Erinnert ihr euch, das gelesen zu haben, was Zenos, der Prophet in alter Zeit, … gesagt hat?

Alma der Jüngere fragt die gedemütigten Zoramiten: „Erinnert ihr euch, das gelesen zu haben, was Zenos, der Prophet in alter Zeit, in bezug auf Gebet und Anbetung gesagt hat?“ (Alma 33:3).

Erinnert ihr euch, das gelesen zu haben, was Zenos, der Prophet in alter Zeit, … gesagt hat? Zenos? Was für ein Prophet soll das sein? Schon mal was von ihm gehört? Wo und wann hat er gelebt? Alles Fragen, die nicht so gut zu beantworten sind. Zenos begegnet uns nur im Buch Mormon. Elder Bruce R. McConkie, verstorbenes Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, sagte über die Größe von Zenos: „Ich glaube nicht, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass neben Jesaja – welcher der Urtyp, das Muster und Beispiel aller Propheten ist – es keinen größeren Propheten in ganz Israel gab als Zenos. Und unsere Kenntnis von seinen inspirierten Schriften beschränkt sich auf die Zitate und Paraphrasierungszusammenfassungen, die im Buch Mormon gefunden wurden.“ (Quelle; in Englisch, beginnend bei: I do not think I overstate the matter when I say …)

Zenos war einer von vier alttestamentlichen Propheten (die anderen drei: Zenoch (Englich Zenock), Nehum (Englisch Neum), Ezias) , die im Buch Mormon zitiert werden. Seine Schriften befinden sich auf den Messingplatten, die Nephi, bei deren Flucht aus Jerusalem um 600 v. Chr., aus dem Hause Labans mitnahm. Er wird zitiert in: 1 Nephi 19:10-17, von Nephi; Jakob 5:1-77 , 6: 1, von Nephis jüngerem Bruder Jakob; Alma 33:3-11, 13, 15; Alma 34:7, von Alma dem Jüngeren; Helaman 8:19-20, von Amulek, einem Missionarsmitarbeiter Alma des Jüngeren; 3 Nephi 10:14-17, von Mormon. Offensichtlich lebte er zwischen 1600 und 600 v. Chr. und war anscheinend ein Nachkomme von Joseph von Ägypten. Das Schicksal des Hauses Israel war sein Hauptthema. Wegen seines schlichten kraftvollen Zeugnisses bezüglich des Lebens, der Mission, des Sühnopfers, dem Tod und der Auferstehung des Sohnes Gottes, wurde er von den Propheten des Buches Mormon häufig zitiert. Mehr über ihn kannst du hier, allerdings in Englisch, nachlesen.

A painting by Jerry Thompson illustrating Lehi and Sariah with outstretched arms as Nephi returns, holding the brass plates, with his brothers.Nephi kehrt mit den Messingplatten zu seiner Familie zurück
(1. Nephi 5:10; Bild: Quelle)

Ihr solltet in den Schriften forschen

Die gedemütigten Zoramiten fragten Alma den Jüngeren nach seiner Belehrung, ob sie an einen Gott glauben sollten, und auf welche Weise sie anfangen sollten ihren Glauben auszuüben (Alma 33:1). „Und Alma sprach zu ihnen: Siehe, ihr habt gesagt, ihr könntet euren Gott nicht anbeten, weil ihr aus euren Synagogen ausgestoßen seid. Aber siehe, ich sage euch, wenn ihr meint, ihr könntet Gott nicht anbeten, so irrt ihr sehr, und ihr solltet in den Schriften forschen; wenn ihr meint, sie hätten euch dies gelehrt, so versteht ihr sie nicht.“ (Alma 33:2).

Ihr solltet in den Schriften forschen. Forschen alleine reicht nicht aus, es kommt auch darauf an, dass man die Schrift versteht. Ich denke an die Umstände der Taufe des Äthiopiers durch Philippus. Ein Engel sagte zu Philippus, dass er auf einer Straße, die durch eine einsame Gegend von Jerusalem nach Gaze führt, südwärts gehen solle. Dem Auftrag folgend, hörte er, wie ein äthiopischer Hofbeamter der Königin, auf seinem Wagen sitzend, im Jesaja las. Er ging hin zu ihm und fragte: „… Verstehst du auch, was du liest?“ Der Hofbeamte antwortete: „… Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“ und er bat Philippus darum, ihm die Anleitung zu geben. Das Ende vom Lied, der Hofbeamte verstand und hatte den Wunsch sich taufen zu lassen. „… Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.“ (Apostelgeschichte 8:26-40). Eine Anmerkung: Warum stiegen sie wohl in das Wasser? Weil `Taufe´ aus dem griechischen übersetzt so viel wie `Untertauchen´ bedeutet und auch nur so für den Herrn annehmbar ist.

Was nützt es mir also, wenn ich mir noch so viel Kenntnisse aneigne, sie aber nicht verstehe, und somit auch nicht in der Lage sein werde, sie richtig anzuwenden? Um verstehen zu können – einen Sachverhalt inhaltlich zu begreifen und den Zusammenhang intellektuell, geistig, zu erfassen – benötige ich Anleitung. Diese bekomme ich dadurch, dass ich mich mit anderen Mitmenschen austausche, z. B. in den Kirchenversammlungen (Lehre und Bündnisse 50:10-12), und insbesondere durch die Wirkung des Heiligen Geistes (Lehre und Bündnisse 76:114,116), um die ich bitten kann (3. Nephi 17:3). Und wieder kommt der Glaube mit ins Spiel. Um verstehen zu können, ist er die Voraussetzung (Mosia 26:3). Was machst du, um das Wort Gottes zu verstehen? Der Herr auf jeden Fall spricht zu uns Menschen entsprechend unserem Verständnis in unserer Sprache (2. Nephi 31:3).

A photograph of Christ appearing to Thomas, paired with the words from 2 Nephi 31:3.Er spricht zu den Menschen gemäß ihrer Sprache zu ihrem Verständnis.
(Bild: Quelle)

Wegen eures Eifers und eures Glaubens und eurer Geduld mit dem Wort

Alma der Jüngere fährt fort: „Und wegen eures Eifers und eures Glaubens und eurer Geduld mit dem Wort, es zu nähren, damit es in euch Wurzel fasse, siehe, da werdet ihr bald die Frucht davon pflücken, die höchst kostbar ist, die süßer als alles Süße ist und die weißer als alles Weiße ist, ja, und reiner als alles Reine; und ihr werdet euch an dieser Frucht laben, selbst bis ihr satt seid, so dass ihr nicht hungert, und auch dürsten werdet ihr nicht. 43  Dann, meine Brüder, werdet ihr den Lohn für euren Glauben und Eifer und eure Geduld und Langmut ernten, da ihr gewartet habt, dass der Baum euch Frucht hervorbringt.“ (Alma 32:42-43).

Wegen eures Eifers und eures Glaubens und eurer Geduld mit dem Wort. Wenn ich in der Kindheit oder Jugend mal wieder keine große Lust hatte, an meine Hausaufgaben zu gehen, oder etwas zu helfen, bekam ich hier und da folgende Redensart zu hören: „Ohne Fleiß kein Preis“. Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert alt war diese Redensart zu meiner Jugend erst und wollte mich, aufgrund einer versprochenen Belohnung, anspornen eine ungeliebte Aufgabe zu erledigen, an die ich ohne diesen Anreiz sicherlich nicht herangegangen wäre. Andererseits will sie uns auch vor Augen halten, dass einem Erfolg nur beschieden sein wird, wenn man sich genügend anstrengt.

Wenn wir die Früchte des Wortes Gottes ernten wollen, müssen wir davor auch erst Fleiß aufwenden. Der Weg zur Ernte der Frucht, die Erlangung der vom Herrn versprochenen Segnungen, führt nur über eifrige – ausdauernde, tapfere – Beachtung seines Wortes, im Glauben daran (Lehre und Bündnisse 84:43). Ich lerne, dass ich eifrig, mit Glauben verbunden, das Wort des Herrn anwenden muss, ehe ich dessen Segnungen genießen kann. Eben: „Ohne Fleiß kein Preis“. Wie ergeht es dir im geduldigen Erproben des Wortes Gottes?

Biene, Blumenwiese, Honig(Bild: Quelle)

Euer Glaube ruht, und zwar, weil ihr Wissen habt

Nun fragt Alma der Jüngere die gedemütigten Zoramiten: „Und nun siehe, ist euer Wissen vollkommen? Ja, darin ist euer Wissen vollkommen, und euer Glaube ruht, und zwar, weil ihr Wissen habt; denn ihr wisst, dass das Wort eure Seele hat schwellen lassen, und ihr wisst auch, dass es gesprosst hat, dass euer Verständnis anfängt, erleuchtet zu werden, und euer Sinn anfängt, sich zu erweitern.“ (Alma 32:34).

Euer Glaube ruht, und zwar, weil ihr Wissen habt. In dem Moment, wo uns unser anfänglicher Glaube in Bezug auf eine Sache, durch Studium und Bestätigung durch den Heiligen Geist, zu Wissen geworden ist, brauchen wir in diesem Punkt nicht mehr zu glauben. Wir haben Erkenntnis erlangt, verstehen den Punkt und Begreifen ihn. Unser Sinn, unsere geistigen Fähigkeiten und Verstandeskräfte, haben sich erweitert.

Wie ist es dazu gekommen, dass sich mein Sinn erweitert hat? Indem ich `Gottesfurcht´, achtungsvolle Demut gegenüber Gott geübt, seinen Anweisungen gefolgt bin (Sprichwörter 1:7; Psalm 110:10). Unser Glaube ruht nun, was diesen einen Teilbereich anbelangt. Wir müssen uns aber weiterhin um das heranwachsende Pflänzchen kümmern, es mit großer Sorgfalt hegen und pflegen, ansonsten verdorrt es wieder, was so viel bedeutet, dass wir uns weiterhin Gedanken machen müssen. Ansonsten wird das Licht, die Kenntnis, die wir erlangt haben, wieder in Vergessenheit geraten und sie nützt uns nichts mehr (Alma 32:35-41). Um keinen Stillstand einzuleiten, muss es nun mit einem anderen Aspekt unseres Lebens weiter gehen. Wieder beginnend mit Glauben an diesen neuen Punkt des Wortes Gottes … usw. usw. Wie erweiterst du deinen Sinn?

An image of a sunflower paired with a quote by President Russell M. Nelson: “Let your faith show.”

Zeige deinen Glauben – Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel
(Bild: Quelle)

Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen

Alma stellt einen Vergleich an: „Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. Wenn ihr nun Raum gebt, dass ein Samenkorn in euer Herz gepflanzt werden kann, siehe, wenn es ein wahres Samenkorn oder ein gutes Samenkorn ist, wenn ihr es nicht durch euren Unglauben ausstoßt, so dass ihr dem Geist des Herrn Widerstand leistet, siehe, so wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und wenn ihr dieses Schwellen spürt, so werdet ihr anfangen, in euch zu sagen: Es muss notwendigerweise so sein, dass dies ein gutes Samenkorn ist oder dass das Wort gut ist, denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein.“ (Alma 32:28).

Im Internet fand ich folgende Kurzgeschichte von Jack Canfield und Mark Victor Hansen / „Hühnersuppe für die Seele„:

Die Geschichte über zwei Samenkörner

Es steckten einmal zwei Samenkörner nebeneinander im Boden.

Das erste Samenkorn sagte: “Ich will wachsen! Ich will meine Wurzeln tief in die Erde senden und ich will als kleines Pflänzchen die Erdkruste durchbrechen, um dann kräftig zu wachsen. Ich will meine Blätter entfalten und mit ihnen die Ankunft des Frühlings feiern. Ich will die Sonne spüren, mich von Wind hin- und herwehen lassen und den Morgentau auf mir spüren. Ich will wachsen!”

Und so entwickelte sich das Samenkorn zu einer kräftigen Pflanze.

Das zweite Samenkorn sagte: “Ich fürchte mich. Wenn ich meine Wurzeln in den Boden senke, weiß ich nicht, was mich dort in der Tiefe erwartet. Ich befürchte, dass mir da etwas wehtut. Es könnte auch sein, dass ich Schaden nehme, wenn ich versuche, die Erdkruste zu durchbrechen. Und ich weiß nicht, was dort oben über der Erde auf mich lauert. Es kann so viel geschehen, wenn ich wachse. Nein, ich bleibe lieber erst einmal hier und warte, bis es sicherer ist.”

Und so verblieb der Samen in der Erde und wartete.

Eines Morgens kam eine Henne vorbei. Sie scharrte mit ihren scharfen Krallen nach etwas Essbaren im Boden. Nach einer Weile fand sie den wartenden Samen im Boden und fraß ihn auf.“ (Quelle)

Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. In Bezug auf den Vergleich des Samenkorns mit dem Wort Gottes, sowohl hier im Buch Mormon, als auch im Neuen Testament (Markusn 8:11-15; Matthäus 17:20), lerne ich, dass es Samenkörner gibt, die den Wunsch zur Veränderung in sich tragen, dabei handelt es sich um ein `gutes Samenkorn´, aber auch solche, die sich vor Veränderung fürchten. Das sind dann eben `taube Samenkörner´, also nicht keimfähige. Drängt mich das Wort, das als Samenkorn in mein Herz gelegt wird, zu positiver Entwicklung, so weiß ich, dass es ein gutes, ein keimfähiges Korn ist, nämlich das Wort Gottes, das mich zu Unsterblichkeit und ewigem Leben hin entwickeln will, Verständnis über den Sinn und Zweck meiner Existenz entwickeln hilft (Alma 32:29-30,33). Ist es ein Wort, dass mich nicht zu positiver Entwicklung antreibt, kann ich davon ausgehen, dass es sich um ein `taubes Samenkorn´ handelt (Alma 32:32). Es kommt nicht aus dem Munde Gottes und wird mir nicht helfen, mich aus der Erde herauszuwagen. Welche Erlebnisse hattest du schon mit diesen zwei Arten von Samenkörnern?

Matthew 13, Jesus teaches in parables to His disciplesJesus erklärt seinen Jüngern das Gleichnis vom Senfkorn
(Markus 4:30-32; Bild: Quelle)

Ihr könnt zunächst nicht bis zur Vollkommenheit wissen, dass sie gewiss und wahr sind

Alma der Jüngere weiter zu den gedemütigten Zoramiten: „Nun, wie ich vom Glauben gesagt habe—dass er nicht eine vollkommene Kenntnis sei—so ist es auch mit meinen Worten. Ihr könnt zunächst nicht bis zur Vollkommenheit wissen, dass sie gewiss und wahr sind, ebensowenig wie der Glaube vollkommenes Wissen ist. 27 Aber siehe, wenn ihr eure Geisteskraft weckt und aufrüttelt, um mit meinen Worten auch nur einen Versuch zu machen, und zu einem kleinen Teil Glauben ausübt, ja, selbst wenn ihr nicht mehr könnt, als dass ihr den Wunsch habt zu glauben, dann lasst diesen Wunsch in euch wirken, ja, bis ihr auf eine Weise glaubt, so dass ihr einem Teil meiner Worte Raum geben könnt.“ (Alma 32:26-27).

Ihr könnt zunächst nicht bis zur Vollkommenheit wissen, dass sie gewiss und wahr sind. Zur Gewissheit von Wahrheit kommt man also nur Schritt für Schritt. Genauso wie ein kleines Kind nicht gleich auf zwei Beinen stehen und laufen kann, sondern sich durch Versuch und Erfolg bzw. Misserfolg an beides herantastet, müssen wir uns an Wahrheit herantasten, an „… Kenntnis von etwas, wie es ist und wie es war und wie es kommen wird …“ (Lehre und Bündnisse 93:24). Wahrheit wird uns in Form von Licht – Erkenntnis, Erleuchtung durch den Geist der Wahrheit (Lehre und Bündnisse 6:15) – durch Offenbarung vom Himmel zuteil. Durch die Macht des Heiligen Geistes wird sie uns bestätigt (Moroni 10:5).

Ich lerne, dass menschliche Erkenntnis beschränkt und immer nur eine begrenzte Zeit als wahr anzusehen ist, da sie durch neuere Erkenntnisse schnell überholt und teilweise widerlegt wird. So hat beispielsweise die Ernährungswissenschaft vor einiger Zeit die Erkenntnis verbreitet, dass Eieressen, wegen des schlechten Cholesterins, gesundheitsschädlich sei. Heute sagt sie hingegen, stimmt gar nicht, man könnte pro Woche vier Eier essen, ohne gesundheitlichen Schaden davonzutragen. Hingegen bleibt die Wahrheit, die uns vom Himmel vermittelt wird, immer und ewig wahr (Lehre und Bündnisse 1:39). Diese ewigen Wahrheiten fliegen einem nicht so zu, man muss seine `Geisteskraft wecken und aufrütteln´, sich schon selber eifrig durch Studium des Wortes Gottes und Glauben darum bemühen (Lehre und Bündnisse 109:7,14). Und so tastet man sich Schritt für Schritt an vollkommenes Wissen um die ewige Wahrheit heran. Wie gelangst du zu vollkommenem Wissen der Wahrheit?

An image of the Sacred Grove combined with a quote by President Dieter F. Uchtdorf: “We seek for truth wherever we might find it.”Wir suchen die Wahrheit, wo immer sie zu finden sein mag.“ – Dieter F. Uchtdorf von der Ersten Präsidentschaft
(Bild: Quelle)

Nun wünsche ich nicht, dass ihr meint, ich wolle über euch urteilen

Alma der Jüngere kommt nun auf die, anfangs von den gedemütigten Zoramiten, gestellte Frage zu sprechen: „Und nun, meine geliebten Brüder, da ihr von mir wissen wolltet, was ihr tun sollt, weil ihr bedrängt und ausgestoßen seid—nun wünsche ich nicht, dass ihr meint, ich wolle über euch urteilen, außer gemäß dem, was wahr ist—25  denn ich meine nicht, dass ihr, alle von euch, gezwungen worden seid, euch zu demütigen; denn ich glaube wahrhaftig, dass es einige unter euch gibt, die sich demütigen würden, in welchen Umständen sie sich auch immer befinden mögen.“ (Alma 32:24-25).

Nun wünsche ich nicht, dass ihr meint, ich wolle über euch urteilen. Von Ricarda Huch, deutsche Schriftstellerin (1864 – 1947), stammt folgendes Zitat: „In jedem Urteil drückt der naiv urteilende Mensch sich selbst aus.“ Natürlich haben wir viele Situationen, in denen entweder wir über andere, oder andere über uns zu urteilen haben, sich nach eingehender Prüfung, eine Meinung über etwas zu bilden. Wenn ich beauftragt wurde, eine vorgegebene Leistung zu erbringen, so hat der Auftraggeber am Ende auch das Recht, diese zu beurteilen, schließlich muss er dafür auch bezahlen. Nun kommt es darauf an, ob der Beurteilende fachlich und sachlich auch in der Lage ist, sich ein objektives Urteil zu bilden und dieses zu vermitteln. Wenn es um Menschen und nicht um Sachen geht, passiert allzu leicht das, was der italienischer Politiker, Diplomat, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter (1469 – 1527) Niccolò Machiavelli folgendermaßen formuliert hat: „Die Menschen beurteilen alle Dinge nach dem Erfolg. Jeder sieht, was du scheinst, und nur wenige fühlen, was du bist.“

Hier kommen wir wieder zu Almas Aussage zurück: „… nun wünsche ich nicht, dass ihr meint, ich wolle über euch urteilen, außer gemäß dem, was wahr ist …“ Sollte ich in einer Situation sein, in der ich jemanden zu beurteilen hätte, darf ich dabei nicht den `Schein´, sondern muss das ´Sein´ sehen. Über jemanden zu urteilen, steht sowieso nur dem zu, der dazu den Auftrag hat. In der Kirche ist dies der Bischof (Lehre und Bündnisse 107:72-73) und er stützt sich dabei auf die seiner Berufung innewohnende `Gabe der Unterscheidung´ (Lehre und Bündnisse 46:27). Zu ihr gehört, das wahre Wesen von Menschen zu erkennen. Sicherlich beurteilen auch wir, die wir diese Berufung nicht haben, laufend unsere Mitmenschen. Ich muss mir dabei aber immer vor Augen halten, dass ich das Bild aus einer anderen Perspektive sehe, und ob die richtig ist? Auf keinen Fall steht es mir zu zu verurteilen. Wie gehst du mit dieser Thematik des Urteilens um?

Urteile niemals über Menschen,(Bild: Quelle)

Kleinen Kindern werden oftmals Worte gegeben, die die Weisen und die Gelehrten beschämen

Alma der Jüngere belehrt die gedemütigten Zoramiten weiter: „Und nun teilt er sein Wort den Menschen durch Engel mit, ja, nicht nur den Männern, sondern auch den Frauen. Nun ist dies nicht alles; den kleinen Kindern werden oftmals Worte gegeben, die die Weisen und die Gelehrten beschämen.“ (Alma 32:23).

Kleinen Kindern werden oftmals Worte gegeben, die die Weisen und die Gelehrten beschämen. Normalerweise gehen wir davon aus, dass jene Menschen mit mehr Lebenserfahrung (Gesamtheit aller Erlebnisse) diese denen weiter vermitteln, die davon noch keine oder weniger besitzen. Von dem irischen Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor Oscar Wilde (1854 – 1900), stammt folgender Aphorismus: „Der einzige Unterschied zwischen einem Mann und einem Kind ist die Erfahrung.“ Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916), österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin klärt uns allerdings auch auf: „Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen.“

Ich lerne hieraus, dass ich allzu oft auch von den Kindern lernen kann. In vielen Aussagen der Heiligen Schrift lehrt uns der Herr dies. Im Joel 3:1-2 lesen wir: „… Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, … eure jungen Männer haben Visionen.“ Lukas gibt die Dankesworte Jesu an seinen Vater so wieder: „… Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“ (Lukas 10:21; mit den Unmündigen sind entsprechend der Joseph Smith Übersetzung der Bibel die kleinen Kinder gemeint: siehe hier). Als der Heiland nach seiner Auferstehung die Menschen auf dem amerikanischen Kontinent besuchte, lehrte er u. a. die Kinder der Menge und löste deren Zunge, sodass sie „… zu ihren Vätern Großes und Wunderbares, ja, sogar Größeres, als er dem Volk offenbart hatte …“ sprechen konnten (3. Nephi 26:14-16). Ich muss also demütig sein und mithilfe des Heiligen Geist erkennen, was ich von den `Kleinen´ zu lernen habe. Wie ergeht es dir in dieser Hinsicht?

A row of angels in a cloud of warm light gather around Christ and a throng of children who are standing among rubble in the Americas.Jesus segnet die nephitischen Kinder
(Bild: Quelle)

Darum ist es zuallererst sein Wunsch, dass ihr glaubt

Alma der Jüngere weiter zu der gedemütigten Gruppe von Zoramiten: „Und nun siehe, ich sage euch—und ich möchte, dass ihr daran denkt—dass Gott zu all denen barmherzig ist, die an seinen Namen glauben; darum ist es zuallererst sein Wunsch, dass ihr glaubt, ja, nämlich an sein Wort.“ (Alma 32:22).

Darum ist es zuallererst sein Wunsch, dass ihr glaubt. Der erste Wunsch des himmlischen Vaters an uns, seine Geistkinder (Psalm 82:6; Köstliche Perle Mose 3:5,7), ist der, dass wir an ihn glauben. Warum? Weil es sein Ziel ist, „… die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (Mose 1:39). Dies ist nicht möglich, wenn wir nicht „… umkehren und an den Namen Jesu Christi glauben und den Vater in seinem Namen anbeten und im Glauben an seinen Namen bis ans Ende ausharren …“ (Lehre und Bündnisse 20:29).

Inwiefern kommt da noch die Barmherzigkeit (der Geist des Mitleids, des Mitgefühls und der Vergebung), eine der Eigenschaften Gottes, mit ins Boot? Weil wir Menschen nicht aufgrund unserer eigenen Werke gerecht werden können (Titus 3:4-5), denn nur die Barmherzigkeit Gottes kann die Gerechtigkeit, die uns aufgrund unserer Taten trifft, befriedigen (Alma 34:16). Also lerne ich, dass, wenn ich in die Gegenwart Gottes errettet werden möchte, ich an Gott glauben, von meinem Fehlverhalten umkehren und im Glauben an ihn, bis ans Ende meiner Erdentage aushalten muss (Lehre und Bündnisse 54:6).

An image of a sunset and silhouettes of people, with a quote by Elder M. Russell Ballard: “He’s asking us to fortify our faith.”Der Herr bittet uns nicht, einen Handkarren zu beladen; er bittet uns, unseren Glauben zu festigen.“ –  M. Russell Ballard
(Bild: Quelle)

Glaube heißt nicht, dass man eine vollkommene Kenntnis von etwas hat

Alma der Jüngere gibt den gedemütigten Zoramiten eine Definition des Begriffs `Glauben´: „… Und wie ich nun vom Glauben gesagt habe—Glaube heißt nicht, dass man eine vollkommene Kenntnis von etwas hat; wenn ihr darum Glauben habt, so hofft ihr auf etwas, was man nicht sieht, was aber wahr ist.“ (Alma 32:21).

Glaube heißt nicht, dass man eine vollkommene Kenntnis von etwas hat. Du kennst sicherlich den Aphorismus von Wilhelm Weitling aus seinem Werk „Das Evangelium des armen Sünders“: „Glauben heißt nicht wissen.“ Glaube unterscheidet sich von Wissen darin, dass es bei ihm um ein Fürwahrhalten ohne methodische, einer durchdachten Methode folgende, Begründung handelt, während Wissen als wahre und gerechtfertigte Tatsache verstanden wird, die nachweisbar ist. Soweit der Versuch einer Klärung der beiden Begriffe aus weltlicher Sicht.

Aus religiöser Sicht klingt es etwas anders. Hier geht es beim Glauben um Vertrauen in etwas, z. B. das Evangelium, oder in jemanden, z. B. Jesus Christus. Beim Glauben spielt die Hoffnung noch eine wesentliche Rolle, nämlich die vertrauensvolle Erwartung und Sehnsucht nach den verheißenen Segnungen der Rechtschaffenheit (Hebräer 11:1; Hinter diesem Vers steht in der Einheitsübersetzung noch folgende Erläuterung: „Der Glaube aber ist die Grundlage dessen, was man erhofft, und die Gewissheit über Dinge, die man nicht sieht.“). Stellt sich die Frage, wie entwickle ich Hoffnung. Paulus gibt mir eine Antwort: „… durch Geduld und durch den Trost der Schrift …“ (Römer 15:4). Um das Ziel zu erreichen, das sich Christus für uns wünscht, Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erlangen (Köstliche Perle Mose 1:39), muss ich „… mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen …“ (2. Nephi 31:20). Ich habe Hoffnung, dass ich Unsterblichkeit und ewiges Leben erlangen kann, wenn ich den Weg beschreite, den der Herr vorgezeichnet hat: Glaube, Umkehr, Taufe und Ausharren bis ans Ende. Worauf richtet sich deine Hoffnung?

An image of a lighthouse combined with a quote by Elder Richard G. Scott: “Repentance … is the hope-filled path to a more glorious future.”Denken Sie daran, Umkehr ist keine Strafe. Sie ist der von Hoffnung erfüllte Weg zu einer herrlicheren Zukunft.“ –
(Bild: Quelle)