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Fußballkarten

Die Fußballeuropameisterschaft 2016 hat auch unsere Familie erreicht. Unser 7jähriger Sohn sammelt fleißig Fußballkarten für sein Sammelheft. Als ich neulich mit ihm zusammen tanken bin, bettelt er, ob ich ihm doch ein paar von den begehrten Karten kaufen könnte. Als ich einwillige freut er sich und verlangt an der Kasse die gewünschte Anzahl. Nachdem wir gezahlt haben, steigen wir ins Auto ein und fahren los. Wir sind schon ein paar Meter weg , da höre ich wie er immer wieder die kleinen Päckchen zählt und, sich heimlich freuend, feststellt, dass wir wohl eins zuviel ausgehändigt bekommen haben. Erst denke ich: „Was soll’s auf die paar Cent kommt es doch der Tankstelle nicht an. Da haben wir halt einfach Glück gehabt.“ Ich fuhr also weiter. Dann schoss ein anderer Gedanke durch meinen Kopf: „Was lernt mein Kind jetzt? – Das es nicht wichtig ist ehrlich zu sein. – Das es seine Mama mit der Ehrlichkeit nicht so genau nimmt. – Das man nur dann gute Entscheidungen treffen soll, wenn andere es mitbekommen.“

In dem Moment fällt mir fiel ein Gedanke ein, den ich vor ein paar Jahren bei der Generalkonferenz unserer Kirche hörte. Rosemary M. Wixom sagte: „Wenn wir unsere Kinder nicht lehren, wird die Welt das übernehmen,….“ (Oktober 2010). Will ich diese Gelegenheit nutzen und mein Kind etwas lehren oder überlasse ich das anderen, die vielleicht nicht meine Werte teilen? Ich mußte mich entscheiden und das tat ich dann auch.

Ich fragte ihn, was er denkt, was wir jetzt machen sollen. Er druckst ein bißchen herum. Ich erinnere ihn daran, dass wir ehrlich sein sollen und es das Beste ist, wenn wir jetzt umdrehen und das eine Paket, das zuviel ist wieder zur Tankstelle bringen. Nach kurzer Überlegung willigt er ein und wir fahren zurück. Ich freue mich, als mein Sohn aussteigt und mutig zur Kasse läuft und das Päckchen zurückbringt.

Als er wieder einsteigt, frage ich ihn: „Und, was hat die Frau gesagt?“ Freudestrahlend antwortet er, dass sie meinte, dass er aber sehr lieb sei. Die nächste Frage von mir war: „Wie hast Du Dich dabei gefühlt?“ Er berichtet von einem warmen und glücklichen Gefühl. Ich erkläre ihm, dass das der Heilige Geist ist, den wir verspüren, wenn wir etwas Gutes machen.

Mein Mutterherz freute sich in dem Moment wahnsinnig. Ich weiß, dass er sich an diesen Moment immer wieder in seinem Leben erinnern wird, wenn es darum geht, ehrlich zu sein. Diese Erinnerung wird ihm helfen, auch das nächste Mal den Mut zu haben, eine gute Entscheidung zu treffen. Aber selbst wenn er es einmal nicht schafft, wird er sich daran erinnern, dass er es schon einmal geschafft hat und er nicht aufgeben braucht.

Aber auch ich, als Mutter habe dazugelernt. Unsere Kinder beobachten uns und wir haben einen großen Einfluß auf sie, auch in vermeintlich kleinen Dingen. Wenn wir ein gutes Beispiel geben, dann entwickeln sie auch den Wunsch, ein guter Mensch zu sein und dem Beispiel Jesu Christi zu folgen. Auch ich darf nicht aufgeben und kann es jeden Tag besser machen.

Glauben heißt, nichts wissen! Oder?

Häufig, wenn ich mit Leuten außerhalb der Kirche über meinen Glauben spreche, schlägt mir in irgendeiner Form das gängige Klischee entgegen: „Glauben heißt, nichts wissen!“ Dem wird dann in unserer inzwischen sehr weitgehend von atheistischen Ideen geprägten Gesellschaft die Wissenschaft entgegen gestellt, die ja, wie der Name schon sagt, gesichertes Wissen vermittelt. Diesem Gedankengang liegen zwei Missverständnisse zugrunde. Ich möchte hier auf das eine davon eingehen.

Die Online-Version des Duden definiert „Glauben“ als „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung“. Dies ist die Definition, die die meisten Menschen im Hinterkopf haben, wenn es um das Thema „Glauben“ geht. Ein Blick auf die vom Duden angegebenen Synonyme offenbart jedoch, dass in unserer Sprache gewisse Bedeutungen des Wortes verloren gegangen sind. Synonyme für „Glaube“ sind „Meinung, Überzeugung, Vertrauen, Zuversicht“. Glaube im Sinne von Vertrauen oder Zuversicht ist die Bedeutung, die unseren Vorfahren sicher noch geläufig war, vielen von uns aber inzwischen fremd geworden ist.

Vielleicht hat der eine oder andere von uns noch die Worte eines Geistlichen im Ohr: „Du musst einfach glauben!“ Da glauben ja, nach weit verbreiteter Meinung „nichts wissen“ bedeutet, ist das eine sehr unbefriedigende Aussage. Sie bedeutet dieser Definition gemäß, man soll einfach gewisse Glaubenssätze annehmen, ohne einen Beweis dafür zu verlangen und ohne sie zu hinterfragen. Wenn man jedoch Glauben als Vertrauen definiert, ergibt sich daraus eine völlig andere Aussage. Dann bedeutet diese nämlich, man soll auf diese Grundsätze vertrauen, darauf setzen, dass sie wahr ist. Und dies vielleicht einfach nur für eine begrenzte Zeit, bis sich herausgestellt hat, ob sie einen weiterbringen oder nicht.

Dann sind wir genau bei der Aussage in Alma 32 im Buch Mormon. Dort heißt es im Vers 28: „Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. Wenn ihr nun Raum gebt, dass ein Samenkorn in euer Herz gepflanzt werden kann, siehe, wenn es ein wahres Samenkorn oder ein gutes Samenkorn ist, wenn ihr es nicht durch euren Unglauben ausstoßt, so dass ihr dem Geist des Herrn Widerstand leistet, siehe, so wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und wenn ihr dieses Schwellen spürt, so werdet ihr anfangen, in euch zu sagen: Es muss notwendigerweise so sein, dass es ein gutes Samenkorn ist oder dass das Wort gut ist, denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein.“

Was der Prophet Alma hier beschreibt, ist die Tatsache, dass man gewisse spirituelle Wahrheiten nicht beweisen, sondern nur für sich selbst ausprobieren kann, indem man sie als wahr annimmt und ihnen keinen „Widerstand leistet“. Nach einiger Zeit kommt dann die Phase des Hinterfragens: Was hat diese Wahrheit, die ich angenommen habe, mit mir gemacht? Hat sie mein Verständnis erweitert, hat sie mir Freude bereitet, hat
sie mich im Leben vorangebracht?

Diese Art von Glauben ist alles andere als unkritisch oder naiv. Sie ist einfach notwendig, um Wahrheiten zu überprüfen, die sich der wissenschaftlich-intellektuellen Methodik entziehen. Außerdem ist sie sehr vernünftig und entspricht darüber hinaus auch noch unserer Alltagserfahrung. Wer wissen will, ob Sushi gut schmeckt, wird nicht mit Waage, Maßband und Thermometer an einem Maki-Röllchen herum hantieren. Er wird auch nicht alle möglichen Anhänger und Gegner des Sushi-Verzehrs zu ihrer Meinung befragen. Nein, die einzige Methode, um herauszufinden, ob man Sushi mag, ist, zumindest eines davon in den Mund zu nehmen, intensiv zu kauen, bewusst zu schmecken und dann für sich zu entscheiden, ob es einem schmeckt oder nicht.

So ist es auch mit dem Glauben.

Nasse Schuhe – Kalte Füße

Es ist Ende April und als ich zusammen mit meinem Mann das Haus verlasse, um ihn ein Stück zur Arbeit zu begleiten, ziehe ich meine Halbstiefel an. Sie sind nicht wasserdicht, das war mir klar. „Es wird schon nicht so schlimm werden“, denke ich und gehe los. Doch der Schnee ist so naß, daß er auf der Straße bereits gleich wieder zu Matsch wird. Wir laufen nur wenige Minuten, als mir klar wird, daß ich mit nassen Füßen wieder zu Hause ankommen werde. Obwohl wir noch nicht so weit weg von zu Hause sind, gehe ich nicht zurück, um richtige Winterstiefel anzuziehen. „Die habe ich schon in den Keller geräumt“ erwidere ich meinen Mann, als er mir genau das vorschlägt und gehe entschlossen weiter. Ich spüre wie meine Socken sich vorne mit Wasser voll saugen und die Nässe sich langsam zur Fußmitte ausbreitet. Ich versuche nicht zu jammern. Schließlich habe ich mich ja so entschieden, aber irgendwann wird es so unangenehm, dass ich doch ein klein wenig über meine kalten Füße klage.

Während wir weiter laufen, erinnert mich mein Mann, an die vielen Flüchtlinge, die es zur Zeit auf der Welt gibt. Bestimmt gibt es da auch welche, die noch nie so ein Wetter erlebt haben und folglich gar nicht im Besitz von Winterstiefeln sind. Und dann auf ihrer Flucht, kommen sie in solches Wetter. Auch ihre Füße werden kalt, ihre Kinder weinen und sie sehnen sich, so wie ich auch in diesem Moment, nur nach Wärme. Doch ich weiß, daß ich nach einer halben Stunde wieder zu Hause sein werde. Wie freue ich mich darauf, meine nassen Socken und Schuhe ausziehen zu können und meine kalten Füße mit einer warmen Decke zu wärmen.

Da gehen mein Gedanken wieder zurück an all die Menschen, die auf der Flucht sind, die nicht wissen, wann und wo ihr beschwerlicher Weg zu Ende sein wird. Die sich nach Frieden und einer Zukunft für ihre Kinder sehnen. Was bin ich bereit, für diese Menschen zu tun, die mittlerweile auch in meiner Stadt leben? Ich denke, an die Worte, die ich erst vor wenigen Wochen auf der Generalkonferenz unserer Kirche gehört habe. Dort sprach der Siebziger, Patrick Kearon unter anderem darüber, was wir für diese Menschen, die mittlerweile in unserer Heimat angekommen sind, tun können:

„Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie wir mit anpacken und ein Freund sein können. Wir können umgesiedelten Flüchtlingen helfen, die Sprache ihres Gastlandes zu erlernen, sich neue berufliche Fertigkeiten anzueignen oder sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Wir können einer Familie oder einer alleinerziehenden Mutter helfen, sich in der neuen Kultur besser zurechtzufinden. Vielleicht bedarf es dazu bloß solcher Kleinigkeiten, wie mit ihnen einkaufen zu gehen oder sie in die Schule zu begleiten. …….

Kommen wir doch aus unserer Sicherheit heraus und geben wir von dem ab, was bei uns im Überfluss vorhanden ist, nämlich Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Glaube an Gott und unsere Mitmenschen und Liebe, die über kulturelle und ideologische Unterschiede hinwegsieht auf die herrliche Wahrheit, dass wir alle Kinder des himmlischen Vaters sind.“

In der Bibel können wir lesen, daß Jesus bereits als Kind lernen mußte, was es bedeutet auf der Flucht zu sein. Sein Leben war bedroht, weil König Herodes alle Jungen unter zwei Jahre töten ließ. Deswegen floh er mit Maria und Josef nach Ägypten. Auch später in seinem Leben sagte er von sich: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Matthäus 8:20) Denken wir daran, was Jesus später sagte, als er über das Weltgericht sprach: „ Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“(Matthäus 25:40)

 

Bildquelle: https://billedekunst.wordpress.com