Doch die Nephiten waren durch eine bessere Sache angefeuert

Moroni hatte sein Heer geteilt. Einen Teil im Tal im Osten und im Süden des Hügels Ripla, den Rest im westlichen Tal, westlich des Flusses Sidon. Die Lamaniten zogen im Norden des Hügels heran. Als sie den Fluss Sidon überqueren wollten, schloss ein Teil der Lamaniten sie von Osten her ein. Die Lamaniten wendeten sich um, den Nephiten zu, um zu kämpften. Da die Nephiten besser geschützt waren, waren ihre Verluste wesentlich geringer. Die Lamaniten bekamen deshalb Angst und setzten über den Fluss. Dort wurden sie von den anderen Heeresteilen Moronis in die Flucht geschlagen. Sie flohen Richtung Manti, wo sie von weiteren Truppen der Nephiten empfangen wurden. Aber die Lamaniten kämpften wie Drachen (Alma 43:31-44). „Doch die Nephiten waren durch eine bessere Sache angefeuert, denn sie kämpften nicht um Monarchie oder Macht, sondern sie kämpften um ihre Häuser und ihre Freiheitsrechte, um ihre Frauen und ihre Kinder, um ihr alles, ja, um die feierlichen Handlungen ihrer Gottesverehrung und um ihre Kirche.“ (Alma 43:45).

Doch die Nephiten waren durch eine bessere Sache angefeuert. Wenn man weiß, dass man für eine richtige Sache kämpft, und nicht den ersten und auch nicht den zweiten Anstoß gegeben hat, weiß man den Herrn auf seiner Seite (Alma 43:46). Außerdem hat der Herr ihnen gesagt, dass sie ihre Familien verteidigen sollen (Alma 43:47). Obwohl sie der Mut verließ, konnte Moroni sie dennoch stärken und sie riefen den Herrn um Hilfe an und „… in derselben Stunde, da sie den Herrn um ihre Freiheit anriefen, fingen die Lamaniten vor ihnen zu fliehen an …“ (Alma 43:48-50). Nun wurden die Lamaniten am Fluss Sidon eingekesselt und wurden von Schrecken ergriffen (Alma 43:51-53). An diesem Punkt angelangt, befahl Moroni mit dem Blutvergießen aufzuhören (Alma 43:54; Lageplan siehe Bild im vorgestrigen Blogbeitrag).

So lerne ich, dass ich, wenn ich mich an die Anweisungen der Propheten halte, den Herrn anrufend, die gerechten Ziele mit der richtigen Strategie verfolgend, den Herrn in meiner Schlacht gegen Satan an meiner Seite habe. Ich werde mit der Hilfe des Herrn nicht untergehen. Das ist sehr motivierend. Inwiefern hast du schon erlebt, dass der Herr an deiner Seite gekämpft hat?

Moroni’s soldiers hidingMoronis Soldaten versteckten sich an den beiden Ufern des Flusses Sidon, um den Lamaniten eine Falle zu stellen.
(Bild: Quelle)

So hielt er es nicht für eine Sünde, wenn er sie durch Kriegslist verteidigte

Moroni bereitete sich auf den Angriff der Lamaniten nahe am Ufer des Flusses Sidon vor (Alma 43:27-28) und Mormon lässt uns wissen: „Und nun, da Moroni die Absicht der Lamaniten kannte, daß es ihre Absicht war, ihre Brüder zu vernichten oder sie zu unterwerfen und sie in Knechtschaft zu bringen, damit sie über das ganze Land für sich ein Reich aufrichten könnten, 30  und da er auch wußte, daß es der einzige Wunsch der Nephiten war, ihre Ländereien und ihre Freiheit und ihre Kirche zu bewahren, so hielt er es nicht für eine Sünde, wenn er sie durch Kriegslist verteidigte; darum fand er durch seine Kundschafter heraus, welchen Weg die Lamaniten nehmen würden.“ (Alma 43:29-30).

So hielt er es nicht für eine Sünde, wenn er sie durch Kriegslist verteidigte. Eine List ist eine trickreiche und sehr gut durchdachte – ausgefuchste – Täuschung – nicht der Wahrheit oder Wirklichkeit entsprechende Sinneswahrnehmung -, eine Kriegslist ein verborgenes taktisches Manöver, eine Irreführung.

Wer ließe sich schon gerne in die Irre führen. Denk nur an Werbung, die dir etwas vortäuscht, was nicht eingehalten wird, z. B. ein angebliches Sonderangebot, das bei bekannter Verpackungsgröße nun aber, nicht offensichtlich, mit 20 % weniger Inhalt angepriesen wird. Oder die Werbung mit einem Mondpreis als Vergleich zum angeblichen Sonderpreis. Nun ist eine Irreführung nicht unbedingt das, was der Herr möchte, dass wir tun. Irreführung hat nichts Rechtschaffenes an sich. Der Verfasser des 1. Briefes des Johannes kämpft gegen Irrlehren und warnt: „Meine Kinder, lasst euch von niemandem in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist.“ (1. Johannes 3:7). Von Moroni lernen wir, dass er sich schon darüber Gedanken gemacht hat, ob es recht ist, eine Kriegslist anzuwenden. In diesem besonderen Fall hat er für sich entschieden, dass es keine Sünde sei, sich so einen Vorteil zu verschaffen. Ich lerne, dass ich niemanden in die Irre führen soll, es aber Situationen geben kann, in denen mein oder das Leben anderer in Gefahr ist, und dieser nur durch Anwenden einer List zu entkommen ist. Welche Einstellung hast du zu List bzw. Täuschung?

(Bild: Quelle)

Sie meinten, die Heere Moronis würden nicht wissen, wohin sie gegangen waren

Mormon lässt uns über die Gedanken der lamanitischen Angreifer wissen: „Siehe, nun begab es sich: Sie wagten nicht, im Grenzgebiet von Jerschon gegen die Nephiten zu ziehen; darum zogen sie aus dem Land Antionum in die Wildnis und nahmen ihren Weg ringsum durch die Wildnis, am Ursprung des Flusses Sidon vorbei, damit sie in das Land Manti kommen und das Land in Besitz nehmen könnten; denn sie meinten, die Heere Moronis würden nicht wissen, wohin sie gegangen waren.“ (Alma 43:22).

Sie meinten, die Heere Moronis würden nicht wissen, wohin sie gegangen waren. Die Lamaniten werden eine Lagebewertung durchgeführt haben und zu der Erkenntnis gekommen sein, dass sie für ihren Angriff nicht den direkten Weg wählen sollten. Sie entschlossen sich, die Nephiten an einem vermeintlich schwächeren Punkt anzugreifen und zogen durch die Wildnis ins Land Manti (siehe Bild unten).

Was sie unberücksichtigt ließen: Moroni wusste, an wen er sich wenden konnte, um für rechtschaffenes Handeln göttliche Führung zu erlangen. Bevor er dies tat, wurde er aber erst selber tätig, indem er die Aktivitäten der Lamaniten auskundschaften ließ. Dann befragte er den Hohepriester über die ganze Kirche, Alma den Jüngeren, was der Wille des Herrn ist (Alma 43:23). Der Herr setzte sie von dem Vorhaben der Lamaniten in Kenntnis (Alma 43:24). Moroni ließ einen kleinen Teil des Heeres in Jerschon zurück und marschierte mit dem Rest Richtung Manti (Alma 43:25). So war er mithilfe des Herrn auf den Angriff der Lamaniten vorbereitet (Alma 43:26). Ich lerne daraus, dass ich mich auf eine Attacke Satans sehr gründlich vorbereiten und die Ratschläge der Propheten befolgen muss, wenn ich mich erfolgreich auf eine Verteidigung vorbereiten will. Anderenfalls würde ich unterliegen. Wie haben dir schon mal die Ratschläge der Propheten geholfen, dich zu verteidigen?


(Bild: Quelle)

Darum fürchteten sie sich über die Maßen vor den Heeren der Nephiten wegen deren Rüstung

Über die unterschiedliche Vorbereitung der Kriegsparteien berichtet Mormon: „Und als die Heere der Lamaniten sahen, dass das Volk Nephi oder dass Moroni sein Volk mit Brustplatten und mit Armschilden ausgerüstet hatte, ja, und auch Schilden, um ihren Kopf zu schützen, und dass sie auch dicke Kleidung trugen— 20  nun war das Heer Zerahemnachs mit nichts von alledem ausgerüstet; sie hatten nur ihre Schwerter und ihre Krummdolche, ihre Bogen und ihre Pfeile, ihre Steine und ihre Schleudern; und sie waren nackt, außer dass sie sich die Lenden mit Fell umgürtet hatten; ja, alle waren nackt, außer die Zoramiten und die Amalekiten; 21  aber sie waren nicht mit Brustplatten und Schilden bewaffnet—, darum fürchteten sie sich über die Maßen vor den Heeren der Nephiten wegen deren Rüstung, obwohl ihre Zahl sehr viel größer war als die der Nephiten.“ (Alma 43:19-21).

Darum fürchteten sie sich über die Maßen vor den Heeren der Nephiten wegen deren Rüstung. Das kann einem schon `den Angstschweiß auf die Stirn treiben´, wenn man sieht, wie der Gegner wesentlich besser ausgerüstet ist als man selber. Bringt es ihm doch schon einen großen Vorteil im Erringen eines Sieges. Leib und Leben des Gegners sind wesentlich besser vor Verletzungen und Tod geschützt.

In solch einer Situation sagt man sich dann: „Hätte ich doch nur“. Ich lerne daraus, dass ich mich auf `kriegerische Auseinandersetzungen´ mit Satan sehr gut vorbereiten muss, und zwar `ehe es zu spät ist´. Ich muss gewappnet sein, ehe die Versuchung an mich herantritt. Sie darf mich nicht unvorbereitet treffen. Was tue ich also? Ich arbeite gebeterfüllt eifrig in den heiligen Schriften (Alma 17:2), sinne mit dem Ziel darüber nach (Lehre und Bündnisse 9:8), zu verstehen (Lehre und Bündnisse 71:5) und dann in meinem Leben richtig anzuwenden (2. Nephi 11:2). Ich muss meine Schwachstellen kennen, `meine Achillesferse´, und mir eingestehen (Lehre und Bündnisse 107, Einleitung: „… bekannten einzeln ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten …“). Bei mir sind es allerdings viele Schwachstellen. Ich versuche meinen Panzer zuerst an der schwächsten Stelle zu verstärken und arbeite mich dann sukzessive weiter voran, bis ich einen sehr guten Rundumschutz aufgebaut habe. Dabei helfen mir auch die Aussagen der neuzeitlichen Propheten, Seher und Offenbarer in deren Veröffentlichungen in den Generalkonferenzen, der regelmäßige Besuch der Gottesdienste mit der Teilnahme am Abendmahl, ernsthaftes Fasten und Beten. Auf diese Art und Weise gelang es mir schon einen recht guten Schutz für meine Seele (Körper und Geist) aufzubauen. Wie rüstest du dich, um deinem `Gegner im Geiste´ die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben?

(Bild: Quelle)

Moroni übernahm den Gesamtbefehl und die Führung ihrer Kriege

Mormon teilt mit, dass der oberste Hauptmann der Nephiten auch der Befehlshaber ihrer Heere wird: „und Moroni übernahm den Gesamtbefehl und die Führung ihrer Kriege. Und er war erst fünfundzwanzig Jahre alt, als er zum obersten Hauptmann über die Heere der Nephiten bestimmt wurde.“ (Alma 43:17).

Moroni übernahm den Gesamtbefehl und die Führung ihrer Kriege. Moroni übernimmt diese herausragende Aufgabe im jungen Alter von 25 Jahren. Er ist der Sohn Mormons, der letzte Schreiber der Platten (Die Worte Mormons 1:1; Moroni 10:1-2) und erscheint Joseph Smith als auferstandenes Wesen, um ihm schließlich nach einiger Vorbereitung im Jahre 1827 diese goldenen Platten (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:59), die er selber um 421 v. Chr. im Hügel Cumorah verbarg (Mormon 6:6; Moroni 1:1-2), zum Zwecke der Übersetzung auszuhändigen (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:33-34). Im Jahre 1830 wurde die Übersetzung als „Buch Mormon“ in englischer Sprache veröffentlicht (siehe hier).

Auch heute gibt es junge Personen, die herausragende Ämter übertragen bekommen. So haben wir in Frankreich mit Emmanuel Macron, seit Mai 2017 einen bekennenden Pro-Europäer, mit 39 Jahren den jüngsten mächtigsten Mann als Staatspräsidenten. Im gleichen Alter wurde 2016 der ukrainische Politiker der jüngste Ministerpräsident der Ukraine und in Österreich wurde auch2017 Sebastian Kurz mit 31 Jahren Bundeskanzler. Die Liste ließe sich fortführen. In der Kirche des Herrn sind die obersten Diener alle etwas gesetzteren Alters. Der Prophet, Seher und Offenbarer und Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Thomas S. Monson, ist in einem mit Erfahrung erfüllten Alter von 90 Jahren am 02. Januar 2018 verstorben. Auch in einem jungen Alter von 36 Jahren wurde er zum Apostel in das zweithöchste Kirchengremium berufen und diente 54 Jahre seines Lebens als Apostel, davon 10 Jahre als Präsident der Kirche. Sein erster Ratgeber ist 84 Jahre und sein zweiter Ratgeber 77 Jahre alt. Der Präsident des Kollegiums der Zwölf ist 93 Jahre alt, das jüngste Mitglied ist 62 Jahre alt. Ich denke, der Herr braucht als Propheten Seher und Offenbarer Männer, die ein Leben lang bewiesen haben, dass sie treu und demütig alle Kirchenaufgaben wahrgenommen haben und sich dabei größtmögliche Erfahrungen in allen Lebens- und Kirchenbereichen aneignen konnten, insbesondere, was die Fähigkeit auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören anbelangt.

Captain MoroniHauptmann Moroni war mit 25 Jahren der Anführer der nephitischen Heere
(Bild: Quelle)

Sie kannten auch den übermäßigen Hass der Lamaniten gegen ihre Brüder

Mormon erklärt uns Lesern bezüglich des Verhältnisses der Lamaniten zu den Nephiten und allen, die ihnen zugetan waren: „Ja, und sie kannten auch den übermäßigen Hass der Lamaniten gegen ihre Brüder, nämlich das Volk Anti-Nephi-Lehi, das das Volk Ammon genannt wurde—und diese wollten nicht die Waffen ergreifen, ja, sie waren einen Bund eingegangen, und sie wollten ihn nicht brechen—, wenn sie also den Lamaniten in die Hände fielen, so würden sie vernichtet werden. 12  Und die Nephiten wollten nicht zulassen, dass sie vernichtet würden; darum gaben sie ihnen Ländereien als ihr Erbteil.“ (Alma 43:11-12).

Dir ist sicherlich die Redensart „Liebe macht blind“ bekannt. Kannst du dich noch daran erinnern, wie du dich in jemanden verliebt hattest? Hast du nicht auch alles durch eine `rosarote Brille´ gesehen? Mit anderen Worten, du wirst den Sinn für die Realität verloren und z. B. die Schwächen der geliebten Person nicht wahrgenommen haben. Sogar auf unbewusster Ebene zeigt sich eine veränderte Wahrnehmung. Scheitert man aber an einer Liebe, so kann sie ins Gegenteil umschlagen und sich in Hass wandeln.

Sie kannten auch den übermäßigen Hass der Lamaniten gegen ihre Brüder. Entgegen der Liebe ist Hass ein Gefühl extremer Abneigung und Ablehnung und resultiert vielfach aus einer tiefen seelischen Verletzung, der man sich ausgeliefert fühlt und meint, sich nicht wehren zu können. Wut und Ärger sind die emotional harmloseren Vorstufen. Bei Hass sehen wir den anderen als Bedrohung für uns an, begleitet mit dem Wunsch, ihm zu schaden oder uns zu rächen und mündet deshalb meist in aggressivem Verhalten. Wir können sagen, auch `Hass macht blind´. Gegenüber denjenigen, die wir hassen, sind wir gegenüber vernünftigen Argumenten oder positiven Eigenschaften blind. Mahatma Gandhi sagte: „Wo Liebe wächst, gedeiht Leben – wo Hass aufkommt, droht Untergang.“ Was rät uns der Herr in Bezug auf Hass? In der Bergpredigt lässt er uns wissen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45  damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; …“ (Matthäus 5:43-45). In dem Aufruf zu Bruderliebe wird mir sogar gesagt, dass jeder der seinen Bruder hasst, ein Menschenmörder ist (1. Johannes 3:15). Wenn ich behaupte, dass ich Gott liebe, aber meinen Bruder hasse, bin ich ein Lügner (1. Johannes 4:20). Vom Herrn lerne ich, dass das Einzige, was ich hassen darf, das Unrecht ist (Hebräer 1:9). Welche Gedanken bewegen dich in Bezug auf Hass?

Herkules stürzt Zwietracht, Neid und Hass, Louis de Silvestre (Deckengemälde im Thronsaal König Augusts II. im Dresdner Residenzschloss)
(Bild: Quelle)

Nun war die Absicht der Nephiten, sich für ihre … Frauen und ihre Kinder einzusetzen

Mormon lässt uns die Beweggründe der Nephiten in deren Verteidigungsvorbereitungen wissen: „Und nun war die Absicht der Nephiten, sich für ihre Ländereien und ihre Häuser und ihre Frauen und ihre Kinder einzusetzen, um sie vor den Händen ihrer Feinde zu bewahren, ebenfalls um ihre Rechte und ihre Freiheiten zu bewahren, ja, und auch ihre innere Freiheit, damit sie Gott gemäß ihren Wünschen anbeten konnten. 10 Denn sie wussten, wenn sie den Lamaniten in die Hände fielen, so würde jeder, der Gott, den wahren und lebendigen Gott, im Geist und in der Wahrheit anbetete, von den Lamaniten vernichtet werden.“ (Alma 43:9-10).

Nun war die Absicht der Nephiten, sich für ihre … Frauen und ihre Kinder einzusetzen. Im Neuen Testament denke ich in diesem Zusammenhang an die Begebenheit, in der Jesus von einem Mann gefragt wurde, was er Gutes tun muss, um das ewige Leben zu gewinnen und der Herr ihm antwortete, dass er die Gebote halten solle. Der Mann fragte, welche Gebote, und Jesus fängt an aufzuzählen und nennt als Erstes: „… Du sollst nicht töten …“ (Matthäus 19:16-19), je nach Zählweise das Fünfte bzw. Sechste der Zehn Gebote (Genesis 20:13). In einigen anderen Bibelversionen ist von `nicht morden´ die Rede (Gute Nachricht Bibel, neue evangelische Übersetzung). Auch im Buch Mormon ist die Rede von `nicht morden´ (2. Nephi 26:32), aber auch von `nicht töten´ (Mosia 13.21).

Gibt es einen Unterschied zwischen Morden und töten? In der Rechtsprechung sind die bekanntesten Tötungsdelikte der Mord und der Totschlag. Sie werden unterschiedlich stark bestraft. Totschlag wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet, während bei Mord zwingend die lebenslange Freiheitsstrafe vorgesehen ist. Vereinfacht gesagt, besteht der Unterschied darin, dass Tötung ungeplant (StGB § 212), hingegen Mord mit Vorsatz und überlegt geplant und ausgeführt wird (StGB § 211). Wobei beide Delikte zum Tod eines Menschen führen, was der Herr verhindern möchte. Gibt es nun Situationen, die das Herbeiführen des Todes anderer rechtfertigen? Im Strafgesetz gibt es den Begriff der Notwehr. Sie „ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“ und stellt keine Rechtswidrigkeit dar (StGB § 32). In dieser Situation befanden sich die durch die Lamaniten bedrohten Nephiten. Sie wollten sich vor rechtswidrigen Angriffen schützen. Glücklicherweise war ich noch nie in einer solchen Situation, in der ich mich oder meine Lieben durch Herbeiführen des Todes eines Angreifers schützen musste, auch nicht um die Religionsfreiheit zu verteidigen.

Ich hab den frühen Vogel abgeschossen. Gemäß Paragraph § 32 StGB war es Notwehr!(Bild: Quelle)

Ein Mann namens Zerahemnach war ihr Führer

Mormon schreibt weiter über den sich anbahnenden Krieg zwischen Lamaniten und Nephiten: „Und es begab sich: Die Lamaniten kamen mit ihren Tausenden heran; und sie kamen in das Land Antionum, welches das Land der Zoramiten ist; und ein Mann namens Zerahemnach war ihr Führer. 6  Und nun, da die Amalekiten eine schlechtere und blutdürstigere Einstellung hatten, als die Lamaniten sie an und für sich hatten, deshalb bestimmte Zerahemnach oberste Hauptleute über die Lamaniten, und dies waren alles Amalekiten und Zoramiten.“ (Alma 43:5-6).

Ein Mann namens Zerahemnach war ihr Führer. Zerahemnach war der oberste Befehlshaber der lamanitischen Streitkräfte (Alma 43:44). Sein Bestreben war es, den Hass seines Volkes auf die Nephiten aufrechtzuerhalten und noch zu verstärken, um Macht über seine Gefolgsleute und über die Nephiten zu gewinnen (Alma 43:7-8).

So wie es hier aus der Zeit um 74 v. Chr. geschildert wird, erleben wir es auch noch heute. Wir erleben mit, wie einzelne Menschen Situationen nutzen, um ganze Völker gegeneinander aufzuhetzen nur um der Macht willen. Neuzeitliche Offenbarung bestätigt uns, dass fast alle Menschen Vollmacht die sie bekommen haben dahin gehend nutzen, ungerechte Herrschaft auszuüben (Lehre und Bündnisse 121:39). Warum ist das so? Weil die Menschen, die „… nicht den Einflüsterungen des Heiligen Geistes …“ nachgeben, und dadurch den `natürlichen Menschen´ ablegen, Feinde Gottes sind (Mosia 3:19) und somit den Weg freimachen, von Satan beeinflusst zu werden. Ich muss wissen, dass bei diesem meinem Bestreben Satan Krieg gegen mich führt (Lehre und Bündnisse 76:29). Ich lerne daraus, dass ich alles dransetzen muss, im Krieg gegen Satan zu bestehen und den `natürlichen Menschen´ abzulegen und ein `Heiliger´ zu werden, ein glaubenstreues Mitglied in der Kirche des Herrn (Epheser 2:19-22). Wie bewerkstelligst du dies?

(Bild: Quelle)

Darum bereiteten sie sich auf den Krieg vor

Mormon berichtet in seiner Zusammenfassung: “Denn siehe, es begab sich: Die Zoramiten wurden Lamaniten; und nun, zu Beginn des achtzehnten Jahres sah das Volk der Nephiten, daß die Lamaniten über sie kommen würden; darum bereiteten sie sich auf den Krieg vor; ja, sie sammelten ihre Heere im Land Jerschon.” (Alma 43:4).

Die Zoramiten (Jakob 1:13) stammen von Zoram, dem Diener Labans ab, der sich Lehis Auswanderergruppe um 600 v. Chr. anschloss (1. Nephi 4:31,35). Später, als die Nachfahren um 75 v. Chr. wieder von einem Mann namens Zoram geführt wurden (Alma 31:8), ließen sie sich von seinen falschen Lehren verleiten und trennten sich von den Nephiten (Alma 30:59; 31:1). Alma versuchte mit seinen Mitarbeitern sie wieder zur Wahren Lehre Christi zurückzugewinnen, was aber nur mit dem ärmeren Teil gelang (Alma 31:7,8-9,11; Alma 32:2). Die angeseheneren Zoramiten wurden auf die bekehrten Zoramiten zornig (Alma 35:3) und Letztere wurden von den Ammoniten (bekehrte Lamaniten; Alma 53:10) aufgenommen (Alma 35:9), während die restlichen Zoramiten sich mit den Lamaniten verbündeten (Alma 43:4).

Darum bereiteten sie sich auf den Krieg vor. Aus diesem Teil des Berichtes lerne ich für mich, dass ich mich auch auf den Krieg vorbereiten muss. Ich meine jetzt nicht einen organisierten und unter Einsatz von physikalischen Waffen und physikalischer Gewalt ausgetragenen Konflikt. Nein, ich meine die täglichen geistigen Angriffe Satans, denen ich ausgesetzt bin. Er ist ein Feind Gottes (Mosia 16:5). Seitdem ich mich zum Herrn bekehrt hatte, ist Satan auch mein Feind und ich muss vorbereitet sein, mich verteidigen zu können. Wie bereite ich mich vor? Indem ich der Aufforderung Jesu an seine Jünger im Garten Getsemani folge: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! …“ (Matthäus 26:41). Dazu gehört, dass ich mich eifrig mit dem Wort Gottes beschäftige und dessen Lehre in meinem Leben richtig anwende (Alma 17:2). Wie bereitest du dich vor?

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Zum Bericht über die Kriege zwischen den Nephiten und den Lamaniten

Mormon schreibt: „Und nun kehre ich zum Bericht über die Kriege zwischen den Nephiten und den Lamaniten im achtzehnten Jahr der Regierung der Richter zurück.“ (Alma 43:3).

Zum Bericht über die Kriege zwischen den Nephiten und den Lamaniten. Mormon hat als Prophet unsere heutige Zeit gesehen und unter diesem Aspekt wurde er vom Geist Gottes geleitet, seinen Auszug aus den Aufzeichnungen der Nephiten aus mehreren Jahrhunderten so zusammenzustellen, dass er für uns so nützlich wie nur irgend möglich sein würde. Sein Sohn Moroni bestätigt dies, indem er an uns heute gewandt schreibt: „Siehe, ich spreche zu euch, als seiet ihr gegenwärtig, und doch seid ihr es nicht. Aber siehe, Jesus Christus hat euch mir gezeigt, und ich weiß, was ihr tut.“ (Mormon 8:35; siehe auch den ersten Absatz auf der Titelseite des Buches hier).

Welche wichtigen Lehren können wir nun aus den Kriegsberichten für uns ziehen, die sich über die nächsten zwanzig Kapitel des Buches Alma hinziehen und auch noch von Mormon und Moroni weitergeführt werden? Präsident Ezra Taft Benson (1899–1994) hat gesagt: „Aus dem Buch Mormon lernen wir, wie ein Jünger Christi sich in Kriegszeiten verhält.“ (Herbst-Generalkonferenz 1986.). Mormon sah, dass auch wir in einer Zeit der „Kriege und Kriegsgerüchte“ (Lehre und Bündnisse 45:26) leben würden, und will uns mit seinem Auszug aufzeigen, wie man auch in solchen Zeiten rechtschaffen leben und handeln kann. Er zeigt uns auch auf, welches außerordentliche Leid durch Konflikte verursacht wird, erklärt aber auch, warum Krieg zur Verteidigung von Leben und Freiheit erforderlich werden kann. Wobei die Kirche keinesfalls ein rechtschaffenes Mittel in der Beilegung an internationalen Streitigkeiten sieht; solche Konflikte sollen und können durch friedliche Verhandlungen und Kompromisse beigelegt werden, sofern die Völker dazu bereit sind. Leider gibt es genügend Menschen, die nicht dazu bereit sind. Viele Grundsätze, die uns in diesen Kapiteln vermittelt werden, können wir insbesondere auch auf `geistige Schlachten gegen die Mächte des Bösen´ beziehen. Dies ist sicherlich ein äußerst kontrovers diskutiertes Thema. Welche Einstellung hast du dazu, dass das Buch Mormon sich damit so ausführlich befasst?

(Bild: Quelle)