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Über das hinaus, was wir ertragen können

Gott wird nicht zulassen, dass wir über das hinaus, was wir ertragen können, versucht werden (1.Korinter 10:13). Oft denken wir aber, dass die Versuchung zu stark sei, als dass wir ihr widerstehen könnten. Und wenn dann die Versuchung kommt, denken wir, dass wir über das hinaus versucht werden, was wir ertragen können. Das geschieht aber […]

Der faire Prozess

Hätte Christus vor seiner Kreuzigung einen fairen Prozess gemacht bekommen, wäre er auf jeden Fall freigesprochen worden. Da er aber, um das Sühnopfer ganz zu vollbringen, gekreuzigt werden musste, musste so einiges nicht ganz koscher gelaufen sein. Diese fiktive Gerichtsverhandlung beleuchtet die Nacht der Festnahme und des Verhörs, die nach jüdischem Gesetz so nicht stattgefunden haben durfte. Die zwölf Punkt der Verteidigung können in Elder James E. Talmages Opus „Jesus der Christus“ nachgelesen werden.

 

Personen

Einige jüdische Richter

Einige Kläger

Ein Verteidiger mit Namen Johannes

Der Angeklagte Jesus Christus

Ein Verräter

Petrus

Ein Gerichtsvorsteher

Soldaten

 

Erste Szene

Tag vor der Verhandlung

In einem Haus in Jerusalem

 

Verräter                     Euer Ehren, bald soll Jesus festgenommen und vernommen werden. Wir bieten Euch 20 Stücke Silber, damit Ihr ihn schuldig sprecht.

Richter                       So viel ist das Euch Wert?

Verräter                     Aber ja. Er wird diese kommende Nacht festgenommen.

Richter                       In der Nacht?

Verräter                     Ja. Er wird dann sofort verurteilt und noch Morgen ans Kreuz geschlagen.

Richter                       Zeigt mir die Silberstücke.

Verräter                     Hier, nehmt sie. Sie gehören Euch.

 

 

 

 

 

Zweite Szene

In der Nacht

In einem Olivenbaumgarten

 

Verräter                     Meister [küsst ihn].

Jesus lässt es zu. Einige Soldaten kommen, um ihn festzunehmen. Petrus stellt sich vor

Jesus, zieht sein Schwert und schlägt einem Soldaten ein Ohr ab. Jesus schreitet ein,

hält Petrus zurück und heilt die Wunde. Jesus wird sodann abgeführt. Die Soldaten

folgen ihm. Petrus und die übrigen Apostel bleiben zurück.

Petrus                         Damit werden sie nicht durchkommen. Er wurde nachts festgenommen. Sie müssen ihn freilassen. Er sagt zu sich: Ich habe bewiesen, dass ich mit ihm ins Gefängnis ginge. Oh Herr, mein Gott, wir retten dich.

 

Dritte Szene

In derselben Nacht

In einem Haus in Jerusalem

 

Petrus                         Euer Ehren, wir stellen Antrag auf Freilassung. Jesus Christus wird zu Unrecht als Gefangener gehalten. Wir verteidigen hiermit Christus und wollen einen gerechten Prozess.

Richter                       Wo ist der Verteidiger für diesen Jesus. Bist es etwa du Petrus?

Petrus                         Ich werde als Zeuge dienen und gegen jeden, der gegen Christus ist, Zeugnis ablegen.

Richter                       Und wo ist denn nun der Verteidiger?

Petrus                         Hier. Johannes wird Jesus verteidigen.

Richter                       So sei es dann. Ich habe schon Wort bekommen, dass ein Jesus Christus festgenommen wurde und wegen Rebellion und Aufständen festgehalten wird. Er befindet sich schon im Gerichtssaal. Geht ihr nur vor, ich werde rechtzeitig zur Verhandlung da sein.

Kurz nachdem Petrus und Johannes das Haus verlassen haben, steckt der Richter

seine Hand in die Tasche und holt den Sack voll Silberstücke hervor. Er wiegt sie mit

der Hand. Er wägt ab, ob er das Geld brauche oder ob er Recht walten lassen solle.

Er lächelt kurz.

                                    Warum sollte ich? Ich bin doch immerhin Jude und kein Christ.

 

 

 

 

 

Vierte Szene

In derselben Nacht

Ein Gerichtssaal

Alle – Jesus in Ketten eingeschlossen – sind anwesend. Auf der Anklagebank sitzt auch

Johannes, der als Verteidiger dient. Auf der Klägerbank sitzen drei Männer, die in

schwarz gekleidet sind und eine Kopfbedeckung tragen. Jesus ist ganz ruhig, Johannes

nervös. Außer diesen Männern befindet sich niemand im Saal, die Verhandlung

geschieht unter dem Ausschuss der Öffentlichkeit.

 

Gerichtsvorsteher    Erheben Sie sich für die ehrenhaften Richter.

Alle erheben sich. Die Richter betreten den Saal und nehmen auf ihrem Richterstuhl

Platz. Sie blicken kurz zu den drei Männern und dann zu Jesus. Einer dieser Richter

gilt als Wortführer. Die beiden anderen Richter sind anwesend, doch sprechen sie

selbst nicht.

                                    Der Angeklagte wird der Gotteslästerung angeklagt. Außerdem hat er den Sabbat entweiht, mit seinen Nachfolgern plant er eine Rebellion gegen Rom und scharrt Religionsfanatiker um sich.

Richter                       Auf was plädieren Sie, Johannes.

Johannes                   Unschuldig, Euer Ehren, in allen Punkten.

Kläger                        Schuldig in allen Anklagepunkten, Euer Ehren.

Richter                       Ich gebe das Wort der Verteidigung.

Johannes                   Vielen Dank, Euer Ehren. Wir haben zwölf Punkte, die sowohl die Art und Weise, wie dieses Verhör durchgeführt wird, als auch wie mit Jesus umgegangen wird, anklagen. Jesus wurde schon vor dieser Verhandlung privat vernommen.

Richter                       Zwölf Punkte? Das kann ja lange dauern. Nun, beginnen Sie doch mit dem ersten Punkt.

Johannes                   Die Verhaftung Jesu war ungesetzlich, Euer Ehren. Die Verhaftung durfte nicht bei Nacht vorgenommen werden. Außerdem ist Judas ein Mitschuldiger und er selbst wurde nicht festgenommen.

Kläger                        Einspruch, Euer Ehren, wenn Jesus nicht in diesem Augenblick festgenommen worden wäre, dann wäre er wohl geflohen. Immerhin befand er sich schon außerhalb der Stadtmauern.

Richter                       Stattgegeben.

Johannes                   Einspruch, Jesus ist ein guter Bürger gewesen. Er zahlte seine Steuer und stellt keine Armee gegen Rom auf.

Richter                       Abgelehnt. Sie haben noch elf Punkte, Johannes. Ich hoffe für sie, dass diese Punkte ein wenig mehr hergeben als dieser letzte.

Johannes                   Jesus wurde – ohne die Anwesenheit seines Anwalts – privat vernommen.

Kläger                        Und wo bitte soll diese Vernehmung stattgefunden haben?

Johannes                   Bei Hannas oder Kaiphas!

Kläger                        Geht es vielleicht ein wenig genauer?

Johannes                   Natürlich nicht, weil es im Privatem geschah. Es geschah kurz vor diesem Verhör. Diese Vernehmung war weder öffentlich, noch war sie frei – Jesus war in Fesseln. Auch kann es nicht sein, dass nur ein Richter über ihn richtet.

Kläger                        Jesus ist noch immer in Fesseln, denn sonst würde er ja fliehen. Außerdem, Euer Ehren, ist der Verteidiger sich nicht einmal sicher, wer Jesus verhört haben soll, Hannas oder Kaiphas – vielleicht waren es ja doch mehr als ein Richter? Es soll angeblich im Privaten geschehen sein – wer soll da bitte aussagen?

Johannes                   Die Verteidigung ruft Hannas in den Zeugenstand.

Kläger                        Jetzt hören Sie doch bitte auf. Sie können doch auf Vermutung nicht irgendeinen angesehen Richter in den Zeugenstand rufen und ihn mit Dreck besudeln.

Richter                       Ich stimme dem Kläger zu. Weder Hannas noch Kaiphas werden in den Zeugenstand gerufen. Bei ihrem zweiten Punkt mangelt es an Beweisen. Aber bitte, fahren Sie fort.

Johannes                   Die Anklageerhebung gegen Jesus ist formal ungesetzlich.

Richter                       Bitte werden Sie doch ein wenig genauer, mein Herr Verteidiger.

Johannes                   Dieses Verhör hier ist nicht öffentlich. Christus ist nicht frei. Und wie wir nun schon gesehen haben, ist eine Sicherung gegen alle Gefahren in den Aussagen nicht gegeben.

Kläger                        Natürlich nicht, was reden Sie da. Einspruch, Euer Ehren.

Richter                       Stattgegeben.

Johannes                   Was? Aus welchem Grund. Der Kläger hat seinen Einspruch nicht einmal annähernd begründet. Wie können Sie, Richter, diesem Einspruch stattgeben?

Richter                       Hüten Sie Ihre Zunge, sonst lasse ich sie wegen Missachtung des Gesetzes aus dem Gerichtssaal bringen.

Johannes lässt sich erschöpft nach hinten fallen. Er stand die ganze Zeit schon und

versuchte mit aller Macht seinen Meister zu verteidigen. Er ist erschöpft und nahe

daran zu verzweifeln. In diesem Augenblick spürt er, wie Wärme in ihn einfährt. Er

blickt zu seiner linken Seite und schaut Jesus direkt in die Augen. Jesus lächelt ihn an

und zeigt ihm damit, dass er nicht enttäuscht von ihm sei. Jesus weiß, wie diese

Verhandlung ausgehen würde.

Johannes, fahren Sie nun mit ihren restlichen Punkten fort?

Johannes hat neuen Mut geschöpft und ist voller Energie. Er steht wieder und mit

Jesus an seiner Seite fühlt er sich so stark wie ein Löwe.

Johannes                   Gewiss, Euer Ehren. Die Verteidigung beantragt eine Vertagung des Verhörs, da es bei Nacht stattfindet. Ich zitiere von der Mischna.

Er blättert kurz durch seine Unterlagen. Es ist ein Wunder, dass er einigermaßen

vorbereitet ist – so schnell, wie die Ereignisse sich überschlagen haben.

                                    Hier, Sanhedrin 4:1: „Ein Kapitalvergehen ist während des Tages zu verhandeln, während der Nacht ruhen zu lassen.“

Johannes spürt, dass er etwas hat. Er erkennt an der Haltung der Richter und die der

Kläger, dass sie zögern.

Kläger                        Einspruch, Euer Ehren. Es ist doch wohl kaum von Kapital-vergehen die Rede, oder?

Johannes                   Entweihung des Sabbats, Gotteslästerung, Rebellion gegen Rom?

Kläger                        Also geben Sie zu, dass sich Jesus dies alles zu Schulden gekommen lassen hat?

Johannes                   Natürlich nicht.

Kläger                        Wovon haben Sie dann solche Angst?

Richter                       Der Einspruch wird somit stattgegeben. Der Antrag auf Vertagung wird abgelehnt. Je schneller wir das hier hinter uns bringen, desto besser. Die Verteidigung hat noch einige Punkte, nehme ich an?

Johannes                   Wurde schon das Morgenopfer dargebracht, Euer Ehren?

Richter                       Natürlich nicht, es ist ja noch nicht morgen. Wo wollen Sie mit dieser Frage hin, Johannes?

Johannes                   Und das Abendopfer, Euer Ehren, wurde dies schon dargebracht?

Richter                       Selbstverständlich! Ich bin hier nicht auf der Anklagebank. Behandeln Sie mich nicht wie einen Zeugen. Meine Geduld ist langsam erschöpft.

Johannes                   Noch einen Augenblick, Euer Ehren. Zwischen Abend- und Morgenopfer dürfen keine Verfahren stattfinden. Ich fordere den sofortigen Abbruch!

Richter                       Abgelehnt. Lehnen Sie sich nicht zu weit aus dem Fenster, sonst fallen Sie noch heraus! Und das ist eine direkte Warnung!

Johannes                   Aber hier im Talmud steht doch, dass keine Sitzung des Gerichtshofes vor der Darbietung des Morgenopfers stattfinden darf.

Kläger                        Einspruch, Euer Ehren, der Verteidiger dreht sich im Kreis. Diese Sitzung dient doch nur dazu, festzustellen, ob Jesus ein paar Gebote gebrochen hat.

Johannes                   Ein paar Gebote? Wegen ein paar Geboten seid Ihr Kläger doch vollkommen erbost.

Ein wildes Durcheinander folgt. Alle stehen auf – nur Jesus und die Richter bleiben

sitzen. Johannes hat an Größe noch ein wenig zugenommen und zeigt mit dem Finger

auf die Kläger. Die Kläger zeigen auf Johannes. Was gesagt wird, kann niemand

verstehen. Der Richter fängt an, mit seinem Hammer auf das Pult zu hauen, doch erst

als Jesus Johannes traurig anschaut, wird der Verteidiger wieder ruhig. Er beugt sich

zu Jesus herunter und muss wohl kurz weinen. Der Meister sagt ihm etwas ins Ohr.

Johannes verliert jeglichen Mut. Sein Meister wird dieses Verhör verlieren und

schuldig gesprochen werden. Er sammelt sich und wird weiter verteidigen.

                                    Entschuldigen Sie, Euer Ehren. Ich werde von nun an Ruhe bewahren und die Entscheidungen des Richters respektieren.

Kläger                        Ausgezeichnet.

Johannes                   Euer Ehren, es ist nun Freitag. Morgen ist Sabbat. In der Mischna, Sanhedrin 4:1 steht und ich zitiere: „Sie sollen nicht richten am Vorabend des Sabbats.“

Kläger                        Einspruch, Euer Ehren. Wie schon angemerkt: erstens könnte Jesus ja fliehen und zweitens war er schon außerhalb der Stadt.

Richter                       Einspruch stattgegeben. Sie sind bei Punkt sieben, glaube ich.

Johannes                   Ja, Euer Ehren.

Richter                       Nun bitte, fahren Sie doch fort. Und bitte verschonen Sie uns mit diesen ganzen „bei Nacht“ Anschuldigungen. Dieses Thema ist – wie meine Geduld – zum äußersten gereizt.

Johannes                   Der Prozess darf nicht innerhalb eines Tages abgeschlossen werden. Ich bitte Sie, davon abzusehen, noch heute ein Urteil zu erzwingen.

Kläger                        Einspruch, Euer Ehren. Die Sache muss noch hier und heute geregelt werden.

Richter                       Abgelehnt.

Johannes hat zum ersten Mal den Richter auf seiner Seite. Er lässt es sich nicht

anmerken, doch in ihn lacht kurz die Sonne. Er blickt voller Hoffnung zu Jesus, wird

aber von den Worten des Richters in die Dunkelheit zurückgeholt.

                                    Ich werde heute kein Urteil erzwingen. Doch ich werde Pilatus von einem ersten Urteil berichten. Es wird sowieso an ihm liegen, was mit Jesus geschehen wird. Es kann sein, dass er ihn frei spricht, wer weiß. Dieser Prozess muss noch heute abgeschlossen werden, doch dieser hier ist doch nur ein Teil des gesamten Prozesses. Jesus muss sich am Tag noch vor den römischen Beamten rechtfertigen. Ich lehne den Einspruch der Anklage ab, kann aber auf die Bitte der Verteidigung nicht vollends eingehen. Bitte, Johannes, Ihr nächster Punkt.

Johannes                   Niemand der hier anwesenden Richter spricht für Jesus. Wenn der Schuldspruch einstimmig erfolgt, dann wird damit ein Freispruch bewirkt.

Kläger                        Euer Ehren, noch ist doch gar kein Schuldspruch erfolgt und wie Ihr sagtet, wird dies auch noch bis später verzögert.

Johannes                   Aber es muss dennoch bedacht werden, dass niemand der Richter für Jesus stimmt und Pilatus somit von einem Freispruch unterrichtet werden muss.

Richter                       Lassen Sie das nur meine Sorge sein. Der Schuldspruch ist noch nicht erfolgt und vielleicht ist einer von uns von Ihrer Verteidigung überzeugt.

Johannes                   Und wer, Euer Ehren?

Richter                       Wie gesagt, lassen Sie das nur meine Sorge sein. Aber bitte, fahren Sie fort.

Johannes                   Die Kleider meines Mandanten wurden zerrissen, das Verfahren fand schon an verschiedenen Orten statt und wird wohl noch an einem weiteren Orten stattfinden. All diese Punkte sprechen gegen ein Verfahren.

Richter                       Sind diese Punkte alle für sich oder ist es ein einzelner Punkt ihrer zwölf Punkte?

Johannes                   Es ist ein Punkt der zwölf Punkte, Euer Ehren.

Richter                       Die Umstände ließen kein anderes Vorgehen zu, das tut mir Leid. Ich werde es aber in das Protokoll aufnehmen lassen. Dennoch muss ich Ihnen mitteilen, dass wir an diesem Punkt nicht verweilen werden. Sie haben noch zwei Punkte.

Johannes                   Die Richter sind Feinde Jesu. Sie dürfen nicht über ihn richten.

Kläger                        Ist das so? Dieser Mann er zeigte dabei auf Jesus ist so berühmt, dass ihn jeder kennt. Sie können doch nicht sagen, dass der Richter ein Feind Jesu ist, nur weil er von ihm gehört hat.

Johannes                   Richter, sind Sie ein Feind Jesu?

Kläger                        Einspruch, Euren Ehren steht nicht als Zeuge, sondern als Richter hier.

Richter                       Kläger, ich spreche für mich selbst: Ich werde aber kein Wort über meine Beziehung und meine Gefühle zu diesem Mann verlieren. Sie haben noch einen Punkt.

Johannes                   Es wurde weder gründlich gesucht, noch geforscht, noch gefragt (5.Moses 13:15). Weder Jesus noch irgendwer sonst befand sich im Zeugenstand.

Richter                       Aber sie wissen doch, dass Jesus seinen Mund nicht auftut. Er schweigt.

Johannes                   Weil er wie ein Lamm ist, dass vor seinem Scherer verstummt (Jesaja 53:7). Dennoch wurde nicht geforscht und gefragt. Ich rufe also Petrus in den Zeugenstand! Sein Wort wird zeigen, dass die Punkte der Rebellion, der Gotteslästerung und der Sabbatentweihung falsche Anschuldigungen sind!

Richter                       Nun gut, rufen Sie doch bitte Petrus zu uns. Er wird sich bestimmt irgendwo vor den Toren des Gerichts befinden.

Gerichtsvorsteher    Die Verteidigung ruft Simon Petrus in den Zeugenstand!

Von nun an vergeht die Zeit für Johannes unendlich langsam. Jesus hat die Augen

geschlossen und erinnert sich an seine Worte an Petrus: „In dieser Nacht, ehe der

Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Matthäus 26:33). Draußen hört man

nur Menschen, die den Name des Apostels rufen. Dann kräht der Hahn und Jesus

öffnet wieder seine Augen und sieht Petrus, der ihn draußen leugnet.

Werte Richter, es scheint, als ob Petrus nicht in den Zeugenstand kommen wird.

Kläger                        Er leugnet ihn, Euer Ehren. Petrus leugnet den großen Jesus. Schuldig, sagen wir. Schuldig in allen Punkten!

Johannes klappt in seinen Stuhl zusammen. Er spürt, wie Jesus seine beiden Hände auf

sein Knie legt und in sein Ohr flüstert: „Sei guten Mutes, ich habe die Welt

überwunden“ (Johannes 16:33). Johannes blickt seinen Meister direkt in die Augen.

Sie haben noch immer ihre Erhabenheit! Auch Johannes flüstert etwas und steht dann

auf.

Johannes                   Euer Ehren, die Verteidigung beendet hiermit ihre Beweisaufführung.

Richter                       Wir werden Pilatus über unser Urteil informieren! Das Gericht ist hiermit geschlossen.

Der Hammer fällt und alle bis auf Jesus, der Gerichtsvorsteher und einige Soldaten

bleiben im Raum. Johannes hat die Verhandlung verloren, doch Glauben in seinen

Messias gefunden.

Fußballkarten

Die Fußballeuropameisterschaft 2016 hat auch unsere Familie erreicht. Unser 7jähriger Sohn sammelt fleißig Fußballkarten für sein Sammelheft. Als ich neulich mit ihm zusammen tanken bin, bettelt er, ob ich ihm doch ein paar von den begehrten Karten kaufen könnte. Als ich einwillige freut er sich und verlangt an der Kasse die gewünschte Anzahl. Nachdem wir gezahlt haben, steigen wir ins Auto ein und fahren los. Wir sind schon ein paar Meter weg , da höre ich wie er immer wieder die kleinen Päckchen zählt und, sich heimlich freuend, feststellt, dass wir wohl eins zuviel ausgehändigt bekommen haben. Erst denke ich: „Was soll’s auf die paar Cent kommt es doch der Tankstelle nicht an. Da haben wir halt einfach Glück gehabt.“ Ich fuhr also weiter. Dann schoss ein anderer Gedanke durch meinen Kopf: „Was lernt mein Kind jetzt? – Das es nicht wichtig ist ehrlich zu sein. – Das es seine Mama mit der Ehrlichkeit nicht so genau nimmt. – Das man nur dann gute Entscheidungen treffen soll, wenn andere es mitbekommen.“

In dem Moment fällt mir fiel ein Gedanke ein, den ich vor ein paar Jahren bei der Generalkonferenz unserer Kirche hörte. Rosemary M. Wixom sagte: „Wenn wir unsere Kinder nicht lehren, wird die Welt das übernehmen,….“ (Oktober 2010). Will ich diese Gelegenheit nutzen und mein Kind etwas lehren oder überlasse ich das anderen, die vielleicht nicht meine Werte teilen? Ich mußte mich entscheiden und das tat ich dann auch.

Ich fragte ihn, was er denkt, was wir jetzt machen sollen. Er druckst ein bißchen herum. Ich erinnere ihn daran, dass wir ehrlich sein sollen und es das Beste ist, wenn wir jetzt umdrehen und das eine Paket, das zuviel ist wieder zur Tankstelle bringen. Nach kurzer Überlegung willigt er ein und wir fahren zurück. Ich freue mich, als mein Sohn aussteigt und mutig zur Kasse läuft und das Päckchen zurückbringt.

Als er wieder einsteigt, frage ich ihn: „Und, was hat die Frau gesagt?“ Freudestrahlend antwortet er, dass sie meinte, dass er aber sehr lieb sei. Die nächste Frage von mir war: „Wie hast Du Dich dabei gefühlt?“ Er berichtet von einem warmen und glücklichen Gefühl. Ich erkläre ihm, dass das der Heilige Geist ist, den wir verspüren, wenn wir etwas Gutes machen.

Mein Mutterherz freute sich in dem Moment wahnsinnig. Ich weiß, dass er sich an diesen Moment immer wieder in seinem Leben erinnern wird, wenn es darum geht, ehrlich zu sein. Diese Erinnerung wird ihm helfen, auch das nächste Mal den Mut zu haben, eine gute Entscheidung zu treffen. Aber selbst wenn er es einmal nicht schafft, wird er sich daran erinnern, dass er es schon einmal geschafft hat und er nicht aufgeben braucht.

Aber auch ich, als Mutter habe dazugelernt. Unsere Kinder beobachten uns und wir haben einen großen Einfluß auf sie, auch in vermeintlich kleinen Dingen. Wenn wir ein gutes Beispiel geben, dann entwickeln sie auch den Wunsch, ein guter Mensch zu sein und dem Beispiel Jesu Christi zu folgen. Auch ich darf nicht aufgeben und kann es jeden Tag besser machen.

Baut eine Arche

Gott sprach zu Noa und gab ihm das Gebot, eine Arche zu bauen. Weil Noa diesem Gebot gegenüber gehorsam war, empfing er als Segen sein Leben. Nachdem Gott ihm sagte: „Mach dir eine Arche!“ (Genesis 6:14), tat er genau das. Er baute eine Arche wie Gott es von ihm wollte.

Diese Arche sorgte dafür, dass die Tiere (Gott rettete mehr Tiere als Menschen) und seine Familie die Flut überleben konnten. So baute Noa eine Arche, um sich und seine Familie vor der Schlechtigkeit der Welt zu retten.

Die Arche war eine Zuflucht vor der Flut.

Auch heute ergeht an uns das Gebot, eine Arche zu bauen – oder zumindest Zuflucht in einer Arche zu suchen. Da wir heute eine Wasserflut nicht mehr zu befürchten haben (Genesis 8:21), müssen wir auch keine tatsächliche Arche bauen. Doch so wie das Wasser die gesamte Erde überschwemmen kann, kann die Sünde alle Ecken und Enden der Welt erreichen, um zu zerstören wie Wasser zerstören kann.

Noa war der Prophet der damaligen Zeit und baute eine Arche. Auch heute haben wir Propheten, die für uns eine Arche bauen, in die wir oft gehen müssen, um nicht zu ertrinken. Neben dem Tempel dienen auch das Zuhause und die Familie als geistige Archen, die uns vor Sünde beschützen können.

Der Tempel ist unsere Arche und so wie der Tempel auf einem Berg steht, um dem Himmel näher zu sein, so sollten auch unsere Grundsätze auf Bergen stehen, um dem Himmel näher zu sein und um nicht von einer Welle wegen jeder Kleinigkeit weggeschwemmt zu werden (Jakobus 1:6).

Zu drei Zeiten wurden die Menschen aufgerufen, eine Arche zu bauen. Zu Noas Zeit, zur Zeit der Apostel, als ein Missionar die Hebräer ermahnte, eine Arche zu bauen (Hebräer 11:7), sodass sie zu Gott zurückzusegeln können und in der heutigen Zeit, wenn wir aufgerufen werden, in den Tempel zu gehen, um nicht – wie Petrus es beinahe erging – wegen Versuchungen unter zu gehen.

Die Geschichte der Arche ist heute so aktuell wie zu Noas Zeit. Auch heute haben wir einen Propheten, auch heute wird die Erde überschwemmt mit Schlechtigkeit und auch heute haben wir Archen, in die wir fliehen können, um zu überleben.

Glauben heißt, nichts wissen! Oder?

Häufig, wenn ich mit Leuten außerhalb der Kirche über meinen Glauben spreche, schlägt mir in irgendeiner Form das gängige Klischee entgegen: „Glauben heißt, nichts wissen!“ Dem wird dann in unserer inzwischen sehr weitgehend von atheistischen Ideen geprägten Gesellschaft die Wissenschaft entgegen gestellt, die ja, wie der Name schon sagt, gesichertes Wissen vermittelt. Diesem Gedankengang liegen zwei Missverständnisse zugrunde. Ich möchte hier auf das eine davon eingehen.

Die Online-Version des Duden definiert „Glauben“ als „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung“. Dies ist die Definition, die die meisten Menschen im Hinterkopf haben, wenn es um das Thema „Glauben“ geht. Ein Blick auf die vom Duden angegebenen Synonyme offenbart jedoch, dass in unserer Sprache gewisse Bedeutungen des Wortes verloren gegangen sind. Synonyme für „Glaube“ sind „Meinung, Überzeugung, Vertrauen, Zuversicht“. Glaube im Sinne von Vertrauen oder Zuversicht ist die Bedeutung, die unseren Vorfahren sicher noch geläufig war, vielen von uns aber inzwischen fremd geworden ist.

Vielleicht hat der eine oder andere von uns noch die Worte eines Geistlichen im Ohr: „Du musst einfach glauben!“ Da glauben ja, nach weit verbreiteter Meinung „nichts wissen“ bedeutet, ist das eine sehr unbefriedigende Aussage. Sie bedeutet dieser Definition gemäß, man soll einfach gewisse Glaubenssätze annehmen, ohne einen Beweis dafür zu verlangen und ohne sie zu hinterfragen. Wenn man jedoch Glauben als Vertrauen definiert, ergibt sich daraus eine völlig andere Aussage. Dann bedeutet diese nämlich, man soll auf diese Grundsätze vertrauen, darauf setzen, dass sie wahr ist. Und dies vielleicht einfach nur für eine begrenzte Zeit, bis sich herausgestellt hat, ob sie einen weiterbringen oder nicht.

Dann sind wir genau bei der Aussage in Alma 32 im Buch Mormon. Dort heißt es im Vers 28: „Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. Wenn ihr nun Raum gebt, dass ein Samenkorn in euer Herz gepflanzt werden kann, siehe, wenn es ein wahres Samenkorn oder ein gutes Samenkorn ist, wenn ihr es nicht durch euren Unglauben ausstoßt, so dass ihr dem Geist des Herrn Widerstand leistet, siehe, so wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und wenn ihr dieses Schwellen spürt, so werdet ihr anfangen, in euch zu sagen: Es muss notwendigerweise so sein, dass es ein gutes Samenkorn ist oder dass das Wort gut ist, denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein.“

Was der Prophet Alma hier beschreibt, ist die Tatsache, dass man gewisse spirituelle Wahrheiten nicht beweisen, sondern nur für sich selbst ausprobieren kann, indem man sie als wahr annimmt und ihnen keinen „Widerstand leistet“. Nach einiger Zeit kommt dann die Phase des Hinterfragens: Was hat diese Wahrheit, die ich angenommen habe, mit mir gemacht? Hat sie mein Verständnis erweitert, hat sie mir Freude bereitet, hat
sie mich im Leben vorangebracht?

Diese Art von Glauben ist alles andere als unkritisch oder naiv. Sie ist einfach notwendig, um Wahrheiten zu überprüfen, die sich der wissenschaftlich-intellektuellen Methodik entziehen. Außerdem ist sie sehr vernünftig und entspricht darüber hinaus auch noch unserer Alltagserfahrung. Wer wissen will, ob Sushi gut schmeckt, wird nicht mit Waage, Maßband und Thermometer an einem Maki-Röllchen herum hantieren. Er wird auch nicht alle möglichen Anhänger und Gegner des Sushi-Verzehrs zu ihrer Meinung befragen. Nein, die einzige Methode, um herauszufinden, ob man Sushi mag, ist, zumindest eines davon in den Mund zu nehmen, intensiv zu kauen, bewusst zu schmecken und dann für sich zu entscheiden, ob es einem schmeckt oder nicht.

So ist es auch mit dem Glauben.

Nasse Schuhe – Kalte Füße

Es ist Ende April und als ich zusammen mit meinem Mann das Haus verlasse, um ihn ein Stück zur Arbeit zu begleiten, ziehe ich meine Halbstiefel an. Sie sind nicht wasserdicht, das war mir klar. „Es wird schon nicht so schlimm werden“, denke ich und gehe los. Doch der Schnee ist so naß, daß er auf der Straße bereits gleich wieder zu Matsch wird. Wir laufen nur wenige Minuten, als mir klar wird, daß ich mit nassen Füßen wieder zu Hause ankommen werde. Obwohl wir noch nicht so weit weg von zu Hause sind, gehe ich nicht zurück, um richtige Winterstiefel anzuziehen. „Die habe ich schon in den Keller geräumt“ erwidere ich meinen Mann, als er mir genau das vorschlägt und gehe entschlossen weiter. Ich spüre wie meine Socken sich vorne mit Wasser voll saugen und die Nässe sich langsam zur Fußmitte ausbreitet. Ich versuche nicht zu jammern. Schließlich habe ich mich ja so entschieden, aber irgendwann wird es so unangenehm, dass ich doch ein klein wenig über meine kalten Füße klage.

Während wir weiter laufen, erinnert mich mein Mann, an die vielen Flüchtlinge, die es zur Zeit auf der Welt gibt. Bestimmt gibt es da auch welche, die noch nie so ein Wetter erlebt haben und folglich gar nicht im Besitz von Winterstiefeln sind. Und dann auf ihrer Flucht, kommen sie in solches Wetter. Auch ihre Füße werden kalt, ihre Kinder weinen und sie sehnen sich, so wie ich auch in diesem Moment, nur nach Wärme. Doch ich weiß, daß ich nach einer halben Stunde wieder zu Hause sein werde. Wie freue ich mich darauf, meine nassen Socken und Schuhe ausziehen zu können und meine kalten Füße mit einer warmen Decke zu wärmen.

Da gehen mein Gedanken wieder zurück an all die Menschen, die auf der Flucht sind, die nicht wissen, wann und wo ihr beschwerlicher Weg zu Ende sein wird. Die sich nach Frieden und einer Zukunft für ihre Kinder sehnen. Was bin ich bereit, für diese Menschen zu tun, die mittlerweile auch in meiner Stadt leben? Ich denke, an die Worte, die ich erst vor wenigen Wochen auf der Generalkonferenz unserer Kirche gehört habe. Dort sprach der Siebziger, Patrick Kearon unter anderem darüber, was wir für diese Menschen, die mittlerweile in unserer Heimat angekommen sind, tun können:

„Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie wir mit anpacken und ein Freund sein können. Wir können umgesiedelten Flüchtlingen helfen, die Sprache ihres Gastlandes zu erlernen, sich neue berufliche Fertigkeiten anzueignen oder sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Wir können einer Familie oder einer alleinerziehenden Mutter helfen, sich in der neuen Kultur besser zurechtzufinden. Vielleicht bedarf es dazu bloß solcher Kleinigkeiten, wie mit ihnen einkaufen zu gehen oder sie in die Schule zu begleiten. …….

Kommen wir doch aus unserer Sicherheit heraus und geben wir von dem ab, was bei uns im Überfluss vorhanden ist, nämlich Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Glaube an Gott und unsere Mitmenschen und Liebe, die über kulturelle und ideologische Unterschiede hinwegsieht auf die herrliche Wahrheit, dass wir alle Kinder des himmlischen Vaters sind.“

In der Bibel können wir lesen, daß Jesus bereits als Kind lernen mußte, was es bedeutet auf der Flucht zu sein. Sein Leben war bedroht, weil König Herodes alle Jungen unter zwei Jahre töten ließ. Deswegen floh er mit Maria und Josef nach Ägypten. Auch später in seinem Leben sagte er von sich: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Matthäus 8:20) Denken wir daran, was Jesus später sagte, als er über das Weltgericht sprach: „ Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“(Matthäus 25:40)

 

Bildquelle: https://billedekunst.wordpress.com

Bau einen Altar und bringe Opfer dar

Vor einigen Jahren arbeitete ich, als ich Anfang 20 war, in einem Natursteingeschäft. Dort musste ich häufig schwere Steine tragen, die oft über 30 Kilogramm gewogen haben. Es waren große Steine und ich musste sie auf eine Palette schaffen, damit sie weggefahren werden konnten. Damit viele Steine auf eine Palette passen konnten, musste ich die Steine sorgfältig stapeln und zwar so hoch, dass sie mir fast bis zur Hüfte reichten.

Es war August und sehr heiß. Während ich mich mit den Steinen abmühte, merkte ich, wie ich zu schwitzen anfing. Der Schweiß war wortwörtlich auf meinem Angesicht. Meine Arme, Hände und Finger fingen zu schmerzen an. Außerdem bekam ich Rückenschmerzen, da ich keine ideale Hebetechnik anwendete. Sechs solche Steinhügel musste ich stapeln.

Mein ganzer Körper schmerzte, ich war verschwitzt und müde. Als ich jeden Stein einzeln auf die anderen Steine legte, dachte ich an Altäre. Ich dachte an den ersten Mensch, der auf der Erde lebte und daran, dass auch er einen Altar baute (womöglich viel symmetrischer als ich das tat). An mich erging damals die schwere Aufgabe Steinhügel zu bauen, an Adam jedoch erging die Aufgabe, einen Altar zu bauen, zu beten und zu opfern (Mose 5:5).

Adam begann erst langsam seine Muskeln zu benutzen, dennoch benutzte er sie und baute so einen Altar.

Nun besteht ein Altar nicht aus einem Stein hier und einem Stein da. Es ist eine sehr ermüdende Arbeit. Nicht nur die Höhe, sondern auch die Stabilität ist wichtig. Er sollte so symmetrisch wie möglich sein, denn er sollte als Sinnbild des Altars dienen, auf dem das Lamm Gottes geopfert werden würde.

Einen Altar ohne Zement und Werkzeuge zu bauen erfordert handwerkliche Fähigkeiten. Somit war Adam nicht nur Feldarbeiter, sondern auch Handwerker.

Ich baute einen Altar, oder eher etwas ähnliches. An diesem heißen Augusttag lernte ich, dass es eigentlich schon ein Opfer ist auch nur einen Altar zu bauen. Die Energie und Kraft, die der Erbauer in diesen Akt der Vorbereitung stecken muss, um Gott anzubeten, ist ein Schatten dessen, was diesem ersten Opfer folgen wird. Und somit opferte Adam gleich zweimal: Einmal, als er diese heilige Erhöhung erbaute, ein Fußschemel für den Allerhöchsten und einmal, als er das Erstling seiner Herde schlachtete.

Jedes Opfer verlangt Vorbereitung. Abraham, der wohl als einziger ein Teil der Gefühle unseres Vaters, der seinen geliebten Sohn gab, fühlen musste, war vorbereitet seinen eigenen Sohn Isaak zu opfern. Auch heute müssen wir uns vorbereiten zu opfern.

Baue einen Altar und bringe Opfer dar, ist ein Gebot, das mehr beinhaltet als nur einen Altar zu bauen. An diesem Tag verstand ich, was es heißt, einen heiligen Stand hochzuziehen und was damit verbunden ist. Das Opfer beginnt nicht damit, ein Lamm oder ein anderes Tier, das als Opfer bestimmt werden darf zu sammeln. Es beginnt mit dem Gebot einen Altar zu bauen.

Folgende Opfer im Alten Testament sind bekannt:
• Sühnopfer (Levitikus 9:7)
• Brand-, Schlacht- und Trankopfer (1.Makkabäer 1:45)
• Versöhnungsopfer (2.Makkabäer 3:33)
• Speise- und Sündopfer (Psalm 40:7)
• Ganzopfer (Psalm 51:21)
• Dankopfer (Psalm 56:13)
• Lobopfer (Psalm 119:108)
• Rauch- und Abendopfer (Psalm 141:2)
• Schuldopfer (Sirach 7:31)
• Heilsopfer (Sirach 35:2)
• Gedenkopfer (Sirach 35:9)
• Feueropfer (Sirach 50:13)
• Kindesopfer (Jeremia 32:35)
• Erstlingsopfer (Ezechiel 20:40-41)
• Weinopfer (Hosea 9:4)

Keines von all diesen ist heiliger als das von Christus. Er trug seinen eigenen Altar in der Form eines Kreuzes. Er betete und wurde erhört. Und sein Sühnopfer erfüllte das Gesetz des Moses.

Heute können wir immer noch geistige Altäre bauen und Gott Opfer darbringen. Wir können unser Alles auf den Altar des Lebens legen und uns dem Herrn Gott ganz opfern beziehungsweise weihen.