Gib dem, der dich bittet



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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Gib dem, der dich bittet, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab.“ (3. Nephi 12:42).

Gib dem, der dich bittet. Diese Aussage spricht jene an, die genügend zum Leben und darüber hinaus haben und auf der anderen Seite diejenigen, die bedürftig sind – und ich gehe davon aus, nicht weil sie zu faul sind für ihren Unterhalt zu sorgen, sondern weil sie z.¨B. unverschuldet in Not geraten sind, sie haben ihren Arbeitsplatz verloren, konnten nicht mehr ihre Miete zahlen, die Familie ist aufgrund dieser Probleme auseinandergefallen, kein Dach mehr über dem Kopf, und dann sitzt dieser arme Mensch auf der Straße und hält die Hand auf. Es gibt unzählige Notfälle in meiner Umgebung, auf unserer Welt.

Ich treffe auf ihn – was mache ich? Der Herr gibt mir eine klare Ansage: „Gib dem, der dich bittet.“ Und dann gibt es denjenigen, der kurzfristig einen finanziellen Engpass hat und ich bin derjenige, der genügend hat. Er bittet mich um eine Überbrückung – was mache ich? Der Herr gibt mir die Antwort: „Wende dich nicht ab“. Im Buch Mormon gibt es an anderer Stelle eine ausführliche Anleitung für solche Fälle. Ich muss zunächst davon ausgehen, dass das, was ich `besitze´, gar nicht mein Besitz ist. Ein Anderer hat es mir für eine bestimmte Zeit `geliehen´, mir anvertraut, mich als `Verwalter´ seines Besitzes eingesetzt und mir den Auftrag gegeben, damit nutzbringend umzugehen (Matthäus 25:14-30). Bittet mich nun jemand, der unverschuldet in Not geriet, so bin ich verpflichtet mit dem Besitz des Herrn, den ich verwalte, Hilfe zu leisten. So wie weltliche Gesetze `Unterlassene Hilfeleistung´ unter Strafe stellen (StGB § 323c), stellt sie der Herr ebenso unter Strafe (Mosia 4:22-26). Nachdem ich meinen nächsten Verwandten Hilfe geleistet habe, lasse ich mittels Spenden an die Kirche den Bedürftigen der Welt meinen Teil an Hilfe zukommen, entsprechend meiner Möglichkeiten (siehe hier).

Inwiefern folgst du der Einladung Jesu, den Bedürftigen zu helfen?



Auge um Auge und Zahn um Zahn

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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Und siehe, es steht geschrieben: Auge um Auge und Zahn um Zahn; 39  aber ich sage euch, daß ihr euch Bösem nicht widersetzen sollt; sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm die andere auch hin; 40  und wenn dich einer vor Gericht verklagen und dir den Rock nehmen will, so laß ihm auch deinen Mantel; 41  und wenn dich jemand nötigt, eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei.“ (3. Nephi 12:38-41).

Auge um Auge und Zahn um Zahn. Diese aus dem mosaischen Gesetz stammende Aussage (Exodus 21:23-25) – im Rahmen einer langen Aufzählung von Schadensregulierungen gegeben, mit der Absicht, Rache nur auf eine Person zu beschränken und nicht die Familie mit hineinzuziehen –, ist im Deutschen als Redewendung sehr populär. Meist im negativen Sinn gebraucht, soll sie zum Ausdruck bringen, dass ich Rache üben will: „Wie du mir, so ich dir.“ Im Neuen Testament (Matthäus 5:38-41) lautet das Zitat genauso wie im Buch Mormon.

Jesus Christus hebt nun einen anderen Aspekt dieses Wortes hervor. `Wie du mir, so ich dir´ führt meines Erachtens in eine Endlosspirale der gegenseitigen Vernichtung entgegen. Diese gilt es zu durchbrechen. Einer der Beteiligten muss damit aufhören. Wie heißt ein anderes Sprichwort? „Der Klügere gibt nach“. Einige sind der Auffassung der Spruch bedeutet gleichzeitig: „Der Klügere gibt nach und der Stärkere gewinnt.“ Doch es gibt auch noch folgende Sichtweise: „Der Klügere gibt nach und findet einen intelligenten Weg.“ Auf diese Weise wird die Spirale unterbrochen, der Klügere gibt nicht nur einfach nach, sondern er findet auch einen besseren Weg zwischenmenschliche Probleme zu lösen. So ähnlich schlägt es uns Christus vor, wenn er sagt, dass wir uns dem Bösen nicht widersetzen sollen (siehe auch Lehre und Bündnisse 98:32-32).

Wie gehst du mit dem Wort „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ um?

Du sollst keinen Meineid schwören

Ablegung der Amtseides
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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Und weiter steht geschrieben: Du sollst keinen Meineid schwören, sondern sollst dem Herrn deine Eide halten; 34  aber wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35  noch bei der Erde, denn sie ist sein Fußschemel; 36  auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen; 37  sondern laßt eure Rede sein: Ja, ja; nein, nein; denn was auch immer darüber hinausgeht, ist böse.“(3. Nephi 12:33-37).

Du sollst keinen Meineid schwören. In der Einheitsübersetzung heißt es dann noch an dieser Stelle, dass man auch nicht bei Jerusalem schwören soll, „… denn es ist die Stadt des großen Königs!“ (Matthäus 5:35). Sowohl im Alten Testament ist Jerusalem `die heilige Stadt´ (Jesaja 52:1), als auch im Neuen (Matthäus 4:5). Es ist die Stadt, in der das `Haus des Herrn´ errichtet wurde und der Berg Zion. Dieser Boden ist selbstredend heiliger Boden.

Im Alten Testament waren Eide erlaubt und üblich (Numeri 30:3). Der auferstandene Christus lehrt nun allerdings, dass man im Namen Gottes oder seiner Schöpfung nicht schwören soll. Wir lesen auch einen Grund, weshalb wir beim Namen Gottes nicht falsch schwören sollen: Wir würden seinen Namen entweihen (Levitikus 19:12). Ich verstehe es so, dass wir Menschen uns zu leichtfertig hinreißen lassen, einen Eid zu leisten. Ein Eid ist eine persönliche Bekräftigung einer Aussage und wir sind verpflichtet die Wahrheit zu sagen. Würden wir nun einen `Meineid´ leisten, und wenn das dann noch beim Namen Gottes geschieht, würden wir ein `heiliges Versprechen´ durch den Schmutz ziehen, den Namen Gottes entweihen. Gott allerdings schließt seinerseits mit den Menschen heilige Verträge per Eid. Sie haben über dieses Erdenleben hinaus Gültigkeit, wenn wir uns an die Vereinbarungen halten (Lehre und Bündnisse 132:7).

Welche Einstellung hast du zum `Schwören´?

Wer auch immer seine Frau entlässt

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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Es steht geschrieben: Wer auch immer seine Frau entläßt, der soll ihr eine Scheidungsurkunde geben. 32  Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer auch immer seine Frau entläßt, außer wegen Unzucht, der bewirkt, daß sie Ehebruch begeht; und wer eine Geschiedene heiratet, der begeht Ehebruch.“ (3. Nephi 12:31-32).

Wer auch immer seine Frau entlässt. Gemeint ist natürlich `aus der Ehe entlässt´, wie es im Matthäus 5:31-32 beschrieben wird. Dieses aus der Ehe entlassen muss entsprechend begründet sein und soll dann auch formell in der richtigen Art und Weise mittels Scheidung geschehen.

Die Ehe ist von Gott verordnet (Lehre und Bündnisse 49:15) und grundsätzlich hat der Herr eine Trennung nicht vorgesehen gehabt. Aber aufgrund `Hartherzigkeit von Menschen´, hat er diesen Weg zugelassen, wie in Matthäus 19:3-12 von Jesus den Pharisäern erklärt. Die heiligen Schriften geben uns den Rat von Scheidung abzusehen, stattdessen sollen die Ehepartner einander in Rechtschaffenheit lieben (1. Korinther 7:10-12). Neuzeitliche Offenbarung lehrt uns, dass Eheleute aneinander, und `an niemandem und nichts sonst´, festhalten sollen (Lehre und Bündnisse 42:22). Dies beschreibt, dass nichts und niemand zwischen dem Paar stehen soll. Das kann so vielfältiger Art sein, wie z. B. dass eine Mutter ihre Kinder dem Ehemann vorzieht, oder der Ehemann seinen Beruf … .

Aber kannst du mir erklären, wie das gemeint ist, dass derjenige, der eine Geschiedene heiratet, Ehebruch begeht?

Du sollst nicht Ehebruch begehen

Julius Schnorr von Carolsfeld (1794 – 1872): Josephs Keuschheit und der Potiphar Untreue (Genesis 39,7-17). — 1860 
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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Siehe, von denen in alter Zeit ist geschrieben worden: Du sollst nicht Ehebruch begehen; 28  ich aber sage euch: Wer auch immer eine Frau ansieht, daß es ihn nach ihr gelüstet, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen. 29  Siehe, ich gebe euch das Gebot, nichts von diesen Dingen in euer Herz eindringen zu lassen; 30  denn es ist besser, daß ihr euch diese Dinge versagt, wodurch ihr euer Kreuz auf euch nehmt, als daß ihr in die Hölle geworfen werdet.“ (3. Nephi 12:27-30).

Du sollst nicht Ehebruch begehen. Hier haben wir es mit einer äußerst stringenten Aussage des Herrn zu tun. Ich weiß nicht, wie es anderen Männern geht, aber es fällt mir schon sehr schwer, eine für meinen Geschmack schöne Frau, keines Blickes zu würdigen. Aber es kommt dann darauf an, welche Gedanken ich in mir zulasse. Ich soll sie so im Griff haben, dass es mir nach ihr `nicht gelüstet´. Auch in neuzeitlicher Offenbarung spricht der Herr über diesen Punkt (Lehre und Bündnisse 59:6). In der Einheitsübersetzung sind noch ein paar weitergehende Beispiele angeführt, was ich eher tun sollte, als meinen Gelüsten nachzugeben (Matthäus 5:27-30).

Was ist nun unter `nach ihr gelüstet´ zu verstehen? Wenn ich z. B. eine schöne Pralinenauslage sehe, dann läuft mir `das Wasser im Mund zusammen´. Ich habe große Lust, großes Verlangen, mir eine solche Köstlichkeit zu gönnen. Dieses `Verlangen´ ist ja noch in Ordnung, aber wenn es sich dabei um den Besitz eines Anderen handelt, dann kann die Sache leicht außer Kontrolle geraten. Ich komme zu schnell an den Punkt, es mir einzuverleiben, obwohl es mir nicht gehört. Genauso verstehe ich das bei einer Frau. Solange sie mir nicht rechtmäßig angetraut ist, darf ich dieses `Verlangen´ in meinen Gedanken nicht aufkommen lassen – denn `aus Gedanken entsteht die Tat´. Gelingt mir dies, bedeutet es, dass ich `mein Kreuz auf mich genommen habe´, ich `verzichte auf Ungöttliches und entsage weltlicher Begierden´. Hier denke ich an ein großes Vorbild: Joseph, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkaufte Bruder, widersteht den Verführungskünsten der Frau des Potifar (Genesis 39:7-10).

In welchen Dingen musst du noch dein `Kreuz auf dich nehmen´?

Vertrage dich mit deinem Widersacher schnell

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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter: „Vertrage dich mit deinem Widersacher schnell, während du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit er dich nicht auf einmal ergreift und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26  Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Du wirst auf keine Weise von dort eher herauskommen, als bis du die allerletzte Senine bezahlt hast. Und während du im Gefängnis bist, kannst du auch nur eine Senine bezahlen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Nein.“ (3. Nephi 25-26).

Vertrage dich mit deinem Widersacher schnell. In der Einheitsübersetzung lautet der Text wieder ein klein wenig anders, wobei der Sinn derselbe bleibt: „Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. 26 Amen, ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.“ (Matthäus 5:25-26), außer, dass im Buch Mormon noch die Feststellung gemacht wird, dass wenn wir im Gefängnis verweilen, ja gar nicht in der Lage sein werden etwas für das Abtragen unserer Schuld tun zu können.

Hier fordert mich Jesus Christus auf, mit meinem Widersacher – Person, die als Gegner*in versucht, die Bestrebungen o. Ä. der anderen Person zu hintertreiben, ihr zu schaden – zu einer Einigung zu kommen, bevor die Angelegenheit vor Gericht ausgetragen werden muss. Sollte ich vor Gericht verurteilt werden, wird es mir umso schwerer fallen, meine Schuld gegenüber meinem Gegner zu begleichen. Im übertragenen Sinn verstehe ich das auch so, dass es mit einer Wiedergutmachung schlecht aussieht, wenn ich mit ihr solange warte, bis ich vor dem Richterstuhl des Herrn stehe. Dann werde ich nach dem Richterspruch nämlich keine Gelegenheit mehr dazu haben. Ich bin bemüht, mich mit einem möglichen Gegner so schnell es geht außergerichtlich zu einigen. Nach Möglichkeit lasse ich es gar nicht erst dazu kommen, dass ich einen Gegner habe, indem ich mich gegenüber Jedermann zumindest respektvoll verhalte.

Worauf lässt du es ankommen, bis du dich mit einem Gegner einigst?

Gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst

„Wenn wir wöchentlich am Abendmahl teilnehmen, können wir uns immer fragen: „Wie gut erfülle ich das, was ich bei meiner Taufe versprochen habe?“ (Schwester Oscarson; siehe Bildquelle)
(Bild: Quelle)

Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge: „Darum, wenn ihr zu mir kommt oder den Wunsch habt, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, daß dein Bruder etwas gegen dich hat — 24  so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mit voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.“ (3. Nephi 12:23-24).

Gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst. In der Einheitsübersetzung wurden diese beiden Verse ein wenig anders übersetzt: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe!“(Matthäuas 5:23-24). Die Bedeutung für uns heute ist aber keine andere. Die inspirierte Übersetzung der Bibel von Joseph Smith hat denselben Wortlaut wie er im Buch Mormon zu finden ist (Matthew 5:25-26). Wenn wir heute zum Tisch des Herrn gehen wollen, wollen wir ja auch eine Opfergabe darbringen, unser `reuiges Herz und unseren zerknirschten Geist´ (3. Nephi 9:20).

Christus fordert uns hier auf, bevor wir sogar nur den Wunsch haben zu ihm zu kommen, sollen wir zu unserem Nächsten gehen und uns mit unserem Nächsten versöhnen, wenn zwischen uns ungute Gefühle herrschen. Für mich bedeutet es z. B., wenn ich sonntags den Wunsch habe `zum Tisch des Herrn zu kommen´ – am Abendmahl teilzunehmen –, dann soll ich vorher überprüfen, ob ich zu keinem meiner Nächsten ungute Gefühle hege. Sollte es dennoch der Fall sein, soll ich mich noch vor dem Gottesdienst mit ihm ausgesprochen und versöhnt haben. Wir sollen einander unsere Fehlverhalten vergeben haben. Doch ich bin alleine für mich verantwortlich. Nimmt mein Gegenüber meinen guten Willen nicht an, ist das sein Problem, wenn ich mit aufrichtigem Herzen alles mir mögliche gebeterfüllt getan habe (Lukas 17:3), anderenfalls würde ich nicht schuldlos vor dem Herren stehen (Lehre und Bündnisse 82:1) und ich würde unwürdig am Abendmahl teilnehmen (3. Nephi 18:29). Das wäre zu meinem Schaden und dies versuche ich auf jeden Fall zu vermeiden.

Wie gehst du vor, wenn du zu Christus kommen willst, aber es in deinem Bauch rumort, weil du gegen irgendjemandem ungute Gefühle hast?

Ihr habt gehört, dass von denen in alter Zeit gesagt worden ist

(Bild: Quelle)

Nach den Seligpreisungen, die der Herr sowohl den Israeliten auf der westlichen Erdhälfte predigte, als auch hier auf dem amerikanischen Kontinent den Nephiten, erklärt er nun die volle Bedeutung des alten Gesetzes, das er nicht zerschlägt, sondern auf eine höhere Ebene hebt: „Ihr habt gehört, daß von denen in alter Zeit gesagt worden ist, und es steht auch vor euch geschrieben: Du sollst nicht töten, und wer auch immer tötet, dem droht das Strafgericht Gottes; 22  aber ich sage euch: Wer auch immer seinem Bruder zürnt, dem droht sein Strafgericht. Und wer auch immer Hohlkopf zu seinem Bruder sagt, dem droht der Rat; und wer auch immer sagt: Du Narr, dem droht das höllische Feuer.“ (3. Nephi 12:21-22).

Ihr habt gehört, dass von denen in alter Zeit gesagt worden ist. Diese höhere Ebene kann man auch als Teil des neuen Bundes betrachten, bei dem es nicht um die Ausführung des Buchstabens, sondern den Geist des Gesetzes geht (2. Korinther 3:6). Es wird nun ein viel höheres Maß an Rechtschaffenheit gefordert als im Gesetz des Mose. Wobei zu berücksichtigen ist, dass das Gesetz des Mose den Menschen nicht erretten konnte. Das ist erst durch das Sühnopfer von Jesus Christus und den neuen Bund, den er anstelle des alten setzte, möglich. Mit den viel höheren Anforderungen sind bei Übertretung auch viel härtere Konsequenzen verbunden. Hegt man gegen jemanden Zorn, steht einem das Strafgericht Gottes ins Haus, bei Beleidigung ein Ratsgericht bzw. höllisches Feuer.

Im Strafgericht Gottes geht es um die Umsetzung der Absichten Gottes gegen die Schlechten und Gottlosen der Welt. Strafgerichte des Herrn gab es in jedem Zeitalter (Beispielhaft Omni 1:7). Auch in unserer Zeit finden Strafgerichte nach den Aussagen des Engels Moroni gegenüber Joseph Smith, bis zum zweiten Kommen Jesu, statt (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:45; Lehre und Bündnisse 109:45). Damit will wohl der Herr uns zum Bewusstsein seiner Macht und seiner Absichten bringen, damit wir von unseren Sünden umkehren und uns auf das Zweite Kommen Christi vorbereiten. Wenn wir allerdings die Gebote des Herrn befolgen, haben wir nichts zu befürchten (Lehre und Bündnisse 136:42). Ich strebe danach, niemandem zu zürnen, auch nicht in irgendeiner Weise zu beleidigen.

Wie verstehst du das mit dem Strafgericht bzw. sogar höllischem Feuer?

Darum kommt zu mir und lasst euch erretten

Der auferstandene Jesus Christus, der den Nephiten auf dem amerikanischen Kontinent, am Tempelplatz im Land Überfluss erschienen ist (3. Nephi 11:1,9-10), redet weiter zu ihnen: „Darum kommt zu mir und laßt euch erretten; denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr meine Gebote nicht haltet, die ich euch zu dieser Zeit geboten habe, werdet ihr auf keinen Fall ins Himmelreich eingehen.“ (3. Nephi 12:20).

Darum kommt zu mir und lasst euch erretten. Jesus Christus erklärt der versammelten Menge am Tempelplatz im Land Überfluss (Bountiful)  in Amerika (mögliche Lage siehe Karte hier), dass, um in das `Himmelreich´ eingehen zu können, `Errettung´ durch ihn erforderlich ist, und die ist nur möglich, wenn die Menschen zu ihm kommen und seine Gebote, die er vom Vater bekommen hat (3. Nephi 12:19), halten.

  • Errettung wovon?
    Durch den Fall von Adam und Eva im Garten von Eden, sind sie und ihre Nachkommen sterblich geworden und aus dem Garten von Eden auf die `einsame und öde Welt´ geschickt worden (Köstliche Perle Mose 4:12,25,29). Aus diesem sterblichen Zustand hat uns Jesus Christus durch seine Auferstehung errettet (1. Korinther 15:22).
  • In das Himmelreich eingehen?
    Es ist zu unterscheiden zwischen dem `Himmelreich auf Erden´, der Kirche des Herrn und dem Himmelreich in der zukünftigen Welt, das wir erben können. Zur Errettung aus dem gefallenen Zustand, dem physischen Tod, braucht der Mensch nichts dazutun, aber um ins Himmelreich eingehen zu können, bedarf es des Glaubens an Jesus Christus, der Taufe durch bevollmächtigte Diener des Herrn und weiterer Bündnisse, sowie das Ausharren im Gehorsam gegenüber seinen Geboten bis zum Ende unseres irdischen Daseins (Alma 11:37).

Die Errettung wird uns durch die zwei Teile des Sühnopfers Jesu zuteil.

  • Teil 1: Er hat im Garten Getsemani für unsere Sünden gelitten, dadurch ist es uns möglich sein Himmelreich zu ererben (Lehre und Bündnisse 19:15-19).
  • Teil 2: Er hat durch seinen freiwilligen Kreuzestod auf Golgotha (Johannes 19:30) und seine Auferstehung aus dem Grab nach drei Tagen (Markus 8:31), die Auferstehung aller Menschen ermöglicht (1. Korinther 15:21). Was nutzt diese unwahrscheinliche Liebestat Jesu, wenn wir sie nicht annehmen? „Darum kommt zu mir und laßt euch erretten …“.

Wie folgst du dieser Einladung Jesu?

Und siehe, ich habe euch das Gesetz und die Gebote meines Vaters gegeben

Theodor Fontane (1883) (Gemälde von Carl Breitbach)
(Bild: Quelle; Text eingefügt)

Der auferstandene Jesus Christus, der den Nephiten auf dem amerikanischen Kontinent, am Tempelplatz im Land Überfluss erschienen ist (3. Nephi 11:1,9-10), redet weiter zu ihnen: „Und siehe, ich habe euch das Gesetz und die Gebote meines Vaters gegeben, damit ihr an mich glaubt und damit ihr von euren Sünden umkehrt und mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist zu mir kommt. Siehe, ihr habt die Gebote vor euch, und das Gesetz ist erfüllt.“ (3. Nephi 12:19).

Und siehe, ich habe euch das Gesetz und die Gebote meines Vaters gegeben. Dieser Vers unterscheidet sich nun von der Überlieferung im Neuen Testament in dem Zusammenhang der Seligpreisungen und anschließender Verse. Im Neuen Testament folgt jetzt die Aussage Jesu, dass derjenige, der eines der kleinsten Gebote aufhebt, auch im Himmelreich klein sein wird, wer sie aber hält und weitergibt, wird dort groß sein (Matthäus 5:19).

Im Buch Mormon lässt der Herr uns alle wissen, dass die Gesetze und Gebote vom himmlischen Vater stammen, und zwar zu dem Zweck, dass wir an Jesus Christus glauben und uns zu ihm bekehren. In einem anderen Zusammenhang sagt Jesus im Neunen Testament etwas, dem man auch entnehmen kann, dass die Gebote vom Vater kommen: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ (Johannes 15:10). An weiterer Stelle ist davon die Rede, dass nur der ins Himmelreich kommt, der den Willen des Vaters tut (Matthäus 7:21). Und dann sagt Jesus nicht zuletzt, dass die Worte, die er verkündet, er nicht aus sich heraus spricht, sondern der Vater seine Werke vollbringt (Johannes 14:10). Ich lerne, dass unser himmlischer Vater uns Gebote durch seinen Sohn Jesus Christus gegeben hat, und entsprechend Notwendigkeit immer noch gibt, mit der Absicht, dass wir von unseren Sünden mit einem reuigen Herzen und einem zerknirschten Geist zu ihm kommen (3. Nephi 9:20). Ein reuiges Herz zu haben bedeutet für mich, dass man Schmerz wegen begangener schlechter Taten empfindet. Unter zerknirscht sein verstehe ich, dass man wegen seiner begangenen Fehler niedergeschlagen ist. Schmerzen und Niedergeschlagenheit will man gerne wieder loswerden, also nehme ich `Schmerztabletten´ – ich übe aufrichtige Umkehr und blühe wieder auf.

Was unternimmst du gegen geistige Schmerzen und Niedergeschlagenheit?