrigen Beweggründen wie Heimtücke oder besondere Grausamkeit beruhen.

Aber steht es mir zu Rache zu üben, Vergeltung für Verletzung oder Beleidigung? Eindeutig nein! Paulus fordert die Heiligen in Rom auf, mit allen Menschen Frieden zu halten, nicht Böses mit Bösem zu vergelten und: „Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.“ (Römer 12:19), denn im Unterschied zu uns steht fest: „Seine Urteile sind wahr und gerecht.“ (Offenbarung 19:2; siehe auch Mormon 8:20). Unser Gerechtigkeitsempfinden ist wohl etwas anders gestrickt, als das des Herrn, aus diesem Grund habe ich mir abgewöhnt in irgendeiner Weise nach Rache zu trachten, denn das macht er viel besser und ich versündige mich nicht. Was unternimmst du, wenn dich das Gefühl packt, Rache zu üben?

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Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen

In der Reflexion Ammons bezüglich ihrer Missionsarbeit, sind dies nun die überlieferten Schlussworte: „Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen; ja, er zählt sein Volk, und sein herzliches Erbarmen ist über der ganzen Erde. Nun ist dies meine Freude und meine große Danksagung; ja, und ich will meinem Gott danken immerdar. Amen.“ (Alma 26:37).

Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen. Auch von Petrus lesen wir eine ähnliche Aussage: Einem Juden war es nicht erlaubt mit einem Nichtjuden zu verkehren, oder sein Haus zu betreten. Doch Petrus wurde in Joppe in einer Vision eines Besseren belehrt. In einer Schale wurden ihm aus dem Himmel diverse unreine Tiere zum Essen dargeboten. Er wollte nicht zugreifen, aber es wurde ihm gesagt: „… Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!“ (Apostelgeschichte 10:15). Es ging um den Taufwunsch des Hauptmanns Kornelius, und seines Gefolges, die Heiden waren. Petrus hatte durch die Vision erkannt: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, 35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apostelgeschichte 10:34-35).

Wie wunderbar, dass der Herr kein Anseher der Person ist, wo es uns Menschen untereinander doch schwerfällt, kein Anseher der Person zu sein. Den Richtern in den Ortschaften hat Gott geboten: „… Du sollst kein Ansehen der Person kennen …“ (Deuteronomium 16:19). An die in der Zerstreuung lebenden zwölf Stämme richtet Jakobus folgende Anweisung: „Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person.“ (Jakobus 2:1) und gibt in den nächsten Versen ein Beispiel (Jakobus 2:2-4) und sagt uns dann noch, dass solch ein Verhalten eine Sünde sei (Jakobus 2:9). Wie leicht bin ich doch geneigt, Abstand von einem Menschen zu nehmen, der in die Sonntagsversammlungen kommt und nach Alkohol oder Zigaretten riecht, oder nicht nach meinem Geschmack gekleidet erscheint, oder anders aussieht als ich es gewohnt bin … Ich muss an mir arbeiten, ein solches Verhalten abzulegen, denn wir alle sind Gottes Kinder und ich rieche vielleicht nicht nach Zigaretten, aber habe u. U. ein geistiges Problem, das nicht von außen sichtbar ist, aber der Herr auf jeden Fall sieht. Soll er mich deshalb auch verabscheuen? Ich weiß, der Herr lädt alle ein „… zu ihm zu kommen und an seiner Güte teilzuhaben; und er weist niemanden ab, der zu ihm kommt, schwarz und weiß, geknechtet und frei, männlich und weiblich; und er gedenkt der Heiden; und alle sind vor Gott gleich, die Juden ebenso wie die Andern. (2. Nephi 26:33). Wie machst du dich frei vom Ansehen der Person?

Illustration: Jesus Christus hilft einem jungen Mann, der auf einem Baum hocktChristus hielt nach denen Ausschau, die abgelehnt und ausgestoßen waren – die anders zu sein schienen.
(Bild: Quelle)

Das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist

Am Schluss seiner Reflexion, ihres Missionswerkes unter den Lamaniten, hält Ammon fest: „Nun, wenn dies Prahlen ist, so will ich prahlen; denn dies ist mein Leben und mein Licht, meine Freude und meine Errettung und meine Erlösung von immerwährendem Weh. Ja, gesegnet ist der Name meines Gottes, der dieses Volkes gedacht hat, das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist; ja, ich sage, gesegnet sei der Name meines Gottes, der unser gedacht hat—Wanderer in einem fremden Land.“ (Alma 26:36).

Das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist. Um diese Aussage zu verstehen, müssen wir wissen, dass der Herr Israel mit einem Ölbaum (eine wichtige Ressource für die Landwirtschaft in den Ländern der Bibel) vergleicht (1. Nephi 10:12), der von einem Mann in seinem Weingarten (Symbol für ein Feld geistiger Arbeit) gepflegt wird (Jakob 5:3). Lehi, seine Familie und einige andere wurden um 600 v. Chr. vom Herrn aufgefordert Jerusalem zu verlassen und in ein verheißenes Land zu ziehen, da sie in ihrer Heimat sonst mit den anderen vernichtet werden würden (1. Nephi 1:4; Helaman 8:21). So sind sie als Zweig des Hauses Israel in einem anderen Teil des Weingartens des Herrn, in einem ihnen verheißenen Land auf der westlichen Erdhälfte, eingepflanzt worden und gediehen (1. Nephi 18:8,22-23,25), bis aufgrund Ungehorsams der älteren Brüder Nephis und deren Anhänger, Nephi vom Herrn angewiesen wurde, sich von dem Volk seiner Brüder zu trennen (2. Nephi 5:1-5). Die so entstanden Lamaniten lebten im Land Lehi-Nephi, während der Stamm, das Volk Nephi, in das nördlich gelegene Land floh und sich dort niederließ und ausbreitete. Durch das Missionswerk von Alma dem Jüngeren und den Söhnen Mosias, mit einigen weiteren Mitarbeitern, wurde ein Teil dieses abgebrochenen Zweiges im Land Lehi-Nephi, wieder in den Stamm eingepfropft und gedieh nun wieder wunderbar und brachte gute Frucht, gute Werke, hervor.

Betrachtet man die Ausbreitung des Menschen (Homo sapiens) über die gesamte Erde, nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis begann diese vor ca. 50.000 Jahren von Afrika aus (siehe hier), so ist gut zu erkennen, was mit dem Gleichnis von den edlen und wilden Ölbäumen (Sinnbild für Israel und die restlichen Völker), vom Propheten Zenos, wiedergegeben im fünften Kapitel des Buches Jakob, beschrieben wird. Über die gesamte Geschichte Israels wird das Volk, aufgrund seines Verhaltens Gott gegenüber, immer wieder in alle Welt zerstreut, aber auch wieder zusammengeführt werden. Von den anderen Völkern werden Gruppen durch Umkehr und Taufe eingebürgert. Der Herr hat auch in heutiger Zeit zum letzten Mal, wie von Zenos vorhergesagt (Jakob 6:2), Arbeiter in seinen Weinberg geschickt (Lehre und Bündnisse 43:28) um den Menschen Umkehr zuzurufen (Lehre und Bündnisse 43:20). Diese Arbeit soll dazu führen, dass Israel wieder ein geeintes Volk Gottes wird, inklusive der Völker, die durch Umkehr und Taufe aufgenommen, eingepfropft, worden sind (Lehre und Bündnisse 110:11). Welchen Beitrag leistest du in dieser letzten großen Anstrengung im Weingarten des Herrn, ein Volk Gottes, das Haus Israel, zu bilden?

(Bild: Quelle Infografik Die Welt)