Sie … haben unsere Freiheitsleute eingeschüchtert

Pahoran schreibt an Moroni und nennt den Grund, weshalb kein Nachschub an ihn und Helaman geschickt werden konnte: „Und diejenigen, die danach getrachtet haben, mir den Richterstuhl wegzunehmen, sind die Ursache dieses großen Übeltuns; denn sie haben viel Schmeichelei angewandt, und sie haben vielem Volk das Herz verleitet, was die Ursache schwerer Bedrängnis unter uns sein wird; sie haben unsere Vorräte zurückgehalten und haben unsere Freiheitsleute eingeschüchtert, so daß sie nicht zu euch gekommen sind.“ (Alma 61:4).

Sie … haben unsere Freiheitsleute eingeschüchtert. Einschüchtern bedeutet jemanden zu verunsichern, zu entmutigen, in ihm Furcht auszulösen, ihn beunruhigen, bedrohen. Will ich jemanden von etwas abhalten, von dem ich nicht möchte, dass er es tut, kann ich ihm etwas androhen, vor dem er sich fürchtet. Mit dieser Androhung soll er den Mut verlieren sein Vorhaben auszuführen.

Es kann aber auch das Gegenteil eintreten: jetzt erst recht. Ein Beispiel hierfür finden wir bei Nehemia. Nachdem das Volk Israel aus dem babylonischen Exil wieder in seine Heimat zurück durfte, erhielt es auch vom Perserkönig Kyrus die Genehmigung den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen (Esra 6:3). Unter der Leitung von Nehemia hatte das Volk nun den Wiederaufbau der Stadtmauer um Jerusalem vollendet, was unter seinen Feinden nicht gerade Begeisterung hervorrief. Sie werfen ihm vor, dass das Gerücht umgeht, sie würden einen Aufstand planen. Nehemia antwortet und stellt fest: „… Nichts von dem, was du behauptest, ist geschehen. Das hast du alles selbst erfunden. 9 Sie alle wollten uns nämlich einschüchtern; sie dachten: Dann lassen sie die Hände von dem Werk und es kommt nicht zustande. Nun aber rührte ich die Hände erst recht.“ (Nehemia 6:8-9). Ich lerne, dass ich mit meinen Maßnahmen nicht unbedingt das erreichen muss, was ich vorhabe, und deshalb mein Vorgehen sehr überlegt wählen muss. Meine Motivation muss rechtschaffen sein und ich werde auf die Stimme des Geistes achten. Wie stehst du zu Einschüchterung?

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Es gibt welche, die an euren Bedrängnissen Freude haben

Nachdem Pahoran den Brief von Moroni empfangen und gelesen hatte, antwortet er ihm sofort (Alma 61:1): „Ich, Pahoran, der ich der oberste Regierende dieses Landes bin, sende diese Worte an Moroni, den obersten Hauptmann über das Heer. Siehe, ich sage dir, Moroni, daß ich an euren großen Bedrängnissen keine Freude habe, ja, es bekümmert meine Seele. 3  Aber siehe, es gibt welche, die an euren Bedrängnissen Freude haben, ja, so sehr, daß sie sich in Auflehnung gegen mich und auch diejenigen meines Volkes erhoben haben, die Freiheitsleute sind; ja, und die sich erhoben haben, sind überaus zahlreich.“ (Alma 61:2-3).

Es gibt welche, die an euren Bedrängnissen Freude haben. Pahoran erklärt Moroni, warum er keine Verstärkung und keine Vorräte senden konnte. Es gab da nämlich die `Königsleute´, die sich an den Bedrängnissen der kämpfenden Nephiten erfreuten und verhinderten, dass ihnen Nachschub zukommen konnte. Diese `Königsleute´ sind eine Gruppe von Nephiten, die sich dafür einsetzten, einen König zu bestimmen, und die vom Volk gewählte Richterregierung zu stürzen. (Alma 51:5). Nachdem ihnen dies nicht gelang (Alma 51:7), sind sie jetzt natürlich sehr froh, dass die regierungstreuen und sich für die Freiheit einsetzenden Nephiten, Freiheitsleute genannt (Alma 51:6), in Bedrängnis geraten sind.

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) formulierte folgenden Sinnspruch: „Jedoch ist Neid zu fühlen, menschlich; Schadenfreude zu genießen, teuflisch.“ Schopenhauer führt aus: „Es gibt kein unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens und tiefer moralischer Nichtswürdigkeit, als einen Zug reiner, herzlicher Schadenfreude. Man soll den, an welchem man ihn wahrgenommen, auf immer meiden. Die Schadenfreude ist das eigentlich teuflische Laster. Denn sie ist das gerade Gegenteil des Mitleids und ist nichts Anderes, als die ohnmächtige Grausamkeit, welche die Leiden, in denen sie Andere so gern erblickt, selbst herbeizuführen unfähig, dem Zufall dankt, der es statt ihrer tat.“ (siehe hier). Dass Schadenfreude vom Herrn nicht geduldet wird, lesen wir in den Drohsprüchen des Herrn gegen die Nachbarvölker Israels. Ezechiel (Wirkungszeitraum 592-571 v. Chr.) sollte vom Herrn beauftragt den Ammonitern (Nachfahren von Ben-Ammi, einem durch Inzucht mit seiner jüngeren Tochter gezeugten Sohn Lots; Genesis 19:30-38) prophezeien, dass sie aufgrund ihrer `Schadenfreude´ über das Land Israel, den Völkern zur Plünderung überlassen und ausgerottet werden würden (Ezechiel 25:1-7). Ich konnte Schadenfreude noch nie leiden und habe sie demzufolge auch stets gemieden. Wie ergeht es dir?

schadenfreude(Bild: Quelle)

Siehe, der Herr spricht zu mir

Hauptmann Moroni droht Pahoran an, dass wenn keine Hilfe geschickt werden würde, er mit dem Schwert zu ihm kommen würde (Alma 60:30) und schreibt: „Ihr wißt, daß ihr die Gesetze Gottes übertretet, und ihr wißt, daß ihr sie mit Füßen tretet. Siehe, der Herr spricht zu mir: Wenn die, die ihr zu euren Regierenden bestimmt habt, nicht von ihren Sünden und Übeltaten umkehren, sollt ihr zum Kampf gegen sie hinaufziehen.“ (Alma 60:33).

Siehe, der Herr spricht zu mir. Der oberste Hauptmann der nephitischen Heere schreibt dem obersten Regierenden des Landes der Nephiten, dass der Herr ihm Anweisungen gegeben habe, gegen diejenigen vorzugehen, die von ihren Sünden nicht umkehren würden – gemeint sind diejenigen, die sich gegen die Bemühungen stellen, die Freiheit ihrer Familien und ihres Glaubens zu sichern. Nun ist dies von einem Teil des Volkes in Zarahemla tatsächlich so gemacht worden, ja sie haben sogar den obersten Regierenden, Pahoran, aus Zarahemla vertrieben und einen König aufgestellt und mit den Lamaniten kooperiert (Alma 61:5,8). Im Antwortschreiben Pahorans an Moroni teilt er ihm mit, dass er sich schon die Frage gestellt hatte, ob ein solches Vorgehen gegen die sogenannten `Königsleute´ gerechtfertigt sei, und fühlt sich nun durch die Worte des Herrn an Moroni darin bestätigt (Alma 61:19-20).

Viele Menschen sind der Auffassung, dass der Herr zwar zu Propheten alter Völker gesprochen habe, aber heute doch nicht mehr. Wieso soll das so sein? Wieso hat Gott früher zu seinen Propheten gesprochen, aber soll es heute nicht mehr tun? Welche Begründung gibt es dafür? Was ist anders? Sind wir so gut geworden, dass es nicht mehr notwendig ist, oder so schlecht, dass er sich von uns abwendet? Der damalige zweite Ratgeber zu dem verstorbenen Propheten Thomas S. Monson, Präsident Dieter F. Uchtdorf, erklärt: „Da der Vater im Himmel seine Kinder liebt, lässt er sie dieses irdische Leben nicht ohne Führung und Anleitung durchlaufen. Deshalb dringt er so inständig durch seine Propheten auf uns ein. So wie wir für unsere Familie das Beste wollen, wünscht sich der Vater im Himmel das Beste für uns.“ (siehe hier). Ich bin glücklich, dass der Herr auch uns heute so liebt, dass er auch uns Propheten schickt, zu denen er spricht, denn auch heute gilt, was der alttestamentliche Prophet des Südreiches Juda, vom Herrn ins Nordreich gesandt, Amos, dort um die 760 v. Chr. bezeugte: „Nichts tut GOTT, der Herr, ohne dass er seinen Knechten, den Propheten, zuvor seinen Ratschluss offenbart hat.“ (Amos 3:7). Welche heute lebenden Propheten und Apostel kennst du? Hier findest du sie alle aufgeführt (klicke auf das jeweilige Bild und du erfährst mehr über die Person).

amosAmos, slika Gustave Doré, 1891
(Bild: Quelle)

Die Zeit ist jetzt da, daß das Schwert der Gerechtigkeit über euch hängt

Moroni schreibt weiter in seinem Brief an Pahoran: „Siehe, es ist Zeit, ja, die Zeit ist jetzt da, daß das Schwert der Gerechtigkeit über euch hängt, außer ihr rafft euch zur Verteidigung eures Landes und eurer Kleinen auf; ja, und es wird auf euch fallen und euch heimsuchen, selbst bis zu eurer völligen Vernichtung.“ (Alma 60:29).

Die Zeit ist jetzt da, daß das Schwert der Gerechtigkeit über euch hängt. Was stelle ich mir unter dem `Schwert der Gerechtigkeit´vor? Wenn man mit einem Schwert zuhaut, wird etwas zerteilt. Im Neuen Testament wird die Wirkung des Wortes Gottes mit einem `zweischneidigen Schwert´ verglichen, das Seele und Geist – also den geistigen Körper, von Gelenken und Mark – dem physischen Körper scheidet (Hebräer 4:12). Das Wort Gottes richtet einen jeden Menschen und trennt die gottlosen von den gottesfürchtigen. Im Traum Lehis vom Baum des Lebens, wird diese Trennung auch mit einer großen schrecklichen Kluft symbolisiert (1. Nephi 12:18). Sind wir nicht gottesfürchtig, hängt das Schwert der Gerechtigkeit insofern über uns, dass es auf uns herniederfallen wird, wenn wir nicht Umkehr üben; es trennt uns von unserem himmlischen Vater.

Unsere einzige Rettung, dem Herabfallen des Schwertes der Gerechtigkeit zu entkommen, ist wahrhafte Umkehr zu üben, und zwar mit allem, was dazugehört: Erkennen, dass ich gesündigt habe, es muss mir leidtun, ich muss vor Gott und den Beteiligten bekennen (Levitikus 5:5), ich muss Wiedergutmachen, wie es in meiner Macht steht, ich muss um Vergebung bitten (Lehre und Bündnisse 64:7), und darf die Übertretung nicht wieder begehen (Lehre und Bündnisse 58:43). Welche Vorstellung hast du in Bezug auf das Schwert der Gerechtigkeit?

schwert(Bild: Quelle)

Ich fürchte eure Macht und eure Gewalt nicht, sondern es ist mein Gott, den ich fürchte

In seinem Brief an Pahoran schreibt Moroni folgendermaßen weiter: „Ja, siehe, ich fürchte eure Macht und eure Gewalt nicht, sondern es ist mein Gott, den ich fürchte; und es ist gemäß seinen Geboten, daß ich das Schwert nehme, um die Sache meines Landes zu verteidigen, und es ist wegen eures Übeltuns, daß wir so viel Verlust erlitten haben.“ (Alma 60:28).

Ich fürchte eure Macht und eure Gewalt nicht, sondern es ist mein Gott, den ich fürchte. Wie ist die Aussage zu verstehen? Unter Furcht kann man zweierlei verstehen. Zum einen Ehrfurcht bzw. heilige Scheu vor Gott zu empfinden und seinen Geboten zu gehorchen. Zum anderen als Gefühl der Bedrohung, als Reaktion auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr. Den ersten Halbsatz interpretiere ich mit der Zweiten und den zweiten Halbsatz mit der ersten Definition von Furcht. Moroni empfindet die Macht Pahorans nicht als Bedrohung, aber er empfindet eine heilige Scheu vor Gott und ist bemüht, seine Gebote zu halten, ohne Rücksicht auf eventuell zu erwartende Gefahren.

Ich erkenne, dass wenn ich Gott fürchte, ich den Tod nicht zu fürchten brauche. Denn wer Gott fürchtet – ihm ehrfürchtig gehorcht, für den wird der Tod süß sein (Lehre und Bündnisse 42:46). Gerne folge ich dem Ruf des Engels: „Fürchtet Gott und erweist ihm die Ehre!“ (Offenbarung 14:7), denn ungerne lasse ich mich aufschrecken, um bis ins Innerste zu zittern und zu beben (Lehre und Bündnisse 10:56). Wie ergeht es dir mit Furcht in beiderlei Sinn?

furchtMaria Yakunchikova „Fear“ 1893–95
(Bild: Quelle)

Dann werde ich unter euch Aufstände erregen

Moroni kündigt Pahoran in seinem Schreiben an: „und ich werde zu euch kommen, und wenn es unter euch einen gibt, der den Wunsch nach Freiheit hat, ja, wenn nur noch ein Funken Freiheit verblieben ist, siehe, dann werde ich unter euch Aufstände erregen, ja, bis alle, die da Macht und Gewalt an sich reißen wollen, ausgelöscht sein werden.“ (Alma 60:27).

Dann werde ich unter euch Aufstände erregen. Der oberste Hauptmann der nephitischen Heere, Moroni, geht davon aus, dass im Landesinneren die Regierenden sich in Sicherheit fühlen und kein Interesse daran haben, den Kämpfenden Verstärkung und Nahrungsvorräte an die Front zu senden. Er denkt, sie sind in Bezug auf die Freiheit ihres Landes gleichgültig (Alma 59:13) und droht an, Leute zu finden, denen dies nicht gleichgültig ist und diese zum Aufstand anzustiften.

Ein Aufstand in dieser Weise, auch Rebellion genannt, ist ein offener gewaltsamer Widerstand mehrerer Personen gegen eine Staatsgewalt. Wir erleben so etwas auch gerade in einem europäischen Land. Im Alten Testament lesen wir auch etwas über den Vorwurf eines Aufstandes. Nehemia, der nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil, um die 438 v. Chr., als Stadthalter Jerusalems, dessen Mauer wieder aufbaute, wurde in diesem Zusammenhang unterstellt, einen Aufstand zu planen, um selber König der Juden zu werden (Nehemia 6:6). Mit dieser Unterstellung und weiteren Attacken wollten sie Nehemia aber nur in Verruf zu bringen (Nehemia 6:13). Ich lerne aus neuzeitlicher Offenbarung, dass so lange mich mein Staat beschützt, ich kein Recht zum Aufstand und zur Auflehnung habe (Lehre und Bündnisse 134:5). In Deutschland gibt es in diesem Zusammenhang den Straftatbestand des Hochverrats – vergleichbar mit Rebellion -, der mit bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe geahndet wird (StGB § 81). Als Kinder hat man doch gegen die eine oder andere Maßnahme der Eltern rebelliert, oder? Wogegen hast du schon mal `rebelliert´?

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Ich werde die Kraft Gottes und seine Segnungen bei ihnen lassen, so daß keine andere Macht gegen sie wirken kann

Nun droht Moroni dem obersten Richter Pahoran sogar: „Und wenn ihr meinem Brief nicht stattgebt und herauskommt und mir wahren Freiheitsgeist zeigt und euch bemüht, unsere Heere zu verstärken und zu festigen, und ihnen Nahrung für ihren Unterhalt gewährt, siehe, so werde ich einen Teil meiner Freiheitsleute zurücklassen, um diesen Teil unseres Landes zu behaupten, und ich werde die Kraft Gottes und seine Segnungen bei ihnen lassen, so daß keine andere Macht gegen sie wirken kann—26  und dies wegen ihres überaus großen Glaubens und ihrer Geduld in ihren Drangsalen—,“ (Alma 60:25-26).

Ich werde die Kraft Gottes und seine Segnungen bei ihnen lassen, so daß keine andere Macht gegen sie wirken kann. In dieser Aussage Moronis zeigt sich, dass er auch geistliche Mach besessen haben muss, sonst hätte er nicht die Kraft Gottes und seine Segnungen bei seinen Truppen lassen können. Dessen ungeachtet spricht er eine Drohung gegen Pahoran und diejenigen aus, von denen er annimmt – jedoch nicht weiß, dass sie sich der Freiheit im Inneren des Landes erfreuen, und meinen nichts dafür tun zu müssen und darüber die dafür Kämpfenden vergessen.

Unser himmlischer Vater möchte uns, seine Kinder, mit Segnungen überhäufen, allerdings gibt es eine Bedingung dafür: die dazugehörenden Gesetze befolgen (Lehre und Bündnisse 130:20-21). Ohne die Erfüllung dieser Bedingung keine solche Verheißung (Lehre und Bündnisse 82:10). Segnungen zu empfangen, bedeutet im Sinne des Evangeliums, göttliche Gunst übertragen zu bekommen. Segnungen tragen grundlegend zu wahrer Freude und wahrem Wohlsein und Wohlergehen bei. Unsere lebenden Priestertumsführer – Propheten, Seher und Offenbarer und von ihnen weiter beauftragte – sprechen im Namen des Herrn über uns Mitglieder Segnungen aus unter der Voraussetzung der Gesetzestreue. In der Schlussansprache des neu bestätigten Propheten und Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der April-Generalkonferenz 2018 segnet er uns Mitglieder, dass wir erkennen mögen, was wir zurückstellen können, um mehr Zeit im Tempel zu verbringen. Weiter sagte er: „Ich segne Sie mit mehr Eintracht und Liebe in Ihrem Zuhause und damit, dass Ihr Wunsch sich vertieft, sich um Ihre ewigen Familienbeziehungen zu kümmern. Ich segne Sie mit vermehrtem Glauben an den Herrn Jesus Christus und einer größeren Fähigkeit, ihm als seine wahren Jünger zu folgen. Ich segne Sie, damit Sie, so wie ich jetzt, Ihre Stimme zum Zeugnis erheben können, dass wir im Werk des allmächtigen Gottes tätig sind!“ (siehe hier). Wie dankbar bin ich für diese Segnungen und ich werde mich anstrengen, das die Segnungen sich in meinem Leben verwirklichen können. An welche Segnungen kannst du dich erinnern, die in letzter Zeit über dir ausgesprochen wurden?

präsident nelsonPräsident Russell M. Nelson, 17. Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
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Wenn ihr von dem, was ihr getan habt, nicht umkehrt und nicht anfangt, euch aufzumachen und zu handeln

Moroni weiter in seinem Brief an Pahoran: „Und nun, wenn ihr von dem, was ihr getan habt, nicht umkehrt und nicht anfangt, euch aufzumachen und zu handeln, und nicht Nahrung und Männer an uns sendet, ebenso an Helaman, damit er diejenigen Teile unseres Landes stütze, die er wiedererlangt hat, und damit wir auch unsere übrigen Besitzungen in jenen Teilen zurückgewinnen, siehe, dann wird es ratsam sein, daß wir nicht mehr mit den Lamaniten streiten, ehe wir zuerst unser Gefäß innen gesäubert haben, ja, nämlich die erhabene Spitze unserer Regierung.“ (Alma 60:24).

Wenn ihr von dem, was ihr getan habt, nicht umkehrt und nicht anfangt, euch aufzumachen und zu handeln. Der oberste Hauptmann der Nephiten, Moroni, fordert den obersten Richter und Regiereden der Nephiten, Pahoran, auf, Umkehr zu üben und sofort zu handeln. Solche Aufforderungen gehen doch eigentlich nur von Männern Gottes aus, die dazu beauftragt sind, so wie Helaman ein solch Berufener war (Alma 45:22-23). Doch dieser hielt sich mit solchen Aufforderungen an die Regierung gegenüber Moroni zurück. Schlagen wir wenige Kapitel zurück. Dort erfahren wir über Moroni, dass er ebenso wie Ammon, der Sohn Mosias, und auch die anderen Söhne Mosias, und auch Alma und seine Söhne, Männer Gottes waren (Alma 48:17-19). Ja, er wird beschrieben als ein Mann mit vollkommenem Verständnis, der sich nicht an Blutvergießen freut, der Freiheit und Unabhängigkeit vertritt, der Gott für dessen Segnungen dankbar ist, der sich um das Wohlergehen und die Sicherheit seines Volkes bemüht, der im Glauben an Christus feststeht (Alma 48:11-13). Ich finde zwar keine direkte Aussage darüber, welche Berufung er im geistlichen Dienst übertragen bekommen hatte, aber ich gehe davon aus, dass er sich nicht anmaßte, etwas zu tun, was ihm nicht zustand. Das Einzige, was mir auffällt, ist, das er ohne irgendwelche Gründe zu kennen, der Regierung Vorhaltungen macht. Wie wir später sehen werden, zu unrecht.

Auch heute haben wir von Gott berufene `Wächter auf dem Turm´ (Lehre und Bündnisse 101:45), die uns vor den tückischen Angriffen Satans warnen sollen. Auch sie haben, wie alle anderen vor ihnen den Auftrag: „Sprich nichts als nur Umkehr zu dieser Generation; …“ (Lehre und Bündnisse 6:9). Insbesondere, wenn es um schwerwiegende Verfehlungen geht, fällt es äußerst schwer den wahren Weg der Umkehr einzuschlagen. Meist kommt man an einen Punkt, an dem der Leidensdruck unheimlich groß wird, dass man sich dann doch entschließt, den Weg der Befreiung einzuschlagen. Denn wenn ich aufrichtige Umkehr übe, mit allem Handeln, das dazugehört, mir Vergebung zuteilwurde, dann fühle ich eine Erleichterung, wie wohl sonst kaum. Zu welchen Gelegenheiten fühltest du dich schon zu Umkehr aufgerufen?

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Zuerst soll das Gefäß innen gesäubert werden

Moroni hält dem obersten Richter der Nephiten in Zarahemla, Pahoran, vor: „Meint ihr denn, Gott werde euch als schuldlos betrachten, während ihr still dasitzt und dies alles mitanseht? Siehe, ich sage euch: Nein. Nun möchte ich, daß ihr daran denkt, daß Gott gesagt hat, zuerst soll das Gefäß innen gesäubert werden, und dann soll das Gefäß außen auch gesäubert werden.“ (Alma 60:23).

Zuerst soll das Gefäß innen gesäubert werden. Als Jesus von den Pharisäern und einigen Schriftgelehrten befragt wurde, warum seine Jünger sich nicht die Hände reinigen, bevor sie ihr Brot essen, nahm er dies als Anlass Folgendes dem Volk zu lehren: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ (Markus 7:15). Und einige Verse später nochmals in anderen Worten: „… Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. 21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, …“ (Markus 7:20-21).

Mir wurde schon von meiner Mutter gelehrt, beim Geschirrspülen den Topf zuerst innen zu reinigen und dann außen. So hat es auch der Herr zu den Schriftgelehrten und Pharisäern gesagt (Matthäus 23:25-28). Gleiches gilt für meine Person. Was nützt es mir, wenn ich von außen glänze, aber darunter alles schmutzig ist – mein Innerstes. Das eine betrifft den Schein. Doch es kommt auf das Sein an. Von Wolfgang J. Reus (1959 – 2006, deutscher Journalist, Satiriker, Aphoristiker und Lyriker) stammt folgender Aphorismus: „Wenn jeder Scheinheilige wie eine 60-Watt-Birne leuchten würde, könnte man nachts nicht mehr ohne Augenbinde schlafen.“ Ich bemühe mich nicht eine solche 60-Watt-Birne zu sein (Markus 12:40). Wie stehst du zu `mehr Schein als Sein´?

mehr schein als sein(Bild: Quelle)

Ja, wollt ihr müßig dasitzen … während … Tausende … durch das Schwert fallen …?

Moroni fragt Pahoran in seinem Brief: „Ja, wollt ihr müßig dasitzen, während ihr von Tausenden derjenigen umgeben seid, ja, und Zehntausenden, die ebenfalls in Müßigkeit dasitzen, während es ringsum an den Grenzen des Landes Tausende gibt, die durch das Schwert fallen, ja, verwundet und blutend?“ (Alma 60:22)

Ja, wollt ihr müßig dasitzen … während … Tausende … durch das Schwert fallen …? Ein deutsches Sprichwort sagt: „Es gibt viele Esel, die keine Säcke tragen.“ Leo Tolstoi (1828 – 1910, russischer Erzähler und Romanautor) hat festgestellt: „Ist ein Müßiggänger da, so ist ein anderer da, der über seine Kräfte arbeiten muss. Ist ein Übersättigter da, so ist ein andrer da, der hungert.“

Müßiggang, eine dauerhafte Untätigkeit, hat etwas mit Trägheit zu tun und Trägheit ist laut Schriftenführer „Untätig sein und sich nicht an rechtschaffenen Werken beteiligen.“ (siehe hier). Gibt es nun jemanden in der Kirche oder einer anderen Gemeinschaft, der Müßiggang frönt, gibt es einen anderen, der über seine Kräfte arbeiten muss! Ich bemühe mich, nicht zu den Eseln zu gehören, die keine Säcke tragen. Lieber gehöre ich zu denen, die dann eben mehr tragen müssen. Gerne widme ich mich einer guten Sache voller Eifer (Lehre und Bündnisse 58:27). Welche Einstellung hast du zu Müßiggang?

Der faule Student; Nürnberger Kupferstecher Johann Georg Puschner wohl um 1725
(Bild: Quelle)