Es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden

Nephi fragte die Menge, wie sie Gott vergessen konnten, und antwortet selber: „Aber siehe, es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden, ja, und damit ihr Gold und Silber erlangt. Und ihr habt euer Herz auf die Reichtümer und die Nichtigkeiten dieser Welt gesetzt, und dafür mordet ihr und plündert und stehlt und legt falsches Zeugnis ab gegen euren Nächsten und verübt allerart Übeltaten.“ (Helaman 7:21).

Es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden. Von unrechten Wünschen getriebenes Streben nach Reichtum und Ansehen vor den Menschen, ist der `Gegenwind´, der uns von der `Insel göttlicher Segnungen´ wegtreiben lässt. Wir können sie nicht erreichen, wenn wir diesem Gegenwind nicht mit aller Kraft entgegenwirken, oder ihm ausweichen.

Genauso, wie es Jesu seinen Jüngern sagte, sagt er es einem jeden von uns: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?“ (Matthäus 16:26). Das Streben nach zeitlichen Reichtümern hindert uns daran, nach den geistigen Segnungen zu trachten, die der Herr schon für uns bereitet hat. Sie sind schon da, aber wir verzichten auf sie zugunsten unrechter Angebote, mit denen Satan aggressiv Werbung betreibt, auf die wir allzu gerne hereinfallen. Warum? Wir merken einfach nicht, dass wir kurzsichtig sind. Schleichende Prozesse bekommt man selber nicht mit. Deshalb haben wir berufene Diener Gottes, die uns eine entsprechende Brille anbieten. Wie wunderbar, wenn man dann auch wieder in die Ferne klar sehen kann, das Ziel klar erkennt und feststellt, dass man dem Gegenwind ausweichen muss, weil man zurückgetrieben wird. Was unternimmst du um dem Gegenwind `Menschenlob´ und `weltliches Ansehen´ auszuweichen?

kurzsichtig(Bild: Quelle)

Wie konntet ihr euren Gott vergessen

Nephi ruft der Volksmenge vor seinem Garten zu: „O wie konntet ihr euren Gott vergessen, an ebendem Tag, da er euch befreit hat?“ (Helaman 7:20).

Wie konntet ihr euren Gott vergessen. Gerade bin ich vom Einkaufen zurückgekommen und werde gefragt: „Und wo ist die Milch?“ „Ach, die hab ich vergessen!“ „Wir brauchen sie aber zum Mittagessen!“ „Muss ich wohl nochmal los.“ Und ich denke an das deutsche Sprichwort: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Ist es dir noch nie passiert, dass du etwas vergessen hast? Andererseits, wenn einem etwas Wunderbares widerfahren ist, vergisst man das eigentlich nicht so leicht.

Den Nephiten war etwas Wunderbares widerfahren. Sie durchlebten doch mit ihren ehemaligen Feinden, den Lamaniten, gerade aufgrund des Predigens des Evangeliums durch Nephi und seine Mitarbeiter eine Zeit des Friedens und der Freude (Helaman 6:7,13-14). Wie kann man das im Handumdrehen vergessen? Durch die reichen Segnungen, die man vom Herrn bekommt, wird man blind und meint, das hätte man selbst geschafft und Satan gaukelt einem etwas vermeintlich noch verlockenderes vor (Helaman 6:17,21). Ich lerne aus den Sprüchen: „Wer auf seinen Reichtum vertraut, der fällt, die Gerechten aber sprossen wie grünes Laub.“ (Sprüche 11:28). Ich bemühe mich mit allen Kräften meines Geistes, den Tag, an dem mich der Herr befreit hat, nicht zu vergessen und möchte gerne zu denen gehören, die wie `grünes Laub´ sprießen. Wie sieht es mit deinem `Vergessen´ aus?

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(Bild: Quelle)

Dass ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet

Nephi redet weiter auf die Menschenmenge vor seinem Garten ein: „Und siehe, statt euch zu sammeln, wird er euch, siehe, wenn ihr nicht umkehrt, so zerstreuen, daß ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet.“ (Helaman 7:19).

Dass ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet. Es soll Menschen gegeben haben, die ihnen unliebsame Zeitgenossen den `Hunden zum Fraß´ vorgeworfen haben. Aber kann man sich das von unserem, seine Kinder liebenden Vater vorstellen? Im Buch Mormon kommt eine solche Aussage nur an dieser Stelle vor. Auch im Alten Testament finde ich zwei solche Aussagen. Beide Male stehen sie aber in Zusammenhang mit bewusstem Ungehorsam gegenüber den Geboten und Gesetzen des Herrn. So lässt der Herr Ezechiel den Götzen anbetenden und sonstige Gräueltaten begehenden Israeliten sagen: „So spricht GOTT, der Herr: So wahr ich lebe, wer in den Ruinen ist, fällt unter dem Schwert, wer auf dem freien Feld ist, den werfe ich den wilden Tieren zum Fraß vor, und wer sich in den Burgen und Höhlen aufhält, stirbt an der Pest.“ (Ezechiel 33:27). Zweck dieser Maßnahme sollte sein, dass die Gesetzesbrecher ihren Gott erkennen (Ezechiel 33:29). Über die dem Gott Baal dienende und Jehova hassende Königin Isebel, Tochter des Königs von Sidon, die als Nichtisraelitin, ihren Mann, den israelitischen König Ahab und viele Israeliten verleitete, ebenfalls falsche Götter anzubeten, und die viele der Propheten des Herrn umbrachte (1. Könige 18:13), verkündet Elija im Namen des Herrn: „… Die Hunde werden Isebel an der Mauer von Jesreel auffressen.“ (1. Könige 21:23). Etwas später wird uns berichtet, dass Isebel auf Geheiß des zehnten israelitischen Königs Jehu (regierte von 841 bis 814 v. Chr.; 2. Könige 9:6), den sie verspottete, mit einem Stoß aus dem Fenster zu Tode kam und bis auf Schädel, Hände und Füße von Hunden gefressen wurde (2. Könige 9:30-37).

Der Herr hat immer alles dran gesetzt, seine Kinder unter seine Fittiche zu sammeln – ihnen zu ermöglichen, Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erlangen. Doch unzählige Scharen haben dieses Angebot nicht annehmen wollen, haben es abgelehnt sich in Sicherheit unter den Flügeln des Herrn sammeln zu lassen. Sie haben sich bewusst gegen den Herrn ausgesprochen und dieser hat sie dann sich selbst überlassen. Das führte dazu, dass sie eben nicht unter seinem Schutz standen und der Wildnis ausgesetzt waren, ausgesetzt dem `Fraß für Hunde und wilde Tiere´. Bildhaft verstehe ich darunter, dass diejenigen der zerstörenden Macht Satans ausgeliefert sind. Ich weiß aber, dass es nicht so sein muss. Ich darf mich ja unter `seine schützenden Flügel´ sammeln lassen. Auch wenn ich dann hier und da immer mal die Nase raus strecke, solange ich sie früh genug wieder einziehe, dem Gebot des Herrn aufrichtige und vollständige Umkehr zu üben Folge leiste (Apostelgeschichte 17:30), ist es noch in Ordnung (3. Nephi 10:4-6). Wie verstehst du diese Schriftstelle?

Ein Kampfhund hinter Gittern. (AP)(Bild: Quelle)

Ihr habt ihn zum Zorn gegen euch herausgefordert

Weiter erklärt Nephi: „Es ist, weil ihr euer Herz verhärtet habt; ja, ihr wollt nicht auf die Stimme des guten Hirten hören; ja, ihr habt ihn zum Zorn gegen euch herausgefordert.“ (Helaman 7:18).

Ihr habt ihn zum Zorn gegen euch herausgefordert. Bist du schon mal provoziert, herausgefordert worden? Dabei hat jemand gezielt ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Reaktion deinerseits, versucht hervorzurufen. Der Provokateur handelt hierbei bewusst manipulativ oder auch unbewusst, in der Weise, dass du ein von ihm erwünschtes Verhalten zeigst.

Mich provoziert in letzter Zeit häufig mein Notebook 😉 Es arbeitet einfach im Hintergrund an irgendetwas anderem, als ich gerne möchte. So sträubt es sich manchmal fast Minutenlang meine Eingaben anzunehmen und zu verarbeiten oder eine Internetseite aufzubauen. Dann deinstalliere ich eine Anwendung, von der ich annehme, dass sie der Verursacher ist. Es klappt danach wieder ein paar Tage, fängt dann aber wieder von neuem an. So werde ich `herausgefordert´, mich zu ärgern. Ich lerne dabei aber, dass es manche Dinge gibt, die ich nicht beherrsche und demzufolge geduldig abwarten muss, anstatt aufzubrausen, ungehalten zu reagieren, auf den Tisch zu schlagen … Gerade wieder. `Keine Rückmeldung´ heißt es dann bestenfalls und ich darf abwarten. Es gibt natürlich viel gravierendere Herausforderungen. Sie gehen soweit, dass jemand gesetzeswidrige Handlungen provoziert. Andererseits kann ich auch durch falsche Lebensweise eine schädliche Reaktion meines eigenen Körpers herausfordern oder schlimmer noch, auch meines Geistes. Ganz schlimm natürlich, wenn ich meinen himmlischen Vater herausfordere. Das kann mir mein zukünftiges Leben in seiner Gegenwart kosten (Alma 12:36-37). Wie hast du schon mal jemanden `herausgefordert´ oder wurdest du provoziert?

herausfordernKann schon herausfordernd sein
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Warum wollt ihr sterben?

Nephi fordert die Nephiten von seinem Turm aus (Helaman 7:10) auf: „O kehrt um, kehrt um! Warum wollt ihr sterben? Wendet euch, wendet euch dem Herrn zu, eurem Gott. Warum hat er euch verlassen?“ (Helaman 7:17).

Warum wollt ihr sterben? Sicherlich gibt es Menschen, die sich in besonderen Lebensumständen wünschten, dass sie sterben könnten. Doch im Normalfall hat man nicht den Wunsch zu sterben. Inwiefern kommt also Nephi darauf, seine Mitbürger, die sich vor seinem Garten angesammelt hatten, mit dieser Frage zu konfrontieren?

Offensichtlich bewegten sie sich wissentlich auf einen `Abgrund´ zu, der ihnen das Leben kosten würde, das ewige Leben in der Gegenwart Gottes. Sie hatten den `Verlockungen Satans´ nachgegeben. (Helaman 7:16). Deshalb fordert er sie mitfühlend auf: „… wendet euch dem Herrn zu, eurem Gott …“. Hierbei werde ich auf die Abhandlung Ezechiels, der einer priesterlichen Familie entstammte und 597 v. Chr. nach Babylon in die Verbannung geführt wurde, über die `Umkehr – Weg in die Freiheit´ aufmerksam. Hierin spricht der Herr zu Israel u. a.: „Der Mensch, der sündigt, nur er soll sterben.“ (Ezechiel 18:4). In den nächsten Versen zählt er auf, welches Verhalten nicht zum Tode führt: gerechtes Handeln, keine Götzenverehrung, keine Schändung von Frauen, keine Unterdrückung, kein Raub, sich um Bedürftige kümmern, keinen Wucherzins nehmen, kein Unrecht begehen, gerecht urteilen, die Satzungen Gottes treu befolgen (Ezechiel 18:5-9), während gegenteiliges Verhalten zum Tode führen würde (Ezechiel 18:10-13). Der Herr hat kein Gefallen an einem solchen `Sterben´. Er fordert uns deshalb auf umzukehren (Ezechiel 18:23), alle Vergehen abzulegen und uns ein „… neues Herz und einen neuen Geist …“ zu verschaffen (Ezechiel 18:31-32). Mein Bemühen besteht darin, meine Kräfte darauf zu fokussieren. Wie reagierst du auf die Frage: Warum wollt ihr sterben?

(Bild: Quelle)

Wie konntet ihr der Verlockung dessen nachgeben

Vom seinem Turm aus, spricht Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, weiter zu der vor seinem Garten aufgelaufenen Volksmenge (Helaman 7:10): „Ja, wie konntet ihr der Verlockung dessen nachgeben, der danach trachtet, eure Seele wegzuschleudern, hinab in immerwährendes Elend und endloses Weh?“ (Helaman 7:16).

Wie konntet ihr der Verlockung dessen nachgeben. Wer lässt sich nicht gerne von `Supersonderangeboten´ verlocken, etwas zu kaufen, was er eigentlich gar nicht braucht. Aber das Belohnungssystem sagt ihm: „Du brauchst das irgendwann und jetzt ist es gerade sooo günstig, kauf es“. Schon lange wollte ich mir einen Akkuschrauber zulegen. Hab aber immer abgewartet. Doch als es wieder einen im vermeintlichen Angebot gab, hab ich zugeschlagen. Keine teure Anschaffung, aber mehrere Wochen liegt er nach dem Laden des Akkus im Regal. Eines Tages werde ich ihn sicherlich brauchen, aber auf all die nützlichen Funktionen, die ich bei einem Markengerät hätte, muss ich leider verzichten: kein Bohrfutter, kein Schlagwerkzeug, aber wenigstens eine integrierte Werkzeugbeleuchtung 🙂

Im geistigen Sinn muss ich mich aber davor hüten, auf die `Supersonderangebote´ Satans hereinzufallen. Ich muss wissen, wie er mich unwissentlich beeinflussen möchte, seine Marketingstrategie erforschen. Wenn ich die kenne, weiß ich, wo meine offenen Tore sind. Aufgrund des Evangeliums von Jesus Christus, weiß ich, wie ich diese schließen kann, sodass Satan keine Schadsoftware einschleusen kann, um meine rechtschaffenen Wünsche zu löschen und dafür seine zerstörerischen zu etablieren. William P. McIntire, zitiert Joseph Smith aus einer Rede von Anfang 1841 in Nauvoo folgendermaßen: „Der Satan kann uns mit seinen Verlockungen nicht verführen, es sei denn, wir sind im Herzen einverstanden und geben nach. Wir wurden so erschaffen, dass wir dem Teufel widerstehen können; wären wir nicht so erschaffen, könnten wir nicht selbständig handeln.“ Und William Clayton zitiert Joseph Smith aus einer weiteren Rede: „Der Teufel hat nur so viel Macht über uns, wie wir ihm einräumen. In dem Augenblick, wo wir uns gegen etwas, was von Gott kommt, auflehnen, ergreift der Teufel die Macht.“ (siehe „Der große Erlösungsplan“ fast am Ende). Dieses Wissen hilft mir ganz enorm, mich über die `Verlockungen Satans´ hinwegzusetzen, meine `Einfalltore´ zu sichern, mich nicht so leicht verlocken zu lassen wie eine Taube (Hosea 7:11). Wie reagierst du auf Verlockungen – welcher Art auch immer?

verlockung(Bild: Quelle)

Dass der Teufel so großen Einfluss auf euer Herz erlangt hat

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, weiter zu der vor seinem Grundstück versammelten Menge: „Und wegen meines Trauerns und Wehklagens habt ihr euch versammelt und verwundert euch; ja, und ihr habt viel Grund, euch zu verwundern; ja, ihr solltet euch verwundern, weil ihr euch hingegeben habt, so daß der Teufel so großen Einfluß auf euer Herz erlangt hat.“ (Helaman 7:15).

Dass der Teufel so großen Einfluss auf euer Herz erlangt hat. Das Herz reagiert von allen Organen am unmittelbarsten, sensibelsten und stärksten auf Emotionen – die `Produkte unseres Fühlens, die durch mentale Vorgänge, d.h. Gedanken, Erwartungen, Meinungen, Einstellungen, Vorstellungen, Wünsche und Absichten, bedingt werden´. Weil das Herz die direkteste Verbindung zum Gehirn hat, wird es allgemein als Sitz der Seele angesehen.

Über entsprechende Schnittstellen können andere Wesen auf meine Entscheidungen Einfluss nehmen, indem sie mir Informationen zukommen lassen und mir deren Nutzen für mich betonen. Je nach unserer Grundeinstellung werden wir uns davon überzeugen oder auch nicht. Nachdem wir Menschen überwiegend den Weg des geringsten Widerstandes nehmen wollen, sind wir sehr leicht offen für entsprechende Informationen, die uns der Satan gerne liefert. Je eher wir auf seine Einflüsterungen ansprechen, je mehr Einfluss erlangt er auf unser `Herz´. Was kann ich dagegen tun? Ich muss mir über meine Ziele im Klaren werden und herausfinden, was der Sinn und Zweck dieses Lebens ist. Habe ich das für mich herausgefunden, muss ich mich davor hüten, mein Streben zu sehr auf irdische Dinge zu richten, darf also nicht `irdisch gesinnt sein´ (1. Korinther 2:11-14). Mein Streben muss darauf ausgerichtet sein, mehr und mehr den `natürlichen Menschen´ abzulegen. Wie kann ich das machen? Anstatt den Eingebungen Satans den Vorrang zu geben, mehr auf die Einflüsterungen des Heiligen Geistes achten (Mosia 3:19). Mir muss bewusst sein, dass ich, und niemand anderer, entscheide, ob ich mehr auf Satan höre, oder eher auf die feine und leise Stimme des Geistes, die mich dazu einlädt, auf die Gesetze Gottes zu achten (Hesekiel 36:27). Wer erlangt über dein Herz großen Einfluss?

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Wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens

Was Nephi von seinem Turm zu der sich vor seinem Garten versammelten Menge im Anschluss an seine rhetorische Frage, warum sie sich versammelt haben (Helaman 7:13) sagte: „Ja, denn ich bin auf meinen Turm gekommen, um meine Seele vor meinem Gott auszuschütten wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens, und dies wegen eurer Übeltaten!“ (Helaman 7:14).

Wegen der übergroßen Besorgnis meines Herzens. Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, der dem Volk vorher mit aller Kraft versuchte das Wort Gottes nahezubringen, war enttäuscht und sehr betrübt, dass seine Brüder vom Volk der Nephiten, die Gebote Gottes mit Füßen traten (Helaman 6:6,31). Ihr Verhalten rief große Besorgnis in ihm hervor, denn ihm war bewusst, was ihr Verhalten für ihre Zukunft bedeuten würde. Ihre Zukunft auf Erden, aber auch nach diesem Erdenleben. Ja, seine Besorgnis war so groß, dass er deshalb in seinem Garten auf seinem Turm seine Seele vor Gott ausschüttete (Helaman 7:9-11).

Nephi besaß die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen. Und nicht nur das, es tat ihm auch bis ins Innerste weh, wenn er daran dachte, welche Auswirkungen ihr Handeln auf ihre Leben haben würde. Ja, er machte sich auch Gedanken, wie er ihnen in ihrer Situation behilflich sein konnte. Predigen hatte nicht geholfen, so schüttete er seine Seele vor Gott aus. Er reagierte angemessen auf das zu erwartende Leid seiner Brüder und Schwestern. Er hatte Empathie. Ich hinterfrage meine Fähigkeiten in dieser Hinsicht. Kann ich mich in das Leid anderer hineinversetzen und bin ich bereit, ihnen in angemessener Weise zu helfen. Betreue ich meine mir anvertrauten Brüder und Schwestern, Familien empathisch? Ich weiß, dass ich in Sachen Empathie noch Entwicklungsbedarf habe und ich arbeite dran. Wie sieht es bei dir mit Empathie aus, Gedanken, Emotionen und Motive anderer Personen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren?

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Warum habt ihr euch versammelt?

Nachdem Nephis Turm in seinem Garten so gestanden hatte, dass er von der Straße her gut einzusehen war, bekamen die Vorbeigehenden sein Gespräch mit dem Herrn mit. Sie wurden neugierig, holten andere mit dazu und wollten den Grund seiner Trauer erfahren. Nephi erblickte die Menge, nachdem er sich vom Gebet erhob (Helaman 7:11-12). „Und es begab sich: Er öffnete den Mund und sprach zu ihnen: Siehe, warum habt ihr euch versammelt? Damit ich euch von euren Übeltaten erzähle?“ (Helaman 7:13).

Warum habt ihr euch versammelt? Auf die rhetorische Frage Nephis, an die vor seinem Garten versammelte Menge antwortete er selber. Menschen sind von Grund auf neugierig. Deshalb verwundert es nicht, dass sie den Grund für Nephis Aufgewühltheit in Erfahrung bringen wollten.

Heute geht es kein bisschen anders. Denken wir doch nur daran, was los ist, wenn irgendwo ein schwerer Unfall oder eine Naturkatastrophe passiert ist. Es gibt inzwischen ja schon den Katastrophentourismus – die Anreise Schaulustiger aus größeren Entfernungen. Die Rheinpfalz schrieb am Montag, den 04. Juni 2018: „Großes Entsetzen in den sozialen Medien und ein bundesweites Medienecho löste am Samstag der Abstecher einer pfälzischen Reisegruppe in das von einem Unwetter schwer getroffene Kleinblittersdorf aus.“ (siehe hier). Durch solche Neugier werden dann auch noch bewusst die Rettungsarbeiten massiv behindert oder sogar die Retter verunglimpft und angegriffen. Johann Wolfgang von Goethe prägte den Ausspruch: „Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.“ Wie immer haben wir auch hier zwei Seiten einer Medaille: Neugier nach Erkenntnis, die uns hilft uns unserem Zweck entsprechend zu entwickeln, Neugier aus Befriedigung an Sensationslust. Ich bin nicht neugierig darauf, in Erfahrung zu bringen, wie schlimm es jemanden getroffen hat. Eher geht es mir darum, herauszufinden, wie ich helfen kann. Welche Art von Neugier bevorzugst du?

katastrophentourismusKatastrophen-Tourismus: Schaulustige filmen und fotografieren fröhlich einen Groß-Brand. Foto: dpa
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Dass doch meine Tage in den Tagen gewesen wären

Nephi schrie auf seinem Turm in seinem Garten (Helaman 7:10) zum Herrn: „O daß doch meine Tage in den Tagen gewesen wären, da mein Vater Nephi anfangs aus dem Land Jerusalem gekommen war, daß ich mich mit ihm im verheißenen Land erfreut hätte; damals war sein Volk leicht zu bewegen, standhaft im Halten der Gebote Gottes und langsam, sich zum Übeltun verführen zu lassen; und sie waren schnell, auf die Worte des Herrn zu hören — 8 ja, wenn nur meine Tage in jenen Tagen hätten sein können, dann hätte meine Seele an der Rechtschaffenheit meiner Brüder Freude gehabt.“ (Helaman 7:7-8).

Dass doch meine Tage in den Tagen gewesen wären. Wegen der Schlechtigkeit seines Volkes schwoll Nephis Herz vor Besorgnis (Helaman 7:6) und er wünschte sich, dass er in der Zeit seines Vorfahren Nephi, der mit seiner Familie vor etwa 580 Jahren aus Jerusalem auswanderte und in diesem Land siedelte, hätte leben können. Er meinte, dass seine Zeit eine leichtere und schönere gewesen war, in der er sich hätte an der Rechtschaffenheit seiner Vorfahren erfreuen können, anstatt wie jetzt an ihrem großen Übeltun zu verzweifeln.

Du kennst sicherlich die Redensart: „Früher war alles besser!“ Hast du auch zwischendurch mal Zeiten, in denen du den Wunsch gehegt hattest, lieber zu einer früheren Zeit gelebt zu haben? Ist es wirklich so, dass früher alles besser war? Auch Nephi, der Sohn Lehis, hatte nicht die schönsten Zeiten. Nephi der Sohn Helaman des Jüngeren hat eben nur den zeitlichen Bereich betrachtet, der ohne den Ärger mit Laman und Lemuel und seinen Anhängern war. Ich bin der Auffassung, dass es seinen Grund hat, dass wir zu dieser und keiner anderen Zeit auf der Erde sind. Eine hypothetische Erklärung für mich wäre, dass wir im Vorherdasein ein Endstadium unserer uns dort möglichen Entwicklung erreicht hatten. Um darauf aufbauend uns weiter entwickeln zu können, war es erforderlich in einem entsprechenden Entwicklungsstadium unseres neuen Umfeldes auf diese Erde zu kommen. Ich bin dankbar, dass ich in dieser Zeit leben darf, genau in der Zeit, in der sich die Fülle des Evangeliums von Jesus Christus auf der Erde befindet (Lehre und Bündnisse 27:13). In welcher Zeit hättest du gerne auf Erden gelebt?

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