Da gab es Männer, die Richter waren und die auch der geheimen Gadiantonbande angehörten

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, hatte zu der sich vor seinem Garten versammelten Volksmenge geredet (Helaman 7:11). „Und nun begab es sich: Als Nephi diese Worte gesprochen hatte, siehe, da gab es Männer, die Richter waren und die auch der geheimen Gadiantonbande angehörten, und sie waren zornig, und sie schrien gegen ihn und sprachen zum Volk: Warum ergreift ihr nicht diesen Mann und bringt ihn hin, damit er gemäß dem Verbrechen, das er begangen hat, schuldig gesprochen werde?“ (Helaman 8:1).

Da gab es Männer, die Richter waren und die auch der geheimen Gadiantonbande angehörten. Wir sehen, dass nicht nur Leute vom gemeinen Volk Mitglieder der geheimen Verbindung waren, sondern auch hochgestellte Persönlichkeiten, die dafür verantwortlich waren, dass Gesetzesbrecher entsprechend ihren Taten gerichtet werden. Wie kann das zusammenpassen? Diese Richter, die für Gerechtigkeit sorgen sollten, waren selber Gesetzesbrecher. Es handelte sich eben um moralisch verdorbene Individuen, die sich um diverser Vorteile willen, bestechen ließen. Sie waren verderbt, korrumpiert.

Joschafat (Namensbedeutung: „Jhwh hat Recht gesprochen“ bzw. „Jhwh hat Recht verschafft / zum Recht verholfen“), um die 850 v. Chr. der König von Juda, sorgte dafür, dass für jede einzelne Stadt in Juda Richter bestellt wurden. Er wies diese an, aufzupassen, was sie tun, denn sie würden nicht im Auftrag von Menschen, sondern Gottes, Gericht halten. Sie sollten sich von der `Furcht des Herrn´ (Respekt, Hochachtung, Verehrung) leiten lassen und gewissenhaft handeln, „… denn beim HERRN, unserem Gott, gibt es keine Ungerechtigkeit, kein Ansehen der Person, keine Bestechlichkeit.“ (2. Chronik 19:4-7). Ich lerne für mich daraus, dass ich die Berufungen, die mir in der Kirche des Herrn übertragen werden, mit derselben `Furcht vor dem Herren´ ausüben soll. Ebenso gilt dies natürlich auch für weltliche Aufgaben, die mir anvertraut werden. Ich darf mich nicht `von Satan kaufen lassen´, also aufgrund meiner Stellung darauf schauen, dass ich so viel wie möglich Vorteil für mich, auf Kosten anderer, heraus schlage. Was sind deine Gedanken dazu?

Cartoon: Korruption (medium) by Jan Tomaschoff tagged korruption,korruption(Bild: Quelle)

Nicht aus mir selbst sage ich, dass all dies sein wird

Nephi, der Sohn Helaman des Jüngeren, beendet seine Worte von seinem Turm aus zu der Volksmenge, die sich vor seinem Garten versammelt hatte (Helaman 7:11) folgendermaßen: „Aber siehe, nicht aus mir selbst sage ich, daß all dies sein wird, denn ich weiß all dies nicht aus mir selbst; sondern siehe, ich weiß, daß all dies wahr ist, weil der Herr, Gott, es mir kundgetan hat; darum bezeuge ich, daß es sein wird.“ (Helaman 7:29).

Nicht aus mir selbst sage ich, dass all dies sein wird. Nephi hatte dem Volk dessen Schlechtigkeit vorgehalten und ihm gesagt, welche gesetzmäßigen Folgen ihr Verhalten nach sich ziehen würde. Er `bezeugt´ ihnen nun am Ende seiner Ausführungen, dass er dies nicht von sich aus geredet hat. Er bekundet, dass die getätigten Aussagen nicht seinen eigenen Gedanken entstammen, sondern aufgrund von Offenbarung durch den Herrn ausgesprochen wurden.

Alma der Jüngere bestätigt vor etwa sechzig Jahren seine Worte an sein Volk in gleicher Weise. Er bezeugt, dass er alles, was er gesagt hat durch den Heiligen Geist Gottes zu wissen bekommen habe. Er sagt aber auch, dass er dafür zunächst eine Anstrengung hat erbringen müssen: er hat viele Tage gefastet und gebetet (Alma 5:45-46). Dies gibt mir das Beispiel, in welcher Weise Offenbarung durch den Heiligen Geist Gottes an einen ergehen kann. In den Fällen, in denen es mir an Weisheit mangelt (Jakobus 1:5), bereite ich mich durch Fasten und Gebet darauf vor, dass ich empfindsam werde für die feine und leise Stimme des Herrn, trotz des Getöses der Umwelt, die mir Antwort auf meine Fragen gibt (1. Nephi 17:45). Was denkst du über diese Möglichkeit, die jedem offen steht, Offenbarung von Gott zu empfangen?

Ausschnitt aus dem Gemälde „Die Offenbarung des Johannes“ von Paul Mann; Ausschnitt aus dem Gemälde Christus im Kornfeld von Thomas Francis Dicksee
(Bild: Quelle)

Wenn ihr nicht umkehrt

Was eintreten würde wenn, erklärt Nephi so: „Und wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr zugrunde gehen; ja, selbst eure Länder werden euch genommen werden, und ihr werdet vom Antlitz der Erde hinweg vernichtet werden.“ (Helaman 7:28).

Wenn ihr nicht umkehrt. Die Nephiten hatten sich den Gadiantonräubern angeschlossen und sich somit aufgrund der Schlechtigkeit, der sie sich hingaben, gegen ihren Gott entschieden. Sie kannten die Gesetze des Herrn und haben bewusst gegen sie verstoßen. Die Gesetzmäßigkeit, die dadurch ausgelöst wird, ist Vernichtung. Die Auferstehung Jesu, die noch bevor stand, soll bewirken, dass ein jeder, der hier über diese Erde geht, eines Tages auch wieder vor seinen Schöpfer treten muss, um für seine Taten gerichtet zu werden (Römer 14:10-12).

Einzige Möglichkeit den vernichtenden Richterspruch abzuwenden, wurde durch den zweiten Teil des Sühnopfers Jesu, sein Leiden in Getsemani, ermöglicht. Dort nahm er die Sünden der ganzen Welt auf sich (Lukas 22:39-46; Lehre und Bündnisse 19:18), wodurch wir gereinigt werden können (Johannes 1:7). Eine Bedingung ist aber auch hierfür bestimmt: Umkehr (Lehre und Bündnisse 19:15-17). Diese Bedingung will ich gerne erfüllen, um in den Genuss der Gnade zu gelangen (Römer 3:23-24; Lehre und Bündnisse 138:14). Welche Meinung hast du bezüglich der Bedingung Umkehr?

„The Agony in the Garden,“ by Giuseppe Cesari. “
(Bild: Quelle)

Weh … weh … weh sei euch wegen eurer Schlechtigkeit und eurer Gräuel!

Nephi spricht ein dreifaches Weh über die abgefallenen Nephiten aus: „Ja, weh sei euch wegen jenes großen Greuels, der unter euch gekommen ist; und ihr habt euch damit vereinigt, ja, mit jener geheimen Bande, die von Gadianton aufgerichtet worden ist! 26  Ja, Weh wird über euch kommen wegen des Stolzes, den ihr in euer Herz habt eindringen lassen, der euch über das, was gut ist, hinausgehoben hat wegen eurer überaus großen Reichtümer! 27  Ja, weh sei euch wegen eurer Schlechtigkeit und eurer Greuel!“ (Helaman 7:25-27).

Weh … weh … weh sei euch wegen eurer Schlechtigkeit und eurer Gräuel! Ein dreifaches Weh? Das ist wohl eher unbekannt. Hingegen ist ein dreifaches Hoch, das einem Geburtstagskind gewünscht wird schon üblicher. Ebenso bekannt sind wohl Narrenrufe wie „Darauf ein dreifach donnerndes Alaaf“ oder „… Helau“. Wobei diese Rufe ihren Ursprung im Mittelalter haben. Handelsschiffe, die ab 1259 Köln passierten, mussten drei Tage lang ihre mitgeführte Ware zu einem festgelegten Preis anbieten. Der Ruf Alaaf bedeutete so viel wie „Alles abladen!“

Du kennst aus deiner Kindheit die Androhung, wenn deine Eltern etwas erreichen wollten, was du partout nicht machen wolltest: „Ich zähle bis drei. Eins, zwei uuund …“. Wenn dann vielleicht mal doch die `drei´ beim Zählen erreicht wurde, wusstest du, dass du entweder ganz schnell sein musstest, oder etwas Schmerzhaftes passieren würde. Das `dreifache Weh´ Nephis galt auch einem bestimmten Sachverhalt und kam einer Drohung gleich. Es sollte die gesetzmäßig ungünstige Reaktion auf das gräuelreiche Verhalten seiner Landsleute bekräftigen. Auf das Brechen von Gesetzen ist eine Strafe festgesetzt und bekannt gegeben worden, während Segnungen auf das Halten von Gesetzen versprochen wurden (2. Nephi 2:10; Lehre und Bündnisse 130:20-21). Ich ziehe es vor, eher nach den Segnungen zu streben. Das bedeutet, dass ich mich redlich bemühen muss, die Gesetze und Gebote des Herrn so gut ich es nach all meinen Kräften kann, zu halten. Was machst du, um einem `dreifachen Weh´ zu entgehen?

dreifachKölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit typischer Handbewegung für den Alaaf-Narrenruf, 2016
(Bild: Quelle)

Sie haben nicht gegen die große Erkenntnis gesündigt, die ihr empfangen habt

Nephi weiter zu seinem Volk: „Denn siehe, sie sind rechtschaffener als ihr, denn sie haben nicht gegen die große Erkenntnis gesündigt, die ihr empfangen habt; darum wird der Herr zu ihnen barmherzig sein; ja, er wird ihre Tage weiter verlängern und ihre Nachkommen vermehren, eben dann, wenn ihr völlig vernichtet werdet, außer ihr kehrt um.“ (Helaman 7:24).

Sie haben nicht gegen die große Erkenntnis gesündigt, die ihr empfangen habt. Du kennst die Aussage, `Eigentum verpflichtet´? Sie stammt aus dem Artikel 14 Satz 2 des Grundgesetzes (siehe hier). Weiter heißt es dort noch: „Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Kann man daraus auch ableiten: `Wissen verpflichtet´? Wie sieht es mit der richtigen Anwendung von Erkenntnissen aus? Es dürfte unstrittig sein, dass ich mir selber schade, und/oder anderen, wenn ich Erkenntnisse die ich erlangt habe, in meinem Leben nicht richtig anwende bzw. weitergebe.

Zwei Beispiele:

  1. Die Menschen wissen aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, dass Rauchen Krebs verursacht. Dennoch handeln viele gegen dieses Wissen und rauchen trotzdem.
  2. Dinge werden gekauft, mit Geld, das man nicht hat, von denen man weiß, dass man sie nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

Wenn ich `wider besseres Wissen handle´, weiß ich von vornherein, dass ich scheitern werde. Warum tue ich es trotzdem? Die Antwort lautet: Konditionierung, Lernen aufgrund von Reizen. Der Vater im Himmel warnt uns davor, dass wir abhängig machende Substanzen zu uns zu nehmen. So sagt er z. B.: „… Tabak ist nicht für den Körper, auch nicht für den Bauch, und ist nicht gut für den Menschen ….“ (Lehre und Bündnisse 89:8). Im Jahre 1833, als diese Offenbarung dem Gründerpropheten Joseph Smith gegeben wurde, wusste die Wissenschaft noch nichts darüber, dass beim Rauchen von Tabak, neben den bekannten Schadstoffen Nikotin und Kohlenmonoxid, auch Teer entsteht und in die Lunge eingeatmet krebserregende Stoffe freigesetzt werden. Der Herr aber hat die Menschen schon damals gewarnt und er warnt uns heute genauso. Obwohl die Wissenschaft uns diese Gefahren heute bestätigt, gibt es unzählige Menschen, die wissentlich gegen diese Erkenntnis handeln. Ich weiß, dass es für mich lebensrettend – sowohl im physischen, wie im geistigen Sinne – ist, wenn ich die Warnungen des Herrn beachte und auf sie höre und nicht `wider besseren Wissen handle´. Wie verpflichtend ist für dich Wissen, das aus dem Mund Gottes kommt?

Aufdruck auf einer Zigarettenschachtel: "Rauchen kann tödlich sein".(Bild: Quelle)

Dass es um die Lamaniten besser stehen wird als um euch

Nephi redet weiter zu der Menge vor seinem Garten: „Denn siehe, so spricht der Herr: Ich werde den Schlechten nicht von meiner Kraft zeigen, dem einen mehr als dem anderen, außer denen, die von ihren Sünden umkehren und auf meine Worte hören. Und darum möchte ich, daß ihr erkennt, meine Brüder, daß es um die Lamaniten besser stehen wird als um euch, außer ihr kehrt um.“ (Helaman 7:23).

Dass es um die Lamaniten besser stehen wird als um euch. Warum wird es um die Lamaniten, die ja überwiegend ein wildes, grausames und blutrünstiges Volk waren und an die falschen Überlieferungen ihrer Vorfahrten glaubten (Mosia 10:11-17), besser stehen, als um die Nephiten, die überwiegend an die Warnungen und Offenbarungen Gottes glaubten und darauf bedacht waren, danach zu leben, ja sogar einen Tempel nach dem Muster des Tempels Salomos errichtet hatten und fleißig mit ihren Händen arbeiteten (2. Nephi 5:5-17)?

Weil eben sie, denen das Evangelium von Generation zu Generation weitergegeben wurde und sie auch Propheten hatten, die ihnen das Wort des Herrn mitteilten, sich nun wissentlich gegen den Herrn entschieden und nicht bereit waren umzukehren, während die Lamaniten anfingen an Gotteserkenntnis zuzunehmen und seine Satzungen zu befolgen (Helaman 6:34-35). Ich lerne daraus, dass ich mich nie über jene überheben darf, die das Evangelium nicht kennen und nicht leben oder sogar wissentlich ablehnen. Es kann allzu leicht passieren, dass ich eines Tages schlechter dastehe als jene, weil ich des Evangeliums überdrüssig werde, während sie es annehmen. Wie heißt es in einer Redensart so passend: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“ Womit ich hier verbinden will, dass es eben für diejenigen eine freudige Angelegenheit ist, die sich dem Evangelium von Jesus Christus zuwenden oder aufgrund Umkehr wieder zuwenden und deshalb im übertragenen Sinn `gut lachen haben´ (1. Korinther 6:9-11). Gerne trage ich dazu bei, dass ich mich mit meinem Nächsten zusammen freuen kann – gut lachen habe. Wie ergeht es dir?

(Bild: Quelle)

Der Herr wird euch nicht Kraft gewähren, … um gegen eure Feinde zu widerstehen

Nephi weiter zum Volk: „Und aus diesem Grund wird Weh über euch kommen, wenn ihr nicht umkehrt. Denn wenn ihr nicht umkehrt, siehe, dann werden diese große Stadt und auch alle jene großen Städte ringsumher, die in dem Land unseres Besitzes liegen, weggenommen werden, so daß ihr keinen Platz darin haben werdet; denn siehe, der Herr wird euch nicht Kraft gewähren, wie er es bisher getan hat, um gegen eure Feinde zu widerstehen.“ (Helaman 7:22).

Der Herr wird euch nicht Kraft gewähren, … um gegen eure Feinde zu widerstehen. Etwa vierzig Jahre vorher waren die Nephiten bemüht, ihre von den Lamaniten eingenommenen Städte zurückzuerobern. Vor Furcht schütteten sie unter Helaman dem Älteren (Verwandtschaftsverhältnis siehe Darstellung hier) ihre Seele im Gebet vor Gott aus, ihnen Kraft zu geben, ihre Städte zu behaupten und der Herr gab ihnen die Zusicherung, ihnen zu helfen (Alma 58:10-11). Allerdings setzten sie damals noch ihre Hoffnung auf ihn, ihren Herrn.

Zuzeiten König Limhis vor knapp 100 Jahren, als die Nephiten in lamanitischer Gefangenschaft waren, sprach Limhi zu ihnen, dass sie aufgrund ihrer Übeltaten in Knechtschaft geraten sind und Gott ihnen keinen Beistand geleistet hat (Mosia 7:17,20,29). Ich lerne daraus, dass ich gegen meine Feinde kraftlos sein werde, wenn ich mich gegen den Herrn versündige. Wenn ich ihn verlasse, verlässt er auch mich und ich bringe mich um mein Glück (2. Chronik 24:20). So ermuntert mich die heilige Schrift die Gebote Gottes zu halten und verspricht mir, dass ich dann Kraft haben werde meine Feinde – nicht nur physische, insbesondere auch die geistigen sind gemeint – zu besiegen und kein `Weh´ – seelischen Schmerz, Leid – über mich kommen zu lassen. Von wem erwartest du Kraft deinen Feinden zu widerstehen?

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Es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden

Nephi fragte die Menge, wie sie Gott vergessen konnten, und antwortet selber: „Aber siehe, es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden, ja, und damit ihr Gold und Silber erlangt. Und ihr habt euer Herz auf die Reichtümer und die Nichtigkeiten dieser Welt gesetzt, und dafür mordet ihr und plündert und stehlt und legt falsches Zeugnis ab gegen euren Nächsten und verübt allerart Übeltaten.“ (Helaman 7:21).

Es ist, um Gewinn zu erlangen, um von Menschen gepriesen zu werden. Von unrechten Wünschen getriebenes Streben nach Reichtum und Ansehen vor den Menschen, ist der `Gegenwind´, der uns von der `Insel göttlicher Segnungen´ wegtreiben lässt. Wir können sie nicht erreichen, wenn wir diesem Gegenwind nicht mit aller Kraft entgegenwirken, oder ihm ausweichen.

Genauso, wie es Jesu seinen Jüngern sagte, sagt er es einem jeden von uns: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?“ (Matthäus 16:26). Das Streben nach zeitlichen Reichtümern hindert uns daran, nach den geistigen Segnungen zu trachten, die der Herr schon für uns bereitet hat. Sie sind schon da, aber wir verzichten auf sie zugunsten unrechter Angebote, mit denen Satan aggressiv Werbung betreibt, auf die wir allzu gerne hereinfallen. Warum? Wir merken einfach nicht, dass wir kurzsichtig sind. Schleichende Prozesse bekommt man selber nicht mit. Deshalb haben wir berufene Diener Gottes, die uns eine entsprechende Brille anbieten. Wie wunderbar, wenn man dann auch wieder in die Ferne klar sehen kann, das Ziel klar erkennt und feststellt, dass man dem Gegenwind ausweichen muss, weil man zurückgetrieben wird. Was unternimmst du um dem Gegenwind `Menschenlob´ und `weltliches Ansehen´ auszuweichen?

kurzsichtig(Bild: Quelle)

Wie konntet ihr euren Gott vergessen

Nephi ruft der Volksmenge vor seinem Garten zu: „O wie konntet ihr euren Gott vergessen, an ebendem Tag, da er euch befreit hat?“ (Helaman 7:20).

Wie konntet ihr euren Gott vergessen. Gerade bin ich vom Einkaufen zurückgekommen und werde gefragt: „Und wo ist die Milch?“ „Ach, die hab ich vergessen!“ „Wir brauchen sie aber zum Mittagessen!“ „Muss ich wohl nochmal los.“ Und ich denke an das deutsche Sprichwort: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Ist es dir noch nie passiert, dass du etwas vergessen hast? Andererseits, wenn einem etwas Wunderbares widerfahren ist, vergisst man das eigentlich nicht so leicht.

Den Nephiten war etwas Wunderbares widerfahren. Sie durchlebten doch mit ihren ehemaligen Feinden, den Lamaniten, gerade aufgrund des Predigens des Evangeliums durch Nephi und seine Mitarbeiter eine Zeit des Friedens und der Freude (Helaman 6:7,13-14). Wie kann man das im Handumdrehen vergessen? Durch die reichen Segnungen, die man vom Herrn bekommt, wird man blind und meint, das hätte man selbst geschafft und Satan gaukelt einem etwas vermeintlich noch verlockenderes vor (Helaman 6:17,21). Ich lerne aus den Sprüchen: „Wer auf seinen Reichtum vertraut, der fällt, die Gerechten aber sprossen wie grünes Laub.“ (Sprüche 11:28). Ich bemühe mich mit allen Kräften meines Geistes, den Tag, an dem mich der Herr befreit hat, nicht zu vergessen und möchte gerne zu denen gehören, die wie `grünes Laub´ sprießen. Wie sieht es mit deinem `Vergessen´ aus?

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Dass ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet

Nephi redet weiter auf die Menschenmenge vor seinem Garten ein: „Und siehe, statt euch zu sammeln, wird er euch, siehe, wenn ihr nicht umkehrt, so zerstreuen, daß ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet.“ (Helaman 7:19).

Dass ihr zum Fraß für Hunde und wilde Tiere werdet. Es soll Menschen gegeben haben, die ihnen unliebsame Zeitgenossen den `Hunden zum Fraß´ vorgeworfen haben. Aber kann man sich das von unserem, seine Kinder liebenden Vater vorstellen? Im Buch Mormon kommt eine solche Aussage nur an dieser Stelle vor. Auch im Alten Testament finde ich zwei solche Aussagen. Beide Male stehen sie aber in Zusammenhang mit bewusstem Ungehorsam gegenüber den Geboten und Gesetzen des Herrn. So lässt der Herr Ezechiel den Götzen anbetenden und sonstige Gräueltaten begehenden Israeliten sagen: „So spricht GOTT, der Herr: So wahr ich lebe, wer in den Ruinen ist, fällt unter dem Schwert, wer auf dem freien Feld ist, den werfe ich den wilden Tieren zum Fraß vor, und wer sich in den Burgen und Höhlen aufhält, stirbt an der Pest.“ (Ezechiel 33:27). Zweck dieser Maßnahme sollte sein, dass die Gesetzesbrecher ihren Gott erkennen (Ezechiel 33:29). Über die dem Gott Baal dienende und Jehova hassende Königin Isebel, Tochter des Königs von Sidon, die als Nichtisraelitin, ihren Mann, den israelitischen König Ahab und viele Israeliten verleitete, ebenfalls falsche Götter anzubeten, und die viele der Propheten des Herrn umbrachte (1. Könige 18:13), verkündet Elija im Namen des Herrn: „… Die Hunde werden Isebel an der Mauer von Jesreel auffressen.“ (1. Könige 21:23). Etwas später wird uns berichtet, dass Isebel auf Geheiß des zehnten israelitischen Königs Jehu (regierte von 841 bis 814 v. Chr.; 2. Könige 9:6), den sie verspottete, mit einem Stoß aus dem Fenster zu Tode kam und bis auf Schädel, Hände und Füße von Hunden gefressen wurde (2. Könige 9:30-37).

Der Herr hat immer alles dran gesetzt, seine Kinder unter seine Fittiche zu sammeln – ihnen zu ermöglichen, Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erlangen. Doch unzählige Scharen haben dieses Angebot nicht annehmen wollen, haben es abgelehnt sich in Sicherheit unter den Flügeln des Herrn sammeln zu lassen. Sie haben sich bewusst gegen den Herrn ausgesprochen und dieser hat sie dann sich selbst überlassen. Das führte dazu, dass sie eben nicht unter seinem Schutz standen und der Wildnis ausgesetzt waren, ausgesetzt dem `Fraß für Hunde und wilde Tiere´. Bildhaft verstehe ich darunter, dass diejenigen der zerstörenden Macht Satans ausgeliefert sind. Ich weiß aber, dass es nicht so sein muss. Ich darf mich ja unter `seine schützenden Flügel´ sammeln lassen. Auch wenn ich dann hier und da immer mal die Nase raus strecke, solange ich sie früh genug wieder einziehe, dem Gebot des Herrn aufrichtige und vollständige Umkehr zu üben Folge leiste (Apostelgeschichte 17:30), ist es noch in Ordnung (3. Nephi 10:4-6). Wie verstehst du diese Schriftstelle?

Ein Kampfhund hinter Gittern. (AP)(Bild: Quelle)