Sie teilten sich einer vom anderen in Stämme

Bevor diejenigen des Volkes im Land Zarahemla, die sich gegen das Gesetz stellten, einen König einsetzten (3. Nephi 6:30), ermordeten sie erst einmal den derzeitigen obersten Richter und Regierenden des Landes, Lachoneus den Jüngeren (3. Nephi 7:1). „Und das Volk entzweite sich, einer gegen den anderen; und sie teilten sich einer vom anderen in Stämme, ein jeder gemäß seiner Familie und seiner Verwandtschaft und seinen Freunden; und so zerschlugen sie die Regierung des Landes.“ (3. Nephi 7:2).

Sie teilten sich einer vom anderen in Stämme. Nachdem die Gesetzesgegner den Regierenden des Landes ermordet, die Landesregierung und gemeinsame Gesetze zerschlagen hatten, löste sich das Volk auf. Sie bildeten entsprechend ihrer Verwandtschaft und Freundschaften einzelne Stämme, die von Häuptlingen geführt wurden. Die einzelnen Familien waren sehr groß, womit auch die Stammesverbände groß wurden. All dies geschah, weil die überaus meisten sich Satan `ans Messer lieferten´ und somit blieben nur noch sehr wenig Rechtschaffene übrig (3. Nephi 7:3-7).

`Jemanden ans Messer liefern´, bedeutet, jemanden verraten bzw. seinen Verfolgern ausliefern. Die Mehrzahl des Volkes ist nicht durch jemand anderen dem Satan ausgeliefert worden, sondern hat es selbst zustande gebracht. Auch heute haben wir dieses Phänomen, dass sich Familien und Freunde vom Volk distanzieren und einen eigenen Stamm bilden, Clan genannt. Sie unterstellen sich meist nicht dem allgemein gültigen Recht, sie machen sich ihr eigenes Recht. Solche Clans gibt es nicht nur in Teilen Italiens, Afrikas oder Kurdistans, oder …, sondern auch in Deutschland. Arabische, russische oder italienische Großfamilien machen inzwischen immer mehr Schlagzeilen im Bereich der organisierten Kriminalität. Ich lerne, dass ich mich nicht dazu hinreißen lassen darf, einem solchen Clan beizutreten. Durch die Taufe habe ich mich für ein anderes Leben entschieden. Ich bin aufgefordert, meine Glieder nicht als Waffen der Ungerechtigkeit zur Verfügung zu stellen. Sollte ich das tun, werde ich ein Sklave der Sünde, die zum Tode führt. Ich entscheide mich lieber, Sklave des Gehorsams zu sein, der zur Gerechtigkeit führt (Römer 6:13-16). Diese ganze Clangeschichte hat nichts mit der Vorstellung von Familienbindung zu tun, die der Vater im Himmel sich für uns wünscht. Natürlich ist es wunderbar, wenn Großfamilien zusammenhalten, allerdings als Gesetzestreue Bürger eines Volkes. Letztendlich ist die Menschheit eine große Familie, die auf Adam und Eva zurückzuführen ist (2. Nephi 2:20). Von welchen Clans hast du schon gehört?

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Und sie boten dem Gesetz und den Rechten ihres Landes Trotz

Über diejenigen des Volkes im Land Zarahemla, die sich zu einem Bund gegen die Gerechtigkeit zusammenschlossen, berichtet uns Mormon weiter: „Und sie boten dem Gesetz und den Rechten ihres Landes Trotz; und sie gelobten einer dem anderen, den Regierenden zu vernichten und einen König über das Land zu setzen, damit das Land nicht mehr frei sei, sondern Königen untertan sei.“ (3. Nephi 6:30).

Und sie boten dem Gesetz und den Rechten ihres Landes Trotz. Diese Situation erinnert an die `Königsleute´, die vor knapp 100 Jahren unter Alma dem Jüngeren auch einen Führungswechsel anstrebten. Gerade erst vor fünfundzwanzig Jahren hatte König Mosia das Volk davon überzeugt, dass eine Alleinherrschaft durch einen König negative Auswirkungen auf das Volk haben könnte, je nachdem ein König gottesfürchtig ist oder nicht (Mosia 29:25-32). Sie wählten also die Regierungsform der Richter. Den Königsleuten missfiel diese Regierungsform und sie stellten sich dagegen und wollten wieder einen König einsetzen (Alma 51:5).

Eine ähnliche Situation finden wir auch als Samuel das Königtum aufgrund Alters aufgab und seine Söhne als Richter einsetze. Hier allerdings beugten sie das Gesetz und das Volk wollte wieder einen König haben. Samuel war dagegen, aber der Herr sagte ihm, dass er auf die Stimme des Volkes hören solle, „… Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein.“ (1. Samuel 8:5-67). Ich lerne, dass es nicht unbedingt auf die Regierungsform ankommt, sondern auf diejenigen, die die entsprechenden Ämter innehaben. Solange sie Gott als ihren König ansehen und verehren, werden sie auch seinem Wort folgen und damit wäre es unerheblich, ob Monarchie oder Demokratie (Mosia 29:13,16,26). Ich jedenfalls freue mich auf die Zeit, wo Christus wieder auf die Erden kommen wird, um seine Herrschaft anzutreten (Lehre und Bündnisse 29:11). Wie siehst du das mit der weltlichen Regierungsform?

Deutscher Bundestag

Der deutsche Bundestag
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Und gingen ein Bündnis ein, es zu vernichten

Über die gesetzlosen Mitglieder des Volkes im Land Zarahemla heißt es: „Darum verbanden sie sich gegen das Volk des Herrn und gingen ein Bündnis ein, es zu vernichten und diejenigen, die des Mordes schuldig waren, aus dem Griff der Gerechtigkeit zu befreien, die ihnen soeben gemäß dem Gesetz zuteil werden sollte.“ (3. Nephi 6:29).

Und gingen ein Bündnis ein, es zu vernichten. Gerechtigkeit hat für diejenigen, die rechtschaffen denken und handeln vorher festgelegte Segnungen zur Folge, während für diejenigen, die sich nicht an die geltenden Gesetze und Regeln halten, eine vorher festgelegte Strafe fällig wird. So sollten diejenigen Richter, Gesetzeskundigen und Hohepriester, die jene, die ihnen ihre Sünden vor Augen hielten, und die sie deshalb ermordeten, ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Dies nun wiederum wollten diese verhindern und schlossen sich deshalb zu einem Bündnis zusammen.

Jemanden aus dem `Griff der Gerechtigkeit´ zu befreien bedeutet ja, Ungerechtigkeit als Gerechtigkeit anzusehen. Dabei ist es doch so, dass immer dann, wenn ein Gesetz, sei es nun ein weltliches oder ein göttliches, gebrochen wird, die darauf festgesetzte Strafe greifen müsste. Übertrete ich ein weltliches Gesetz, kann ich straffrei ausgehen, wenn es keinen Kläger gibt. Du kennst die Redensart: „Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter.“ Wenn ich im Straßenverkehr mit meinem Wagen schneller unterwegs bin, als `die Polizei erlaubt´, aber keine Kontrolle durchgeführt wird, übertrete ich zwar eine Verordnung, komme aber ohne Strafe davon. Ich bin mir total sicher, dass ich der Gerechtigkeit Gottes nicht entkommen kann (2. Nephi 9:17), außer `mit Glück´. Wie ich das meine? `Mit Glück´ meine ich, wenn ich Umkehr übe, dann greift das Sühnopfer Jesu, durch das meine Schuld bezahlt wurde. Dieses `Glück´ erfahre ich dann im Rahmen der `Barmherzigkeit Gottes´ (Alma 34:15-16). Was hältst du von solchen Menschen, die Bündnisse schließen, um gegen diejenigen vorzugehen, die das Recht durchzusetzen haben?

Was bedeutet Wo kein Kläger da kein Richter?

Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter
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Sie gingen miteinander ein Bündnis ein

Es formierte sich eine Gesellschaft, die sich gegen das Gesetz stellte, um die zu Recht verfolgten Gesetzesbrechenden Richter vor der Rechtsprechung zu schützen. Dazu gehörten weitere Richter mit ihren Freunden und Verwandten, fast alle Gesetzeskundigen und Hohenpriester (3. Nephi 6:27). „Und sie gingen miteinander ein Bündnis ein, ja, nämlich dasselbe Bündnis, das von denen vor alters gegeben wurde, und dieses Bündnis wurde vom Teufel gegeben und abgenommen, um sich gegen alle Rechtschaffenheit zu verbinden.“ (3. Nephi 6:28).

Sie gingen miteinander ein Bündnis ein. Man soll es kaum für möglich halten, aber diejenigen, die für Recht und Ordnung sorgen sollten, bildeten nun ein Bündnis gegen die bestehenden und vom Volk anerkannten Gesetze (Alma 1:14). Ja, sie schmiedeten ein Bündnis, welches vom Teufel in die Welt gebracht, und von ihm abgenommen wird, dasselbe, welches die Gadiantonbande eingegangen war und schlussendlich zu der vom Herrn vorgesehenen Zeit zur Vernichtung der Bündnisgenossen führt (Helaman 6:21-31).

Bündnisse schmieden ist sicherlich sinnvoll. Allerdings eine Verschwörung – sich heimlich mit jemandem verbinden – gegen die `Rechtschaffenheit´ einzugehen, ist das eine Option? Wohl nur für diejenigen, die sich lieber Satan zuwenden, als ihrem Schöpfer und Erlöser, Jesus Christus. Ich schließe mich lieber dem Bündnis für Rechtschaffenheit an und verteidige diese gegen jene, die sich offen dagegenstellen. Dieses Bündnis habe ich mit dem Vater im Himmel bei meiner Taufe geschlossen und besteht darin, dass ich ihm versprochen habe, seine Gebote fortan zu halten, und zwar nicht im Verborgenen und unter Geheimhaltung. Um mich hierin zu stärken, treffe ich mich öffentlich so oft wie möglich, mit anderen Besuchern in der Kirche, um in allen rechtschaffenen Unternehmungen unterwiesen und bestärkt zu werden. Mit wem bist du ein Bündnis eingegangen und aus welchem Grund?

bergpredigt

Zusammenkommen und von Christus lernen
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Darum kam eine Beschwerde in das Land Zarahemla hinauf

Mormon berichtet uns, was vom Volk wegen der geheimen Hinrichtungen unternommen wurde (3. Nephi 6:23): „darum kam eine Beschwerde in das Land Zarahemla hinauf, zum Regierenden des Landes, gegen diese Richter, die die Propheten des Herrn entgegen dem Gesetz zum Tode verurteilt hatten. 26  Nun begab es sich: Sie wurden ergriffen und vor den Richter geführt, um für das Verbrechen, das sie begangen hatten, gemäß dem Gesetz, das vom Volk gegeben worden war, gerichtet zu werden.“ (3. Nephi 6:25-26).

Darum kam eine Beschwerde in das Land Zarahemla hinauf. Hier erkennen wir wieder, dass beim Volk Nephi die Gewalt vom Volke ausging. Zum Ende König Mosias Zeiten vor etwa 120 Jahren, wurde das Volk von ihm aufgefordert Richter zu wählen, die über die Einhaltung der ihren Vätern von Gott gegebenen Gesetze wachen sollten (Mosia 29:25). Weiterhin ist uns bekannt, dass das Volk die damals erlassenen Gesetze auch anerkannt hatte, darunter auch die Todesstrafe (Alma 1:14), die auch dem Volk Israel von Gott gegeben wurde (Genesis 9:6; JSÜ-Genesis 9:12-13).

Das gläubige Volk im Umland von Zarahemla übte keine Selbstjustiz – eine gesetzlich nicht zulässige Vergeltung für erlittenes Unrecht, die ein Betroffener im eigenen Namen selbst übt. Es wandte sich mit einer Beschwerde an die rechtlich zuständige Instanz im Land Zarahemla. Dies war der oberste Richter und Regierende des Landes, Lachoneus der Jüngere (3. Nephi 6:19). Was kann ich hieraus u. a. wieder für mich lernen? Ich werde `das Gesetz nicht selber in die Hand nehmen´ und irgendwelche Rachefeldzüge starten, wenn ich meine etwas sei Gesetzeswidrig gelaufen. Beispiele für solche Taten sind auch heute bei uns bekannt: Eine Mutter erschießt 1981 den vermeintlichen Mörder ihrer Tochter; Bundeskanzler Kiesinger wurde 1968 wegen dessen ungesühnter NS-Vergangenheit geohrfeigt; Aktivisten versenken im Zeitraum 1979 bis 1998 sieben Walfangschiffe auf hoher See im Rahmen eigenmächtiger Strafverfolgung. Dafür gibt es in einer Demokratie staatliche Organe, an die ich mich im Bedarfsfall wende und denen ich die Klärung der Angelegenheit nebst daraus eventuell abgeleiteter Maßnahmen überlasse. Was hältst du davon, das Gesetz selber in die Hand zu nehmen, wenn du meinst, kein Zuständiger tut es?

Gesetzbuch

Das Gesetz selber in die Hand nehmen?
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Nun gab es viele …, die diese Dinge, die Christus betrafen, … unerschrocken bezeugten

Mormon lässt uns wissen: „Nun gab es viele unter denen, die diese Dinge, die Christus betrafen, bezeugten, ja unerschrocken bezeugten, welche von den Richtern ergriffen und im geheimen hingerichtet wurden, so daß die Kenntnis von ihrem Tod erst nach ihrem Tod an den Regierenden des Landes gelangte.“ (3. Nephi 6:23).

Nun gab es viele …, die diese Dinge, die Christus betrafen, … unerschrocken bezeugten. Das Urteil der Todesstrafe konnte offensichtlich nicht von einem Gesetzesgelehrten, Richter oder Hohenpriester umgesetzt werden, es bedurfte der Genehmigung durch den Regierenden des Landes (3. Nephi 6:24). Nachdem Lachoneus der Jüngere, wie sein Vater, ein gottesfürchtiger Mann war, mussten diejenigen, die über jene zornig waren, die ihnen die Wahrheit über ihr sündiges Verhalten und Umkehr predigten, los werden wollten, insgeheim hingerichtet werden.

Natürlich haben die anderen dies mitbekommen. Ungeachtet dieser Todesgefahr haben sie dennoch unerschrocken weiter die Sache des Herrn vertreten. Auch in unserer Zeit gab und gibt es Gläubige, die unter Todesgefahr in ihrem Zeugnis unerschrocken geblieben sind und für Recht und Freiheit eintraten. Mir kommt da der Name Helmut Hübner in den Sinn. Er und zwei jüngere Helfer, Rudi Wobbe und Karl Heinz Schnibbe, hatten mittels Flugblättern Informationen über den Krieg verteilt, die sie über Radio aus England erhalten hatten. Sie stellten sich durch diese Anti-Nazi-Propaganda offen gegen das Unrechtsregime Hitlers. Helmut wurde deshalb im Oktober 1942 zum Tode durch Enthauptung verurteilt, die beiden anderen mussten eine Haftstrafe absitzen, bis sie von Alliierten Soldaten befreit wurden. Obwohl das Gesetz die Vollstreckung eines solchen Todesurteils an Minderjährigen nicht erlaubte, wurde es dennoch nach grausamster Folter in Berlin-Plötzensee an diesem standfesten sechzehnjährigen Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vollstreckt (mehr siehe hier). Du und ich, wir stellen uns wahrscheinlich die selbe Frage: Hätte auch ich diese Courage?

hübner

Helmuth Hübener, flankiert von Rudolf „Rudi“ Wobbe (links) und Karl-Heinz Schnibbe (rechts)
(Bild: Quelle)

Nun gab es viele im Volk, die überaus zornig waren

Über die Reaktion auf den Aufruf der `vom Himmel inspirierten Männer´ Umkehr zu üben (3. Nephi 6:20): „Nun gab es viele im Volk, die überaus zornig waren, weil jene von diesen Dingen Zeugnis gaben; und jene, die zornig waren, das waren hauptsächlich die obersten Richter und diejenigen, die Hohepriester und Gesetzeskundige gewesen waren; ja, alle, die Gesetzeskundige waren, waren auf diejenigen zornig, die von diesen Dingen Zeugnis gaben.“ (3. Nephi 6:21).

Nun gab es viele im Volk, die überaus zornig waren. Wieso reagiert jemand zornig, wenn ihm Wahrheiten über sein Verhalten zurückgemeldet werden? Das ist wie bei der Königin, die es nicht leiden konnte, wenn jemand schöner war als sie. Zur Selbstbestätigung fragte sie deshalb häufig ihren Spiegel: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Solange sie die erwünschte Antwort bekam: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“ war die Welt in Ordnung. Doch eines Tages war es passiert, die Antwort lautete nicht mehr wie üblich, sondern: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“ Das erboste die Königin so sehr, dass sie das Leben der Rivalin forderte.

Wenn die Wahrheit, die einem zurückgemeldet wird, nicht dem entspricht, was man erwartet, kann es schon mal sein, dass dies in einem einen sehr starken Unwillen über denjenigen hervorruft, der einem diese Rückmeldung gibt. „Was fällt dem ein, wie kann er es wagen …“, insbesondere, wenn derjenige noch einen gesellschaftlich vermeintlich niedrigeren Rang als man selber hat. Mir muss aber klar sein, dass solche Rückmeldungen von außen ein wichtiger Anstoß für eine Verbesserung meines Wirkens sein können. Soll eine Rückmeldung einen positiven Effekt bewirken, muss der Geber diese entsprechend feinfühlig, mit dem aufrichtigen Wunsch helfen zu wollen anstatt herabzuwürdigen (Lehre und Bündnisse 121:36-37), geben, und der Nehmer muss genügend Demut aufbringen, den tiefen Willen, sich zum Guten hin verändern zu wollen (Lehre und Bündnisse 136:32). Welche Gefühle sind bei dir schon mal durch Rückmeldungen – Neudeutsch: Feedback – hervorgerufen worden?

hamburger

(Bild: Quelle Text hinzugefügt)

Und Männer fingen an, vom Himmel inspiriert und ausgesandt zu werden

Wir erfahren nun, dass Lachoneus der Jüngere das Amt seines Vaters übertragen bekam und oberster Richter und Regierender des Landes wurde (3. Nephi 6:19) und was in dieser Zeit vor sich ging. „Und Männer fingen an, vom Himmel inspiriert und ausgesandt zu werden; sie traten im ganzen Land unter dem Volk auf und predigten und bezeugten unerschrocken die Sünden und Übeltaten des Volkes und gaben ihnen Zeugnis in bezug auf die Erlösung, die der Herr für sein Volk zustande bringen würde oder, mit anderen Worten, die Auferstehung Christi; und sie zeugten unerschrocken von seinem Tod und seinem Leiden.“ (3. Nephi 6:20).

Und Männer fingen an, vom Himmel inspiriert und ausgesandt zu werden. Auch schon 30 n. Chr. wurden auf dem amerikanischen Kontinent `Missionare´ mit himmlischer Kraft und Macht ausgestattet und ausgesandt, den Menschen `Umkehr´ zu predigen. Und sie taten es mit aller Deutlichkeit, indem sie unerschrocken auf Vergehen gegen die Gebote des Herrn hinwiesen und von Christi Mission, zur selben Zeit in der alten Welt und seinem in Kürze bevorstehenden Sühnopfer, Zeugnis ablegten. Genau so, wie es schon in früheren Evangeliumszeiten war und wie es auch heute der Fall ist.

War das nicht ein ganz besonderes Vorrecht für die Missionare damals in der neuen Welt? Zur selben Zeit, wie der Heiland selber den Willen seines Vaters auf Erden verkündet (Johannes 6:38), es als seine berufenen Diener auf einem anderen Kontinent ebenfalls tun zu dürfen? Aber auch heute tun solche vom Herrn berufenen Diener*innen den Menschen, und zwar über die ganze Erde verteilt, das Wort des Herrn kund (Römer 10:15). Und Kraft ihrer Berufung sind sie in ihrem Handeln `inspiriert´. Auf die unterschiedlichste Weise kommt ihnen Weisung Gottes in den Sinn oder in ihr Herz, wie sie ihrer heiligen Berufung gerecht werden können: Kinder Gottes einzuladen, zu ihm zu kommen, Umkehr zu üben, sich taufen zu lassen, die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen, weitere Bündnisse im Tempel zu schließen und im Halten der Gebote bis ans Ende ihres irdischen Lebens auszuharren. Ich bezeuge, dass wir auch heute Männer und Frauen haben, die `vom Himmel inspiriert und ausgesandt´ sind, im Namen von Jesus Christus, sein Wort auf Erden zu verkünden und die Menschen unerschrocken aufzurufen, Umkehr zu üben (Lehre und Bündnisse 42:6-7). Einem solchen Ruf sind meine Mutter und ich vor Jahrzehnten gefolgt, als diese Diener an unsere Tür kamen (weiteres lies gerne hier). Ich danke dem Herrn für diese unaussprechlich große Liebe, die er uns, seinen Kindern, entgegenbringt. Welche Empfindungen hast du bei dem Gedanken, dass seine Diener*innen sich für eine bestimmte Zeit ihres Lebens nur auf diesen Dienst am Mitmenschen konzentrieren?

Missionarinnen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
(Bild: Quelle)

Nun sündigten sie nicht unwissend

Mormon sagt uns bezüglich des Verhaltens des Volkes in Zarahemla weiter: „Nun sündigten sie nicht unwissend, denn sie kannten den Willen Gottes in bezug auf sie, denn sie waren darüber belehrt worden; darum lehnten sie sich vorsätzlich gegen Gott auf.“ (3. Nephi 6:18).

Nun sündigten sie nicht unwissend. Du kennst ganz bestimmt den römischen Rechtsgrundsatz, der im deutschen Sprachraum folgendermaßen als Volksweisheit bekannt ist: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Wenn ich schon im weltlichen Rechtswesen bestraft werde, wenn ich unwissentlich ein Gesetz übertreten habe, wie dann erst recht, wenn ich es wissentlich tue? Das wäre dann ja schon vorsätzlich. Ich weiß, dass mein geplantes Handeln rechtswidrig wäre, und ich führe es dennoch aus.

Handle ich bewusst gegen die Gesetze des Herrn, kommt das einer Auflehnung gegen ihn gleich. Ich widersetze mich ihm, was ich weiterhin auch dadurch tue, dass ich mich verweigere seinen erwählten Führern zu folgen. Wiedermal hatten die Israeliten kein Vertrauen in die bei Gehorsam versprochene Hilfe des Herrn und murrten gegen Mose. Sie glaubten nicht den Versprechungen der Kundschafter, dass der Herr sie in ein Land führen würde, in „… in dem Milch und Honig fließen.“ Ja, sie wollten sogar einen neuen Anführer wählen, der sie nach Ägypten zurückführen sollte. Josua und Kaleb, zwei der Kundschafter, forderten sie hingegen auf, sich „… nur nicht gegen den HERRN …“ aufzulehnen.“ (Numeri 14:1-9). Diese Aufforderung nehme ich mir auch heute zu Herzen. Ich werde mich hüten, mich den so liebevollen Aufforderungen unserer vom Herrn eingesetzten Führer*innen wissentlich zu widersetzen. Ich weiß, dass sie die Worte unseres uns liebenden Vaters mitteilen, wenn sie uns z. B. auffordern, uns in unseren Heimen mehr darauf zu konzentrieren, dem Aufruf von Christus „Komm und folge mir nach!“ zu entsprechen, als uns auf kirchliche Programme zu konzentrieren – also eher darauf Wert zu legen, dass der Herr in mir ein reines Herz erschaffen kann (Psalm 51:12). Inwiefern hilft es dir wenig, wenn du dir noch so viel bestes Wissen aneignest, dich aber dann weigerst, es anzuwenden?

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Wie denkst du über jemanden, der sich ein wunderbares Sofa kaufen würde, um sich dann zu weigern, es sich darauf bequem zu machen?
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Um von ihm umhergeführt zu werden

Den Zustand des Volkes beschreibt Mormon folgendermaßen: „Und so waren zu Beginn des dreißigsten Jahres—das Volk hatte sich für einen langen Zeitraum den Versuchungen des Teufels überlassen, um von ihm umhergeführt zu werden, wo immer er sie hinzuführen wünschte, und jederlei Übeltat zu begehen, wovon er wünschte, daß sie sie begehen würden—und so waren sie zu Beginn dieses, des dreißigsten Jahres, in einem Zustand furchtbarer Schlechtigkeit.“ (3. Nephi 6:17).

Um von ihm umhergeführt zu werden. Du kennst sicherlich die Redensart: „Jemanden am Nasenring durch die Manege führen“. Diese Redensart will u. a. beschreiben, dass jemand einen anderen erniedrigend behandelt, unter Druck setzt, zu einer Reaktion zwingen will. Sie bezieht sich auf den Ring, der einem Tier, zum Zwecke der Bändigung oder Leitung, durch die Nase gesteckt wurde. Das so angeleitete Tier folgte der vorgegebenen Richtung, weil es dadurch dem verursachten Schmerz entging.

Das auf die Aussage im obigen Vers bezogen bedeutet, dass ein Teil des Volkes in Zarahemla sich vom Teufel umherführen ließ, wie z. B. ein Ochse auf dem Felde. Keiner brachte den Mut auf, sich aus dem Griff des Nasenringes zu befreien und sie verfielen somit in einen „… Zustand furchtbarer Schlechtigkeit.“ Ich lerne daraus, dass ich mich davor in acht nehmen muss, wenn der Teufel mir solch einen Ring durch die Nase ziehen will. Hat er es erst geschafft, füge ich mich seinem Ziehen, um einem wie auch immer gearteten Schmerz zu entrinnen. Wie schaffe ich es nun, dies zu verhindern? Der erste Schmerz tritt ja bei dem Versuch auf, den Ring durch die Nase zu ziehen. Das vergleiche ich mit dem Anschlagen des Gewissens, das Gespür für richtig oder falsch, welches vom Licht Christi herrührt und in allen Menschen ist (Moroni 7:16). Schon diesen ersten Schmerz muss ich insofern vermeiden, indem ich meine Nase nicht in Dinge stecke, die auf der falschen Seite des Zaunes liegen – Übeltun, also das Zuschnappen des Nasenringes Satans erst gar nicht zulassen, indem ich auf die Regungen meines Gewissens achte und ihnen folge. Sollte ich sie einige Male ignorieren, stumpft mein Gewissen jedes Mal etwas mehr ab, was dazu führt, dass es mir irgendwann keinen Schutz mehr bietet, kein Alarm mehr ausgelöst wird. Was unternimmst du, um nicht einen Nasenring Satans verpasst zu bekommen?

nasenring

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