Wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist

Wenn Sie jemanden auf seine Sünde hinweisen, wird Ihre Sünde nicht minimiert
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Weiter spricht der auferstandene Jesus Christus zu der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge: „Und wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, gewahrst aber nicht den Balken, der in deinem eigenen Auge ist? 4  Oder wie kannst du zu deinem Bruder sprechen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen—und siehe, ein Balken ist in deinem eigenen Auge? 5  Du Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.“ (3. Nephi 14:3-5).

Wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist. Was kann ich mir unter dem Splitter im Auge meines Bruders vorstellen? Natürlich ist das wieder nicht wortwörtlich, sondern sinnbildhaft zu verstehen. Der Splitter könnte eine Macke, eine Unart sein, die ich bei ihm nicht leiden kann. Meinetwegen könnte es sein, dass er bei jedem zweiten Satz eine sinnlose Bemerkung fallen lässt. Das regt mich dann mit der Zeit so auf, dass ich ihn darauf hinweise und ihm sage, dass er das besser ablegen sollte.

Hab ich mir dabei aber Gedanken gemacht, was ihn vielleicht an mir stören könnte? Vielleicht verletze ich in jedem zweiten Satz durch meine Äußerungen seine Gefühle? Da fällt mir in dem Zusammenhang die Begebenheit mit der Ehebrecherin ein, die von den Schriftgelehrten und Pharisäern zu Jesus gebracht wurde mit der Frage, ob sie dafür nicht gesteinigt gehört, wie es im Gesetz des Mose vorgeschrieben war. Offensichtlich reagierte Jesus durch keine verbale Antwort. Er schrieb einfach mit seinem Finger in den Sand. Auf eine weitere hartnäckige Nachfrage sprach er zu ihnen: „… Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ (Johannes 8:7), bückte sich wieder und schrieb weiter in den Sand. Übrigens: Interessant, dass er mit dem Finger in den Sand schrieb! Wann hatte Jesus denn schon mal was mit seinem Finger geschrieben? Denke an die Gesetzestafeln, die er für das Volk Israel mit seinem Finger beschrieb und sie dann Mose übergab (Exodus 31:18). Zurück zu der Frage der Pharisäer. Einer nach dem anderen verließ den Schauplatz, ohne dass auch nur einer einen Stein warf und der Herr sagte zur Ehebrecherin: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Johannes 8:1-11). Die Ankläger wollten den Splitter im Auge der Ehebrecherin herausziehen, obwohl sie durch mehrere Balken im eigenen Auge nicht in der Lage waren, klar zu sehen. Wie soll das funktionieren? Ich habe mir angewöhnt, wenn mir bei einem anderen etwas missfällt oder mich an ihm aufregt, zu überprüfen, ob ich überhaupt richtig sehen kann durch den Balken in meinem eigenen Auge, und schon verfliegt der Ärger, denn ich weiß nicht, mit welcher meiner Eigenarten ich ihn aufrege. Ich bin aufgefordert, zunächst meine Unarten, meinen Balken, `aus meinem Auge zu ziehen´, bevor ich anderen voller Liebe helfen kann ihren Splitter zu entfernen.

Wie empfindest du diese Aufforderung des Herrn?

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet

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Auch hier beginnt der Bericht mit einer anderen Einleitung als in der Einheitsübersetzung 2016 (Matthäus 7:1-2): „Und nun begab es sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, wandte er sich wieder an die Menge und öffnete den Mund wieder zu ihnen, nämlich: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. 2  Denn mit welchem Richterspruch ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch wieder zugemessen werden.“ (3. Nephi 14:1-2).

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Im Buch Mormon wendet sich der auferstandene Christus, der die Nephiten, die sich nach den Katastrophen am Tempelplatz versammelt hatten, aufsuchte und belehrte, nun wieder der gesamten Menge zu und spricht wieder zu allen.

Heißt das nun, dass wir grundsätzlich nicht richten sollen, um nicht Gefahr zu laufen, selber gerichtet zu werden? Schauen wir uns eine andere Aussage Jesu an, die er zur Zeit des Laubhüttenfestes in Jerusalem im Tempel tätigte, als die Juden ihm zürnten am Sabbat geheilt zu haben: „Urteilt nicht nach dem Augenschein, sondern urteilt gerecht!“ (Johannes 7:24). Dies setzt die Aussage im Vers 1 oben ins rechte Licht. Betrachtet man dazu noch den Vers 2 oben, passt das zu der Aussage im Matthäus 7: Richten wir ungerecht, so werden wir ebenso geurteilt. Richten wir hart, werden auch wir hart gerichtet werden. Ich lerne, dass ich mich davor hüten soll, insbesondere vorschnell, zu urteilen. Warum? Weil ich nur das Äußere sehe. Ich bin nicht in der Lage das Herz, die innersten Beweggründe für das Handeln eines anderen zu sehen. Aber der Herr ist dazu in der Lage (1. Samuel 16:7). Die Beweggründe mögen für den Handelnden gut sein, während ich sie als falsch ansehe. Ich bin also nicht in der Lage, seine Wünsche, seinen Glauben und seine Ziele zu kennen und werde deshalb eher ungerecht richten. Des Weiteren kommt es dem Herrn nicht darauf an, wo wir uns befinden, sondern welche Richtung wir einschlagen. Wie will ich es mir mit all meinen Schwächen erlauben über andere zu richten – ausgenommen, der Herr beruft einen als `Richter in Israel´ (Lehre und Bündnisse 58:17-18).

Was ist deine Ansicht zum Richten?

Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben

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Im Unterschied zur Einheitsübersetzung, aber auch zur King James Version, beginnt der Vers 25 im Buch Mormon anders: „Und nun begab es sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, blickte er die Zwölf an, die er erwählt hatte, und sprach zu ihnen: Denkt an die Worte, die ich gesprochen habe. Denn siehe, ihr seid es, die ich erwählt habe, diesem Volk zu dienen. Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen werdet oder was ihr trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als Nahrung und der Leib mehr als Kleidung?“ (3. Nephi 13:25).

Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben. Es ist wichtig, zu erkennen, dass der auferstandene Jesus die Aussagen von Vers 25-34 zu einem eingeschränkten Zuhörerkreis spricht. Nicht uns alle Menschen spricht er damit an, sondern nur seine Zwölf, die zu einem besonderen Dienst berufen sind. Sie sollen sich nur um ihren geistlichen Dienst an den Menschen kümmern – der Welt die errettende Botschaft zu verkünden und besondere Zeugen für Jesus Christus zu sein – und sich nicht um weltliche Notwendigkeiten ihres Daseins abmühen.

Auch in dieser letzten Evangeliumszeit hat der Herr seinen besonderen Zeugen gleiches gesagt: „Und du sollst weder Beutel noch Tasche mitnehmen, auch keinen Stab und keine zwei Röcke, denn die Kirche wird dir zur selben Stunde geben, was du an Nahrung und an Kleidung und an Schuhen und an Geld und an Tasche brauchst.“ (Lehre und Bündnisse 24:18). In Lehre und Bündnisse 84:77-91 bringt der Herr gegenüber den heute mit diesem Dienst berufenen nochmals Gleiches zum Ausdruck, wie er seinen Zwölfen in Jerusalem, als auch in Amerika, als er den Nephiten nach seiner Auferstehung erschien, zum Ausdruck brachte: sie sollen sich nicht um die weltlichen Notwendigkeiten sorgen, dafür würde er sorgen. Unsere heute lebenden Apostel und Propheten leben danach. Sie geben ihren Beruf auf und stellen sich voll in den Dienst ihrer Berufung. Wir erleben, wie Präsident Russel M. Nelson, seine zwei Ratgeber sowie die zwölf Apostel ihren Auftrag in der vom Herrn angegebenen Weise wahrnehmen. Sie sorgen sich nicht um ihre weltlichen Bedürfnisse und bezeugen Jesus und laden alle Menschen ein zu ihm zu kommen, indem sie sie in aller Welt persönlich aufsuchen. Beispielhaft: „Als Apostel und ab 2015 als Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel hat Präsident Nelson weiterhin die Welt bereist und dabei über ewiges Leben und Herzenswandlung gesprochenEiner seiner ersten Aufträge bestand darin, das Evangelium in die osteuropäischen Länder zu bringen. „In … fünf Jahren habe ich 27 Reisen in 31 Länder in Europa unternommen“, erzählte Präsident Nelson. „Bevor Präsident [Ezra Taft] Benson starb, … konnte ich ihm berichten, dass wir unseren Auftrag erfüllt hatten: Die Kirche ist jetzt in jedem Land in Osteuropa vertreten.“ (siehe hier im Abschnitt Herzenswandlung; lies auch: „1 Jahr, 5 Kontinente und 88.000 Kilometer später: Ein kurzer Blick auf die Reisen von Präsident Nelson im Jahr 2018“).

Wie verstehst du das mit dem sich nicht um sein Leben sorgen?

Niemand kann zwei Herren dienen

Anbetung des Mammon (Gemälde von Evelyn De Morgan)
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Der auferstandene Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich gleich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:24): „Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder aber er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (3. Nephi 13:24).

Niemand kann zwei Herren dienen. Du wirst denken: In der heutigen Arbeitswelt ist es wohl unausweichlich mehreren Herren dienen zu müssen, wenn jemand nicht vermögend ist und für eine Familie zu sorgen hat. Aber das hat der Herr hier auch nicht gemeint. Ich denke da an sein Gebot, das er an den Anfang seiner zehn Gebote stellte: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ (Exodus 20:2).

Was hat es nun mit dem Mammon auf sich? Mit diesem Begriff wurde ursprünglich unredlich erworbener Gewinn oder unmoralisch eingesetzter Reichtum bezeichnet. Weitergefasst bezeichnet Mammon `das worauf man vertraut´. Und da sind wir doch beim Kern der Aussage Jesu. Ich denke an das Haus Israel, das sich weidermal klagend an den Herrn wandte und der Prophet des Herrn, Samuel (ungefähr im 11. Jahrhundert v. Chr.), ihm zurief: „Wenn ihr von ganzem Herzen zum HERRN zurückkehren wollt, dann schafft die fremden Götter mitsamt den Astarten aus eurer Mitte fort! Wendet euer Herz wieder dem HERRN zu und dient ihm allein; dann wird er euch aus der Gewalt der Philister befreien.“ (1. Samuel 7:3). Auf mich übertragen verstehe ich, dass ich mein Streben nicht zerteilen kann. Mein Vertrauen setze ich in das, was ich nach diesem Leben erreichen kann und nicht in den `schnöden Mammon´: Erbe des himmlischen Vaters und Miterbe Jesu werden zu können (Römer 8:17).

Dass wir von Gott als seine Erben vorgesehen sind, daran habe ich keinen Zweifel! Wie viel Herren dienst du?

Das Licht des Leibes ist das Auge

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Der auferstandene Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich gleich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:22-23): „Das Licht des Leibes ist das Auge; wenn also dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib voll Licht sein. 23  Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann die Finsternis!“ (3. Nephi 13:22-23).

Das Licht des Leibes ist das Auge. Schließ doch bitte mal deine Augen für einen kleinen Moment. Was passiert? Empfindest du eine innere Dunkelheit? Öffnest du sie wieder, strömt Licht in deinen Leib – vorausgesetzt die Umgebung, in der du dich befindest, ist erleuchtet –, und du erkennst deine Umgebung wieder.

Was hat es nun mit dem Aspekt der Lauterkeit in diesem Zusammenhang auf sich? Lauter bedeutet so viel wie rein, hell, klar, gereinigt, gespült. Wenn also mein Auge lauter ist, gereinigt, gespült, nehme ich reine Dinge wahr, ich sehe sie hell und klar. Sie erleuchten meinen Verstand und wirken sich auf meinen ganzen Körper positiv aus. Sind meine Augen verschmutzt, lassen sie kein Licht einfallen und alles ist dunkel, wie du beim Schließen deiner Augen vorher wohl bemerkt haben wirst. Nun kann man das natürlich auch auf die Augen unseres Geistes übertragen. Verschmutze ich diese durch entsprechend schlechte Gedanken, so fällt kein Licht in meinen Geistkörper und er ist erfüllt mit Finsternis – keine Erkenntnis. Umgekehrt, habe ich reine Gedanken, sind meine geistigen Augen klar und lassen göttliche Erkenntnis meinen Körper durchströmen. Darum bitte ich, wie Paulus es sagt, dass der Herr mir die Augen meines Herzens erleuchten möge, damit ich verstehen kann (Epheser 1:18). Ich mag es, wenn es in meiner Wohnung hell ist und so wünsche ich es auch für mein Inneres. Ich versuche mein Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes zu richten, sodass mein ganzer Körper mit Licht erfüllt sein möge (Lehre und Bündnisse 88:67).

Wie stellst du sicher, dass deine Augen lauter sind?

Sammelt euch nicht Schätze auf Erden

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Der auferstandene Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich gleich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:19-21): „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost zerfressen und Diebe einbrechen und stehlen; 20  sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost zerfressen und wo Diebe nicht einbrechen noch stehlen. 21  Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (3. Nephi 13:19-21).

Sammelt euch nicht Schätze auf Erden. Du erinnerst dich vielleicht, wie du in deiner Kindheit auch gerne eine Schatzkarte interpretiert hast, um herauszufinden, wo du nach ihm suchen musst? Wie gerne möchte man doch der Finder sein. Heutzutage gibt es sogar berufsmäßige `Schatzsucher´, die riesige Summen investieren, um angeblich in der Erde versteckte, oder in den Tiefen des Meeres versunkene, Schätze zu bergen. Beispielhaft hier die Schatzsucher von Oak Island. Auf einer Insel an der Ostküste Kanadas sollen Piraten Massen an reinem Gold vergraben haben. Zwei Brüder erfüllen sich einen lang gehegten Traum und beginnen das Abenteuer ihres Lebens. Sie wollen diesen Schatz finden. Auch lebensgefährliche Situationen schrecken sie nicht ab.

Um wie viel gefahrloser ist es doch Schätze zu sammeln, die nicht vergänglich sind, die uns nicht auf Erden reich machen, aber dafür im Himmelreich Gottes. Ich denke da an das Gleichnis vom im Acker verborgenen Schatz im Neuen Testament: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“ (Matthäus 13:44). Ich denke, man kann die Gleichnisse der Herrn mehrfach interpretieren. Eine Interpretation: Zuzeiten Jesu hatte man vielfach seine Wertsachen heimlich in der Erde vergraben, um sie sicher aufbewahrt zu wissen. Wenn der Eigentümer nun starb, nahm er dieses Geheimnis mit sich ins Grab. Wer nun auch immer solch einen Schatz fand, durfte ihn als sein Eigentum betrachten, wenn ihm das Land gehörte. Dem Mann im Gleichnis gehörte das Land noch nicht. So vergrub er ihn wieder und verkaufte all seinen Besitz und kaufte das Land. Somit war ihm der Schatz sicher. Manch ein Mensch stößt unbeabsichtigt auf den in den Wirrnissen der Welt verborgenen Schatz, ist von seinem Wert überzeugt, und setzt alles dran, ihn zu erhalten. Er muss dafür vielleicht seine alten Freunde aufgeben, sich sogar mit seiner Familie zerstreiten, Verfolgung erleiden, seine Arbeit verlieren, … (Matthäus 19:29), aber der Schatz, das Himmelreich Gottes, ist es ihm wert, denn es ist ein nicht vergänglicher Schatz, ein Schatz an dem er sich ewig erfreuen wird.

Welche Interpretation kennst du?

Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler

(Bild DAK-Gesundheit: Quelle)

Der auferstandene Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich gleich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:16-18): „Und weiter, wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler mit traurigem Gesichtsausdruck, denn sie verstellen ihr Gesicht, um den Menschen ihr Fasten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn. 17  Aber du, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 18  damit du nicht vor den Menschen dein Fasten zeigst, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir offen lohnen.“ (3. Nephi 13:16-18).

Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler. Stellt sich zunächst die Frage: Was ist Fasten im Sinne des Evangeliums von Jesus Christus? Schon die alten Israeliten waren angehalten zu fasten. Dabei hat man freiwillig und zeitlich begrenzt auf Essen und Trinken verzichtet, um Gott näherzukommen, seinen Segen zu erbitten und Bedürftigen zu helfen. Beim Propheten Jesaja aus Jerusalem (etwa 740-701 v. Chr.) erfahren wir, was der Herr sich von seinem Volk für ein Fasten wünschte: sich demütigen, keine alltäglichen Arbeiten verrichten, nicht streiten, keine Gewalt, sich bei Gott Gehör verschaffen, von Unrecht ablassen, Lasten erleichtern, Bedürftigen helfen, sich um die Familie kümmern (Jesaja 58:3-7). Außerdem gab es Fasten aus besonderen Anlässen. So bat z. B. Königin Ester (Ester 2:22) das in persischer Diaspora lebende Volk Juda (5. Jahrhundert v. Chr.) aufgefordert, für sie drei Tage und Nächte zu fasten (Ester 4:16), um bei ihrem Mann, dem Perserkönig Artaxerxes (Ester 2:16), erfolgreich den von Haman listig geplanten Genozid (Ester 3:8-9) von ihrem Volk abzuwenden (Ester 4:16). Der Herr erhörte das Fasten und der Genozid kehrte sich um. Nicht die Juden wurden vernichtet, sondern sie vernichteten ihrerseits ihre Feinde (Ester 9:1).

Auch in heutiger Zeit nutzen Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage das Fasten regelmäßig, um Gott näherzukommen (Lehre und Bündnisse 88:76). Der erste Sonntag eines jeden Monats wurde als Fasttag ausgerufen. Während vierundzwanzig Stunden verzichten die Mitglieder freiwillig auf Essen und Trinken. Das Geld, das sie für das Essen hätten ausgeben müssen, wird der Kirche, wenn möglich großzügig, gespendet, die damit Notleidenden Hilfe leistet, unabhängig, ob es sich um Mitglieder der Kirche handelt oder nicht. Das Ganze findet nicht mit `traurigem Gesichtsausdruck´ statt, sondern ist ein `Sichfreuen und Beten´ (Lehre und Bündnisse 59:14). Mein Haupt salbe ich, für mein Verständnis, dadurch, dass ich mich insofern heilige, indem ich alle unreinen Gedanken vertreibe. Mein Gesicht wasche ich, auch im übertragenen Sinn, damit es frisch aussieht.

Wie verstehst du das mit dem `salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht´?

Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt

Der verlorene Sohn kehrt um und bittet um Vergebung
(Lukas 15:11-32; Bild: Quelle)

Der auferstandene Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich gleich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:14-15): „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; 15  wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ (3. Nephi 13:14-15).

Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen sich, ob willentlich oder versehentlich, gegenseitig Unrecht antun. Tut mir jemand solches Unrecht an, darf ich nicht voller Herablassung auf ihn schauen und von ihm Wiedergutmachung verlangen oder noch schlimmer, Rachegefühle in mir aufkommen lassen. Ich muss mich immer fragen, was habe ich ihm, oder jemand anderem, schon für Unrecht angetan! Das ist der große Fehler, dass ich geneigt bin von mir zu denken, dass ich fehlerfrei bin – mir passiert das, was er mir angetan hat, doch nie.

Und dann muss ich voller Reue ihn um Vergebung bitten und auch bereitwillig ihm von mir aus vergeben. Dies ist ein Vorgang, in dem ich mich zwar als Opfer empfinde, aber auf einen Schuldvorwurf verzichte, und zwar unabhängig davon, ob der Verursacher einsichtig ist oder Reue zeigt. Ich muss christusähnliche Liebe für ihn entwickeln und darf keine schlechten Gefühle in mir gegen ihn aufbauen. Laufend versündige ich mich gegen Gott. Würde er schlechte Gefühle gegen mich aufkommen lassen? Nein, nicht gegen mich, nur gegen die Sünden die ich begangen habe. Also muss ich auch daran denken, ihn in den Prozess einzubeziehen, ihn voller Demut um Vergebung bitten und ihm ein `reuiges Herz´ und einen `zerknirschten Geist´ opfern (2. Nephi 2:7). Ich muss einfach daran denken: wenn ich gerne möchte, dass der Herr mir vergibt, dann muss ich zuerst meinem Nächsten vergeben, ansonsten wird daraus nichts (Lehre und Bündnisse 82:1).

Wie gehst du mit Vergebung um?

Auf diese Weise sollt ihr darum beten

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Und nun gibt der auferstandene Herr den Nephiten am Tempelplatz im Land Überfluss in Amerika ein Muster, wie gebetet werden soll: „Auf diese Weise sollt ihr darum beten: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name. 10  Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. 11  Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben. 12  Und führe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns vom Bösen. 13  Denn dein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit immerdar. Amen.“ (3. Nephi 12:9-13).

Auf diese Weise sollt ihr darum beten. Im Matthäusevangelium der Einheitsübersetzung 2016 gibt es marginale Unterschiede (Matthäus 6:9-13). Eine Korrektur bringt Joseph Smith für den Vers 13, der bei ihm Vers 14 ist, in seiner Übersetzung, mit der er 1830 begann, an: „Und laß uns nicht in Versuchung geführt werden, sondern befreie uns vom Bösen.“ (JSÜ Matthäus 6:14) mit der Begründung, dass der Herr uns nie in Versuchung führen würde. Übrigens, ganz bemerkenswert, 189 Jahre später: „Papst Franziskus hat offiziell die Änderung beim „Vater Unser“ für gebilligt. Konkret geht es um die Änderung in Mt 6,13 „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!“. Zukünftig soll im Vater Unser „Lass uns nicht in Versuchung geraten“ gebetet werden. Laut der Website UCatholic wurde die Änderung vom Papst am 22. Mai [2019] gebilligt. Der Papst meint laut eigenen Angaben, dass die neue Version besser sei, weil durch die ursprüngliche Version abgeleitet werden könnte, dass Gott Menschen in Versuchung führe, eine Interpretation, die durchaus differenziert von Theologen gesehen wird.“ (Zitat: Kath.net Katholische Nachrichten).

Der Herr lässt Versuchungen zu, um uns die Möglichkeit zu geben, uns selber zu entscheiden und ihm zu beweisen, dass wir uns für das Gute, also für ihn, anstatt für das Böse, also für Luzifer, entscheiden. Er selber wurde ja auch nicht von seinem Vater in Versuchung geführt, sondern der Satan ist an ihn herangetreten und hat ihn versucht und der Vater hat es zugelassen und Christus hat so reagiert, wie sein Vater es von ihm auch erwartet hat (Matthäus 4:1-11). Mit diesem Mustergebet zeigt uns der Herr auf, woran wir beim Beten denken sollen und zeigt uns, dass es nicht mit `geschwollener Rede´ und `viel Geplapper´ geführt werden soll.

Wie nutzt du dieses Mustergebet?

Wenn ihr aber betet, so gebraucht keine unnützen Wiederholungen wie die Heiden

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Christus erklärt der am Tempelplatz im Land Überfluss versammelten Volksmenge weiter, inhaltlich ähnlich wie den Menschen auf der östlichen Erdhälfte, in seiner sogenannten Bergpredigt (Matthäus 6:7-8), wobei im Buch Mormon seine persönlichen Worte wiedergegeben sind, während in der Bibel aus dem Gedächtnis der Schreiber heraus erst längere Zeit nach den Ereignissen schriftlich festgehalten wurde: „Wenn ihr aber betet, so gebraucht keine unnützen Wiederholungen wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, weil sie viele Worte machen. 8  Seid ihr also nicht so wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ (3. Nephi 12:7-8).

Wenn ihr aber betet, so gebraucht keine unnützen Wiederholungen wie die Heiden. Beim Lesen dieser Aussage, muss ich daran denken, dass ich in jedem Morgen- und Abendgebet doch grundsätzlich immer das Gleiche sage, auch wenn ich mich bemühe immer mal wieder anders zu formulieren. Ich bedanke mich für den Schutz und Segen, den ich erhalten hatte, für meine Lieben, die mir geholfen haben einen guten Weg einzuschlagen und darauf zu bleiben, für meine Lieben um mich herum und erbitte den Schutz, den Segen und die Führung und Leitung für uns alle bei unseren täglichen Arbeiten, insbesondere für die Propheten, Apostel und alle anderen kirchlichen Führer …, `aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern dein Wille´ sind meine letzten Gebetsworte. Ein Pfarrer berichtete, dass ein Schüler ihm bei diesem Thema sagte: „Ich könnte genauso gut beten: Lieber Gott, heute dasselbe wie gestern. Amen.“ (siehe hier)

Sind das nun unnütze Wiederholungen, von denen der Vater sowieso weiß? Muss ihm das nicht eigentlich schon aus den Ohren herausquellen? In der Einheitsübersetzung heißt es: „… Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, …“. Ich bin froh, das entlastet mich ein wenig, denn plappern, `aus der Freude am Reden ohne besonderen inhaltlichen Tiefgang fröhlich vor sich hin erzählen´ bzw. `Nutzloses oder Schädliches von sich geben´, das meine ich nicht in meinen Gebeten zu tun. Und `extra viele Worte´ spreche ich auch nicht, also z. B. in ein und demselben Gebet alles mehrfach wiederholen.

Wie verstehst du das mit den unnützen Wiederholungen in den Gebeten?