So wären wir, wie wir meinten, unklug

Nachdem die Krieger Helamans und des Antipus zusammen durch eine Kriegslist ein Großteil des Heeres der Lamaniten aus Antiparach überwinden und viele Gefangene machen konnten, marschierten sie mit diesen wieder zurück zur Stadt Judäa (Alma 56:34,54,57). Ammoron, der lamanitische König, schlug vor, die große Stadt Antiparach gegen gefangen genommene Lamaniten auszutauschen (Alma 57:1). „Aber ich sandte dem König einen Brief, daß wir die Gewißheit hätten, daß unsere Streitkräfte genügen würden, um die Stadt Antiparach mit unserer Streitmacht zu nehmen; und wenn wir die Gefangenen für diese Stadt auslieferten, so wären wir, wie wir meinten, unklug, und wir würden unsere Gefangenen nur im Tausch ausliefern.“ (Alma 57:2).

So wären wir, wie wir meinten, unklug. Wenn du gerne zum Ausdruck bringen willst, dass du das Verhalten deines Gegenüber als Dumm ansiehst, wirst du ihm, wenn du sensibel genug bist, sicherlich nicht direkt sagen: Das war aber Dumm, was du da gemacht hast. Eher wirst du dich wohl dazu entscheiden, zum Ausdruck zu bringen, dass du sein Verhalten als `unklug´ empfindest. Das klingt doch nicht ganz so verletzend oder? Wie klingt es in deinen Ohren, wenn Helaman geschrieben hätte: `So wären wir, wie wir meinten, nicht schlau.´ Klingt das nicht eher überheblich in deinen Ohren?

Meine Gedanken, die ich mir bei der Wortwahl Helamans in seinem Brief mache: Vielfach kommt es darauf an, wie man etwas sagt. Zwar hat Helaman durch diese positive Ausdrucksweise bei Ammoron keinen Blumentopf gewinnen können, aber vielleicht Schlimmeres verhindert. So muss ich mir auch Gedanken machen, was erzeuge ich durch meine Wortwahl in meinem Gegenüber. Wie kann ich, aus meiner Sicht jedenfalls, ehrlich sein, ohne zu verletzen? Ich muss an die Gefühle meines Gegenübers denken, die ich durch meine Worte auslöse. Ich versuche konstruktive, nicht destruktive Gedanken mitzuteilen. Ich vermeide Schuldzuweisungen und verurteile nicht. Mein Tonfall ist mild (Sprichwörter 15:1; 4). Ich bin bedacht darauf, meinem Gesprächspartner Wertschätzung entgegenzubringen, ihn als Geistkind Gottes zu sehen, genauso, wie ich eines bin (Matthäus 7:12). Diese Sicht- und Handlungsweise muss ich mir sicherlich in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder in mein Bewusstsein rufen. Was machst du, um andere nicht `vor den Kopf zu stoßen´ – verärgern, brüskieren, verletzen, kränken?

Der Wert der Wertschätzung(Bild: Quelle)

Sie hatten gekämpft wie mit der Stärke Gottes

Helaman wandte sich also den gestoppten Lamaniten zu, um Antipus, der von ihnen angegriffen wurde zu helfen. Es gelang ihm mit seinen zweitausend jungen Kriegern die Lamaniten zu bezwingen, und die verzweifelte Mannschaft des gefallenen Antipus wieder aufzurichten. Zusammen erreichten sie, dass die Lamaniten entwaffnet und gefangen genommen werden konnten (Alma 56:48-54). Nach diesem Erfolg zählte Helaman seine zweitausend und stellte dankbar fest: „Aber siehe, zu meiner großen Freude war auch nicht eine Seele von ihnen zur Erde gefallen; ja, und sie hatten gekämpft wie mit der Stärke Gottes; ja, noch nie hatte man Männer gekannt, die mit solch wundersamer Stärke gekämpft hatten; und mit so großer Macht fielen sie über die Lamaniten her, daß sie sie in Schrecken versetzten; und aus diesem Grund lieferten sich die Lamaniten als Kriegsgefangene aus.“ (Alma 56:56).

Sie hatten gekämpft wie mit der Stärke Gottes. Das erste Mal mit in den Kampf gezogen und das mit `wundersamer Stärke´, Gegner bezwungen und kein Gefallener in den eigenen Reihen. Da gibt es doch wohl nur Freude und Dankbarkeit. Ein anderes Beispiel haben wir in der Befreiung Israels. Mit Macht, mit seiner Stärke, seiner starken Hand, hat der Herr sein Volk aus der Unterdrückung des Pharaos befreit (Baruch 2:11).

Ich lerne, dass wenn ich etwas das erste Mal durchführe, wenn es sich um ein rechtschaffenes Vorhaben handelt, ich auf die `Stärke Gottes´ vertrauen darf (Judit 13:19). Wenn ich das Vorhaben gebetbegleitet durchdacht, und die Vorgehensweise geplant habe, darf ich auch mit wundersamer Stärke an die Umsetzung herangehen. Insbesondere, wenn es sich um meinen `Weg der Pflicht´ handelt, das, was ich tun und was ich sein soll. „… Was für Männer sollt ihr sein? Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin.“ (3. Nephi 27:27) und das geht nur `mit der Stärke des Herrn´. Und mit dieser Stärke stattet Gott jeden Erdenreisenden aus, der Willens ist, ihm in allem zu folgen. Ich muss nur den Begierden der Welt entfliehen, und kann dadurch Anteil an der göttlichen Natur erhalten (2. Petrus 1:4). Sicherlich ist das ein Unterfangen, das nicht im Handumdrehen erreicht wird. Ich kämpfe immer noch in vielerlei Hinsicht. Welche Kämpfe hast du schon gekämpft, um den Begierden der Welt zu entfliehen?

Petrus, hier mit dem auferstandenen Jesus Christus dargestellt, hat darüber gesprochen, wie wir uns den Charakter des Erlösers aneignen können.
(2. Petrus 1:4; Bild: Quelle)

Nun hatten sie noch niemals gekämpft, und doch fürchteten sie den Tod nicht

Mormon schreibt in seinem Bericht über die zweitausend jungen ammonitischen Krieger, die sich Helaman als ihren Anführer wünschten (Alma 53:18-19): „Nun hatten sie noch niemals gekämpft, und doch fürchteten sie den Tod nicht; und sie dachten mehr an die Freiheit ihrer Väter als an ihr eigenes Leben; ja, ihre Mütter hatten sie gelehrt, daß, wenn sie nicht zweifelten, Gott sie befreien werde.“ (Alma 56:47).

Nun hatten sie noch niemals gekämpft, und doch fürchteten sie den Tod nicht. Wie konnte das sein? Es steckte die richtige Motivation dahinter: die Freiheit ihrer Eltern und Familien. Das war im Vordergrund ihres Denkens und nicht, dass der Kampf mit einem Feind auch die Gefahr des eigenen Todes mit sich bringen könnte. Sie zweifelten nicht daran, dass ihre Sache vor dem Herrn rechtschaffenen war und er sie deshalb beschützen würde. Ihre Mütter hatten sie das gelehrt. Ja sie hatten sogar ein Gelübde abgelegt, sich für die Freiheit einzusetzen (Alma 53:17).

Ich denke wieder an ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Da gab es im Tempelhofer Rathaus einen Paternoster. Man macht sich so seine Gedanken, was passiert denn, wenn man jeweils im letzten Stockwerk nicht aussteigen würde? Steht man dann Kopf, wenn der Paternoster seine Richtung ändert, was erwartet einen da oben sonst noch? Die Neugier besiegte die Furcht, das Gefühl einer Bedrohung, die Reaktion der Psyche auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr. Voller Erwartung, in der Hoffnung, dass nichts Schlimmes passiert, bin ich stehen geblieben. Die Fahrt ging vorbei an einer geputzten Mauer, eine Lampe minimierte die Furcht, da ich erkannte, was dort ist, der Korb verschob sich waagerecht und es ging in die andere Richtung. Erleichterung machte sich breit, als der erste Ausstieg wieder kam. Bei mir war es in diesem Beispiel die Neugier, die motiviert hatte. Im Leben gab es dann aber viele andere erste Situationen, die Furcht einflößend waren, weil ich nicht wissen konnte, was auf mich zukommt. Aber die Heranführung an den Glauben und die Zuversicht in den Herrn durch meine Mutter halfen mir die Furcht zu überwinden, guten Mutes zu sein, mich auf Unbekanntes einzulassen, solange das Vorhaben rechtschaffen war (Lehre und Bündnisse 68:6). Welche Erfahrungen hast du mit Furcht?


(Bild: Quelle)

Wir würden unsere Brüder nicht töten, wenn sie uns zufriedenließen

Die Nephiten waren durch die Verstärkung, die sie erhalten hatten, in einer Situation, in der sie nun durch Kriegslist versuchten, die Lamaniten aus ihren Festungen herauszulocken (Alma 56:29-30). Helaman marschierte mit seinen zweitausend jungen Männern an ihrer stärksten und größten Festung vorbei, Antiparach. Eine Weile nach ihm marschierte auch Antipus mit einem Teil des Heeres hinterher. Der Plan ging insofern auf, dass die Lamaniten mit ihrem Heer aus Antiparach herauskamen und Helaman verfolgten. Jetzt war dieses Heer der Lamaniten von den Nephiten von zwei Seiten her in Bedrängnis. Nun war es aber notwendig, dass Helaman sich umdrehte und die Lamaniten angreifen müsste, damit diese nicht Antipus vernichten würden und so fragte er seine jungen Krieger, ob sie dies tun wollten und sie stimmten voller Mut zu (Alma 56:31-45): „Denn wie ich sie immer meine Söhne genannt hatte (denn sie alle waren sehr jung), so sprachen sie jetzt zu mir: Vater, siehe, unser Gott ist mit uns, und er wird nicht zulassen, daß wir fallen; darum laß uns hingehen; wir würden unsere Brüder nicht töten, wenn sie uns zufriedenließen; darum laß uns gehen, damit sie nicht das Heer des Antipus überwältigen.“ (Alma 56:46).

Wir würden unsere Brüder nicht töten, wenn sie uns zufriedenließen. Wieder erkennen wir, dass der Wunsch zu töten, nicht von den Nephiten ausging. Sie wurden von den Lamaniten in diese Situation gezwungen. Von diesen jungen Männern wissen wir, dass sie gelehrt wurden, „… die Gebote Gottes zu halten und untadelig vor ihm zu wandeln.“ (Alma 53:21). Untadelig vor Gott zu wandeln bedeutet: „Mit Gottes Lehren im Einklang sein und so leben, wie Gott es von seinem Volk erwartet; für die Eingebungen des Geistes empfänglich sein und ihnen gehorchen.“ (siehe Schriftenführer).

So habe ich wieder ein Beispiel, wie ich zu leben habe. Keinen Krieg anzetteln, z. B. mit meinem Nachbarn, dafür aber untadelig vor Gott zu wandeln, was soviel bedeutet wie: „… Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.“ (Micha 6:8), mein Vertrauen in den Herren zu setzen und in jenen Geist, der mich anleitet, Gutes zu tun, nämlich den Geist des Herrn (Lehre und Bündnisse 11:12). So kann ich gewiss sein, dass der Herr mir nichts Gutes versagt (Psalm 84:12). Und als einer, der einen Bund mit dem Herrn eingegangen ist, bin ich sogar dazu verpflichtet (Alma 7:22). Zu welchem Wandel fühlst du dich verpflichtet?

(Bild: Quelle)

So waren wir mit zehntausend Männern … vorbereitet

Helaman mit seinen zweitausend jungen Kriegern befand sich in der Stadt Judäa (Alma 56:9). Die Lamaniten wagten keinen Ausfall aus ihren eingenommenen Städten (Alma 56:24-25). Zwischenzeitlich bekamen die Nephiten in Judäa Vorräte von den Vätern der zweitausend jungen Männer (Alma 56:27). „Und es wurden uns aus dem Land Zarahemla auch zweitausend Männer gesandt. Und so waren wir mit zehntausend Männern und Vorräten für sie und auch für ihre Frauen und Kinder vorbereitet.“ (Alma 56:28).

So waren wir mit zehntausend Männern … vorbereitet. Was für eine enorme Anzahl von Menschen muss sich also in Judäa aufgehalten haben! Zu diesen zwölftausend Militärs um Helaman, müssen wir auch noch die eigentliche Zivilbevölkerung zuzählen. Später kamen nochmals sechstausend Männer und sechzig junge Ammoniten hinzu (Alma 57:6). Also eine enorm große Anzahl von Menschen, die Kritiker des Buches Mormon schon immer anzweifelten. Laut Parley P. Pratt verwarfen frühere Kritiker das Buch Mormon mit den Worten: „In Amerika gab es keine Altertümer, keine zerstörten Städte, Gebäude, Monumente, Inschriften, Hügel oder Befestigungen, um die Existenz eines solchen Volkes wie im Buch Mormon beschrieben zu bestätigen.“

Wie sich Menschen doch immer wieder irren und fortschreitende Wissenschaft, bislang vermeintlich nicht Existierendes, ans Tageslicht bringt. Jüngste Laseruntersuchungen (LiDAR: eine dem Radar verwandte Laserabtasttechnik, die Strukturen im Untergrund offenbart) brachten unglaubliche neue Entdeckungen in der mesoamerikanischen Archäologie zutage. Mit dieser neuen Technologie wurde bis jetzt eine ca. 2.100 Quadratkilometer große Fläche des Mirador-Beckens und anderer Gebiete im Norden Guatemalas kartografiert. Dabei wurden unzählige Aussagen des Buches Mormon bestätigt, die bisher angezweifelt wurden. So z. B. die Bevölkerungsgröße. Aufgrund der erzeugten Karten kamen Experten zu einer Revidierung bisheriger Annahmen der Population um bis zu 15-20 Millionen für die Tieflandmaya. Damit ist klar, dass die Maya-Zivilisation viel dichter, komplexer und fortschrittlicher war als bisher angenommen. Somit haben wir eine Übereinstimmung der von Mormon beschriebenen Situation (Mosia 27:6). Wie dankbar bin, ich, dass ich den Buch-Mormon-Zweiflern nie Beachtung geschenkt habe. Der Herr lässt uns von Zeit zu Zeit durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse Bestätigung seiner Wahrheit zukommen. Das Wichtigste ist aber, dass wir zuerst Glauben üben, etwas als wahr anerkennen, von dem wir nichts wissen (Hebräer 11:1; Ether 12:6). Welche Erfahrungen hast du schon mit Zweiflern gemacht? Mehr zu den Vermessungsergebnissen kannst du hier nachlesen.

lidarGuatemaltekische LiDAR-Daten nach zusätzlicher grafischer Verarbeitung
(Bild: Quelle)

Sie wagten auch nicht, gegen die Stadt Zarahemla hinabzumarschieren

Helaman hielt sich mit seinen zweitausend jungen Kriegern bei Antipus in der Stadt Judäa auf und wartete darauf, dass die Lamaniten aus ihren eingenommenen Städten gegen sie herauszögen. Doch in diesem Wunsch sah er sich enttäuscht (Alma 56:23-24). „Sie wagten auch nicht, gegen die Stadt Zarahemla hinabzumarschieren; sie wagten auch nicht, den Ursprung des Sidon zu überqueren, hinüber zur Stadt Nephihach. 26  Und so waren sie entschlossen, die Städte, die sie genommen hatten, mit ihren Streitkräften zu behaupten.“ (Alma 56:25-26).

Sie wagten auch nicht, gegen die Stadt Zarahemla hinabzumarschieren.

Ich versuche mir beim Durcharbeiten der Schriften auch gerne vorzustellen, in welcher Umgebung das stattfindet, worüber berichtet wird. Hier wird nun gerade zum Ausdruck gebracht, dass die Lamaniten es nicht wagten „… gegen die Stadt Zarahemla hinabzumarschieren …“. In unserem Sprachgebrauch versteht man in Bezug auf die Geografie, dass die Stadt entweder südlicher als der eigene Standort gelegen ist, oder man sich von einem höher gelegenen Landesteil in einen tiefer gelegenen bewegt. Nachdem nun auch noch davon die Rede ist, dass die Lamaniten es auch nicht wagten, den Ursprung des Sidon zu überqueren, muss es sich um einen tiefer gelegenen Landesteil handeln in dem Zarahemla zu finden ist. Wasser fließt nun mal nicht von sich aus bergauf. Die Ausgangsorte müssen sich also in einem bergigen Gebiet befunden haben während Zarahemla niedriger gelegen haben muss. Die Übersichtskarte unten gibt wieder eine Vorstellung der Lage der Orte im Verhältnis zueinander.

alma 56_23(Bild: Quelle)

Wir stellten ringsumher Kundschafter auf

Die Lamniten griffen die Stadt Judäa, aus Sicht der Nephiten glücklicherweise, nicht an (Alma 56:18-19), aber sie „… stellten ringsumher Kundschafter auf, um die Bewegung der Lamaniten zu beobachten, damit sie nicht in der Nacht oder bei Tage an uns vorüberzögen, um auf unsere anderen Städte, die nordwärts lagen, einen Angriff zu unternehmen. 23 Denn wir wußten, daß sie in jenen Städten nicht stark genug waren, ihnen zu begegnen; darum war es unser Wunsch, wenn sie an uns vorbeizögen, ihnen in den Rücken zu fallen und sie so zur gleichen Zeit von hinten anzugreifen, da ihnen von vorn begegnet wurde. Wir meinten, wir könnten sie überwältigen; aber siehe, wir wurden in diesem unserem Wunsch enttäuscht.“ (Alma 56:22-23), weil die Lamaniten dies nicht wagten (Alma 56:24).

Wir stellten ringsumher Kundschafter auf. Wenn man gewappnet sein will vor überraschenden Aktionen des Feindes, ist es sicherlich unerlässlich, dessen Aktivitäten zu beobachten. Insbesondere, wenn zu erwarten ist, dass andere Teile der eigenen Truppen nicht stark genug sind, einen Angriff erfolgreich abzuwehren. So hat z.  B. auch David Kundschafter eingesetzt, um die Aktivitäten König Sauls zu erkennen, der ihm mit einem großen Heer nachsetzte, um ihn zu töten (1. Samuel 2:2). Durch sie erfuhr David, „… dass Saul mit Sicherheit am Kommen war.“ (1. Samuel 2:4) und er konnte sich auf die Maßnahme vorbereiten, die ihm dazu verhalf, dass Saul, ohne sein Vorhaben auszuführen, wieder mit seinen dreitausend Kriegern abzog (1. Samuel 2:25).

So bin auch ich auf Kundschafter angewiesen, die mich vor Angriffen Satans warnen. Diese Kundschafter finde ich in meinem nahen und weiteren Umfeld. In meiner Nähe sind es die Geschwister in meiner Gemeinde mit dem Bischof an der Spitze. Sie teilen mir mindestens jeden Sonntag mit, worauf ich zu achten habe, um nicht den Angriffen Satans zu unterliegen. Im weiteren Umfeld sind es die Generalautoritäten, die mich, und alle anderen Menschen weltweit, in entsprechenden Versammlungen vor den Machenschaften Satans warnen (Pfahl- und Generalkonferenzen). Im ganz nahen Umfeld natürlich die Mitglieder meiner Familie. Siegreich kann ich dem Bösen widerstehen, wenn ich ihre Beobachtungen ernst nehme und zu meinem Schutz entsprechend in Aktionen umsetze. Welche Kundschafter nutzt du, um Schaden abzuwenden?

Heimkehr der Kundschafter“Heimkehr der Kundschafter” (Kundschafter aus Kanaan)
(Numeri13:24–26; Bild: Quelle)

Nun waren sie entschlossen, an dem Ort zu siegen oder zu sterben

Helaman fand die Nephiten in der Stadt Judäa in einer auf Hilfe angewiesenen Situation vor (Alma 56:16), denn ihr Heer war durch die Lamaniten stark geschwächt worden (Alma 56:10). Die Bewohner der Stadt waren unter ihrem Führer Antipus deshalb … entschlossen, an dem Ort zu siegen oder zu sterben; darum magst du wohl meinen, daß diese kleine Streitmacht, die ich mitgebracht hatte, ja, diese meine Söhne, ihnen große Hoffnung und viel Freude brachten.“ (Alma 56:17). Aus diesem Grund waren sie überaus froh über die Verstärkung durch die zweitausend Jungen Krieger (Alma 56:10).

In den vorhergehenden Versen wird uns mitgeteilt, welche Städte von den Lamaniten eingenommen und besetzt worden sind – Manti, Zeezrom, Kumeni, Antiparach – und dass sie ihre Gefangenen wohl ins Land Nephi gebracht haben (Alma 56:12-15). In der Karte unten können wir uns von der angenommenen Lage der Städte zueinander einen Überblick verschaffen.

Nun waren sie entschlossen, an dem Ort zu siegen oder zu sterben. Etwas Ähnliches begegnet uns im Kampf der Juden gegen die Seleuziden im zweiten Jahrhundert vor Christus. Auch diese Kämpfe drehten sich um die Wiedererlangung der religiösen und politischen Freiheit des jüdischen Volkes. Die Selezuiden wollten unter dem großen König Antiochus den Juden um 166 v. Chr. ihre griechische Lebensweise aufzwingen. Bei einem Kampf des königlichen Seleuzidenheeres unter Lysias gegen Judas erlitt Lysias eine bittere Niederlage und es wird uns berichtet: „Als Lysias sah, welche Niederlage sein Heer erlitten hatte und wie kühn die Leute des Judas waren, bereit, tapfer zu leben oder zu sterben, kehrte er nach Antiochia zurück. Dort warb er Söldner an, um mit noch stärkerer Macht noch einmal gegen Judäa zu ziehen.“ (Hervorhebung hinzugefügt; 1. Makkabäer 4:35). Ich stelle mir vor, wie es mit mir wäre, wenn ich in einer Situation wäre, in der ich nur zwischen Sieg oder Tod entscheiden könnte. Stelle ich mich dem Kampf gegen Luzifers Angriffe, um zu siegen oder zu sterben, oder gebe ich lieber auf? Wer könnte mir in dieser Situation zu Hilfe kommen und wie groß wäre meine Freude darüber? Welche Gedanken bewegen dich bei diesen Fragen?

alma 56_13_15(Bild: Quelle)

Ich meinte, Gott werde uns stärken

Helaman, der mit seinen zweitausend jungen Kriegern in der Stadt Judäa das Heer des Antipus verstärkte (Alma 56:9-10), beschreibt in einem Brief an Moroni den Stand des Krieges dort gegen die Lamaniten (Alma 56:1ff). Über die Anti-Nephi-Lehier schreibt er in Bezug auf deren Eid, keine Waffen mehr zu ergreifen (Alma 24:16-18), dass sie es sich doch überlegten, die Nephiten in ihrem Leid zu unterstützen, und die Waffen doch wieder aufzunehmen (Alma 53:13). Helaman schreibt: „Aber ich wollte nicht zulassen, daß sie dieses Gelübde brachen, das sie getan hatten, denn ich meinte, Gott werde uns stärken, so daß wir nicht mehr leiden müssen, weil sie den Eid erfüllen, den sie abgelegt haben.“ (Alma 56:8).

Ich meinte, Gott werde uns stärken. Wie zeugt diese Einstellung doch von Helamans großem Glauben und Vertrauen in Gott. Lieber wollte er auf die Unterstützung der zahllosen Anti-Nephi-Lehier, die sich Ammoniten nannten, verzichten, und auf die Hilfe des Herrn setzen, als dass er zuließ, dass diese ihren Eid brechen würden.

Und wieder kommt mir die Begebenheit aus dem Alten Testament in den Sinn, in der der König von Aram Krieg mit Israel führt. Der israelitische Prophet Elischa informierte immer den König Israels, wo dieser von Aram in einen Hinterhalt gelockt werden sollte und er mied diese Orte. Das kam Aram doch merkwürdig vor und er befragte seine Untergebenen, wie dies passieren kann. Sie sagten ihm, dass Elischa, der Gottesmann, von seinen Vorhaben wisse. Als Aram herausfand, wo sich Elischa aufhielt, schickte er Truppen, um ihn festzunehmen. Als der Diener Elischas des Morgens aus dem Zelt trat, sah er ringsum alles voller feindlicher Truppen und bekam Furcht. Elischa sagte ihm aber: „Fürchte dich nicht! Bei uns sind mehr als bei ihnen.“ (2. Könige 6:16). Als der Herr dem Diener auf Bitten Elischas die Augen öffnete, sah er „… den Berg rings um Elischa voll von feurigen Pferden und Wagen.“ (2. Könige 6:17). Mit dieser himmlischen Übermacht im Rücken und mit weiterer Hilfe des Herrn gelang es Elischa aufgrund seines Glaubens, das Heer Arams ohne irgendeinen Kampf in dessen Heimat zurückzuschicken (2. Könige 6:8-23). Ich lerne daraus: Mit Vertrauen in den Herrn gelingt einem vieles, was einem normalerweise unmöglich erscheint; vorausgesetzt es deckt sich mit dem Willen des Herrn. Ich denke da z. B. an Furcht, die mich befällt, wenn ich einen Segen aussprechen darf, ob ich auch tatsächlich das sagen werde, was der Wille des Herrn für den Betreffenden ist. Ich darf diese Furcht beiseiteschieben und im Vertrauen auf Gott, auf die Stimme des Geistes hören. Wie sieht dein Vertrauen in Gott aus?

elischaElisa im Krieg gegen die Aramäer (Gustave Doré, 19. Jh.).
(Bild: Quelle)

Sie wollten von ihrem Wein nicht genießen

Aufgrund ihres Gehorsams gegenüber ihrem Gott, waren die Nephiten in ihren Verteidigungsanstrengungen gegenüber den lamanitischen Attacken erfolgreich (Alma 55:27-29). Mehrfach versuchten auch die Lamaniten, die Nephiten mit gepanschtem Wein zu vernichten (Alma 55:30). „Aber siehe, die Nephiten waren nicht langsam, in dieser Zeit ihrer Bedrängnis sich des Herrn, ihres Gottes, zu erinnern. Sie ließen sich nicht in ihren Schlingen fangen; ja, sie wollten von ihrem Wein nicht genießen, außer sie gaben zuerst einigen der lamanitischen Gefangenen.“ (Alma 55:31).

Sie wollten von ihrem Wein nicht genießen. Zuerst hatte ich frohlockt und gedacht: Ah, sie kannten und hielten auch das Gesundheitsgesetz, das uns der Herr in neuzeitlicher Offenbarung gegeben hat, in dem er uns u. a. untersagt, Wein oder starkes Getränk zu trinken (Lehre und Bündnisse 89:5). Doch dann kommt die Ernüchterung: „… außer sie gaben zuerst einigen der lamanitischen Gefangenen.“

Ich wendete mich der Bibel zu um eine Lösung zu finden und stieß zunächst auf Noach, der ein Ackerbauer war und der erste war, der einen Weinberg anlegte und „Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und entblößte sich drinnen in seinem Zelt.“ (Genesis 9:20-21; diese Begebenheit bedarf allerdings einer tieferen Betrachtung. Es war sicherlich nicht so, wie es scheint. Mehr erfährst du hier). Als Nächstes gibt es da die `Weisungen an die Priester für die Opferdarbringungen´, in denen es u. a. heißt: „Der HERR sagte zu Aaron: 9 Weder Wein noch Bier dürft ihr, du und deine Söhne, trinken, wenn ihr zum Offenbarungszelt kommt, damit ihr nicht sterbt. Das gelte bei euch als ewige Satzung für eure Generationen.“ (Levitikus 10:8-9). Und die Nasiräer – Menschen, die Gott einen besonderen zeitlich begrenzten Eid leisten – hatten die Anweisung des Herrn, dass „… sie auf Wein und Bier verzichten; sie sollen keinen gegorenen Wein und kein gegorenes Bier trinken, auch keinen Traubensaft, sie sollen weder frische noch getrocknete Trauben essen.“ (Numeri 6:3). Über Johannes den Täufer lesen wir: „… Wein und berauschende Getränke wird er nicht trinken …“ (Lukas 1:15). Dann noch `das erste Zeichen Jesu in Kana in Galiläa´, wo er zum Ende der Hochzeitsfeier Wasser in äußerst guten Wein verwandelt, den die Gäste dann genießen durften (Johannes 2:1-10). Für mich lerne ich daraus, dass der Herr unter bestimmten Umständen und Zeiten Gebote erlässt oder eben nicht (Lehre und Bündnisse 56:4), so wie es für uns gerade nützlich und notwendig ist, und ich mich an das Gesetz halte, das er für meine Zeit bestimmt hat. Dessen ungeachtet gibt es Gebote, die grundsätzlich gelten. Deshalb brauchen wir lebende Propheten. Welche Gedanken hast du zu dieser Thematik?

noachNoach in seinem Weinberg; Holkham Bibel, ca. 1325-1350.
(Bild: Quelle)