Einem jeden Menschen wird gemäß seinem Werk geschehen

Alma des Jüngeren weitere Worte zu den gedemütigten Zoramiten: „… Siehe, ich sage euch, es ist auf der einen Seite, wie es auf der anderen ist; und einem jeden Menschen wird gemäß seinem Werk geschehen.“ (Alma 32:20).

Einem jeden Menschen wird gemäß seinem Werk geschehen. Wenn ich ein weltliches Gesetz übertreten habe und dies den zuständigen Behörden bekannt wird, werde ich entsprechend den geltenden Gesetzen zur Rechenschaft gezogen und von einem zuständigen Gericht verurteilt werden. Mir wird also nach meinem Werk (Vergehen) geschehen.

Übertrete ich ein himmlisches Gesetz, gibt es dafür auch eine zuständige `Behörde´ nämlich Jesus Christus (Johannes 5:22), denn „… alle, die unter dem Gesetz sündigten, werden durch das Gesetz gerichtet werden.“ (Römer 2:12). Vor diesem Richter wird mein Verhalten nach dem Maßstab der Grundsätze des Evangeliums beurteilt werden. Dieses `endgültige Gericht´ findet nach der Auferstehung statt. Die Grundlage dafür sind Bücher, in denen meine Taten aufgezeichnet wurden (Offenbarung 20:12; Lehre und Bündnisse 128:6-7). Aber auch meine Erinnerung wird vollkommen sein, und ich werde selber wissen, was ich alles richtig oder falsch gemacht habe und damit quasi mein eigener Richter sein (2. Nephi 9:46). Was dieses himmlische Gericht angeht, gibt es einen gewaltigen Unterschied zum irdischen: Es werden auch die Wünsche meines Herzens, d. h. meine Beweggründe, in den gerechten Richterspruch einfließen (Lehre und Bündnisse 137:9), denn im Gegensatz zu Menschen, kann der Herr in mein Herz sehen (1. Samuel 16:7). Welche Vorstellungen hast du vom endgültigen Gericht des Herrn?

A painting by John Scott showing Christ standing in judgment while people in clothing from all time periods stand around Him.The Last Judgment, Washington D.C. Temple mural by John Scott
(Bild: Quelle)

Wieviel mehr ist jemand verflucht, der den Willen Gottes kennt und ihn nicht tut

Alma der Jüngere fragt die gedemütigten Zoramiten: „Und nun, um wieviel mehr ist jemand verflucht, der den Willen Gottes kennt und ihn nicht tut, als jemand, der nur glaubt oder nur Ursache hat zu glauben und in Übertretung verfällt?“ (Alma 32:19).

Ist es dir schon mal passiert, dass du dir keiner Schuld bewusst warst und du dennoch mit der Schärfe des Gesetzes konfrontiert wurdest? Beispiel: Du kommst mit Souvenirs aus deinem Urlaub zurück und gehst im Flughafen durch den zollfreien Ausgang, wirst von einem Zollbeamten höflich gebeten mit ihm zu kommen und gefragt, ob du etwas zu verzollen hast. Du antwortest mit einem überzeugten „Nein“. Dann wirst du aufgefordert, deinen Koffer zu öffnen. Es wird eine Nachahmung eines am Markt bereits zugelassenen Arzneimittels, welches aber nicht vom eigentlichen Hersteller stammt, gefunden. Dir wird erklärt, dass es sich hierbei um ein `verbotenes Arzneimittel im Reiseverkehr´ handelt und du dich mit der Einführung strafbar gemacht hast. Du meinst: „Das habe ich nicht gewusst!“ Aber, da gibt es einen Rechtsgrundsatz aus dem römischen Recht, der dir im deutschen Sprachraum doch als Volksweisheit bekannt vorkommen dürfte: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ – § 2 des ABGB: „Sobald ein Gesetz gehörig kund gemacht worden ist, kann sich niemand damit entschuldigen, daß ihm dasselbe nicht bekannt geworden sey.“ Und so ist es, du hast ein Recht gebrochen, auch wenn unwissend, und musst die Konsequenzen tragen.

Wieviel mehr ist jemand verflucht, der den Willen Gottes kennt und ihn nicht tut. Etwas anders verhält es sich bei dem Herrn. Für ihn folgt einer Übertretung offensichtlich nur in dem Fall eine Strafe, wenn dem Übertreter das Gesetz bekannt war: „Wenn ich nicht gekommen wäre und nicht zu ihnen gesprochen hätte, wären sie ohne Sünde; jetzt aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde.“ (Johannes 15:22). Erst sündiges Verhalten wird beim Herrn verfolgt. Und Sünde ist als „Bewusster Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes“ definiert. Deshalb können in den Augen des Herrn auch kleine Kinder nicht sündigen: „… kleine Kinder aber sind gesund, denn sie sind nicht fähig, Sünde zu begehen; …“ (Moroni 8:8). Das bedeutet für mich, dass ich darauf bedacht sein muss, die Gebote, die mir bekannt sind, nicht zu übertreten. Nachdem es dennoch immer mal wieder passiert, denn „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ (Römer 3:23), hat uns der Herr, aufgrund dessen, dass er für uns alle gesühnt hat, die Möglichkeit der Umkehr (Lehre und Bündnisse 58:42-43) eröffnet. Hierfür bin ich dem Herrn zutiefst dankbar und nutze sie gerne. Was tust du, um von dem Herrn nicht verflucht zu werden?

Der Herr verfluchte Kain wegen des Brudermordes
(Köstliche Perle Mose 5:36; Bild: Quelle)

Es gibt viele, die sagen: Wenn du uns ein Zeichen vom Himmel zeigen willst

Alma der Jüngere erklärt den gedemütigten Zoramiten weiter: „Ja, es gibt viele, die sagen: Wenn du uns ein Zeichen vom Himmel zeigen willst, dann werden wir mit Gewissheit wissen; dann werden wir glauben. 18  Nun frage ich: Ist das Glaube? Siehe, ich sage euch: Nein; denn wenn jemand etwas weiß, so hat er keine Ursache zu glauben; denn er weiß es.“ (Alma 32:17-18).

Es gibt viele, die sagen: Wenn du uns ein Zeichen vom Himmel zeigen willst. Ich spule die Zeit um gute einhundert Jahre vor und da kommen mir die Pharisäer in den Sinn, die im Gebiet von Dalmanuta am See Genezareth mit Christus ein Streitgespräch begannen, in dem sie von ihm ein Zeichen vom Himmel forderten, um ihn auf die Probe zu stellen. „Da seufzte er tief auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen?“ (Markus 8:10-12). Im Matthäus wird die Antwort des Herrn noch drastischer ausgedrückt: „Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Und er ließ sie stehen und ging weg.“ (Matthäus 16:4).

Will ich zu einer bösen und gegenüber Gott treulosen Generation gehören, und von Christus oder seinen mit Vollmacht ausgestatteten Dienern Zeichen fordern, um Glauben an Gott zu erlangen? Das kommt mir nie und nimmer in den Sinn. Ich verfolge eher den Weg: „… Glaube kommt nicht durch Zeichen, sondern Zeichen folgen denen, die da glauben.“ (Lehre und Bündnisse 63:7-11). Mit den Zeichen, die gefordert werden, ist es nämlich so, dass der Mensch sie nach geraumer Zeit einfach wieder vergisst oder sich sagt, dass sie „… durch Menschen und durch die Macht des Teufels bewirkt …“ wurden (3. Nephi 2:1-2). Glaube ist nämlich ein Hoffen auf Dinge, die man nicht sieht, die aber dennoch wahr sind (Hebräer 11:1; Alma 32:21). Wenn ich von etwas eine vollkommene Kenntnis habe, brauche ich in dieser Angelegenheit nicht mehr Glauben. In welchen Situationen wünscht du dir Zeichen, anstatt zuerst Glauben zu üben?

(Bild: Quelle; Text: Quelle)

Wer sich wahrhaft demütigt und von seinen Sünden umkehrt und bis ans Ende ausharrt

Alma der Jüngere weiter zu den gedemütigten Zoramiten: „Ja, wer sich wahrhaft demütigt und von seinen Sünden umkehrt und bis ans Ende ausharrt, der wird gesegnet sein—ja, viel mehr gesegnet als diejenigen, die wegen ihrer überaus großen Armut gezwungen sind, demütig zu sein.“ (Alma 32:15).

Wer sich wahrhaft demütigt und von seinen Sünden umkehrt und bis ans Ende ausharrt. Von dem katholischen Schriftsteller und Mystiker Stefan Fleischer, (*1938), stammt folgender Aphorismus (geistreicher Sinnspruch) zum Thema Ideal: „Drei Dinge braucht der Mensch: – ein Ideal, hinter dem er nachhinkt, – ein Feindbild, das schuld ist, dass er es nie erreicht – und die Sicherheit, mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität zu stehen.“ Von Alma dem Jüngeren werden zum Thema Ideal, von Gott gesegnet zu sein, drei andere wichtige Dinge aufgezählt, die der Mensch braucht: sich wahrhaft zu demütigen (seine Abhängigkeit von Gott erkennen und sich seinem Willen unterwerfen), Umkehr von falschem Tun (die Wandlung von Herz und Sinn, mit der Zuwendung zu Gott), Beständigkeit in den zwei vorherigen Punkten.

Dem `Ideal´, `wahrhaft demütig zu sein´, hinke ich hier und da hinterher. Das `Feindbild´, das Schuld daran ist, dass ich das Ideal nicht oder nur teilweise erreiche, ist `mein schwaches Fleisch´ (Matthäus 26:41). Die `Sicherheit´ findet sich in meinem aufrichtigen beständigen Bemühen, der `Umkehr´, welche ich, wo erforderlich, nach einigen Erfahrungen in meinem Leben seit langen Jahren ungezwungen, übe (Alma 32:16). Setze ich diese drei Punkte ernsthaft und beständig um, werde ich insofern gesegnet, dass ich durch Christus ins immerwährende Reich Gottes errettet werden kann (1. Nephi 13:37).

(Bild: Quelle)

So dass ihr demütig sein und dass ihr Weisheit lernen könnt

Alma weiter zu der, von den Reichen gedemütigten, Gruppe Zoramiten: „Ich sage euch, es ist gut, dass ihr aus euren Synagogen ausgestoßen seid, so dass ihr demütig sein und dass ihr Weisheit lernen könnt; denn es ist notwendig, dass ihr Weisheit lernt; denn weil ihr ausgestoßen seid, weil ihr von euren Brüdern wegen eurer überaus großen Armut verachtet werdet, seid ihr zur Demut des Herzens gebracht worden; denn ihr seid notwendigerweise veranlasst, demütig zu sein.“ (Alma 32:12).

Sodass ihr demütig sein und dass ihr Weisheit lernen könnt. Alma der Jüngere erklärt der Gruppe der gedemütigten Zoramiten, dass es manchmal nicht anders geht, als mit etwas drastischeren Mitteln, auf Fehlentwicklungen in seinem Lebensweg, aufmerksam gemacht zu werden. Würde Leidensdruck manchmal nicht auch ins Unerträgliche gesteigert werden, sodass man keinen anderen Ausweg mehr weiß, würde man nicht erkennen, dass man ins Verderben rennt, und würde seinen verderbten Lebenswandel beibehalten, und somit keine Weisheit erlangen (Alma 32:13).

Weisheit ist eine von Gott gegebene Fähigkeit, ohne die keine rechtschaffenen Entscheidungen getroffen werden können. Sie ist eine Gabe Gottes, die er denen verleiht, die mit der richtigen Motivation Rechtschaffenes bewirken wollen (Exodus 36:2). Wie erlange ich Weisheit? Ich muss durch Studium und Glauben aus den besten Quellen nach Wissen trachten (Lehre und Bündnisse 109:7). Durch richtiges Anwenden des erlangten Wissens werde ich Erfahrungen machen, die mir die Wahrheit des Gelernten bestätigen (Matthäus 11:19). Wenn ich bei meinen rechtschaffenen Bemühungen auf die Hilfe Gottes setze und ihn, wie Salomo bitte (2. Chronik 1:10-12), kann ich darauf hoffen, dass er mir mit seinen Segnungen bei der Erlangung von Weisheit zur Seite stehen wird (Exodus 31:2-3). Überträgt mir der Herr in seinem Werk Aufgaben, so kann er mich auch durch das Auflegen der Hände seiner bevollmächtigten Diener, mit dem Geist der Weisheit erfüllen (Deuteronomium 34:9). Wie gehst du vor, um Weisheit zu erlangen?

Salomons UrteilDas Salomonische Urteil
(1. Könige 3:16-28; Bild: Quelle)

Meint ihr denn, ihr könnt Gott nicht anbeten außer nur in euren Synagogen?

Nachdem der Sprecher der gedemütigten Zoramiten Alma den Jüngeren befragte, was sie gegen ihren Ausschluss aus den Synagogen tun könnten, wendete sich Alma ihm und denen, die bei ihm waren, zu (Alma 32:5-7) und sagte: „Siehe, ich sage euch: Meint ihr denn, ihr könnt Gott nicht anbeten außer nur in euren Synagogen? 11  Und weiter möchte ich fragen: Meint ihr denn, ihr dürft Gott nicht anbeten außer einmal in der Woche?“ (Alma 32:10-11).

Meint ihr denn, ihr könnt Gott nicht anbeten außer nur in euren Synagogen? Was ist unter Anbetung zu verstehen? Nicht nur, wie man u. U. annehmen könnte, das Gebet, sondern auch eine Vielfalt anderer Zuwendungen zu Gott. Zur Anbetung gehören auch der Ausdruck meiner Liebe und meiner Ehrfurcht Gott gegenüber sowie mein Dienst und meine Hingabe (Lehre und Bündnisse 20:19). Das aber ist noch nicht alles, was zur Anbetung zählt. Anbetung schließt auch noch mit ein: das Fasten, um seiner Anbetung einen verstärkten Ausdruck zu verleihen; das Dienen in der Kirche; die Teilnahme an heiligen Handlungen des Evangeliums, wie am wöchentlichen Abendmahl und anderes Verhalten, das Hingabe und Liebe zu Gott erkennen lässt.

Ich erkenne, dass ich Gott unabhängig von irgendwelchen Räumlichkeiten, immer und überall anbeten kann. Selbstverständlich sage ich Gott jederzeit in meinem Heim im Namen von Jesus Christus Dank (Epheser 5:20), denn ich weiß, dass ich Gott immerdar im Namen des Sohnes Gottes anrufen soll (Köstliche Perle Mose 5:8). Weiterhin ist mir klar geworden, dass nicht nur das Beten zur Anbetung gehört, sondern all mein Verhalten im täglichen Leben, das erkennen lässt, dass ich Gott liebe, wozu auch der sonntägliche Kirchenbesuch, verbunden mit der Teilnahme am Abendmahl gehört. Wie sieht deine Anbetung aus?

A woman holds a rake and talks to an elderly woman while a group of young adults clean up the yard.Zur Anbetung gehört auch Dienst am Nächsten
(Bild: Quelle)

Die arm im Herzen waren, wegen ihrer Armut, was die Dinge der Welt betrifft

„Als nun Alma das Volk auf dem Hügel Onida belehrte und zu ihnen sprach, da kam eine große Menge zu ihm, und es waren diejenigen, von denen wir gesprochen haben, von denen, die arm im Herzen waren, wegen ihrer Armut, was die Dinge der Welt betrifft.“ (Alma 32:4).

Die arm im Herzen waren, wegen ihrer Armut, was die Dinge der Welt betrifft. Alma der Jüngere und Hohepriester der ganzen Kirche, belehrte die vom wahren Glauben abgefallenen Zoramiten auf einem Hügel Namens Onida – übrigens, Onida ist u. a. ein indianischer Frauenname und bedeutet so viel wie: „Die Eine, wonach gesucht wurde“. Nun, wer suchte an diesem Hügel Onida wonach? Die an weltlichen Gütern armen Zoramiten suchten nach der Möglichkeit wieder Gott anbeten zu können. Sie wurden von ihren eigenen Volksangehörigen wegen ihrer Armut verachtet und durften ihre Synagogen, die sie unter Mühen mit ihren eigenen Händen erbaut hatten, nicht betreten, hatten nach ihrem Verständnis keinen Ort der Gottesanbetung mehr. Aufgrund ihrer Armut an materiellen Gütern, wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft, wurden sie nun auch noch `arm im Herzen [arm in Geiste]´.

Die `Armen im Geiste´ werden auch in der Bergpredigt des Heilandes angesprochen. In der Lutherübersetzung von 1984 lesen wir: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matthäus 5:3). Und in seiner Rede an die Nephiten sagt Jesus, dass „… die im Geist Armen …“ gesegnet sein würden (3. Nephi 12:3). Wer ist mit: „die da geistlich arm sind“ gemeint? Damit sind diejenigen gemeint, die sich demütig an den Herrn wenden, um ihn kennenzulernen, Bündnisse mit ihm einzugehen und ihm zu folgen. Schade nur, dass viele Menschen sich erst demütigen, wenn es ihnen schlecht geht, sei es aufgrund von Kriegen, Katastrophen oder sonstigen Bedrängnissen, wie hier bei den Zoramiten der soziale Ausschluss (Alma 32:5-6). Besser ist es jedoch, man demütigt sich aus freien Stücken, weil man es von sich aus will, ohne Zwang aufgrund äußerlich ungünstiger Umstände (Alma 32:14). Ich bin dankbar, dass ich mich ohne äußeren Zwang dem Herrn zuwenden und das Evangelium gepredigt bekommen durfte, weil ich es gerne wollte (Lehre und Bündnisse 35:15). Unter welchen Umständen hast du dich gedemütigt?

A poster showing a young woman kneeling to pray with the words “Send a Knee Mail” in the center.(Bild: Quelle)

Sie wurden von ihren Brüdern als Abschaum angesehen

Wir lesen, dass Alma der Jüngere und Hohepriester der ganzen Kirche, mit seinen sieben Mitarbeitern, nach viel Arbeit bei den Zoramiten im Land Antionum anfingen, „… unter der armen Schicht des Volkes Erfolg zu haben; denn siehe, man hatte diese wegen ihrer groben Gewänder aus den Synagogen ausgestoßen—3  darum war es ihnen nicht erlaubt, in ihre Synagogen zu gehen, um Gott anzubeten, denn sie wurden als schmutzig angesehen; darum waren sie arm; ja, sie wurden von ihren Brüdern als Abschaum angesehen; darum waren sie arm, was die Dinge der Welt betrifft; und sie waren auch arm im Herzen.“ (Alma 32:2-3).

Sie wurden von ihren Brüdern als Abschaum angesehen. Du hast sicherlich schon mal Hülsenfrüchte oder richtige Fleischbrühe gekocht. Dabei musstest du aufpassen, dass du den entstehenden Schaum immer wieder abschöpfen musstest, deshalb `Abschaum´, da er ansonsten flocken und die Flüssigkeit trüben würde. Diesen Vorgang beim Kochen eiweißhaltiger Zutaten nennt man küchensprachlich `Abschäumen´. Seit dem 15. Jahrhundert wird der Begriff `Abschaum´ auch umgangssprachlich für „schlechte, ausgestoßene Menschen“, „Pöbel“, im weitesten Sinne also: „Abfall“ verwendet.

Nehmen wir an, du bist in einem vornehmen Stadtviertel und möchtest gerne zur Gottesverehrung eine Kirche besuchen. Du kommst hin, und siehst, dass alle in besonders teure Gewänder, mit hochwertigen Accessoires, gekleidet sind. Dir wird wahrscheinlich ganz mulmig, da du gerade auf der Durchreise bist und nur Jeans, ein buntes Hemd und Sneakers anhast. Obwohl alles sauber ist, wirst du von allen anderen Besuchern schief angeguckt und du fühlst dich unwillkommen und möchtest am liebsten wieder gehen. Was erst, wenn sie dich zum Gehen auffordern würden, wie es die Zoramiten mit den armen Menschen getan haben, dem `Abschaum´, die sich keine bessere Kleidung leisten konnten – wahrscheinlich sogar noch, weil sie sich für den Reichtum der anderen abrackern mussten. Ich lerne für mich daraus, dass ich niemanden, aufgrund seiner aus meiner Sicht minderwertigen Kleidung, als `Abschaum´ ansehen, und aus der Kirche fernhalten darf – das gilt natürlich für sein gesamtes Erscheinungsbild; ggf. benötigt er sofortige Hilfe und danach Hilfe zur Selbsthilfe. Wie sind deine Empfindungen in solchen Situationen?

(Bild: Quelle)

Sie predigten das Wort sogar auf ihren Straßen

Nachdem Alma der Jüngere und Hohepriester über die ganze Kirche alle Vorbereitungen getroffen hatte (Alma 31:36), um den vom wahren Glauben abgefallenen Zoramiten im Land Antionum das Wort zu predigen (Alma 31:1,3,5), setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um: „Und es begab sich: Sie gingen aus und fingen an, dem Volk das Wort Gottes zu predigen, und gingen in ihre Synagogen und in ihre Häuser; ja, und sie predigten das Wort sogar auf ihren Straßen.“ (Alma 32:1).

Sie predigten das Wort sogar auf ihren Straßen. Die ganz normale Art, nicht mehr aktive Mitglieder einer Kirche zurückzugewinnen, dürfte darin bestehen, sie zunächst dort aufzusuchen, wo sie als Gemeinde zusammenkommen. Das waren bei den Zoramiten deren Synagogen, der für religiöse Zwecke gebrauchte Versammlungsort. Die Zoramiten mussten diese Orte aus den Belehrungen kennen (Alma 31:8), die sie früher, vor ihrer Trennung von den Nephiten, bei ihnen erhalten hatten (1. Nephi 5:11-12), denn sie hatten sich solche errichtet und versammelten sich einmal wöchentlich dort zur Gottesanbetung. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die einzelnen Mitglieder nebst ihren Familien in deren Unterkünften zu besuchen und zu unterweisen. Dann gibt es als letzte Möglichkeit die Arbeit in der Öffentlichkeit, also auf der Straße.

Diese Möglichkeiten nutzten Alma der Jüngere mit seinen sieben Mitarbeitern. Sie predigten in ihren Synagogen, in ihren Häusern und auf der Straße. Missions- bzw. Reaktivierungsarbeit sieht heute nicht anders aus. Mitglieder einer Gemeinde und Missionare arbeiten Hand in Hand, auch in dem `sich kümmern´ um Mitglieder, die längere Zeit nicht mehr die Kirche besucht haben. Zunächst wird in den Gemeinden über den großen Wert einer jeden Seele in den Augen Gottes gesprochen (Lehre und Bündnisse 18:10), um die Mitglieder zu ermuntern, sich um diejenigen zu kümmern, die schon lange nicht mehr in der Gemeinde waren. Dann werden die eingeteilten Heimlehrer, Besuchslehrerinnen oder auch Vollzeitmissionare beauftragt, diese in ihren Heimen zu besuchen, um zu sehen, wie es ihnen geht, und sie einzuladen, wieder zu Christus zu kommen, doch wieder die Gemeinschaft zu genießen und am Abendmahl teilzunehmen. Die Vollzeitmissionare nutzen auch die Möglichkeit, dort, wo es erlaubt ist (in Russland ist es z. B. derzeit nicht erlaubt), Menschen auf der Straße zum Thema Glauben an Gott anzusprechen und auch sie einzuladen, Christus kennenzulernen. Was hast du schon gemacht, um Menschen einzuladen, zu Christus zu kommen?

A man in Georgia wearing a gray T-shirt and brown hat, gesturing while talking to two sister missionaries outside.Ein Mann spricht mit Missionarinnen auf der Straße
(Bild: Quelle)

Er gab ihnen auch Stärke, so dass sie keinerlei Bedrängnisse litten

Alma der Jüngere und Hohepriester der ganzen Kirche, hatte für ihre Missionsarbeit bei den Zoramiten gebetet und seine sieben Mitarbeiter durch Händeauflegen gesegnet. „Und der Herr sorgte für sie, dass sie nicht hungerten und dass sie nicht dürsteten; ja, und er gab ihnen auch Stärke, so dass sie keinerlei Bedrängnisse litten, die nicht in der Freude über Christus verschlungen worden wären. Nun war dies gemäß dem Gebet Almas, und dies, weil er im Glauben gebetet hatte.“ (Alma 31:38).

Er gab ihnen auch Stärke, sodass sie keinerlei Bedrängnisse litten. Weil Alma der Jüngere `im Glauben´ gebetet hatte, wurde ihnen in ihrem Missionsprojekt, die abgefallenen Zoramiten zurückzugewinnen, durch den Herrn in jeglicher Hinsicht Segen und Hilfe zuteil. Dabei fallen mir doch die Aussagen der Seligpreisungen in der Bergpredigt ein: „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. 12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.“ (Matthäus 5:10-12).

Du kennst sicher den Ausspruch von Friedrich Nietzsche aus der Götzen-Dämmerung (1898; Kriegsschule des Lebens, Sprüche und Pfeile 8): „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“  Bedrängnisse sind etwas, was jedem Menschen widerfährt. Dem einen mehr, dem anderen weniger, doch ohne können wir nicht stark werden. Hätten wir keine Gegensätze, könnten wir das Gute nicht schätzen (Lehre und Bündnisse 29:39). Der Herr lässt uns durch Bedrängnisse und Schwierigkeiten gehen, damit wir in seinen Händen ein brauchbares Werkzeug werden, er schleift uns, damit aus einem Rohling ein Edelstein wird. Das tut sicherlich weh, doch er macht es nicht, „… um zu sehen, ob wir Schwierigkeiten ertragen können. Es geht ihm vielmehr darum, ob wir sie gut ertragen können, denn dann werden wir geschliffen.“ (Präsident Henry B. Eyring, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft: „Der Lohn für gutes Ausharren“). Für mich kann ich z. B. feststellen, dass sich durch diverse Bedrängnisse mein Vermögen, mich in ähnliche Situationen anderer einfühlen und besser drauf reagieren zu können, meine Empathie, ausgeprägt hat. Durch welche Bedrängnisse wurdest du schon geschliffen?

Infos zur Ausbildung zum Edelsteinschleifer(Bild: Quelle)