Dass der Teufel so großen Einfluss auf euer Herz erlangt hat

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, weiter zu der vor seinem Grundstück versammelten Menge: „Und wegen meines Trauerns und Wehklagens habt ihr euch versammelt und verwundert euch; ja, und ihr habt viel Grund, euch zu verwundern; ja, ihr solltet euch verwundern, weil ihr euch hingegeben habt, so daß der Teufel so großen Einfluß auf euer Herz erlangt hat.“ (Helaman 7:15).

Dass der Teufel so großen Einfluss auf euer Herz erlangt hat. Das Herz reagiert von allen Organen am unmittelbarsten, sensibelsten und stärksten auf Emotionen – die `Produkte unseres Fühlens, die durch mentale Vorgänge, d.h. Gedanken, Erwartungen, Meinungen, Einstellungen, Vorstellungen, Wünsche und Absichten, bedingt werden´. Weil das Herz die direkteste Verbindung zum Gehirn hat, wird es allgemein als Sitz der Seele angesehen.

Über entsprechende Schnittstellen können andere Wesen auf meine Entscheidungen Einfluss nehmen, indem sie mir Informationen zukommen lassen und mir deren Nutzen für mich betonen. Je nach unserer Grundeinstellung werden wir uns davon überzeugen oder auch nicht. Nachdem wir Menschen überwiegend den Weg des geringsten Widerstandes nehmen wollen, sind wir sehr leicht offen für entsprechende Informationen, die uns der Satan gerne liefert. Je eher wir auf seine Einflüsterungen ansprechen, je mehr Einfluss erlangt er auf unser `Herz´. Was kann ich dagegen tun? Ich muss mir über meine Ziele im Klaren werden und herausfinden, was der Sinn und Zweck dieses Lebens ist. Habe ich das für mich herausgefunden, muss ich mich davor hüten, mein Streben zu sehr auf irdische Dinge zu richten, darf also nicht `irdisch gesinnt sein´ (1. Korinther 2:11-14). Mein Streben muss darauf ausgerichtet sein, mehr und mehr den `natürlichen Menschen´ abzulegen. Wie kann ich das machen? Anstatt den Eingebungen Satans den Vorrang zu geben, mehr auf die Einflüsterungen des Heiligen Geistes achten (Mosia 3:19). Mir muss bewusst sein, dass ich, und niemand anderer, entscheide, ob ich mehr auf Satan höre, oder eher auf die feine und leise Stimme des Geistes, die mich dazu einlädt, auf die Gesetze Gottes zu achten (Hesekiel 36:27). Wer erlangt über dein Herz großen Einfluss?

Her-Sitz-der-Seele(Bild: Quelle)

Wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens

Was Nephi von seinem Turm zu der sich vor seinem Garten versammelten Menge im Anschluss an seine rhetorische Frage, warum sie sich versammelt haben (Helaman 7:13) sagte: „Ja, denn ich bin auf meinen Turm gekommen, um meine Seele vor meinem Gott auszuschütten wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens, und dies wegen eurer Übeltaten!“ (Helaman 7:14).

Wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens. Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, der dem Volk vorher mit aller Kraft versuchte das Wort Gottes nahezubringen, war enttäuscht und sehr betrübt, dass seine Brüder vom Volk der Nephiten, die Gebote Gottes mit Füßen traten (Helaman 6:6,31). Ihr Verhalten rief große Besorgnis in ihm hervor, denn ihm war bewusst, was ihr Verhalten für ihre Zukunft bedeuten würde. Ihre Zukunft auf Erden, aber auch nach diesem Erdenleben. Ja, seine Besorgnis war so groß, dass er deshalb in seinem Garten auf seinem Turm seine Seele vor Gott ausschüttete (Helaman 7:9-11).

Nephi besaß die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen. Und nicht nur das, es tat ihm auch bis ins Innerste weh, wenn er daran dachte, welche Auswirkungen ihr Handeln auf ihre Leben haben würde. Ja, er machte sich auch Gedanken, wie er ihnen in ihrer Situation behilflich sein konnte. Predigen hatte nicht geholfen, so schüttete er seine Seele vor Gott aus. Er reagierte angemessen auf das zu erwartende Leid seiner Brüder und Schwestern. Er hatte Empathie. Ich hinterfrage meine Fähigkeiten in dieser Hinsicht. Kann ich mich in das Leid anderer hineinversetzen und bin ich bereit, ihnen in angemessener Weise zu helfen. Betreue ich meine mir anvertrauten Brüder und Schwestern, Familien empathisch? Ich weiß, dass ich in Sachen Empathie noch Entwicklungsbedarf habe und ich arbeite dran. Wie sieht es bei dir mit Empathie aus, Gedanken, Emotionen und Motive anderer Personen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren?

Sympathie-Mitgefühl-Empathie-Unterschied(Bild: Quelle)

Warum habt ihr euch versammelt?

Nachdem Nephis Turm in seinem Garten so gestanden hatte, dass er von der Straße her gut einzusehen war, bekamen die Vorbeigehenden sein Gespräch mit dem Herrn mit. Sie wurden neugierig, holten andere mit dazu und wollten den Grund seiner Trauer erfahren. Nephi erblickte die Menge, nachdem er sich vom Gebet erhob (Helaman 7:11-12). „Und es begab sich: Er öffnete den Mund und sprach zu ihnen: Siehe, warum habt ihr euch versammelt? Damit ich euch von euren Übeltaten erzähle?“ (Helaman 7:13).

Warum habt ihr euch versammelt? Auf die rhetorische Frage Nephis, an die vor seinem Garten versammelte Menge antwortete er selber. Menschen sind von Grund auf neugierig. Deshalb verwundert es nicht, dass sie den Grund für Nephis Aufgewühltheit in Erfahrung bringen wollten.

Heute geht es kein bisschen anders. Denken wir doch nur daran, was los ist, wenn irgendwo ein schwerer Unfall oder eine Naturkatastrophe passiert ist. Es gibt inzwischen ja schon den Katastrophentourismus – die Anreise Schaulustiger aus größeren Entfernungen. Die Rheinpfalz schrieb am Montag, den 04. Juni 2018: „Großes Entsetzen in den sozialen Medien und ein bundesweites Medienecho löste am Samstag der Abstecher einer pfälzischen Reisegruppe in das von einem Unwetter schwer getroffene Kleinblittersdorf aus.“ (siehe hier). Durch solche Neugier werden dann auch noch bewusst die Rettungsarbeiten massiv behindert oder sogar die Retter verunglimpft und angegriffen. Johann Wolfgang von Goethe prägte den Ausspruch: „Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.“ Wie immer haben wir auch hier zwei Seiten einer Medaille: Neugier nach Erkenntnis, die uns hilft uns unserem Zweck entsprechend zu entwickeln, Neugier aus Befriedigung an Sensationslust. Ich bin nicht neugierig darauf, in Erfahrung zu bringen, wie schlimm es jemanden getroffen hat. Eher geht es mir darum, herauszufinden, wie ich helfen kann. Welche Art von Neugier bevorzugst du?

katastrophentourismusKatastrophen-Tourismus: Schaulustige filmen und fotografieren fröhlich einen Groß-Brand. Foto: dpa
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Dass doch meine Tage in den Tagen gewesen wären

Nephi schrie auf seinem Turm in seinem Garten (Helaman 7:10) zum Herrn: „O daß doch meine Tage in den Tagen gewesen wären, da mein Vater Nephi anfangs aus dem Land Jerusalem gekommen war, daß ich mich mit ihm im verheißenen Land erfreut hätte; damals war sein Volk leicht zu bewegen, standhaft im Halten der Gebote Gottes und langsam, sich zum Übeltun verführen zu lassen; und sie waren schnell, auf die Worte des Herrn zu hören — 8 ja, wenn nur meine Tage in jenen Tagen hätten sein können, dann hätte meine Seele an der Rechtschaffenheit meiner Brüder Freude gehabt.“ (Helaman 7:7-8).

Dass doch meine Tage in den Tagen gewesen wären. Wegen der Schlechtigkeit seines Volkes schwoll Nephis Herz vor Besorgnis (Helaman 7:6) und er wünschte sich, dass er in der Zeit seines Vorfahren Nephi, der mit seiner Familie vor etwa 580 Jahren aus Jerusalem auswanderte und in diesem Land siedelte, hätte leben können. Er meinte, dass seine Zeit eine leichtere und schönere gewesen war, in der er sich hätte an der Rechtschaffenheit seiner Vorfahren erfreuen können, anstatt wie jetzt an ihrem großen Übeltun zu verzweifeln.

Du kennst sicherlich die Redensart: „Früher war alles besser!“ Hast du auch zwischendurch mal Zeiten, in denen du den Wunsch gehegt hattest, lieber zu einer früheren Zeit gelebt zu haben? Ist es wirklich so, dass früher alles besser war? Auch Nephi, der Sohn Lehis, hatte nicht die schönsten Zeiten. Nephi der Sohn Helaman des Jüngeren hat eben nur den zeitlichen Bereich betrachtet, der ohne den Ärger mit Laman und Lemuel und seinen Anhängern war. Ich bin der Auffassung, dass es seinen Grund hat, dass wir zu dieser und keiner anderen Zeit auf der Erde sind. Eine hypothetische Erklärung für mich wäre, dass wir im Vorherdasein ein Endstadium unserer uns dort möglichen Entwicklung erreicht hatten. Um darauf aufbauend uns weiter entwickeln zu können, war es erforderlich in einem entsprechenden Entwicklungsstadium unseres neuen Umfeldes auf diese Erde zu kommen. Ich bin dankbar, dass ich in dieser Zeit leben darf, genau in der Zeit, in der sich die Fülle des Evangeliums von Jesus Christus auf der Erde befindet (Lehre und Bündnisse 27:13). In welcher Zeit hättest du gerne auf Erden gelebt?

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Nephi … schwoll … vor Besorgnis das Herz in der Brust

Wie sich Nephi in der Situation des Übeltuns des Volkes Nephi (Helaman 6:21,34) fühlte, dem er ja nachdrücklich das Wort Gottes gepredigt hatte, wird uns von Mormon nun folgendermaßen berichtet: „nun war dieses große Übeltun im Zeitraum nicht vieler Jahre über die Nephiten gekommen; und als Nephi es sah, schwoll ihm vor Besorgnis das Herz in der Brust; und in seinem Seelenschmerz rief er aus:“ (Helaman 7:6).

Nephi … schwoll … vor Besorgnis das Herz in der Brust. Das Herz des Menschen wird auch als der Sitz der Empfindungen angesehen. Warum? Emotionen laufen tatsächlich nicht nur im Kopf ab, sie gehen buchstäblich auch zu Herzen. Bist du z. B. in einer beängstigenden Situation, merkst du, dass dein Herz schneller schlägt, um mehr Blut durch den Körper zu pumpen. Dadurch wird die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert. Wenn man davon spricht, dass jemandem das Herz anschwillt, bringt man zum Ausdruck, dass ihn etwas im Innersten stark berührt, ihn aufwühlt. Sowohl positive als auch negative Erlebnisse führen zu diesem Anschwellen.

Bei Nephi waren es nun negative Erlebnisse, die ihm das Herz in der Brust anschwellen ließen. Er machte sich große Sorgen um die Zustände im Volk Nephi. Ihm floss vor Schmerz das Herz über (Matthäus 12:34) und er entleerte seine Empfindungen gegenüber Gott in einem mächtigen Gebet auf einem Turm in seinem Garten (Helaman 7:10). Ich werde hier erinnert, darauf zu achten, wann mir das Herz anschwillt. Häufig schwillt es mir an, weil ich in dieser letzten Dispensation der Evangeliumszeit der Fülle (Lehre und Bündnisse 128:18-20) auf Erden sein darf. Ich darf zu dem Adressatenkreis gehören, für den das Buch Mormon u. a. geschrieben wurde, `die Andern´ (1. Nephi 13:35-36; Mormon 3:17; Lehre und Bündnisse 20:8-9) und ich gehe auf meine Knie und danke meinem Schöpfer in mächtigem Gebet für diese überaus große Segnung. Aufgrund von mächtigem Gebet habe ich ein Zeugnis von der Wahrheit dieses Buches erfahren (Moroni 10:4), welches mich näher zu Christus führt, als jedes andere Buch (siehe Einleitung zum Buch Mormon). Was machst du, wenn dir das Herz in der Brust anschwillt, aus welchem Grund auch immer?

herz anschwellen
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Um in Ämtern an der Spitze der Regierung zu bleiben

Was die Gadiantonräuber (Helaman 2:4), die im Land Zarahemla die Judikative an sich gerissen hatten (Helaman 7:4), mit ihrer Macht taten, beschreibt Mormon so: „sie sprachen die Rechtschaffenen wegen ihrer Rechtschaffenheit schuldig; sie ließen die Schuldigen und die Schlechten wegen ihres Geldes unbestraft; ja, mehr noch, um in Ämtern an der Spitze der Regierung zu bleiben, um nach ihrem Willen zu herrschen und zu handeln, damit sie Gewinn und Ansehen der Welt erlangten und, mehr noch, damit sie um so leichter Ehebruch begehen und stehlen und morden und nach ihrem eigenen Willen handeln konnten–“ (Helaman 7:5).

Um in Ämtern an der Spitze der Regierung zu bleiben. Die Mitglieder der Gadiantonbande hatten die gesetzgebende Gewalt an sich gerissen und herrschten nun mit Ungerechtigkeit über das Volk. Sie verdrehten das Recht. Diejenigen, die rechtschaffen lebten, wurden schuldig gesprochen. Hingegen wurden diejenigen, die gesetzeswidrig handelten frei gesprochen, denn sie hatten das Geld. Von ihnen, versprachen sich die Richter nämlich, dass sie dadurch deren Unterstützung in all ihrem schlechten Tun erkaufen könnten. Ja, sie waren der Auffassung, dass sie auf diese Weise in ihren Ämtern bleiben könnten und weiter ungerechte Herrschaft, zu ihrem materiellen Vorteil, ausüben könnten. Bei ihnen ist das Predigen des Wortes Gottes durch Nephi und Lehi `in die Dornen gefallen´ (Matthäus 13:22).

Ich werde daran erinnert, dass es mir nicht das Geringste nützt, wenn ich nach weltlichem Reichtum und Ruhm strebe, dabei aber mein Leben aufs Spiel setze, weil ich damit nicht richtig umgehe (Matthäus 16:26). Ich muss wachsam sein, dass ich meine Vollmachten, egal ob weltliche, oder himmlische, die mir übertragen worden sind, nicht falsch nutze. Ich darf keine ´ungerechte Herrschaft ausüben´ (Lehre und Bündnisse 121:39). Ein solches Handeln wäre töricht und äußerst kurzsichtig. Leider wiederholen sich in der Weltgeschichte Ereignisse wie durch die Gadiantonbande verübt immer und immer wieder. Das bringt mich noch zu dem Punkt, dass ich gefordert bin, dazu beizutragen, dass rechtschaffene Menschen in entsprechende Positionen gewählt werden. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, die „Glaubenserklärung hinsichtlich Regierungen und Gesetzen im allgemeinen“ in Lehre und Bündnisse 134 durchzuarbeiten. Wie trägst du dazu bei, dass wir von rechtschaffenen Menschen regiert werden?

Casting a ballot(Bild: Quelle)

Jene Gadiantonräuber … übten an den Menschenkindern keine Gerechtigkeit

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, war ja im Land nördlich von Zarahemla bei den Auswanderern (Helaman 3:3) auf Mission, hatte dort jedoch kein Gehör gefunden und begab sich wieder in seine Heimat Zarahemla zurück (Helaman 7:1-3). Auch sein Bruder Lehi war mit ihm vor sechs Jahren dort hingegangen (Helaman 6:6), von ihm wird allerdings nichts über seinen Verbleib berichtet. Erst ein paar Jahre später lesen wir wieder über ihn, dass er rechtschaffen war, wie sein Bruder (Helaman 11:19) und mit ihm und anderen zusammen dem Volk predigte (Helaman 11:23). Zurück zu Nephi: „Und als er sah, daß das Volk sich in einem Zustand von so furchtbarer Schlechtigkeit befand und daß jene Gadiantonräuber die Richterstühle innehatten—sie hatten die Macht und Gewalt im Land an sich gerissen; sie hatten die Gebote Gottes beiseite gesetzt und waren nicht im geringsten vor ihm im Recht; sie übten an den Menschenkindern keine Gerechtigkeit;“ (Helaman 7:4).

Jene Gadiantonräuber … übten an den Menschenkindern keine Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine menschliche Tugend – eine hervorragende Eigenschaft bzw. vorbildliche Haltung. Gerechtigkeit ist ein Maßstab für das individuelle menschliche Verhalten – Gleiches wird gleich behandelt und ungleiches ungleich. Allerdings ist offen, nach welchen Maßstäben zwei Einzelfälle als zueinander gleich oder ungleich zu gelten haben. Also für uns Menschen eine nicht so eindeutige Angelegenheit und Anlass für Streit.

Wie gut, dass es doch einen Maßstab gibt: Gott. Nach dem göttlichen Prinzip funktioniert Gerechtigkeit in der Weise, dass auf rechtschaffenes Denken und Handeln Segnungen die Folge sind, während Strafe einem gegenteiligen Handeln folgt. Wir können gar nicht ermessen, was wäre, wenn Gott da nicht noch die Barmherzigkeit eingeführt hätte. Gäbe es nämlich nur die Gerechtigkeit, wären wir alle verloren, denn kein Mensch bleibt sündlos (Römer 3:23). Barmherzigkeit setzt dann ein, wenn wir von unserem Fehlverhalten umkehren, uns wieder dem Herrn zuwenden (Alma 42:13-24). Sie wird nur durch das Sühnopfer Jesu möglich (Alma 34:15-16). So bin ich zutiefst dankbar, dafür, dass meine Zukunft in der Ewigkeit nicht von Menschen bestimmt wird, sondern von einem vollkommen gerechten, aber auch barmherzigen Gott, denn jeder Mensch hat ein anderes Verständnis bezüglich dem, was gerecht ist. Welche Gedanken hast du zu diesem Thema?

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Dass sie … für eine immerwährende Vernichtung reif wurden

Zum Ende des achtundsechzigsten Jahres der Regierung der Richter über das Volk Nephi, – Alma der Jüngere wurde als erster und oberster Richter um die 91 v. Chr. eingesetzt (Mosia 29:41-42) – also um die 23. v. Chr., stellt Mormon fest: „Und so sehen wir, daß sie sich in einem furchtbaren Zustand befanden und für eine immerwährende Vernichtung reif wurden.“ (Helaman 6:40).

Dass sie … für eine immerwährende Vernichtung reif wurden. Wer im Garten einen Kirschbaum zu stehen hat – für meinen Geschmack einen, der wunderbare große schwarze Knorpelkirschen hervorbringt –, kann es sicherlich kaum erwarten, bis sie `reif´ sind und man in den Baum steigen und sie pflücken und in den Mund führen kann. Das ist bei dieser Sorte etwa Mitte Juli. Schwer war es für mich, diese Zeit der Reife abzuwarten und allzu gerne hab ich schon etwas früher zugegriffen.

Reif sein, bedeutet, dass ein Stadium erreicht wurde, in dem etwas ausgewachsen ist, den Zustand erreicht hat, an dem die Ernte stattfindet, also die Trennung der Frucht von ihrem Träger. Auf die Aussage Mormons in Bezug auf die Nephiten bedeutet das, dass sie in ihrer Schlechtigkeit einen Grad erreicht haben, an dem sie nicht mehr an ihrem Träger bleiben konnten. Hat eine Frucht einen bestimmten Reifegrad überschritten, fällt sie von ihrem Träger herunter. Ich sehe bildhaft als unser aller Träger, Jesus Christus. Wir hängen an ihm, entwickeln uns, reifen. Wenn ich einen bestimmten Grad der Schlechtigkeit erreicht habe, falle ich vom Träger ab und verderbe, wenn ich nicht vorher aufgelesen werde. Aufgelesen werde ich, wenn ich zeitnah Umkehr übe. Besser ist es allerdings, wenn ich in Rechtschaffenheit reife und der Herr mich als `süße Frucht´ in sein Reich ernten kann (Johannes 4:35-36). Was unternimmst du, um nicht `für eine immerwährende Vernichtung reif´ zu werden?

Süßkirsche 'Große Schwarze Knorpelkirsche' - Prunus 'Große Schwarze Knorpelkirsche'(Bild: Quelle)

So erlangten sie die alleinige Ausübung der Regierungsgewalt

Über diejenigen Nephiten, die das Böse verfolgten, schreibt Mormon: „Und so erlangten sie die alleinige Ausübung der Regierungsgewalt, so daß sie die Armen und die Sanftmütigen und die demütigen Nachfolger Gottes mit Füßen traten und sie schlugen und zerrissen und ihnen den Rücken zukehrten.“ (Helaman 6:39).

So erlangten sie die alleinige Ausübung der Regierungsgewalt. Sie übten nun die Regierungsgewalt in der Weise aus, dass sie den armen und sanftmütigen und demütigen Nachfolgern Jesu unter ihnen `den Rücken zukehrten´. Du kennst diese Redensart „jemandem den Rücken zukehren“? Damit bringt derjenige zum Ausdruck, dass er darauf verzichtet, denjenigen, der ihm im Rücken steht, wahrzunehmen. Er existiert für ihn nicht. Eine solche bewusst gewählte, nicht frontale Blickrichtung, ist negativ besetzt. Sie dann noch mit Füßen zu treten, zu schlagen und ihre Sachen zu zerreißen, bekräftigt die Abneigung ihnen gegenüber ja ins Unermessliche.

Sie hatten die Nachfolge Jesu vollends aufgegeben und sich von Satan inspirieren lassen. Gerade vor etwa sechzig Jahren fragte der Hohe Priester des Volkes Nephi, Alma der Jüngere, sein Volk in der Stadt Zarahemla, als es darum ging, dass es seinen Stolz ablegen sollte, ob es dabei bleiben wolle, den Armen und Bedürftigen den Rücken zuzukehren (Alma 5:55). Ich lerne daraus, dass Satan innerhalb kürzester Zeit ganz enorme Macht über gläubige Christen erlangen kann und ich mich nicht damit brüsten kann, dass ich davon niemals betroffen sein würde (Alma 5:54). Ich muss ganz wachsam sein, dass es mir nicht doch passiert. Wozu forderte Jesus in seinem größten seelischen Kampf in Getsemanie seine Jünger auf? „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ (Matthäus 26:41). Und wieder schliefen sie ein. Ich muss aufpassen, dass ich nicht einschlafe und meinem Nächsten nicht den Rücken zukehre, ihn nicht missachte. Wie gehst du mit bewussten, nicht frontal auf Mitmenschen gewählten Blickrichtungen um?

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Die Nephiten förderten und unterstützten sie

Was die früher so glaubenstreuen und rechtschaffenen und nun im Abfall begriffenen Nephiten, im Gegensatz zu den früher atheistischen und nun gläubigen Lamaniten (2. Nephi 5:9-10; Helaman 6:34-35), in Bezug auf die Gadiantonräuber taten, schildert uns Mormon so: „Und es begab sich anderseits: Die Nephiten förderten und unterstützten sie, mit den Schlechteren von ihnen beginnend, bis sie das ganze Land der Nephiten überzogen hatten und den größeren Teil der Rechtschaffenen verführt hatten, bis diese so heruntergekommen waren, daß sie an deren Werke glaubten und an ihrer Beute teilhatten und sich ihnen bei ihren geheimen Morden und in ihren Verbindungen anschlossen.“ (Helaman 6:38).

Die Nephiten förderten und unterstützten sie. Wenn ich jemanden fördere, helfe ich ihm bei seiner Entfaltung, unterstütze ihn bei seinem Vorankommen, verhelfe ihm zum Erfolg beim Erreichen seines Zieles. Wie bei allem in unserer Welt hat das `Fördern´, wie eine Medaille, zwei Seiten. Ich kann jemanden in positiven Angelegenheiten zum Erfolg verhelfen, aber eben auch in negativen. Für Letzteres hatten sich nun die Nephiten entschieden. Zunächst versuchten sie großen Erfolg mit wenig Aufwand zu erzielen, indem sie bei den schon Schlechten deren Schlechtigkeit `förderten´. Im Schneeballsystem verbreitete sich dann die Schlechtigkeit, bis sogar der größte Teil der Rechtschaffenen infiziert war und die überwiegende Mehrheit an die Werke Satans glaubte.

Das ist nicht die Art von Förderung, die der Herr im Auge hat. Der Apostel Paulus spricht über das rechte Fördern, die richtige Seite der Medaille. Er spricht davon, „… dass alles, was mir zugestoßen ist, die Verbreitung des Evangeliums gefördert hat.“, seine Bedrängnisse seine Brüder veranlasst hat, die Verbreitung des Wortes Gottes furchtlos voranzutreiben (Philipper 1:12-14). Um den Glauben seiner Brüder und Schwestern in Philippi zu `fördern´, zieht er es vor, bei ihnen zu bleiben, anstatt bei Christus zu sein (Philipper 1:22-25). Er denkt nicht an sich zuerst, sondern an die, die er im Glauben `fördern´ kann. So haben auch wir, als heutige Diener des Herrn die Aufgabe, diejenigen, die uns anvertraut sind, im Glauben zu fördern. Meine Brüder und Schwestern und ich tun dies, indem wir die uns zugeteilten Familien betreuen. Lies auch gerne hierzu diese Rede von Elder Jeffrey R. Holland, vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Bei ihnen zu sein und sie zu stärken“, und auch die von Sister Jean B. Bingham, Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, „Anderen dienen, wie der Erretter es tut“. Wie förderst du deine dir Anvertrauten?

Sich anderer annehmen, wie der Erretter es tat
(Bild: Quelle)