Er tat beständig das, was in den Augen Gottes recht war

Nach dem Einfügen einiger eigener Worte, kommt Mormon nun wieder zum Bericht Helamans zurück (Helaman 3:17). In seiner Zusammenfassung erfahren wir nun, dass es immer noch Streit im Land gab (Helaman 3:18-19). „Dennoch hatte Helaman den Richterstuhl mit Rechtsprechung und Gerechtigkeit inne; ja, er war darauf bedacht, die Satzungen und die Richtersprüche und die Gebote Gottes zu halten; und er tat beständig das, was in den Augen Gottes recht war; und er wandelte auf den Wegen seines Vaters, so sehr, daß es ihm wohl erging im Land.“ (Helaman 3:20)

Er tat beständig das, was in den Augen Gottes recht war. Wie wunderbar, wenn das von einem gesagt werden kann. Tut man jedoch Unrechtes, so wird man beunruhigt sein und sich fürchten müssen. Das lernen wir von Alma dem Älteren, dem Hohepriester über die ganze Kirche. Als er Übertreter richten sollte, fürchtete er sich in den Augen Gottes ein unrechtes Urteil zu fällen. So wollte er den Richterspruch dem König überlassen. Doch der König lehnte dies auch ab und übergab die Angelegenheit zurück an ihn. Was tat Alma nun? Er schüttete seine Seele vor Gott aus (Mosia 26:10-14).

Ich lerne daraus, dass ich, bevor ich etwas ausführe, und ich mir nicht sicher bin, ob es unter Umständen Unrecht ist, ich die Möglichkeit habe und nutzen sollte, den Herrn zu befragen. Der Herr hat Alma den Älteren gelobt, weil er ihn gefragt hat, und er hat ihn gesegnet (Mosia 26:19). Und er hat ihn nicht im Unklaren gelassen, sondern ihm die Antwort gegeben, dass diejenigen, die gegen ihn, den Herrn, sündigen und nicht umkehren, er gemäß der begangenen Sünde richten solle (Mosia 26:29). Beständig das, was in den Augen Gottes Recht ist zu tun, gelingt mir nur, wenn ich das Evangelium studiere und den Herrn befrage, wenn ich mir über etwas im Unklaren bin, und auf seine Antwort höre, und dann nach seinem Wort auch handle. Wie gehst du vor, wenn du dich fürchtest, etwas Falsches zu tun?

das rechte tun(Lehre und Bündnisse 11:12; Bild: Quelle)

Sie sind schlecht und wild und grausam geworden, ja, sie sind selbst Lamaniten geworden

Moroni fügt in seine Zusammenfassung der Berichte immer mal wieder eigene Worte mit ein (Helaman 3:17). So fügt er ein, dass sich viel Volk über das ganze Land verteilte, die Städte mit Häusern aus Holz und Zement bauten, dort wo Holz total verbraucht war, wieder anpflanzten, ja, sogar Holz importieren mussten, und dass vom Volk ausführliche Aufzeichnungen geführt wurden, er aber nicht einmal den hundertsten Teil in seiner Zusammenfassung wiedergegeben kann (Helaman 3:8-14). Dann sagt er über ihre Aufzeichnungen: „Und sie sind durch die Nephiten von einer Generation an die andere weitergegeben worden, ja, bis sie in Übertretung gefallen und ermordet, geplündert und gehetzt und gejagt und getötet und über das Antlitz der Erde zerstreut worden sind und sich mit den Lamaniten vermischt haben, bis sie nicht mehr Nephiten genannt werden, denn sie sind schlecht und wild und grausam geworden, ja, sie sind selbst Lamaniten geworden.“ (Helaman 3:16).

Sie sind schlecht und wild und grausam geworden, ja, sie sind selbst Lamaniten geworden. Wenn wir das Buch Mormon studieren, stellen wir fest, dass die Nephiten Hochzeiten des Glaubens hatten, dadurch vom Herrn reiche Segnungen erhielten, die auch mit sich brachten, weltliche Reichtümer zu erwirtschaften. Das machte viele von ihnen stolz, wodurch sie sich von Gott entfernten, die Gebote immer weniger hielten und sich mehr und mehr durch Satan beeinflussen ließen. Dies führte dazu, dass der Herr sie nicht mehr segnen konnte (Lehre und Bündnisse 130:20-21). Sie setzten ihr Vertrauen nicht mehr in den Herrn, sondern in Menschen. Das dies zu keinem guten Ende führt, wird uns in der Schrift immer wieder bezeugt (2. Nephi 4:34). Nachdem sie dadurch wieder in Schwierigkeiten kamen, erinnerten sie sich wieder an den Herrn, bekehrten sich erneut, hielten Gesetze, wurden gesegnet und der Kreislauf begann von vorne. Dies ist der sogenannte `nephitische Krankheitszyklus´ (siehe Bild unten). Aber nicht nur bei den Nephiten begegnet uns dieser, auch im Alten Testament bei dem Volk Israel.

Es ist also offensichtlich eine menschliche Schwäche. Aus dieser Tatsache muss ich die richtigen Schlussfolgerungen ziehen: Ich darf diesen Zyklus nicht an der falschen Stelle unterbrechen. Wenn ich ihn in der unteren Hälfte unterbreche (Sünde), wird endgültige Vernichtung mein Ende sein. Ich werde nach dem letzten Gericht nicht in die Gegenwart Gottes eintreten können, sondern in der äußersten Finsternis landen (Matthäus 8:12; Alma 40:13-14). Ich muss mich also durch Zerstörung und Leid demütigen, um wieder rechtschaffen zu werden. An diesem Punkt kann ich dann den Kreis verlassen. Zwar werde ich durch Rechtschaffenheit wieder zu Wohlstand kommen – Segnungen aufgrund Befolgen von Gottes Gesetzen -, aber da muss ich dann auf jeden Fall aussteigen. Wie erlebst du diesen Zyklus in deinem Leben?

nephitischer krankheitszyklus
(Kästchen mit deutscher Übersetzung eingefügt; Bild: Quelle)

Doch wurde das Volk, das hinzog, überaus geschickt in der Arbeit mit Zement

Über die Auswanderer in die nördlichen Länder wird uns weiter berichtet: „Und es gab dort auf dem Antlitz des Landes nur wenig Holz, doch wurde das Volk, das hinzog, überaus geschickt in der Arbeit mit Zement; darum bauten sie Häuser aus Zement, worin sie wohnten.“ (Helaman 3:7).

Doch wurde das Volk, das hinzog, überaus geschickt in der Arbeit mit Zement. Kritiker des Buches Mormon waren der Auffassung, dass es vor der Neuzeit in Amerika nichts dergleichen wie Zement gegeben habe. Der Kritiker, John L. Smith, behauptete: „Es gibt überhaupt keine archäologischen Hinweise, dass vor der Neuzeit in Amerika irgend eine Art von Zement existiert hat.” (siehe hier)

Die Behauptung von John L. Smith sind allerdings inzwischen durch entsprechende archäologische Funde überholt. In seiner Diplomarbeit und einem Buch von David S. Hyman berichtet dieser über Untersuchungen der Kalkzemente im prähispanischen mesoamerikanischen Hochbau (Quelle: Precolumbian cements; a study of the calcareous cements in prehispanic mesoamerican building construction, von John L. Smith 1970). Scott Gordon erklärte in einer FAIR Konferenz 2013, dass er Kritikern des Buches Mormon dankbar sei, denn ohne sie würden so viele Themen gar nicht wissenschaftlich verfolgt werden. Sein Glaube ist durch Befassung mit diesen Themen gewachsen. Er sagt: „Matt Roper, ein Forscher am Maxwell Institute der BYU hielt einmal einen Vortrag mit dem Titel „Boomerang-Treffer des Buches Mormon.” Ein Boomerang ist eine Wurfwaffe aus Australien, die einen Bogen vollführt und zu demjenigen zurückkommt, der sie geworfen hat. Er verglich einen großen Teil der Kritik am Buch Mormon mit einem Boomerang, denn die entsprechenden Probleme beweisen nicht nur nicht, dass das Buch Mormon falsch sei, sondern nach näherer Betrachtung geben sie auch noch weitere Hinweise darauf, dass das Buch Mormon wahr ist. (siehe hier). Ein solcher Boomerang sei dieses Thema Zement aus Helaman 3:7. Wie wunderbar sind doch die Wege des Herrn. „Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?“ (1. Korinther 1:20; lies aber auch ruhig Verse 18-25).

kritik(Bild: Quelle)

In all jene Teile, die noch nicht verödet und abgeholzt waren wegen der vielen Bewohner

Wegen Stolz, der wiederum unter den Nephiten aufkam, entstanden wieder kleine Spaltungen unter ihnen, und eine überaus große Anzahl wanderte daraufhin weit ins Land nordwärts aus (Helaman 3:1-4). „Ja, und sie breiteten sich sogar in alle Teile des Landes aus, in all jene Teile, die noch nicht verödet und abgeholzt waren wegen der vielen Bewohner, die das Land zuvor ererbt hatten. 6  Und nun war kein Teil des Landes verödet, außer an Holz; aber wegen der Größe der Vernichtung des Volkes, das das Land zuvor bewohnt hatte, wurde es öde genannt.“ (Helaman 3:5-6).

In all jene Teile, die noch nicht verödet und abgeholzt waren wegen der vielen Bewohner. Im Zuge der Suche nach dem Land Zarahemla durch einen kleinen Suchtrupp König Limhis um die 120 v. Chr., wurde von diesem ein Land gefunden, das mit verdorrten Gebeinen übersät und zerstört worden war (Mosia 21:25-26). Die Menschen, die zu dieser Zeit dort lebten, sind vermutlich mit der Natur auch nicht gerade zimperlich umgegangen. Jedenfalls haben sie wohl viel Holz geschlagen um es als Bauholz zu nutzen, ggf. Landwirtschaft zu betreiben oder aus sonstigen Gründen. Auf jeden Fall wurde eine Ödnis hinterlassen.

Demselben Phänomen begegnen wir leider auch heute noch. Ganze Urwälder werden gerodet, um das Land anderweitig zu nutzen. Ein Ökosystem wird durch ein anderes ersetzt. Ganze Landstriche werden umgepflügt und abgetragen, nur um gerade wertvolle Rohstoffe abbauen zu können und das teilweise mit chemischen Mitteln verbunden, die das Ökosystem vergiften. Ödnis entsteht. Ich werde daran erinnert, dass wir Menschen doch nur Verwalter dieser Erde sind und nicht Eigentümer. Gott hat uns diese Erde zu einem einzigen Zweck zur Verfügung gestellt: Erfahrungen zu machen, die es uns ermöglichen, eines Tages buchstäblich seine Erbschaft anzutreten. Wir müssen sie hegen und pflegen und mit ihr so umgehen, dass auch unsere Nachkommen noch dieselbe Möglichkeit haben werden sich zu entwickeln (Lehre und Bündnisse 59:16-20). Wie wunderbar wird uns dies doch durch unsere Kirchenführer eindringlich in dem Artikel „In der Ehre der Schöpfung ehren wir den Schöpfer“ vor Augen geführt (allerdings in Englisch, aber Google hat ein Übersetzungstool. Mit rechter Maustaste in die zu übersetzende Seite klicken, im sich öffnenden Fenster müsste die Option `Übersetzen in Deutsch´ erscheinen). Präsident Russel M. Nelson hat uns gesagt, was wir als Nutznießer der göttlichen Schöpfung tun sollen: „Wir sollten uns um die Erde kümmern, weise Wächter darüber sein und sie für zukünftige Generationen bewahren.“ Mach dir bitte selber weitere Gedanken, inwiefern du dazu beiträgst zu veröden, oder zu erhalten. Ich tue es auch und leite konsequente Handlungsweisen daraus ab, denn der Herr wird uns eines Tages auch über unseren Umgang mit seiner Schöpfung Rechenschaft ablegen lassen (Lehre und Bündnisse 104:13-15).

ödnis(Bild: Quelle)

Er gab ihm ein Zeichen

Dieser Gadianton hatte vor, Helaman den Jüngeren, der jetzt das Amt des obersten Richters innehatte, zu ermorden. Dabei traf er auf einen Knecht Helamans, der wohl verdeckt in seiner Bande auskundschaftete. Dieser nun „… traf Kischkumen, und er gab ihm ein Zeichen; darum tat ihm Kischkumen das Ziel seiner Wünsche kund und wünschte, von ihm zum Richterstuhl geführt zu werden, damit er Helaman ermorden könne.“ (Helaman 2:7).

Er gab ihm ein Zeichen. In Banden werden geheime Zeichen vereinbart, mit denen man sich als Mitglied der Bande zu erkennen geben kann. So hatten auch die Gadiantonräuber geheime Zeichen untereinander ausgemacht (Helaman 6:18,22). Nachdem der Knecht Helamans dem Kischkumen ein Zeichen gab, und dieser ihm seinen Plan offenbarte, gehe ich davon aus, dass er irgendwie an die vereinbarten Zeichen der Bande gekommen ist (Helaman 2:6). Nachdem Kischkumen ihm sein Vorhaben offenbart hatte, konnte der Knecht den Mord an Helaman dem Jüngeren verhindern, indem er Kischkumen vorher umbrachte (Helaman 2:8-9). Später werden wir allerdings noch erkennen müssen, dass diese Bande Gadiantons beinahe die völlige Vernichtung des Volkes Nephi verursachte (Helaman 2:13-14).

Geheimzeichen, die für nicht eingeweihte unverständlich sind, werden häufig verwendet. Ein solches Geheimzeichen hatte z. B. auch Judas mit den Hohepriestern und Schriftgelehrten ausgemacht, um die Gefangennahme Jesu im Dunkeln zu ermöglichen (Lukas 22:4; 22:47). Heute werden auch noch Geheimzeichen, Zinken genannt, benutzt, z. B. von Einbrecherbanden. Kundschafter in Wohngegenden inspizieren die Lage interessant erscheinender Einbruchsobjekte und geben durch grafische Zeichen an passenden Stellen, Informationen an diejenigen, die später den Einbruch verüben. Wie in allem, gibt es auch hier wieder zwei Seiten einer Medaille. Meist werden Geheimzeichen aus krimineller Energie heraus benutzt, sogenannte `Gaunerzinken´ (siehe Bild unten). Welche Motive für Geheimzeichen kennst du als zweite Seite der Medaille, also im positiven Sinn?

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(Bild: Quelle)

Darum schmeichelte er ihnen

Über diesen gewissen Gadianton (Helaman 2:4), einen Bandenführer (Helaman 2:11), wird in den Aufzeichnungen Helaman des Jüngeren weiter berichtet: „Darum schmeichelte er ihnen und auch Kischkumen, daß er, wenn sie ihn auf den Richterstuhl setzten, all denen, die zu seiner Bande gehörten, gewähren würde, daß sie in Macht und Gewalt unter das Volk gesetzt würden; darum trachtete Kischkumen, Helaman zu vernichten.“ (Helaman 2:5).

Darum schmeichelte er ihnen. Wer einem anderen schmeichelt – ihm also Dinge sagt, die derjenige gerne hört, die aber eigentlich nicht der eigenen Meinung entsprechen – will denjenigen beeinflussen, etwas zu tun, was er sonst eigentlich nicht machen würde. Als der Bruder von Jesus, Judas (Markus 6:3), über die Machenschaften der Irrlehrer sprach, und vor ihnen warnte, sagte er auch, dass sie große Worte in den Mund nehmen und den Menschen aus Eigennutz schmeicheln (Judas 16).

Ich erkenne, dass Schmeicheln meist zum Eigennutz angewendet wird. Aber ist das in Ordnung? In den Sprichwörtern, die zu einem Teil dem weisen König Salomo zugeschrieben werden, wird gesagt, dass man durch Schmeicheln demjenigen ein Netz vor seine Füße legt (Sprichwörter 29:5). Das kann ja wohl nicht in Ordnung sein, jemanden durch Schmeicheleien sozusagen in eine Falle zu schicken. Deshalb schreibt auch der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Mitglieder der Gemeinde in Thessalonich, die er um das Jahr 50 n. Chr. gegründet hatte, dass sie ihnen nicht gepredigt hätten, um sie in die Irre zu führen: „Nie haben wir mit unseren Worten zu schmeicheln versucht, …“ (1. Thessalonischer 2:3- 5). Ich bin zwar bemüht, dort Komplimente zu verteilen, wo sie angebracht sind, aber nicht aus Eigennutz zu schmeicheln. So habe ich einer jungen Schwester zu ihrer geisterfüllten Ansprache im Gottesdienst gratuliert, nicht um mich bei ihr beliebt zu machen, Süßholz zu raspeln, sondern meine aufrichtige Anerkennung für ihre Leistung auszusprechen. Solche authentischen Rückmeldungen dienen nicht dem Eigennutz, sondern der positiven Verstärkung. Wie gehst du mit Schmeicheleien um?

schmeicheln(Bild: Quelle)

Gadianton, der in vielen Worten überaus gewandt war

Kaum hatte Moronihach den Frieden wiederhergestellt, fing unter dem Volk schon wieder ein Streit über die Nachfolge auf dem Richterstuhl an. Helaman der Jüngere, der Sohn Helamans, wurde vom Volk gewählt, aber Kischkumen, der schon Pahoran ermordet hatte (Helaman 1:9), will auch, dass Helaman diesen Posten nicht haben soll, und will ihn ermorden (Helaman 2:1-3). „Denn es gab einen gewissen Gadianton, der in vielen Worten überaus gewandt war, ebenso in seinen Machenschaften, das geheime Werk des Mordens und des Raubens auszuführen; darum wurde er der Führer der Bande Kischkumens.“ (Helaman 2:4)

Gadianton, der in vielen Worten überaus gewandt war. In vielen Worten überaus gewandt sein, kann wie jede Eigenschaft, sowohl zum Schlechten als auch zum Guten angewandt werden. Um wortgewandt zu sein, benötigt man einen großen Wortschatz, den man im passenden Moment sinnrichtig anwenden kann – man spricht auch von Eloquenz. So jemand beherrscht die Sprache, in der er sich ausdrückt, und kann sie überzeugend einsetzen. Dieses Überzeugen kann eben im guten, oder aber auch im negativen Sinn genutzt werden.

Da gab es im Alten Testament den Sohn eines Betlehemiters, der nicht nur musikalisch war, sondern auch ein tapferer Krieger, sogar von schöner Gestalt und auch noch wortgewandt. Es war David, der diese seine Gaben zum Guten nutzte, indem es ihm gelang, König Saul, jedes Mal aus seinem Stimmungstief holen zu können (1. Samuel 16:14-23). Wortgewandtheit erlangt man, indem man sich guter Literatur zuwendet, viel liest. Dadurch erweitert man seinen Wortschatz und lernt dessen positive Anwendung. Durch Übung wird man sich in die Lage bringen, umfassend, verständlich und überzeugend zu informieren, Neugierde zu wecken, aufzurütteln, eine gewünschte Stimmung zu erzeugen u. v. m. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass man nicht selbst der Überzeugende ist, sondern der Heilige Geist, werden die Worte, die er einem in dem Augenblick einfallen lässt, zum gewünschten guten Erfolg führen (Lehre und Bündnisse 100:5-8). Bei welchem Redner ist dir in letzter Zeit eine solche Wortgewandtheit begegnet?

wortgewandt(Bild: Quelle)

Da fing unter dem Volk der Nephiten eine ernste Schwierigkeit an

„Und nun siehe, es begab sich: Zu Beginn des vierzigsten Jahres der Regierung der Richter über das Volk Nephi, da fing unter dem Volk der Nephiten eine ernste Schwierigkeit an.“ (Helaman 1:1).

Da fing unter dem Volk der Nephiten eine ernste Schwierigkeit an. Obwohl an die ganzen Nephiten das Wort Gottes verteilt wurde (Alma 63:12), kam es doch immer wieder unter ihnen zu ernsten Schwierigkeiten. Nachdem der legitim eingesetzte oberste Richter Pahoran (Alma 50:39-40) gestorben war, kam es zu Streitigkeiten über seine Nachfolge. Pahoran hatte viele Söhne, darunter Pahoran den Jüngeren, Paankhi und Pakumeni. Unter diesen Dreien entstand nun ein Machtkampf um den Richterstuhl, der das Volk in drei konkurrierende Gruppen spaltete (Helaman 1:3-4). Zunächst wurde Pahoran vom Volk gewählt (Helaman 1:5). Pakumeni gab sich damit zufrieden, sein Bruder Paankhi allerdings nicht. Er verleitete mit Schmeichelei das Volk zu Auflehnung, wurde dafür allerdings zum Tode verurteilt (Helaman 1:6-8). Seine Anhänger engagierten Kischkumen, um seine Hinrichtung zu rächen und Pahoran zu ermorden (Helaman 1:9). Mit der Stimme des Volkes wurde nun der letze der drei Brüder, Pakumeni, oberster Richter (Helaman 1:13).

Diese selbst verschuldeten Schwierigkeiten im eignen Volk führten dazu, dass die Lamaniten unter der Führung Koriantumrs in das Land einfielen und es wiederum blutige Auseinandersetzungen gab, in deren Folge auch Pakumeni den Tod fand, aber auch schlussendlich Koriantumr mit seinen Truppen durch Moronihach, den Sohn des verstorbenen Hauptmanns Moroni (Alma 62:43), überwältigt wurden (Helaman 1:18,21,32-33). Diese `ernste Schwierigkeit´ ereignete sich innerhalb zweier Jahre (Helaman 1:1,34). Ich lerne, dass wir immer auf der Hut sein müssen vor `inneren Feinden´ in den eigenen Reihen. Wir dürfen uns durch ihre Schmeicheleien nicht verführen lassen, falsche Partei zu ergreifen, und damit eine Lawine `ernster Schwierigkeiten´ loszutreten. Das Wort Gottes ist für meine Entscheidungen immer die Richtschnur, in Verbindung mit Gebet und auf Antwort durch den Geist hören. Wie verhinderst du `ernste Schwierigkeiten´?

(Bild: Quelle)

Alle diese Gravierungen, die Helaman im Besitz hatte, wurden abgeschrieben

Vor seinem Tod übergab Schiblon, einer der drei Söhne Alma des Jüngeren, die heiligen Gegenstände, die er von seinem Bruder Helaman dem Älteren übernommen hatte, an seinen Neffen Alma dem Jüngeren. Sein jüngerer Bruder Korianton, brachte per Schiff dem nach Norden ausgewanderten Volk Vorräte (Alma 63:10-11; Verwandtschaftsverhältnis siehe Bild unten). „Nun siehe, alle diese Gravierungen, die Helaman im Besitz hatte, wurden abgeschrieben und unter die Menschenkinder überall im ganzen Land hinausgesandt, außer jene Teile, die nach Almas Gebot nicht hinausgesandt werden sollten.“ (Alma 63:12).

Alle diese Gravierungen, die Helaman im Besitz hatte, wurden abgeschrieben. Eine für damalige Verhältnisse überwältigende Aufgabe, die die Mitglieder der Kirche leisteten. Ich gehe davon aus, dass sie noch keinen Kopierer, Scanner oder ähnliches Gerät hatten, um für Tausende von Menschen eine Abschrift zu fertigen, geschweige denn das Internet (Spaß). Es war wohl harte Handarbeit, wie wir sie uns heute nicht im geringsten vorstellen können.

Ich kenne noch die Zeiten (Siebzigerjahre), als ich als Führungssekretär die Schriftstücke, die an die Mitglieder des Pfahles (entspricht einer Diözese) weitergeleitet werden sollten, mit der Hand an der Kurbel eines Hektografiergerätes – auch als Umdrucker oder umgangssprachlich Nudelmaschine bekannt – Seite für Seite hergestellt, dann eingetütet, adressiert, frankiert und per Post versandt habe. Schon das gegenüber heute, ein nicht mehr vorstellbarer Arbeits-, Zeit-, und Materialaufwand. Wie erst damals, etwa 55 v. Chr.? Wie gut haben wir es da doch heute, die Quellinformation in digitaler Form erstellt, einmal in Sekundenschnelle auf eine Internetserver hochgeladen, ist sie weltweit von jedermann abrufbar, oder auch gezielt nur von einem berechtigten Personenkreis. So einfach ist es heute, das Evangelium über die ganze Welt zu verbreiten. Du brauchst nur auf z. B. diese Seite gehen, und kannst in vielen Sprachen die unterschiedlichsten Bibelübersetzungen lesen, oder hierher, um weitere heilige Schriften zu lesen, oder auch herunterzuladen. Über Apps kannst du sogar sämtliche Heilige Schriften und sonstige für deine Berufung in der Kirche relevanten Informationen auf dein Smartphone laden. Wie der Herr gesagt hat: „Siehe, ich werde mein Werk in seiner Zeit beschleunigen.“ (Lehre und Bündnisse 88:73). Wie trägst du zu dieser Beschleunigung des Werkes des Herrn hier auf Erden bei?

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(Bild: Autor)

Hagot, der ein überaus wißbegieriger Mann war

Auch Moroni, der oberste Hauptmann i. R. verstarb und im Jahr darauf, also etwa 55 v. Chr., begann eine große Auswanderungswelle. Fünftausendvierhundert Männer mit ihren Frauen und Kindern machten sich von Zarahemla aus auf in das `Land nordwärts´ (Alma 63:3-4). „Und es begab sich: Hagot, der ein überaus wißbegieriger Mann war, ging darum hin und baute sich an den Grenzen des Landes Überfluß, neben dem Land Verwüstung, ein überaus großes Schiff und ließ es hinaussegeln in das westliche Meer, bei der schmalen Landenge, die in das Land nordwärts führte.“ (Alma 63:5; angenommene geografische Lage der Orte zueinander siehe hier).

Hagot, der ein überaus wißbegieriger Mann war. Dieser wissbegierige Schiffbauer Hagot, findet nur in drei Versen des Buches Mormon Erwähnung (Alma 63:5-7). Sein erstes gebautes Schiff kam auch wieder zurück und stach mit weiteren Auswanderern wieder Richtung Norden in See. Er baute noch mehr Schiffe, mit denen weitere Auswanderungswillige in Richtung Norden in See stachen. Allerdings hörte man von ihnen nie wieder etwas (Alma 63:6-9). Ob Hagot schließlich auch mit auswanderte, ist uns nicht überliefert.

Hagot war also vom Wunsch getrieben, vieles in Erfahrung zu bringen und Neues dazuzulernen. Er war neugierig und strebsam. Wissbegierig zu sein ist sicherlich eine positive menschliche Eigenschaft. Von Grund auf ist jeder Mensch wissbegierig. Er fragt, wenn er auf etwas Unbekanntes stößt, `warum, wieso und weshalb´, er will begreifen und verstehen. Dieser Trieb kann u. U. mit zunehmendem Alter nachlassen. Doch wir werden vom Apostel Petrus aufgefordert: „Darum setzt allen Eifer daran, mit eurem Glauben die Tugend zu verbinden, mit der Tugend die Erkenntnis,“ (2. Petrus 1:5), mit ihr Selbstbeherrschung, Ausdauer, Frömmigkeit, Brüderlichkeit und Liebe (2. Petrus 1:6-7). Wichtig ist es natürlich, sich um die richtige Art von Erkenntnis zu bemühen, denn nur `reine Erkenntnis erweitert die Seele´ (Lehre und Bündnisse 121:42) und derjenige, der nach ihr trachtet,  wird anderen gegenüber im Vorteil sein (Lehre und Bündnisse 130:19). Desinteresse an geistigen Dingen hingegen hindert mich, wieder in die Gegenwart meines Schöpfers zurückkehren zu können (Lehre und Bündnisse 131:6). Darum vertiefe ich mich gerne und eifrig in die heiligen Schriften. In welcher Hinsicht bist du wissbegierig?

hagotHagot  baute ein großes Schiff und brachte es im westlichen Meer zu Wasser
(Bild: Quelle)