Dass ich die Stärke habe, mit Geduld diese Bedrängnisse zu ertragen

Alma der Jüngere fleht den Herrn im Gebet weiter an: „O Herr, mein Herz ist überaus bekümmert; wollest du meine Seele in Christus trösten. O Herr, mögest du mir gewähren, dass ich die Stärke habe, mit Geduld diese Bedrängnisse zu ertragen, die wegen des Übeltuns dieses Volkes über mich kommen werden.“ (Alma 31:31)

Dass ich die Stärke habe, mit Geduld diese Bedrängnisse zu ertragen. Alma der Jüngere litt sehr unter dem Verhalten der Zoramiten. Er bat den Herrn darum, dieses Leiden mit Gelassenheit und Standhaftigkeit zu ertragen, um die Fähigkeit bzw. Bereitschaft, ruhig und beherrscht abzuwarten, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, eben um Geduld.

Geduld ist eine christliche Tugend. Sie wird schon seit dem 16. Jahrhundert mit einem gespannten Bogen verglichen. Das Reißen des Geduldsfadens wird also mit dem Reißen der Bogensehne gleichgesetzt. Daher stammt die Redensart: „Jemandem reißt der Geduldsfaden“. Lyman Abbott, (1835-1922; US-amerikanischer Religionsphilosoph, Theologe, Herausgeber, Schriftsteller) soll gesagt haben: „Geduld ist gezähmte Leidenschaft.“ Denk nur an kleine Kinder, wenn sie ungeduldig auf den Moment warten, wo sie ihr Geschenk endlich öffnen dürfen. Einem Erwachsenen ergeht es meist ebenso. Denk nur daran, wenn du etwas bestellt hast, das du dir schon lange gewünscht hast. Du kannst es wahrscheinlich auch kaum erwarten, bis es endlich geliefert ist. Und wie groß die Freude, wenn es schneller geliefert wird, als vorhergesagt. Der Apostel Paulus mahnt diejenigen, die in der Kirche des Herrn eine Berufung erhalten haben: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.“ (Epheser 4:2). In neuzeitlicher Offenbarung werde ich aufgefordert: „… fahrt fort in Geduld, bis ihr vollkommen geworden seid.“ (Lehre und Bündnisse 67:13). Geduld ist etwas, was man lernen kann. Hoffnung darauf, dass sie sich für uns auszahlt, hilft uns dabei. Geduld zahlt sich in vielfältiger Weise aus: besseres Konzentrationsvermögen, mehr Gelassenheit, geringeres Konfliktpotenzial, Problemlösung fällt leichter, in Ruhe Vor- und Nachteile abwägen können, besseres Durchhaltevermögen. Ich bin sehr dankbar für die Fortschritte, die ich in Sachen Geduld im Laufe meiner Entwicklung machen durfte. Inzwischen bin ich wesentlich geduldiger als in jungen Jahren. Wie ergeht es dir in Sachen Geduld?

An image of pink blossoms coupled with a quote by Elder Robert D. Hales: “Too often we pray to have patience, but we want it right now!”Viel zu oft bitten wir um Geduld, aber bitteschön sofort!“ Elder Robert D. Hales
(Bild: Quelle)

O Herr, wollest du mir Kraft geben, dass ich meine Schwächen ertragen kann

Alma der Jüngere betet weiter zu Gott wegen der frustrierenden Erlebnisse bei den Zoramiten: „O Herr, Gott, wie lange willst du zulassen, dass solche Schlechtigkeit und Untreue unter diesem Volk sei? O Herr, wollest du mir Kraft geben, dass ich meine Schwächen ertragen kann. Denn ich bin schwach, und solche Schlechtigkeit unter diesem Volk peinigt meine Seele.“ (Alma 31:30).

O Herr, wollest du mir Kraft geben, dass ich meine Schwächen ertragen kann. Ist dir in einem Vorstellungsgespräch schon mal die Frage nach deinen Stärken und Schwächen gestellt worden? Hattest du dir vorher überlegt, wie du darauf reagieren solltest? „Forscher des University College London fanden heraus: Wer sich im Bewerbungsgespräch selbstkritisch und authentisch zeigt (und seine Schwächen zugibt), steigert seine Chancen auf den Job um das Fünffache. Drei Studien mit insgesamt rund 2000 Probanden waren dem Ergebnis vorausgegangen. Dabei zeigte sich: Wer sich perfekt präsentierte, schnitt weniger gut ab als jene, die einen ungeschminkten Eindruck von sich selbst vermittelten.“ (Quelle).

Dem Herrn gegenüber brauchen wir uns nicht zu verstellen, er kennt unsere Mängel an Fähigkeiten, Kraft oder Fertigkeiten, also unsere Schwächen, besser wie wir selber (Lehre und Bündnisse 62:1). Wenn wir meinen, dass wir alles aus eigener Kraft heraus tun können, dann überschätzen wir uns maßlos. Jeder Mensch hat seine Schwächen und der Herr zeigt sie uns, damit wir erkennen durch wessen Gnade wir in die Lage versetzt werden etwas zu erreichen (Jakob 4:6-7; Ether 12:27-28). Erst, wenn ich meine Schwäche erkannt habe, wird der Herr mir helfen, sie in eine Stärke zu verwandeln (Ether 12:37). Ich lerne daraus, dass ich mich mit meinen Schwächen erkennen muss, um dann mithilfe des Herrn diese in Stärken zu wandeln. Sehe ich z. B. eine Schwäche darin, dass meine Antworten durch viel zu viele Worte weitschweifig und dadurch unverständlich werden, könnte meine Stärke werden: „In der Kürze liegt die Würze“ (dieses Sprichwort stammt ursprünglich aus Shakespeares Hamlet, von 1603), denn kurze und knappe Wortbeiträge sind eingängiger und deshalb auch besser verständlich. Welche Schwächen hast du schon erkannt und mit der Hilfe des Herrn in Stärken umwandeln können?

(Bild: Quelle)

Sie rufen dich an mit ihrem Mund, während sie aufgrund der Nichtigkeiten der Welt aufgeblasen sind

Alma der Jüngere rief ob der Schlechtigkeit der Zoramiten den Herrn an, wie lange er zulassen würde, dass sie diese sehen müssten (Alma 31:26) und betete weiter: „Siehe, o Gott, sie rufen zu dir, und doch hat ihr Stolz ihnen das Herz verschlungen. Siehe, o Gott, sie rufen dich an mit ihrem Mund, während sie aufgrund der Nichtigkeiten der Welt aufgeblasen sind, ja, zu großer Größe.“ (Alma 31:27).

Sie rufen dich an mit ihrem Mund, während sie aufgrund der Nichtigkeiten der Welt aufgeblasen sind. Kennst du die Fabel „Von dem Frosch und dem Ochsen“ von Heinrich Steinhöwel? Sie geht so: „Ein Frosch sah einen Ochsen auf der Weide gehen und gedachte bei sich selbst: „Wenn du deine runzlichte Haut aufblähst, so möchtest du wohl auch so groß werden wie dieser Ochse.“ Da fing er an, sich zu blähen, so stark er nur konnte, und fragte seine Jungen: „Was dünket euch? Bin ich bald so groß wie jener Ochse?“ Sie antworteten: „Nein.“ Da blähte er sich noch mehr auf und sprach zu ihnen: „Wie nun?“ Sie antworteten wie zuvor. Nun begann er, sich zum drittenmal zu blähen; da zerplatzte er und starb.“ Die Moral von der Geschicht:“Übertreiben lohnt sich nicht!“ Offensichtlich übertrieben es die Zoramiten, wie wir im nächsten Vers lesen (Alma 31:28). Ja und sie behaupteten auch, dass ihnen kundgetan wurde, „… dass es keinen Christus geben werde.“ (Alma 31:29).

Wenn ich aufrichtig den Herrn anbete, kann es nicht sein, dass ich aufgrund der Nichtigkeiten der Welt aufgeblasen bin. Mit Inbrunst zu meinem Schöpfer beten, bedeutet für mich, demütig zu ihm zu kommen und nicht aufgeblasen und stolz. Das passt einfach nicht zusammen. Wenn ich aufgeblasen und stolz bin, dann anerkenne ich nicht im Geringsten meine Abhängigkeit von meinem Schöpfer, sondern vertraue auf den Arm des Fleisches, wozu mir nicht geraten wird (2. Nephi 4:34). Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, mein Vertrauen in den Herrn zu setzen. Vielleicht waren es auch vierzig Jahre, wie bei dem Volk Israel (Deuteronomium 8:2), aber ich habe es gelernt. Das wiederum versetzt mich in die Lage, noch mehr zu lernen (Lehre und Bündnisse 136:33). Was hältst du von Aufgeblasenheit?

Der Frosch und der Ochse; Zeichnung
(Bild: Quelle)

Dass sie ihr Herz auf Gold und auf Silber und auf allerart feine Güter gesetzt hatten

Als Alma der Jüngere die Handlungsweise der Zoramiten in ihren Synagogen sah und das Handeln nach ihrer wöchentlichen Anbetung, war er sehr bekümmert: „… denn er sah, dass sie ein schlechtes und ein verderbtes Volk waren; ja, er sah, dass sie ihr Herz auf Gold und auf Silber und auf allerart feine Güter gesetzt hatten.“ (Alma 31:24).

Dass sie ihr Herz auf Gold und auf Silber und auf allerart feine Güter gesetzt hatten. Dabei fällt mir doch gleich die Aufforderung Jesu an seine Jünger ein, sich einen Schatz zu verschaffen, dessen Wert nicht abnimmt. Das nenne ich doch mal eine Sache, in dieser Niedrigzinszeit Werte anzuschaffen, die beständig sind. Na ja, ganz so ist es ja auch nicht gemeint, denn es ist von Werten droben im Himmel die Rede. Sorge ich mich übermäßig um vergängliche, irdische, weltliche Schätze, dann hängt mein Herz an diesen, „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Lukas 12:34).

Wiedereinmal sind wir Menschen doch überwiegend recht kurzsichtig. Wir begrenzen unser Sinnen und Trachten auf unser nahes Umfeld. Das ist uns wichtiger, als das, was uns für die ach so weit entfernte Zukunft versprochen wird. Und ist diese überhaupt realistisch? Na ja, Glauben spielt da wieder die wichtige Rolle, Glauben an Gott und seine Versprechungen, die er uns macht. Unser uns liebender Vater im Himmel rät uns, nicht nach weltlichen Reichtümern zu trachten, ausgenommen, wir wollten damit Gutes tun. Seinen Nachfolgern rät er, das Trachten nach weltlichen Reichtümern dem Trachten nach dem Reich Gottes unterzuordnen (Jakob 2:18-19). Ich habe mir das Fernziel gesteckt, in das Reich Gottes kommen zu können. Da wird mir bewusst, dass mir dabei, das ausgeprägte Streben nach weltlichem Reichtum `ein Klotz am Bein´ ist, es mir schwer bis unmöglich macht, mein Ziel zu erreichen. Der Herr sagte im Zusammenhang mit der Frage eines der führenden Männer, was er denn tun solle, um ewiges Leben zu erlangen, dass er alles verkaufen sollte, um es den Armen zu spenden. Dann würde er einen bleibenden Schatz im Himmel haben. Da wurde der Mann traurig und Jesus sagte: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“ (Lukas 18:18-30). Wie hältst du es mit dem Streben nach Reichtum?

Klotz am Bein: Wer privat Schulden hat, wird sie lange nicht los(Bild: Quelle)

Kehrten sie in ihre Häuser zurück und sprachen nicht mehr von ihrem Gott

Das eigenartige Verhalten der Zoramiten: „Nachdem nun das gesamte Volk auf diese Weise Dank dargebracht hatte, kehrten sie in ihre Häuser zurück und sprachen nicht mehr von ihrem Gott, bis sie sich wieder an dem heiligen Stand versammelten, um auf ihre Weise Dank darzubringen.“ (Alma 31:23).

Kehrten sie in ihre Häuser zurück und sprachen nicht mehr von ihrem Gott. Da frage ich mich, welche Sinnhaftigkeit hat ein solches Verhalten? Einmal wöchentlich in die Synagoge gehen, um als Einzelperson ein vorgefertigtes Gebet auf einem erhöhten Stand zu sprechen, dann eine Woche Privatleben ohne den Gott, den man an dem einen Tag anbetet. Das ist m. E. nach keine Religion – Religio aus dem Lateinischen bedeutet so viel wie `gewissenhafte Berücksichtigung‘, `Sorgfalt‘. Das bedeutet für mich, dass ich die Lehre von dem an das ich glaube, gewissenhaft berücksichtige und mit Sorgfalt in mein Handeln einfließen lasse.

Wenn ich schon die Zeit investiere und sonntags in die Kirche gehe und dort über mein Verhalten gegenüber Gott, Mitmenschen und die Natur Belehrungen empfange, sollte dabei auch etwas Positives für mich herauskommen. Zumindest ein Vergleich meines seitherigen Verhaltens mit dem, was ich tun müsste, um ein geplantes Ziel zu erreichen. In meiner Religion gibt es das Ziel, Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erreichen (Köstliche Perle, Mose 1:39). Und ewiges Leben bedeutet, Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu erkennen (Johannes 17:3). Dafür muss ich etwas tun. Ich muss mich mit Gott, seinem Sohn und ihrer Lehre beschäftigen und sie in meinem täglichen Leben mehr und mehr anwenden. Es kommt also auf meinen Glauben an und mit dem Glauben einhergehen muss das richtige Anwenden der Lehre (Jakobus 1:25). Ich gehe also in die Kirche, dessen Haupt Christus ist (Epheser 5:23), um zu lernen, was ich tun muss, um ewiges Leben erlangen zu können. Daraus erwachsen dann Bündnisse, die ich mit dem Herrn schließe, die ich aber auch im Gottesdienst beim Abendmahl immer wieder erneuern darf, weil ich sie hier und da nicht ganz einhalte – ich will mich nicht erdreisten, so anmaßend zu sein, wie die Zoramiten (Alma 31:25). Welchen Sinn siehst du in den wöchentlichen Zusammenkünften in der Kirche/Synagoge?

An image of people on a beach, paired with a quote by Elder Robert D. Hales: “How we live our religion is far more important than what we may say about our religion.”Wie wir unsere Religion leben, ist weitaus wichtiger als das, was wir über unsere Religion sagen mögen. – Elder Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel
(Bild: Quelle)

Du hast uns auserwählt, dass wir errettet werden

Das Gebet auf dem erhöhten Stand der Zoramiten in ihrer Synagoge, dem Rameumptom – was übersetzt „der heilige Stand“ heißt (Alma 31:21), endet folgendermaßen: „Sondern du bist derselbe gestern, heute und immerdar; und du hast uns auserwählt, dass wir errettet werden, während alle rings um uns auserwählt sind, durch deinen Grimm in die Hölle hinabgeworfen zu werden; und für diese Heiligkeit, o Gott, danken wir dir; und wir danken dir auch, dass du uns auserwählt hast, nicht nach den törichten Überlieferungen unserer Brüder verführt zu werden, die sie in einen Glauben an Christus niederbinden, der ihr Herz dazu verführt, sich weit von dir, unserem Gott, zu entfernen. 18 Und abermals danken wir dir, o Gott, dass wir ein erwähltes und ein heiliges Volk sind. Amen.“ (Alma 31 :17-18).

Du hast uns auserwählt, dass wir errettet werden. Hier höre ich Überheblichkeit, eine ungerechtfertigte Selbstüberschätzung oder und Stolz heraus. Kommt es nicht einer Anmaßung gleich, für sich selber festzustellen, dass der Herr nur sie auserwählt hätte, während alle um sie herum in die Hölle hinab geworfen würden? Sie maßen sich in dem Gebet an, die Aufgabe zu übernehmen, die dem alleinigen Richter zuseht, Jesus Christus. Arroganz, Dünkel, Einbildung, Hochmut, Hoffart, Selbstgefälligkeit, Snobismus, Überlegenheitsempfinden, das alles spricht aus ihrem Gebet, das sie nur einmal in der Woche sprechen und dann die restliche Zeit nicht wieder erwähnen oder dran denken. Da denke ich an die Redensart: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ (pommersches Sprichwort), bzw. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr.“

Ich maße mir nicht an, den Richterspruch des Herrn über mich vorwegzunehmen. Und erst recht nicht in der Form, dass ich mich über meine Mitmenschen erhebe und sogar davon ausgehe, dass sie in die Hölle hinabgeworfen werden, während ich auserwählt sei. Ich denke an das Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner, in dem einige „… von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, …“ Ein Pharisäer betete im Tempel: „… Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.“, während der Zöllner voller Demut betete: „… Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Ich bemühe mich so voller Demut und Innbrunst zu beten, wie der Zöllner. Der Herr sagte: „… Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lukas 18:9-14). Welche Gedanken bewegen dich zu dem Gebet der Zoramiten?

„Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin …“
(Lukas 18:9-14; Bild: Quelle)

Du hast uns auch kundgetan, dass es keinen Christus geben wird

Die vom wahren Glauben abgefallenen Zoramiten beten in ihrer Synagoge, auf ihrem erhöhten Stand, dem Rameumptom (Alma 31:21), weiter: „Heiliger Gott, wir glauben, dass du uns von unseren Brüdern getrennt hast; und wir glauben nicht an die Überlieferung unserer Brüder, die ihnen durch die kindische Einstellung ihrer Väter überliefert worden ist; sondern wir glauben, dass du uns erwählt hast, deine heiligen Kinder zu sein; und du hast uns auch kundgetan, dass es keinen Christus geben wird.“ (Alma 31:16).

Du hast uns auch kundgetan, dass es keinen Christus geben wird. Die Zoramiten waren der Auffassung, dass das Evangelium von Jesus Christus von Vätern überliefert wurde, die unentwickelt, unreif, töricht, naiv, unerfahren, eben von kindischem Gemüt waren, obwohl sie von sich selber auch von Kindern sprachen, allerdings von `heiligen Kindern´. In diesem, ihrer Meinung nach geheiligten Zustand, hätten sie von Gottvater erfahren, dass er keinen `gesalbten´ Sohn hätte. Christos kommt aus dem altgriechischen und bedeutet nach der schriftbasierten, buchstabengetreuen Übersetzung: der Gesalbte, oder nach aussprachebasierter Übersetzung: der Messias. Christus ist also der biblische Hoheitstitel für den `Eingeborenen Sohn Gottes´. Und diesen gibt es für die Zoramiten also nicht.

Wir erinnern uns, dass die Zoramiten aus den fünf Büchern Mose belehrt wurden (Alma 31:8), die auf den Messingplatten Labans enthalten waren (1. Nephi 5:11-12). Und in diesen Büchern war alles niedergeschrieben, von der Schöpfung der Erde bis hin zum Beginn der Regierung Zidkijas. In diesen Büchern ist viel die Rede von dem ` Einziggezeugten Sohn´ Gottes (beispielhaft: Köstliche Perle Mose 1:32). Es steht darin auch geschrieben, dass sein ` geliebter Sohn´ sich als der Erlöser der Menschheit anbot (Köstliche Perle Mose 4:1-2) und dass die „Errettung für alle Menschen, durch das Blut meines Einziggezeugten, der in der Mitte der Zeit kommen wird.“ (Köstliche Perle Mose 6:62) vollbracht werden würde. Du wirst sicherlich sagen: das finde ich so aber nicht im Alten Testament. Da hast du recht. Ich zitiere die durch Joseph Smith, im Auftrag von Gott, übersetze Version der Bibel: „Ein Auszug aus der Übersetzung der Bibel, wie sie dem Propheten Joseph Smith von Juni 1830 bis Februar 1831 offenbart wurde.“ (siehe hier). Nicht nur die Zoramiten hatten diese Erkenntnisse, sondern auch wir, und darüber hinaus noch mehr, und ich werde mich davor hüten, mich von Satan ebenso verführen zu lassen, wie die Zoramiten, zu behaupten, Gott hätte mir gesagt, dass es keinen Christus gibt. Wie ist deine Einstellung zu einer solchen Behauptung?

Der Rameumptom im Zentrum der Synagoge der Zoramiten
(Bild: Quelle)

Wir glauben, … dass du ein Geist warst und dass du ein Geist bist und dass du ein Geist sein wirst immerdar

Ein Teil des Gebetes der Zoramiten, das sie auf ihrem erhöhten Stand sprachen (Alma 31:13), lautete: „Heiliger, heiliger Gott, wir glauben, dass du Gott bist, und wir glauben, dass du heilig bist und dass du ein Geist warst und dass du ein Geist bist und dass du ein Geist sein wirst immerdar.“ (Alma 31:15).

Wir glauben, … dass du ein Geist warst und dass du ein Geist bist und dass du ein Geist sein wirst immerdar. Wir können erkennen, wie Satan den Menschen Wahrheiten, die sie vorher klar erkannt hatten, mit Teilwahrheiten versehen verdreht. Als die Zoramiten unter den Nephiten lebten, waren sie in den Evangeliumsgrundsätzen unterrichtet worden, kannten sie, und glaubten an sie. So verließen sie sich z. B. auf die Aussagen des Propheten (Alma 16:5). Von daher hatten sie auch eine genaue Erkenntnis über das Wesen der Gottheit – Gottvater, dem Sohn und dem Heiligen Geist (2. Nephi 31:21). Sie hatten somit auch Kenntnis von ihrer Wesenheit, denn sie hatten mit den Nephiten zusammen die Heiligen Schriften (1. Nephi 19:23). Demzufolge musste ihnen auch aus dem Bericht im Exodus, die folgende Begebenheit bekannt gewesen sein: „Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden.“ (Exodus 33:11).

Wer auch immer eifrig sucht, wird die Geheimnisse Gottes durch die Macht des Heiligen Geistes erkennen (1. Nephi 10:19). Dies war den Zoramiten bekannt, dies ist uns bekannt. In der Begebenheit der Steinigung des Stephanus, wird uns gezeigt, dass Gottvater und Gott-Sohn sichtbare Persönlichkeiten sind (Apostelgeschichte 7:55-56). Dem jungen Joseph Smith offenbarten sich der Vater und der Sohn als eigenständige Persönlichkeiten, als er die Frage beantwortet haben wollte, welcher Kirche er sich anschließen solle (JS-Lebensgeschichte 1:16-17). Auch berührte der Herr die Augen des Verständnisses von Sidney Rigdon, zusammen mit Joseph Smith, und sie sahen den Sohn zur Rechten des Vaters (Lehre und Bündnisse 76:19-20,23). Dass der Vater und der Sohn fühlbare Körper besitzen (Lukas 24:39) , der Heilige Geist aber eine Person aus Geist ist, lehrt uns Joseph Smith (Lehre und Bündnisse 130:22-23). Ich habe aufgrund der Heiligen Schriften und des Zeugnisses durch den Heiligen Geist, eine klare Vorstellung von den Personen in der Gottheit (Glaubensartikel 1). Willst du mehr erfahren, dann lies diesen Artikel von Elder Jeffrey R. Holland, vom Kollegium der Zwölf Apostel: „Kenntnis von der Gottheit“. Welche Vorstellung hast du von der Gottheit?

Die erste Vision, Gemälde von Walter Rane
(Bild: Quelle)

Sie beteten auf eine Weise an, die Alma und seine Brüder noch nie gesehen hatten

Alma und seine sieben Mitarbeiter machten sich auf den Weg, um die Zoramiten im Land Antionum zum wahren Glauben, den sie verlassen hatten, zurückzugewinnen (Alma 31:11). „Als sie nun in das Land gekommen waren, siehe, da sahen sie zu ihrer Verwunderung, dass die Zoramiten Synagogen gebaut hatten und dass sie sich an einem Tag der Woche versammelten, den sie den Tag des Herrn nannten; und sie beteten auf eine Weise an, die Alma und seine Brüder noch nie gesehen hatten;“ (Alma 31:12).

Sie beteten auf eine Weise an, die Alma und seine Brüder noch nie gesehen hatten. In den Synagogen, in denen sie sich einmal wöchentlich trafen, hatten die Zoramiten einen erhöhten `heiligen Stand´ (Alma 31:21) errichtet, auf dem eine Person nach der anderen jeweils dieselben Worte betete (Alma 31:13-18). Danach „… kehrten sie in ihre Häuser zurück und sprachen nicht mehr von ihrem Gott, bis sie sich wieder an dem heiligen Stand versammelten, …“ (Alma 31:23).

Wie wir anbeten sollen, hat der Heiland uns in seinem Mustergebet gelehrt. Wir sollen es nicht wie die Heuchler tun, die ihre Frommheit gerne öffentlich zur Schau stellen, sondern in unseren Heimen, und wir sollen dabei nicht viele unnütze Worte machen (Matthäus 6:5-7). Wir dürfen davon ausgehen, dass unser Vater sowieso weiß, was wir benötigen (Matthäus 6:8). Wir sollen den Vater ehrfurchtsvoll ansprechen, und uns darüber im Klaren sein, dass sein Wille das Richtige für uns ist. Wir bitten um unser tägliches Essen, um Vergebung unserer Verfehlungen und die Kraft auch unserem Nächsten zu vergeben, und um Kraft, den Versuchungen Satans zu widerstehen (Matthäus 6:9-13). In der Einheitsübersetzung lesen wir allerdings, dass `der Herr uns nicht in Versuchung führen möge´. Joseph Smith hat dies aufgrund Offenbarung insofern richtiggestellt, dass es eigentlich so lauten muss: „Und lass uns nicht in Versuchung geführt werden, sondern befreie uns vom Bösen.“ (Joseph-Smith-Übersetzung Matthäus 6:14), denn der Herr wird uns nie in Versuchung führen, dies macht nur Satan, wie es uns auch im Jakobus 1:13 bestätigt wird. Ich habe inzwischen die Gewohnheit entwickelt, zwei Hauptgebete, eines Morgens und eines Abends, zu sprechen. Des weiteren zu den Mahlzeiten und darüber hinaus immer, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt, sei es ein spontanes Dankeschön oder ggf. eine Bitte um Hilfe. Wie sehen deine Gebete aus?

A painting by Harold T. (Dale) Kilbourn of the four sons of Mosiah kneeling in robes and praying by the river.Die vier Söhne Mosias kniend im Gebet von Harold T. (Dale) Kilbourn
(Bild: Quelle)

Darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten

Die Zoramiten, die das Evangelium zwar kannten, sich aber davon abwandten (Alma 31:8), siedelten sich nun getrennt von den Nephiten in Antionum an (siehe Karte unten; Alma 31:2-3). Für die Nephiten stellte das ein großes Risiko dar, insofern, dass sie sich mit den verfeindeten Lamaniten verbünden könnten (Alma 31:4). „Und nun, da das Predigen des Wortes sehr dazu führte, dass das Volk das tat, was gerecht war—ja, es hatte eine mächtigere Wirkung auf den Sinn des Volkes gehabt als das Schwert oder sonst etwas, was ihnen zugestoßen war—darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten.“ (Alma 31:5).

Darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten. Alma wollte mit einigen Mitarbeitern nun unter den Zoramiten die Wahrheit wieder herstellen. So nahm er „… Ammon und Aaron und Omner mit …“ – alle drei Söhne König Mosias, die auch schon bei den Lamaniten im Süden des Landes erfolgreich auf Missionsreise waren – (Mosia 27:34Alma 25:17) aber auch Amulek – ein langjähriger Missionsmitarbeiter Alma des Jüngeren – (Alma 8:30) und Zeezrom – ein mit den Schlichen des Teufels vertrauter Gesetzeskundiger, der sich mit Alma und Amulek in der Stadt Ammoniha ein Streitgespräch lieferte, sich danach aber zur Wahrheit bekehrte – (Alma 10:30-3115:12) und zwei seiner Söhne, nämlich Schiblon und Korianton, „… um ihnen das Wort zu predigen.“ (Alma 31:6-7,11).

Diese vier Missionarspaare unternahmen nun den Versuch, die vom wahren Glauben abgefallenen Zoramiten, durch das Predigen des Wortes – durch entsprechende Botschaften ein besseres Verständnis für die Grundsätze oder die Lehren des Evangeliums vermitteln – wieder zurückzugewinnen. Auch heutzutage gibt es Menschen, die sich, nachdem sie einmal die Wahrheit erkannt und angenommen hatten, wieder von ihr abwenden. Glaubenstreue Mitglieder – Heimlehrer und Besuchslehrerinnen – und Missionare der Kirche nehmen sich ihrer jedoch von Zeit zu Zeit an, um ihnen, wenn möglich, behilflich zu sein, durch „… das Predigen des Wortes …“ wieder auf den schmalen und geraden Weg zurück zu helfen (Jakob 6:11). Über jeden Einzelnen, der ihre Einladung zurückzukommen annimmt, ist die Freude riesig, denn „… die Seelen haben großen Wert in den Augen Gottes;“ (Lehre und Bündnisse 18:10).

Mögliche geografische Lage der Städte zueinander
Die Zoramiten siedelten sich nach ihrer Trennung von den Nephiten in Antionum an
(Alma 31:3; Bild: Quelle)