Lass dich davon in Demut hinabführen bis in den Staub

Alma der Jüngere zu Korinaton: „O mein Sohn, ich wünsche, du würdest die Gerechtigkeit Gottes nicht länger leugnen. Unterfange dich nicht, dich deiner Sünden wegen im geringsten zu entschuldigen, indem du die Gerechtigkeit Gottes leugnest; sondern lass du die Gerechtigkeit Gottes und seine Barmherzigkeit und seine Langmut vollen Einfluss auf dein Herz haben; und lass dich davon in Demut hinabführen bis in den Staub.“ (Alma 42:30).

Lass dich davon in Demut hinabführen bis in den Staub. Was habe ich darunter zu verstehen? Wenn jemand erhobenen Hauptes dasteht, kann es sein, dass er als stolz empfunden wird. Wenn dieser nun von einer über ihm stehenden Person dazu gebracht wird, sich zu beugen, wird er sich gedemütigt fühlen. Wenn dieses Beugen nun bis in den Erdboden hinab erzwungen wird, dann kommt das einer Zerstörung gleich, er wird sich `am Boden zerstört´ fühlen. `Bis in den Staub hinabgeführt´ versinnbildlicht, dass ich erniedrigt wurde, evtl. von meinem `hohen Ross heruntergeholt wurde´.

Wenn ich gesündigt habe, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als mich vor den Betroffenen zu demütigen, will ich nicht die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Das bedeutet, dass ich nicht erhobenen Hauptes sagen kann, es gibt ja noch die Barmherzigkeit. Für den Fall, dass ich keine Umkehr üben würde, kann die Barmherzigkeit nicht greifen, sondern die Gerechtigkeit fordert das ihre. Übe ich jedoch umfassende Umkehr – erkennen gesündigt zu haben, Bekennen und Vergebung erbitten vor allen Beteiligten, soweit möglich Wiedergutmachen und nicht wieder tun – dann gibt es da einen, der für mein Vergehen gesühnt hat, was dazu führt, dass Barmherzigkeit die Gerechtigkeit befriedigt (Alma 42:15). Was ich dabei noch zu berücksichtigen habe: den Tag meiner Umkehr nicht aufzuschieben (Alma 34:33). Wenn ich das aufrichtig tue, dann habe ich mich `in Demut bis in den Staub´ hinabführen lassen´. Wie lässt du dich `in Demut bis in den Staub hinabführen´?

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Wenn er den Wunsch gehabt hat, Böses zu tun

Alma der Jüngere hatte seinem Sohn erklärt, dass jeder, der will, vom Wasser des Lebens genießen kann, und dass einem jeden „… gemäß seinen Taten wiederhergestellt werden“ wird (Alma 42:27). Er führt weiter aus: „Wenn er den Wunsch gehabt hat, Böses zu tun, und in seinen Tagen nicht umgekehrt ist, siehe, so wird ihm Böses getan werden, gemäß der Wiederherstellung durch Gott.“ (Alma 42:28).

Wenn er den Wunsch gehabt hat, Böses zu tun. Böses ist der Inbegriff des moralisch Falschen. Es ist die Kraft, die zu moralisch falschem Handeln antreibt, und kann als Quelle des Übels angesehen werden. Böses Tun beinhaltet unangenehmes bzw. schädigendes Verhalten. Ein Verhalten, dessen Absicht eigenwillig und gegen den Willen anderer gerichtet ist, oder diesen nicht berücksichtigt. Im religiösen Kontext wird sündhaftes Verhalten als Böse verstanden.

In der Schrift wird uns erklärt, dass diejenigen, die Böses tun, „… Kinder des Reiches des Teufels sind …“ (Alma 5:18,25; siehe auch Einleitung zu Kapitel 5). Wie in den Herzen der Menschen Lust wächst Böses zu tun, erklärt uns Kohelet in seinen Betrachtungen über einige der grundlegendsten Probleme des Lebens folgendermaßen: „Wo keine Strafe verhängt wurde, ist die Bosheit schnell am Werk. Deshalb wächst im Herzen der Menschen die Lust, Böses zu tun.“ (Prediger 8:11). Später erklärt er uns auch noch: „Wer stets darauf aus ist, Böses zu tun, den nennt man einen Ränkeschmied.“ (Ränkeschmied ist eine Person, die Intrigen plant und ausführt; Prediger 24:8). In Bezug auf den wahren Gottesdienst fordert uns Jesaja auf: „… Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun!“ (Jesaja 1:16). Dieser Aufforderung will ich sehr gerne folgen, denn „… schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht.“ (Alma 41:10), und ich strebe danach, glücklich sein zu dürfen. Wie sagte schon der römische Philosoph Seneca: „Wir alle streben nach Glück und einem erfüllten Leben.“ Wie reagierst du, wenn sich in dir der Wunsch regt, jemandem `Böses zu tun´?

Der wichtigste Faktor zum Glücklichsein ist ein gutes soziales Umfeld.
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Darum, o mein Sohn, kann jeder, der kommen will, … uneingeschränkt von den Wassern des Lebens nehmen

Nachdem Alma der Jüngere seinem Sohn erklärt hatte, dass Gerechtigkeit nicht durch Barmherzigkeit außer Kraft gesetzt werden kann, wenn deren Bedingungen nicht erfüllt wurden, und klar gemacht hatte, dass Gott seine ewigen Absichten zustande bringen würde, sagt er weiter: „Darum, o mein Sohn, kann jeder, der kommen will, kommen und uneingeschränkt von den Wassern des Lebens nehmen; und jeder, der nicht kommen will, der ist nicht gezwungen zu kommen; aber am letzten Tag wird ihm gemäß seinen Taten wiederhergestellt werden.“ (Alma 42:27).

Darum, …, kann jeder, der kommen will, … uneingeschränkt von den Wassern des Lebens nehmen. Bei `Wasser des Lebens´, welche Begebenheit aus dem Neuen Testament fällt dir dazu ein? In der gesamten Bibel (Einheitsübersetzung von 2016) wird `das Wasser des Lebens´ an vier Stellen erwähnt, und zwar in der Offenbarung des Johannes. Einmal als es um die Auserwählten aus allen Völkern geht: Das Lamm, ihr Hirte, „… wird sie zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens entspringt.“ (Offenbarung 7:17). Zum Zweiten, als es um das Wohnen Gottes unter den Menschen geht, sagte Alpha und Omega zu Johannes: „… Wer durstig ist, den werde ich unentgeltlich aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt.“ (Offenbarung 21:6). Zum Dritten, als es um die neue Welt Gottes geht, zeigte einer der sieben Engel dem Johannes „… einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus.“ (Offenbarung 22:1). Zum vierten Mal, als der Geist dem Johannes sagt: „… Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfange unentgeltlich das Wasser des Lebens!“ (Offenbarung 22:17).

Wie bei Alma, beinhaltet auch die letzte Aussage in der Offenbarung das `will´. Wer etwas will, der hat sich für etwas entschieden, bzw. hat den Vorsatz etwas zu tun, um etwas zu erlangen oder zu erreichen. Der Herr stellt uns frei, ob wir „… uneingeschränkt von den Wassern des Lebens nehmen …“ – und das auch noch „… unentgeltlich …“ – oder eben nicht. Er zwingt niemanden vom `Wasser des Lebens´ zu trinken, sein Evangelium anzunehmen. Er hat uns die Freiheit gegeben, selbst zu handeln. Allerdings kommen wir nicht umhin, auch die Folgen unseres Handelns zu tragen, seien sie positiv oder aber negativ (Helaman 14:30). Er überlässt es uns, „… Freiheit und ewiges Leben …“, oder „… Gefangenschaft und Tod zu wählen …“ (2. Nephi 2:27). Gerne komme ich und nehme uneingeschränkt von den Wassern des Lebens, die ins ewige Leben fließen (Johannes 4:14) und versuche mein Leben nach besten Kräften daran auszurichten. Wie sieht dein Wollen in Bezug auf dieses Wasser aus?

Christ in white robes, sitting on the edge of a stone well, talking to a woman who sits on the ground next to a water jug, listening to His words.Auf der Reise durch Samarien erklärt der Erlöser einer Frau am Jakobsbrunnen, dass er das „lebendige Wasser“ ist.
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So wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet

Nachdem Alma der Jüngere seinem Sohn Korianton klar gemacht hat, dass es Gesetze, und Strafen für deren Verletzung, geben muss, und wie Barmherzigkeit, die unter der Voraussetzung der Umkehr, zustande kommt und es aufgrund des Sühnopfers eine Auferstehung geben wird, die den Menschen vor den ewigen Richter bringen wird (Alma 42:21-23), erklärt er: „Denn siehe, die Gerechtigkeit macht alle ihre Forderungen geltend, und die Barmherzigkeit beansprucht auch all das Ihre; und so wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet.“ (Alma 42: 24).

So wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet. Was bedeutet es, `wahrhaft reumütig´ zu sein? Zunächst muss einem überhaupt erst mal bewusst werden, dass man ein göttliches Gesetz missachtet oder übertreten hat. Das muss einem dann leidtun und man muss den Wunsch haben, seine Fehlhandlung bei den Betroffenen, inklusive dem Vater im Himmel, zu bekennen und sich bei ihnen dafür zu entschuldigen. Dort wo es möglich ist, muss man dann auch für Wiedergutmachung sorgen. Dann muss man den festen Wunsch entwickeln, dieses Fehlverhalten nicht zu wiederholen.

Das bedeutet für mich, dass ich mich demütigen muss, um mein Fehlverhalten einzusehen. Ich muss `zerknirscht´, meiner Schuld, meines Versagens bewusst und daher niedergeschlagen sein – reumütig, für den Willen Gottes empfänglich, denn der `zerknirschte´ wird durch ihn wiederbelebt (Jesaja 57:15 in der King James Version, weil dort explizit von Zerknirschten die Rede ist, in der Einheitsübersetzung heißt es stattdessen `zerschlagenen´), denn er hat sein Leben gelassen, „… damit dem zerknirschten Herzen die Sünden vergeben werden.“ (Lehre und Bündnisse 21:9). Ein weiterer großer Segen, der mich dann erwartet: Sein Geist wird mich führen und leiten – erleuchten (Lehre und Bündnisse 136:33). Je schwerwiegender eine Übertretung war, umso schwerer ist es mir gefallen `wahrhaft reumütig´ zu sein. Ich habe mich einfach zu sehr geschämt und Scheu davor gehabt, mein Fehlverhalten vor den Betroffenen zuzugeben. Hatte ich mich dann aber überwunden, weil der innere Leidensdruck, ausgelöst durch mein Gewissen (Alma 42:18) – dem Geist Christi, der allen gegeben ist (Moroni 7:16) – fühlte ich mich endlich wieder frei! Denn: Aufgrund der Vergebung, durch das Sühnopfer Jesu ermöglicht, war nun mein Gewissen wieder frei von Schuld. Welche Erfahrungen hast du in dieser Hinsicht des `Zerknirscht seins´ schon gemacht?

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Wenn kein Gesetz gegen Sünde gegeben worden wäre

Alma der Jüngere erklärt seinem Sohn Korianton: „Und weiter, wenn kein Gesetz gegen Sünde gegeben worden wäre, so würden sich die Menschen nicht fürchten zu sündigen.“ (Alma 42:20).

Wenn kein Gesetz gegen Sünde gegeben worden wäre. Was wäre, wenn es in der Gesellschaft keine Regeln bezüglich des Miteinanders geben würde? Jeder würde das Gesetz für sich selber aufstellen und für dessen Einhaltung in Eigenregie sorgen. Wir hätten Zustände wie im `Wilden Westen´: Es setzt sich der Stärkere mit seinem Gesetz durch. Wo Menschen zusammenleben, muss dieses auch gesetzlich geregelt werden und die Einhaltung muss überprüft werden. Es muss auch festgelegt werden, welche Folgen eine Gesetzesmissachtung oder -übertretung nach sich zieht. Würden keine Strafen festgelegt, gäbe es keine Hemmschwelle. Ist die Hemmschwelle zu niedrig, nützt es auch nichts.

Schon Adam und Eva hatte der Herr Gesetze gegeben mit Angabe der Konsequenzen bei Nichteinhaltung. Im Garten von Eden sagte der Herr zu ihnen: „… doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.“ (Genesis 2:17). Nach der Vertreibung aus dem Garten von Eden gab der Herr ihnen weitere Gebote (Köstliche Perle Mose 5:5). Hier gab er aber noch keine weiteren Erklärungen ab. Adam und Eva hielten sich dessen ungeachtet daran. Erst nach Erprobung ihrer Glaubenstreue erhielt Adam weitere Erläuterungen durch einen Engel (Köstliche Perle Mose 5:6-8). Ich lerne daraus, dass wir Menschen geneigt sind, unseren eigenen Vorteil zu suchen. Wenn es mir vermeintliche Vorteile bringt, eine Vorgabe der Straßenverkehrsverordnung zu missachten, so werde ich dies in der Hoffnung des Nichterwischtwerdens tun, anderenfalls die festgesetzte Strafe in Kauf nehmen. Bei Übertretung von göttlichem Gesetz weiß ich aber, dass ich auf jeden Fall eines Tages mein eigener Richter sein werde und um die gerechte Strafe nicht umhinkommen werde. Besser ist es aber, die Gesetze Gottes aus dem Wissen heraus zu halten, dass sie uns freimachen (Jakobus 1:25; Lehre und Bündnisse 98:8). Denk dran: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“. Aus welcher Motivation heraus hältst du Gesetze?

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Nun ist eine Strafe festgesetzt

Alma erläutert seinem Sohn Korianton: „Nun ist eine Strafe festgesetzt und ein gerechtes Gesetz gegeben, das dem Menschen Gewissensqual bereitet.“ (Alma 42:18).

Nun ist eine Strafe festgesetzt. Wie wir aus dem gestrigen Blogbeitrag wissen, kann es eine Strafe nur geben, wenn zuerst ein Gesetz erlassen und dieses dann übertreten wurde. Wenn ein Gesetz erlassen wird, wird auch festgelegt, welche Folgen eine Missachtung bzw. Übertretung nach sich ziehen.

Wenn ich in die Versuchung komme, ein Gesetz zu übertreten, denke ich sicherlich auch an die Folgen. Meistens versucht mir Satan weiszumachen, dass die vermeintliche Freude gegenüber der Strafe überwiegt. Bei meiner Entscheidung hilft mir mein inneres Gespür für richtig oder falsch. Dieses Gespür nennt man Gewissen und rührt vom `Licht Christi´ her, welches jedem Menschen gegeben ist (Moroni 7:16,18). Dieses Licht macht uns Menschen zu verantwortlichen Wesen. Ist es dir schon mal passiert, dass dieses Gespür gegenüber den Einflüsterungen Satans unterlegen war? Das passiert dadurch, dass wir es durch mehrfache Übertretung abstumpfen. Insbesondere, wenn die Strafe nicht auf dem Fuße folgt. Ich denke da an den Missbrauch abhängig machender Substanzen, wie z. B. Tabakkonsum. Die gesundheitlichen Folgen kommen irgendwann, auf jeden Fall liegen sie gefühlsmäßig ja noch so weit in der Ferne. Auf keinen Fall können wir uns herausreden, wir sind „… genügend unterwiesen, um Gut von Böse zu unterscheiden. …“ (2. Nephi 2:5). Wie schön, wenn mir mein Gewissen innere Ruhe verschafft, denn dann weiß ich, dass ich mich richtig entschieden habe. Nicht umsonst sagt eine Redensart: „Ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.“ Wie ergeht es dir bei Entscheidungen zwischen Gut und Böse?

Das Kissen als ein schönes und zugleich gemütliches Wohnaccessoire.(Bild: Quelle)

Wie kann er sündigen, wenn es kein Gesetz gibt?

Alma der Jüngere zu seinem Sohn Korianton: „Wie aber kann der Mensch umkehren, wenn er nicht sündigt? Wie kann er sündigen, wenn es kein Gesetz gibt? Wie kann es ein Gesetz geben, wenn es keine Strafe gibt?“ (Alma 42:17).

Wie kann er sündigen, wenn es kein Gesetz gibt? Dir ist sicherlich schon mal das Gesetzlichkeitsprinzip im Strafrecht zu Ohren gekommen, die lateinische Kurzformel: nullum crimen, nulla poena sine lege („kein Verbrechen, keine Strafe ohne Gesetz“). Nein? Na dann aber dieser Aphorismus: „Wo kein Gesetz, da keine Strafe.“ In einem Rechtsstaat ergeben sich daraus Garantiefunktionen des Strafgesetzes. Danach ist Verbrechen (crimen) nur das, was der Gesetzgeber als Straftat erklärt hat. So wird die Strafbarkeit einer Handlung nur durch ein formelles Gesetz begründet. Im Strafgesetzbuch heißt es daher im Paragrafen 1: Keine Strafe ohne Gesetz. Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde (siehe hier).

Offensichtlich hat die Welt ihr Vorbild auch in diesem Punkt in dem Wort Gottes gefunden. Als der jüngere Bruder Nephis, Jakob, dem Volk Nephis die jüdische Geschichte beschreibt, und ihnen dessen Bündnisse mit dem Herrn bekannt macht, und Jesaja zitiert hatte, spricht er auch über den Fall, den Tod, das unbegrenzte Sühnopfer, die Barmherzigkeit und Gnade Gottes, die Umkehr und die Auferstehung. Dann spricht er darüber, dass der Mensch umkehren und bis ans Ende ausharren muss, andernfalls würde er verdammt werden und dass der Herr aus diesem Grund ein Gesetz gegeben hat (2. Nephi 9). Und dann kommt die Aussage: „… wo kein Gesetz gegeben ist, da gibt es keine Strafe; und wo es keine Strafe gibt, da gibt es keinen Schuldspruch; …“ (2. Nephi 9:25). Auch der Apostel Paulus hat diesen Grundsatz all den von Gott geliebten Römern schriftlich zukommen lassen: „… wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.“ (Römer 4:15). Joseph Smith, der Prophet der Wiederherstellung lehrte in diesem Zusammenhang: „Wer ohne Gesetz gelebt hat, wird ohne Gesetz gerichtet werden, und wer ein Gesetz gehabt hat, wird nach diesem Gesetz gerichtet werden.“ (siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, 2011: „Erlösung für die Toten“). Diejenigen, die das Evangelium von Jesus Christus haben, haben auch das Gesetz Gottes, nach dem sie gemäß ihren Taten gerichtet werden. Nachdem ich weiß, dass ich immer wieder gegen Gesetze des Herrn verstoße, weiß ich auch, dass ich Umkehr üben muss. Nur dann kann ich der Barmherzigkeit des Herrn teilhaftig werden (2. Nephi 2:8). Was sind deine Gedanken in Bezug auf die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes?

Scales showing justice and mercy(Bild: Quelle)

Um den Plan der Barmherzigkeit zuwege zu bringen, … Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen

Alma der Jüngere erklärt seinem Sohn Korianton weiter: „Und nun konnte der Plan der Barmherzigkeit nicht zuwege gebracht werden, wenn nicht ein Sühnopfer gebracht wurde; darum sühnt Gott selbst für die Sünden der Welt, um den Plan der Barmherzigkeit zuwege zu bringen, um die Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen, auf dass Gott ein vollkommener, gerechter Gott sei, und auch ein barmherziger Gott.“ (Alma 42:15).

Um den Plan der Barmherzigkeit zuwege zu bringen, … Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen. Die Gerechtigkeit erforderte aufgrund der Übertretung des Gesetzes Gottes, nicht von der Frucht des Baumes des Lebens zu essen, sowohl Adams und Evas körperlichen Tod (Köstliche Perle Mose 6:48), als auch die Trennung des Menschen von Gott (Alma 42:14), den geistigen Tod (Lehre und Bündnisse 29:41). „Und nun gab es kein Mittel, um die Menschen aus diesem gefallenen Zustand zurückzuholen …“ (Alma 42:12). Dennoch wollte Gott dem Menschen die Möglichkeit ewigen Lebens in seiner Gegenwart eröffnen. Dies gelingt durch den Plan der Erlösung, durch den die Barmherzigkeit die Forderungen der Gerechtigkeit erfüllt (Alma 34:16).

„Ich meine nicht, dass alle, die den verkehrten Weg wählen, zugrunde gehn. Aber ihre Rettung besteht darin, sie auf den rechten Weg zurückzubringen. Eine falsche Summe kann berichtigt werden, doch nur dadurch, dass wir zurückgehn, bis wir den Irrtum finden, und von diesem Punkt an von neuem addieren, nicht aber dadurch, dass wir einfach damit fortfahren. Böses kann rückgängig gemacht werden, aber es kann sich nicht zum Guten ‚entwickeln‘. Die Zeit heilt nicht. Der Zauber muss entzaubert werden.“ (C. S. Lewis, Die große Scheidung, 2008, Johannes Verlag, Einsiedeln, Freiburg, Seite 8). Die Gerechtigkeit Gottes fordert ihren Tod. Die Barmherzigkeit Gottes wird dadurch die Gerechtigkeit befriedigen, dass Jesus Christus stellvertretend für alle Menschen das Sühnopfer erbringt (2. Nephi 2:7). Alle Menschen können in den Genuss der Barmherzigkeit Gottes dadurch kommen, dass sie das Evangelium, welches Jesus Christus gebracht hat, annehmen und nach dessen Grundsätzen leben (Lehre und Bündnisse 39:6; 76:40-43). Dazu gehört auf jeden Fall: Glaube an den Herrn Jesus Christus, Umkehr von seinen Sünden, die Neugeburt durch die Taufe mit Wasser und die Gabe des Heiligen Geistes sowie das Ausharren im Glauben, Dienen und Gehorsam bis an das Ende des irdischen Lebens (2. Nephi 9:23-24). Welche Gedanken hast du zu Gerechtigkeit und Barmherzigkeit des Herrn? Mehr zu diesem Thema kannst du hier nachlesen.

Eine falsche Summe kann berichtigt werden
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Gäbe es nicht den Plan der Erlösung

Alma der Jüngere klärt seinen Sohn Korianton über den Zustand der Menschheit nach dem Fall Adams und Evas auf: „Und nun denke daran, mein Sohn, gäbe es nicht den Plan der Erlösung (würde er abgeschafft), so wäre, sobald sie tot waren, ihre Seele elend gewesen, denn sie wäre von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten.“ (Alma 42:11).

Gäbe es nicht den Plan der Erlösung. Was wäre dann? Zur Beantwortung dieser Frage wenden wir uns den Ereignissen im Garten Eden zu. Adam und Eva haben das Gebot des Herrn übertreten, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen mit der Folge, dass sie sterblich wurden (Genesis 2:16-17). Worin bestand ihre Sterblichkeit? Ihr Körper, in dem ihr Geist wohnte, würde wieder zu dem zerfallen, aus dem er gemacht war, Staub (Genesis 3:19). Was würde mit dem Geist passieren? Er könnte nicht zu seinem Erzeuger zurückkehren, sondern müsste „… dem Engel untertan werden, der von der Gegenwart des Ewigen Gottes gefallen und zum Teufel geworden ist, um sich nie wieder zu erheben.“ (2. Nephi 9:8). Er würde dem Teufel gleich werden und wäre für immer aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen (2. Nephi 9:9). Das wäre der geistige Tod.

Doch unser gütiger himmlischer Vater hat aus Liebe zu uns einen Plan entworfen, der uns aus diesem gefallenen Zustand retten würde (2. Nephi 9:10). Dieser Plan ist `der Plan der Erlösung´. Er umfasst die Fülle des Evangeliums von Jesus Christus und ermöglich uns, Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erlangen. Was müssen wir tun, um die Früchte dieses Planes zu genießen? Wir müssen „… von neuem in das Himmelreich geboren werden, …“ (Köstliche Perle Mose 6:59). Wie dies geschieht, beantwortete Petrus seinen Fragestellern so: „… Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apostelgeschichte 2:38). Gleiches gilt allen Menschen. Nach unserer Taufe durch Untertauchen von einem bevollmächtigten Diener des Herrn, müssen wir auch an der Lehre festhalten, ebenso „… an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (Apostelgeschichte 2:42). Wunderbar, dass es diesen Plan der Erlösung gibt. Was unternimmst du, um nicht „… von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten …“ zu sein?

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Da sie nun ihrer Natur nach fleischlich, sinnlich und teuflisch geworden waren

Alma der Jüngere erklärt seinem Sohn Korianton weiter: „Da sie nun ihrer Natur nach fleischlich, sinnlich und teuflisch geworden waren, wurde dieser Bewährungszustand für sie zu einem Zustand, sich vorzubereiten; er wurde zu einem vorbereitenden Zustand.“ (Alma 42:10).

Da sie nun ihrer Natur nach fleischlich, sinnlich und teuflisch geworden waren. Was bedeutet das?

  1. Ihrer Natur nach
    Durch den Fall Adams und Evas ist der Mensch jemand geworden, dem es nicht leicht fällt, das anzunehmen, was vom Geist Gottes kommt, da er nicht mehr in der Gegenwart Gottes lebt. Er wurde ein `natürlicher Mensch´ (1. Korinther 2:14). Als solcher ist er sogar ein Feind Gottes geworden (Mosia 3:19).
  2. Fleischlich
    Durch den Fall Adams und Evas wurde der Mensch sterblich und somit fleischlich, weltlich. Er ist von sich aus nicht mehr geistig gesinnt. Er geht auf den Wegen der Sünde und Auflehnung gegen Gott (Mosia 16:5).
  3. Sinnlich
    Jemand der eine Vorliebe für oder ein Verlangen nach unrechter körperlicher Lust hat, und seinen fleischlichen Begierden nachgeht, ist sinnlich (1. Johannes 2:16).
  4. Teuflisch
    Jemand, über den der Teufel Macht hat, ist teuflisch (Mosia 16:3).

Allerdings müssen wir nicht in diesem natürlichen Zustand verweilen. Der Plan des Glücklichseins hat vorgesehen, dass wir uns aus diesem Zustand lösen, indem wir unseren `Bewährungszustand´ hier auf Erden nutzen, um `aus Gott geboren´, und seine Söhne und Töchter zu werden (Mosia 27:25). Ich bin unendlich dankbar, dass der Herr uns Möglichkeiten eröffnet unseren `natürlichen Menschen´ dadurch abzulegen, dass wir den `Einflüsterungen des Heiligen Geistes´ nachgeben und das Sühnopfer von Jesus Christus annehmen (Mosia 3:19). Was unternimmst du, um den `natürlichen Menschen´ abzulegen?

A painting by Joseph Brickey of Adam and Eve walking together down a path bordered by green trees and bushes.Adam und Eva werden aus dem Garten Eden vertrieben
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