Und dachte über das nach, was der Herr ihm gezeigt hatte

Als nun das Volk Nephi alleine stehen ließ, machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Haus. „Und es begab sich: Nephi ging seinen Weg zu seinem eigenen Haus und dachte über das nach, was der Herr ihm gezeigt hatte.“ (Helaman 10:2).

Und dachte über das nach, was der Herr ihm gezeigt hatte. Heute passiert es wohl nur wenigen so, dass sie auf ihrem Heimweg von der Arbeit oder dem Einkauf `nachdenken´. Meist lenken sie sich mit aus den Ohrhörern dringender Musik oder mit auf das Smartphone gesenktem Blick, von den erlebten Ereignissen ab. Anders Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren. Als er sich auf seinen Heimweg begab, dachte er ernsthaft und tief über die heiligen vorangegangenen Ereignisse nach.

Wie wir im weiteren Verlauf sehen werden, kann ein solches Verhalten oft zu Offenbarungen führen und einem das Verständnis erweitern. So geschah es nur, um ein Beispiel zu nennen, dem Namensvetter Nephis, dessen Vater Lehi war. Er hatte von seinem Vater wunderbare Dinge gehört und saß nun da und `sann in seinem Herzen nach´. Die Folge, er wurde im Geist des Herrn hinweggeführt und als vertiefende Bestätigung, wurde ihm von einem Engel des Herrn der Traum seines Vaters erklärt (1. Nephi 11:1ff). Der derzeitige Prophet und Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Russel M. Nelson, hat uns allen auch in unseren Zeiten empfohlen, regelmäßig einen `ruhigen Ort´ aufzusuchen, um uns demütig mit all unseren Fragen an Gott zu wenden, um von ihm Antwort und Trost zu empfangen. Er empfiehlt uns dann das zu notieren, was uns in den Sinn kommt. Wenn wir Tag für Tag so vorgehen, würden wir in das Prinzip der Offenbarung hineinwachsen (siehe hier). Welche Einstellung hast du zu persönlicher Offenbarung von Gott?

offenbarungThe Revelation of St. John the Divine, by Paul Mann
(Bild: Quelle)

Und es begab sich

Der Sachverhalt mit der Ermordung des obersten Richters Siezoram war jetzt geklärt und einige glaubten nun, dass Nephi ein Prophet ist und bekehrten sich, andere wiederum nicht: „Und es begab sich: Unter dem Volk kam es zu einer Teilung, so daß sie sich hierhin und dorthin teilten und ihrer Wege gingen, und sie ließen Nephi allein, wie er in ihrer Mitte stand.“ (Helaman 10:1).

Und es begab sich. Manchen Lesern des Buches Mormon erscheint die häufige Verwendung dieser Redewendung zumindest merkwürdig. Allerdings handelt es sich nicht um ein Alleinstellungsmerkmal des Buches Mormon. Sowohl im Alten (31 mal in der Lutherbibel 2017), als auch im Neuen Testament (32 mal in der Lutherbibel 2017) wird diese Redewendung häufig benutzt. Erstaunlicherweise aber nicht mehr in der neuen deutschen Einheitsübersetzung 2016. Hingegen taucht diese Phrase in der King James Version – „And it came to pass“ – im Alten Testament 336 mal und im Neuen 59 mal auf. Also keine ungebräuchliche literarische Formulierung der alten Zeit.

Mark Twain scherzte einmal, wenn Joseph Smith die vielen Fälle von „Und es begab sich“ aus dem Buch Mormon ausgelassen hätte, wäre das Buch nur eine Broschüre. ( Roughing It, Hartford, Conn .: American Publishing Co., 1901, S. 133.). Allerdings wird durch diese Phrase die Authentizität des Buches Mormon in besonderer Weise bestätigt. Diese Redewendung deutet in den heiligen Schriften jeweils auf ein wichtiges Ereignis in der Vergangenheit hin. Eine andere Phrase deutet auf Zukünftiges hin: „Und es wird sich begeben“ (1. Nephi 14:1), während wieder eine andere auf das Gegenwärtige abzielt: „Und nun begab es sich“ (1. Nephi 17:19). Diese drei Phrasen deuten auf die Definition des Herrn von `Wahrheit´ hin: „und Wahrheit ist Kenntnis von etwas, wie es ist und wie es war und wie es kommen wird;“ (Lehre und Bündnisse 93:24). Dass Joseph Smith, der Prophet der Wiederherstellung, genau diese drei Phrasen („Und nun begab es sich” entspricht den Dingen, wie sie sind; „Und es begab sich” entspricht den Dingen, wie sie waren; „Und es wird sich begeben” entspricht den Dingen, wie sie kommen werden.) bei der Übersetzung des Buches Mormon konsequent richtig verwendete, ist ein Zeugnis dafür, dass er die goldenen Platten durch die Macht Gottes übersetzte. Mehr kannst du hier nachlesen. Was sind deine Gedanken zu diesen Redewendungen in den heiligen Schriften?

und es begab sich(Bild: Quelle)

Dann gab es einige, … die sagten, Nephi sei ein Prophet.… Und … andere, … er ist ein Gott

„Und dann gab es einige unter dem Volk, die sagten, Nephi sei ein Prophet. 41  Und es gab andere, die sprachen: Siehe, er ist ein Gott, denn wenn er nicht ein Gott wäre, könnte er nicht alles wissen. Denn siehe, er hat uns die Gedanken unseres Herzens gesagt und uns auch anderes gesagt; und er war es auch, der uns den wirklichen Mörder unseres obersten Richters zur Kenntnis gebracht hat.“ (Helaman 9:40-41).

Dann gab es einige, … die sagten, Nephi sei ein Prophet.… Und … andere, … er ist ein Gott. Aufgrund der von Nephi, dem Sohn Helaman des Jüngeren, vorhergesagten Ereignisse, die sich als wahr bestätigten, gab es einige, die meinten er sein ein Prophet und andere, die der Auffassung waren, dass so etwas nur ein Gott machen könnte.

Auf die Aufgaben eines Propheten bin ich schon in meinem gestrigen Blogbeitrag eingegangen. Sie treffen auf das Handeln von diesem Nephi zu. Zu der Auffassung zu kommen, dass er ein Gott sei, muss wohl an einem falschem Gottesverständnis gelegen haben. Aus der polytheistischen Mayakultur kennen wir u. a., dass auch sterbliche Menschen als Götter verehrt wurden (übliche Darstellungen in der Maya-Kunst zeigen Könige, welche einen Gott als Säugling im Arm tragen; siehe hier). Den Nephiten musste allerdings das rechte Gottesverständnis bekannt sein, denn alle Propheten haben ihn gelehrt (Mosia 18:26). Hieraus leitet sich die Frage ab, wie bekommt man die richtige Gotteserkenntnis? Für mich ist die Antwort ganz klar und eindeutig: durch Studium der heiligen Schriften und die Bestätigung durch den Heiligen Geist (1. Korinther 12:3). Allerdings auch noch durch die lebenden `besonderen Zeugen für Jesus Christus´, nämlich seinen berufenen Propheten und Aposteln (siehe hier; in Englisch mit aktuellem Stand der berufenen Diener hier), wie im gestrigen Blogbeitrag beschrieben. Ich schließe mich voll und ganz dem 1. Glaubensartikel an: „Wir glauben an Gott, den Ewigen Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist.“ Wo holst du dir deine Gotteskenntnis her?

(Bild: Quelle)

Es gab auch einige, die wegen des Zeugnisses der fünf glaubten

Nach diesem ganzen Hin und Her um die Aussagen Nephis, der der Sohn Helamans ist, erfahren wir die Reaktion des Volkes: „Und es gab einige von den Nephiten, die den Worten Nephis glaubten; und es gab auch einige, die wegen des Zeugnisses der fünf glaubten, denn diese hatten sich bekehrt, als sie im Gefängnis waren.“ (Helaman 9:39).

Es gab auch einige, die wegen des Zeugnisses der fünf glaubten. Diese fünf Männer waren ausgesandt worden, um zu erkunden, ob die Vorhersagen, die Nephi über die Ermordung des obersten Richters gemacht hatte, wahr seien (Helaman 8:27). Sie gehörten auch zu jenen, die nicht an Nephis Aussagen glaubten, aber bereit waren zu glauben, wenn sie die Bestätigung vor Augen hätten (Helaman 9:1-2). Als sie dann das Ergebnis sahen, waren sie so erstaunt, dass sie zu Boden fielen und somit überzeugt waren, dass alle Aussagen Nephis stimmten (Helaman 9:4-5).

Zunächst braucht man eine Bestätigung, dass man demjenigen, der sich als Prophet ausgibt, auch wirklich vertrauen kann, ehe man allen seinen Aussagen Glauben schenkt: „Aber nun, als sie sahen, glaubten sie …“ (Helaman 9:5). Wenn man dann von seiner göttlichen Berufung überzeugt ist, weil das eingetreten ist, was er vorhergesagt hat, und weil man sich aufgrund von Bestätigung durch den Heiligen Geist bekehrt hat (Helaman 9:39), dann legt man auch gerne selber Zeugnis von dessen Berufung ab, und wird ihn auch gegenüber andersgläubigen verteidigen, wie es die fünf taten (Helaman 9:18). Aufgrund solcher Zeugnisse, werden wiederum andere berührt und zur Umkehr gebracht (Helaman 9:39). So bin auch ich aus tiefstem Herzen davon überzeugt, dass Präsident Russel M. Nelson der heute lebende und von Gott berufene Prophet auf Erden ist, und ich bezeuge dies gerne! Denn alles, was er tut, entspricht der Wahrheit und den Aufgaben eines Propheten. Ein Prophet empfängt Gebote, Prophezeiungen und Offenbarungen von Gott, gibt der Menschheit Gottes Willen und wahres Wesen bekannt, er prangert Sünde an und sagt ihre Folgen vorher, predigt Rechtschaffenheit, sagt durch Inspiration zum Nutzen der Menschheit die Zukunft vorher und legt hauptsächlich Zeugnis von Christus ab. Dies alles sehe ich bei Präsident Nelson. Wovon bist du überzeugt und legst gegenüber anderen darüber Zeugnis ab?

präsident nelsonPräsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Russel M. Nelson mit seiner Gattin
(Bild: Quelle)

Ich werde euch noch ein Zeichen zeigen

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, hatte den Richtern vor seinem Garten als ein Zeichen dessen, dass er ein Prophet ist, offenbart, dass ihr oberster Richter ermordet worden sei. Diese behaupteten nun, dass er sich darüber mit jemandem abgesprochen habe, sodass er es als Offenbarung ausgeben konnte (Helaman 9:20,23). Jetzt geht Nephi noch einen Schritt weiter: „Und nun siehe, ich werde euch noch ein Zeichen zeigen und sehen, ob ihr auch darin trachten werdet, mich zu vernichten. 26  Siehe, ich sage euch: Geht zum Hause Seantums, der der Bruder Siezorams ist, und sprecht zu ihm:“ (Helaman 9:25-26).

Ich werde euch noch ein Zeichen zeigen. In Vers 26 erfahren wir von Helaman zum einen den Namen des obersten Richters, der ermordet wurde, Siezoram, und zum andern, den Namen dessen, der ihn ermordet hat, Seantum, der der Bruder des obersten Richters ist. Letzteres als weiteres Zeichen für die korrupten Richter, dass seine Aussagen stimmen. Er fordert sie in den nächsten Versen auf, Seantum in einer von ihm vorgegebenen Art und Weise zu befragen, und schlussendlich dadurch dazu zu bringen, zuzugeben, dass er seinen Bruder ermordet habe, ohne etwas von Nephi zu wissen. Er sagt dabei auch gleich die Reaktionen Seantums voraus. (Helaman 9:27-36).

Es lief alles genauso ab, wie Nephi es vorausgesagt hatte; etwas ganz normales für die Vorhersagen eines Propheten des Herrn. Die Folge, die fünf Gesandten wurden freigesetzt und ebenso Nephi (Helaman 9:37-38). Letzteres muss die Richter sicherlich im Innersten sehr geärgert haben. Für mich ziehe ich aus diesen Vorgängen die Lehre, dass wenn ein Prophet im Auftrag des Herrn steht und meine Übeltaten offenbart, ich keine Chance habe zu leugnen. Besser natürlich, ich lasse es erst gar nicht so weit kommen, dass er gegen mich offenbaren muss – das Ganze kann natürlich auf Gemeindeebene, den dort vom Herrn berufenen Richter in Israel, den Bischof, heruntergebrochen werden. Auch ihm ist kraft seines Amtes die Gabe der Unterscheidung gegeben (Lehre und Bündnisse 107:69, 71-72; 46:27). Wie reagierst du auf Vorhersagen eines Gottesmannes?

nephi seantumDie Befragung Seantums
(Bild: Quelle)

O ihr Narren, ihr, die ihr im Herzen unbeschnitten seid

Nachdem die korrupten Richter Nephi, dem Sohn Helamans, Geld geboten hatten, damit er etwas zugibt, was er nicht getan hatte (Helaman 9:20), sprach er zu ihnen: „… O ihr Narren, ihr, die ihr im Herzen unbeschnitten seid, ihr Blinden und ihr halsstarriges Volk, wißt ihr denn, wie lange noch der Herr, euer Gott, es zulassen wird, daß ihr auf diesem eurem Weg der Sünde weitergeht? 22  O ihr solltet zu heulen und zu trauern anfangen wegen der großen Vernichtung, die euch zu dieser Zeit erwartet, wenn ihr nicht umkehrt.“ (Helaman 9:21-22).

O ihr Narren, ihr, die ihr im Herzen unbeschnitten seid. Aus heutiger Sicht eine gewagte Anrede gegenüber den Richtern. Jesus sprach zu seinen Jüngern über die Pharisäer und Schriftgelehrten, und sagte, dass sie zwar tun sollten, was diese vom Gesetz lehrten, sich aber nicht nach ihren Taten richten sollten (Matthäus 23:1-3). Im weiteren Verlauf nannte er sie dann blinde Führer und blinde Narren (Matthäus 23:16-17).

Weshalb benutzen Nephi und auch Jesus diese Bezeichnung für hochgestellte Personen des öffentlichen Lebens, Richter, Pharisäer (Mitglieder einer theologischen, lebenspraktischen und politischen Schule im antiken Judentum) und Schriftgelehrte (respektvolle Anrede jüdischer Gesetzeslehrer)? Weil sie zwar das Gesetz lehren, sich selber aber nicht dran hielten (Matthäus 23:23). Ich kenne auch das Gesetz des Evangeliums von Jesus Christus und will nicht als Narr gelten. Aus diesem Grund bemühe ich mich, es besser und besser kennenzulernen, um es auch immer besser im Alltag anzuwenden. Das hilft mir auch, Jesus immer besser kennenzulernen und spornt mich an, seinem Beispiel zu folgen. Auf diese Weise werde ich auch an meinem Herzen beschnitten (Römer 2:29), indem ich mich nicht dem Heiligen Geist widersetze (Apostelgeschichte 7:51) und Übeltaten mit all meiner Kraft versuche zu vermeiden (2. Nephi 9:33). Was unternimmst du um nicht als Narr und unbeschnitten am Herzen zu gelten?

herzensbekehrung(Bild: Quelle)

Hier ist Geld, und wir werden dir auch das Leben schenken, wenn du … die Absprache zugibst

Die korrupten Richter sprechen weiter zu Nephi, dem Sohn Helaman des Jüngeren, der ihnen vorher öffentlich ihre Schandtaten vorhielt und vorhersagte, was ihnen zustoßen würde, wenn sie nicht umkehren würden (Helaman 8:26): „denn sie sprachen zu ihm: Du bist ein Verbündeter; wer ist der Mann, der diesen Mord begangen hat? Nun sage es uns und gib deine Schuld zu. Sie sprachen: Siehe, hier ist Geld, und wir werden dir auch das Leben schenken, wenn du es uns sagst und die Absprache zugibst, die du mit ihm getroffen hast.“ (Helaman 9:20).

Hier ist Geld, und wir werden dir auch das Leben schenken, wenn du … die Absprache zugibst. Die korrupten Richter des Volkes Nephi in Zarahemla versuchten Nephi unter Druck zu setzen, etwas zuzugeben, was zu ihren schlechten Absichten passte, aber nicht der Wahrheit entsprach. Als Druckmittel boten sie Geld auf und sogar die Abwendung einer Todesstrafe.

Es dürfte einem sehr schwerfallen, bei der Wahrheit zu bleiben, wenn man psychisch so enorm unter Druck gesetzt wird. Versprochener Reichtum kann einen gut verleiten, etwas was richtig ist aufzugeben, aber erst recht die Aussicht, das Leben zu verlieren, wenn man standhaft bei seinen wahren Behauptungen bleiben würde. Meist ist es dann aber auch noch so, dass es sich um falsche Versprechungen handelt. Hat der Übeltäter sein Ziel erreicht, wird er sich hüten, das Versprochene auch einzulösen — man weiß es aber nicht. Solcherlei Maßnahmen grenzen fast schon an Folter, keine physische, aber psychische. Mit ihr soll der Wille eines Menschen gebrochen werden. So versuchte Satan Jesu Willen zu brechen, nachdem er durch vierzigtägiges Fasten körperlich sehr geschwächt war (Matthäus 4:1-11). Ich kann für mich nur sagen, dass ich dem Herrn zutiefst dankbar bin, dass ich solcherlei Folter noch nie ausgesetzt war. Reine Spekulation, zu behaupten, ich würde standhaft bleiben und auch sagen „Weg mit dir, Satan!“. Erfahrung zeigt aber, dass in einer solchen Situation geistige Kräfte ins Unermessliche steigen können, und den Rest der Herr dazugibt. Welche Gedanken bewegen dich bei diesem Thema?

verhör(Bild: Quelle)

Sie fingen an, ihn auf mancherlei Weise zu befragen, sodass sie ihn in Widersprüche verwickelten

Nachdem die Richter mit den fünf Ausgesandten gesprochen hatten und sie durch diese in Streitgesprächen mit ihnen über ihre Haltung gegenüber Nephi zurechtgewiesen wurden (Helaman 9:18), veranlassten sie dennoch: „… daß Nephi ergriffen und gebunden und vor die Menge geführt wurde, und sie fingen an, ihn auf mancherlei Weise zu befragen, so daß sie ihn in Widersprüche verwickelten, so daß sie ihn auf den Tod verklagen könnten–“ (Helaman 9:19).

Sie fingen an, ihn auf mancherlei Weise zu befragen, sodass sie ihn in Widersprüche verwickelten. Woher kenne ich diese Art, ungeliebte Mitmenschen auszuschalten, nur? Prominentestes Beispiel ist wohl unser Retter, Jesus Christus, selber. Den Pharisäern und Schriftgelehrten waren Jesus und seine neue Lehre ein Dorn im Auge. Sie sahen das Judentum und damit auch ihre eigene Stellung gefährdet und versuchten ihm immer und immer wieder eine Falle nach der anderen zu stellen. Dies taten sie, indem sie mit Fangfragen versuchten, sich in Widersprüche zu verwickeln und ihn somit als Übertreter des Mosaischen Gesetzes verurteilen zu können. Eines der unzähligen Beispiele war die Begebenheit, wo sie ihn mit der Ehebrecherin konfrontierten. Sie sagten, dass sie nach dem Gesetz des Mose gesteinigt gehört und fragten ihn: „… Was sagst du? 6  Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen.“ (Johannes 8:1-11). Doch mit all ihren ausgeklügelten Fragen, mit denen sie Jesus in Widersprüche verwickeln wollten, wurden sie durch die Antworten Jesu nur selber bloßgestellt.

Es ist ein beliebtes Mittel, jemanden, der einem im Wege steht, mittels Fangfragen in Widersprüche zu verwickeln, falsche Antworten zu provozieren, und ihn somit bloß zu stellen und ggf. anklagen zu können und aus dem Weg zu räumen. Man muss schon sehr auf der Hut sein, wenn einem solche Fragen gestellt werden. Beispiel: „Schlagen Sie eigentlich immer noch Ihre Frau?“ Ein einfaches „Nein“ als Antwort würde die Falle schon zuschnappen lassen. Richtig müsste man antworten: „Ich habe meine Frau noch nie geschlagen.“ – so es denn zutreffend wäre. Man muss schon ganz schön auf der Hut sein, will man auf solche Fragen nicht hereinfallen – besonders, wenn sie einem von der eigenen Frau gestellt werden; siehe Bild unten :-)). Jesus auf jeden Fall „… durchschaute ihre Hinterlist …“ (Lukas 20:23). Wie gehst du mit Fangfragen um?

fangfrage(Bild: Quelle)

Doch wiesen sie die Richter wegen der Worte zurecht, die sie gegen Nephi gesprochen hatten

Nachdem die Richter die Identität der fünf von ihnen Ausgesandten geklärt und diese ihnen ihre Erlebnisse erzählt hatten (Helaman 9:13-15): „Und es begab sich: Die fünf wurden am Tag des Begräbnisses freigelassen. Doch wiesen sie die Richter wegen der Worte zurecht, die sie gegen Nephi gesprochen hatten, und stritten mit ihnen, einer mit dem anderen, so daß sie sie beschämten.“ (Helaman 9:18).

Doch wiesen sie die Richter wegen der Worte zurecht, die sie gegen Nephi gesprochen hatten. Die fünf Ausgesandten, die erkunden sollten, ob Nephis Aussage, der oberste Richter sei ermordet worden, stimmt, waren durch die Bestätigung, die sie erfahren hatten, von den Wahrheiten seiner Aussagen überzeugt und verteidigten ihn nun gegenüber den Richtern, und zwar in einer Weise, dass diese mit einem Gefühl der Scham erfüllt wurden. Die Richter wurden in diesen Streitgesprächen, wegen deren feindseliger Gesinnung gegenüber Nephi, in Verlegenheit gebracht.

Man fühlt sich sicherlich äußerst unwohl, wenn man in seinen unwahren Behauptungen durch Augenzeugen widerlegt wird. Geschieht dies auch noch öffentlich, ist es einem sicherlich äußerst peinlich, insbesondere, wenn man eine Person des öffentlichem Lebens ist. Durch diese fünf mussten sich die Richter bloßgestellt gefühlt haben. Ich lerne daraus, dass ich vorschnelle Schlüsse, wie von den Richtern gezogen, vermeiden muss, und mich erst recht nicht bloßstellend und aufwieglerisch äußern darf. Lieber möchte ich erreichen, dass der Widersacher durch mein Verhalten beschämt wird, wie es über das Zusammenleben in der Gemeinde bei Titus, einem der engsten Mitarbeiter des Apostels Paulus heißt: „…Dich selbst aber erweise als Vorbild guter Werke, ohne Falsch in der Lehre und ehrbar, 8 mit heilsamem und untadeligem Wort, damit der Widersacher beschämt werde, weil er nichts Schlechtes über uns sagen kann.“ (Titus 2:7-8; Lutherbibel 2017). Wie gehst du mit Zurechtweisung, vorschnellen Rückschlüssen, und Bloßstellung um?

scham(Bild: Quelle)

Wir werden diesen Mann entlarven

Die korrupten Richter, die selber zur Gadiantonbande gehörten (Helaman 8:1), reden zum Volk in Bezug auf den Propheten Nephi, Sohn Helaman des Jüngeren: „Und nun siehe, wir werden diesen Mann entlarven, und er soll seine Schuld bekennen und uns den wahren Mörder dieses Richters bekanntgeben.“ (Helaman 9:17).

Wir werden diesen Mann entlarven. Jemanden Entlarven bedeutet, sein wahres Wesen, seinen wahren Charakter, seine verborgenen Absichten aufzudecken. Die Richter wollten ja ihre eigenen Schandtaten, die ihnen durch Nephi öffentlich kundgetan wurden, verdecken. Ihr Plan war also, Nephi als Lügner, und sich selber als die Gerechten hinzustellen. Ihr Streben ging also in die Richtung, dem Volk zu suggerieren, dass Nephi Falschaussagen, mit der Absicht es zu Täuschen, gemacht hat.

Für mich lerne ich, dass ich mich an solcherlei Verleumdungen nicht beteiligen darf. Schon in den sozialen, liturgischen und ethische Einzelbestimmungen wird die ganze Gemeinde Israel aufgefordert: „Du sollst deinen Mitbürger nicht verleumden und dich nicht hinstellen und das Blut deines Nächsten fordern. Ich bin der HERR.“ (Levitikus 19:16). Nach § 187 StGB werden solcherlei Handlungen bei uns mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet. Wie leicht geschieht es doch, dass wider besseren Wissen, falsche Behauptungen über andere Personen in Umlauf gebracht werden, welche diese in der öffentlichen Meinung herabwürdigen und verächtlich machen sollen, um selber besser da zu stehen, seine eigenen Fehler und Schandtaten zuzudecken. Ich bemühe mich nach allen Kräften, auch der in unserer Zeit vom Herrn ergangenen Aufforderung, keine üble Nachrede zu tätigen, nachzukommen (Lehre und Bündnisse 20:54). Wie reagierst du, wenn du merkst, dass jemand verleumdet wird?

verleumdung(Bild: Quelle)