Als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten

Nachdem die Lamaniten, erkannten, dass sie die Nephiten nicht vernichten konnten, kehrten sie in ihr Heimatland zurück (Alma 27:1). „Und es begab sich: Die Amalekiten waren wegen ihrer Verluste überaus zornig. Und als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten, fingen sie an, das Volk zum Zorn gegen ihre Brüder, das Volk Anti-Nephi-Lehi, aufzustacheln; darum fingen sie abermals an, sie zu vernichten.“ (Alma 27:2).

Als sie sahen, dass sie an den Nephiten nicht Rache nehmen konnten. Ein deutsches Sprichwort lautet: „Die Rache ist süß, aber man verdirbt sich leicht den Magen daran.“ und ein chinesisches Sprichwort: „Die wunderbarste Medizin kann Rachsucht nicht kurieren.“ Warum haben wir Menschen dieses Empfinden in uns, wenn wir meinen, dass uns unrecht geschehen ist, Rache zu üben? Wir sehnen uns offensichtlich danach, es demjenigen `heimzuzahlen´, nach unserem Empfinden Gerechtigkeit zu erwirken. Nach deutschem Strafrecht kann Rache als `niedriger Beweggrund´ gewertet werden, wenn sie ihrerseits auf niedrigen Beweggründen wie Heimtücke oder besondere Grausamkeit beruhen.

Aber steht es mir zu Rache zu üben, Vergeltung für Verletzung oder Beleidigung? Eindeutig nein! Paulus fordert die Heiligen in Rom auf, mit allen Menschen Frieden zu halten, nicht Böses mit Bösem zu vergelten und: „Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.“ (Römer 12:19), denn im Unterschied zu uns steht fest: „Seine Urteile sind wahr und gerecht.“ (Offenbarung 19:2; siehe auch Mormon 8:20). Unser Gerechtigkeitsempfinden ist wohl etwas anders gestrickt, als das des Herrn, aus diesem Grund habe ich mir abgewöhnt in irgendeiner Weise nach Rache zu trachten, denn das macht er viel besser und ich versündige mich nicht. Was unternimmst du, wenn dich das Gefühl packt, Rache zu üben?

(Bild: Quelle)

Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen

In der Reflexion Ammons bezüglich ihrer Missionsarbeit, sind dies nun die überlieferten Schlussworte: „Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen; ja, er zählt sein Volk, und sein herzliches Erbarmen ist über der ganzen Erde. Nun ist dies meine Freude und meine große Danksagung; ja, und ich will meinem Gott danken immerdar. Amen.“ (Alma 26:37).

Nun sehen wir also, meine Brüder, dass Gott eines jeden Volkes gedenkt, in welchem Land auch immer sie sein mögen. Auch von Petrus lesen wir eine ähnliche Aussage: Einem Juden war es nicht erlaubt mit einem Nichtjuden zu verkehren, oder sein Haus zu betreten. Doch Petrus wurde in Joppe in einer Vision eines Besseren belehrt. In einer Schale wurden ihm aus dem Himmel diverse unreine Tiere zum Essen dargeboten. Er wollte nicht zugreifen, aber es wurde ihm gesagt: „… Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!“ (Apostelgeschichte 10:15). Es ging um den Taufwunsch des Hauptmanns Kornelius, und seines Gefolges, die Heiden waren. Petrus hatte durch die Vision erkannt: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, 35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apostelgeschichte 10:34-35).

Wie wunderbar, dass der Herr kein Anseher der Person ist, wo es uns Menschen untereinander doch schwerfällt, kein Anseher der Person zu sein. Den Richtern in den Ortschaften hat Gott geboten: „… Du sollst kein Ansehen der Person kennen …“ (Deuteronomium 16:19). An die in der Zerstreuung lebenden zwölf Stämme richtet Jakobus folgende Anweisung: „Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person.“ (Jakobus 2:1) und gibt in den nächsten Versen ein Beispiel (Jakobus 2:2-4) und sagt uns dann noch, dass solch ein Verhalten eine Sünde sei (Jakobus 2:9). Wie leicht bin ich doch geneigt, Abstand von einem Menschen zu nehmen, der in die Sonntagsversammlungen kommt und nach Alkohol oder Zigaretten riecht, oder nicht nach meinem Geschmack gekleidet erscheint, oder anders aussieht als ich es gewohnt bin … Ich muss an mir arbeiten, ein solches Verhalten abzulegen, denn wir alle sind Gottes Kinder und ich rieche vielleicht nicht nach Zigaretten, aber habe u. U. ein geistiges Problem, das nicht von außen sichtbar ist, aber der Herr auf jeden Fall sieht. Soll er mich deshalb auch verabscheuen? Ich weiß, der Herr lädt alle ein „… zu ihm zu kommen und an seiner Güte teilzuhaben; und er weist niemanden ab, der zu ihm kommt, schwarz und weiß, geknechtet und frei, männlich und weiblich; und er gedenkt der Heiden; und alle sind vor Gott gleich, die Juden ebenso wie die Andern. (2. Nephi 26:33). Wie machst du dich frei vom Ansehen der Person?

Illustration: Jesus Christus hilft einem jungen Mann, der auf einem Baum hocktChristus hielt nach denen Ausschau, die abgelehnt und ausgestoßen waren – die anders zu sein schienen.
(Bild: Quelle)

Das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist

Am Schluss seiner Reflexion, ihres Missionswerkes unter den Lamaniten, hält Ammon fest: „Nun, wenn dies Prahlen ist, so will ich prahlen; denn dies ist mein Leben und mein Licht, meine Freude und meine Errettung und meine Erlösung von immerwährendem Weh. Ja, gesegnet ist der Name meines Gottes, der dieses Volkes gedacht hat, das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist; ja, ich sage, gesegnet sei der Name meines Gottes, der unser gedacht hat—Wanderer in einem fremden Land.“ (Alma 26:36).

Das ein Zweig vom Baum Israel ist und von seinem Stamm in einem fremden Land verlorengegangen ist. Um diese Aussage zu verstehen, müssen wir wissen, dass der Herr Israel mit einem Ölbaum (eine wichtige Ressource für die Landwirtschaft in den Ländern der Bibel) vergleicht (1. Nephi 10:12), der von einem Mann in seinem Weingarten (Symbol für ein Feld geistiger Arbeit) gepflegt wird (Jakob 5:3). Lehi, seine Familie und einige andere wurden um 600 v. Chr. vom Herrn aufgefordert Jerusalem zu verlassen und in ein verheißenes Land zu ziehen, da sie in ihrer Heimat sonst mit den anderen vernichtet werden würden (1. Nephi 1:4; Helaman 8:21). So sind sie als Zweig des Hauses Israel in einem anderen Teil des Weingartens des Herrn, in einem ihnen verheißenen Land auf der westlichen Erdhälfte, eingepflanzt worden und gediehen (1. Nephi 18:8,22-23,25), bis aufgrund Ungehorsams der älteren Brüder Nephis und deren Anhänger, Nephi vom Herrn angewiesen wurde, sich von dem Volk seiner Brüder zu trennen (2. Nephi 5:1-5). Die so entstanden Lamaniten lebten im Land Lehi-Nephi, während der Stamm, das Volk Nephi, in das nördlich gelegene Land floh und sich dort niederließ und ausbreitete. Durch das Missionswerk von Alma dem Jüngeren und den Söhnen Mosias, mit einigen weiteren Mitarbeitern, wurde ein Teil dieses abgebrochenen Zweiges im Land Lehi-Nephi, wieder in den Stamm eingepfropft und gedieh nun wieder wunderbar und brachte gute Frucht, gute Werke, hervor.

Betrachtet man die Ausbreitung des Menschen (Homo sapiens) über die gesamte Erde, nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis begann diese vor ca. 50.000 Jahren von Afrika aus (siehe hier), so ist gut zu erkennen, was mit dem Gleichnis von den edlen und wilden Ölbäumen (Sinnbild für Israel und die restlichen Völker), vom Propheten Zenos, wiedergegeben im fünften Kapitel des Buches Jakob, beschrieben wird. Über die gesamte Geschichte Israels wird das Volk, aufgrund seines Verhaltens Gott gegenüber, immer wieder in alle Welt zerstreut, aber auch wieder zusammengeführt werden. Von den anderen Völkern werden Gruppen durch Umkehr und Taufe eingebürgert. Der Herr hat auch in heutiger Zeit zum letzten Mal, wie von Zenos vorhergesagt (Jakob 6:2), Arbeiter in seinen Weinberg geschickt (Lehre und Bündnisse 43:28) um den Menschen Umkehr zuzurufen (Lehre und Bündnisse 43:20). Diese Arbeit soll dazu führen, dass Israel wieder ein geeintes Volk Gottes wird, inklusive der Völker, die durch Umkehr und Taufe aufgenommen, eingepfropft, worden sind (Lehre und Bündnisse 110:11). Welchen Beitrag leistest du in dieser letzten großen Anstrengung im Weingarten des Herrn, ein Volk Gottes, das Haus Israel, zu bilden?

(Bild: Quelle Infografik Die Welt)

Wir sind in ihre Häuser gegangen und haben sie belehrt

Ammon spricht mit seinen Missionarsmitarbeitern darüber, wie sie ihre Leiden geduldig ertragen haben und von Haus zu Haus gezogen sind und auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen waren (Alma 26:27), und fährt dann fort: „Und wir sind in ihre Häuser gegangen und haben sie belehrt, und wir haben sie auf ihren Straßen belehrt; ja, und wir haben sie auf ihren Hügeln belehrt; und wir sind auch in ihre Tempel und ihre Synagogen gegangen und haben sie belehrt; und man hat uns ausgestoßen und verspottet und angespien und uns auf die Wange geschlagen; und man hat uns mit Steinen beworfen und ergriffen und mit starken Stricken gebunden und ins Gefängnis geworfen; und durch die Macht und Weisheit Gottes sind wir wiederum befreit worden.“ (Alma 26:29).

Die Ausführungen Ammons im Vers oben, erinnern mich an das, was Missionare heute machen und an die Situation der Kirche in Russland. Seit dem 25-jährigen Bestehen der Kirche in Russland wuchs sie durch missionarische Bemühungen in sieben Missionen, auf mehr als 22.000 Mitglieder in 100 Gemeinden im ganzen Land an. Allerdings erließ die russische Regierung im Juli 2016 ein Gesetz zur Bekämpfung des Terrorismus, welches auch religiöse Aktivitäten im Land beschränkt (siehe auch hier). Missionarische Aktivitäten von Glaubensorganisationen sind seitdem nur noch kirchlichen Gebäuden gestattet. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hält sich an die Gesetze des Landes, belässt ihre berufenen DienerInnen dort, sie werden allerdings nicht mehr in der Öffentlichkeit missionieren, also auf Straßen und Plätzen oder von Tür zu Tür. Sie üben jetzt einen ehrenamtlichen Dienst aus (siehe hier).

Wir sind in ihre Häuser gegangen und haben sie belehrt. Wir können erkennen, dass nicht nur in alter Zeit die Verbreitung des Wortes Gottes mit größten Schwierigkeiten verbunden war. Doch ich bin mir ganz sicher, dass das Werk des Herrn nicht aufgehalten werden kann, trotz aller Versuche Luzifers, die Verbreitung zu unterbinden. Der Herr hat es geboten: Allen Menschen auf Erden soll sein Wort verkündet werden (Markus 16:15). In der Neuzeit hat er diesen Auftrag erneut bekräftigt: „… ihr müsst der Welt predigen, nämlich: Ihr müsst umkehren und euch taufen lassen, im Namen Jesu Christi; …“ (Lehre und Bündnisse 18:41-42; siehe auch 58:63-64). Einen ganz, ganz bescheidenen Teil hierzu versuche ich, durch meine Blogbeiträge beizutragen. Wir haben heutzutage die Möglichkeit über das Internet die ganze Welt zu erreichen, ohne langwierige und beschwerliche Reisen zu unternehmen, wie früher noch die Apostel zu Jesu Zeiten. Welche Aktivitäten unternimmst du, um das Wort Gottes verbreiten zu helfen?

Das Wort Gottes lernen, danach leben und anderen davon erzählen.
(Bild: Quelle)

Tragt eure Bedrängnisse mit Geduld, und ich werde euch Erfolg schenken

Aaron, der Sohn König Mosia des Jüngeren (Mosia 27:34), zu seinen nephitischen Missionsmitarbeitern (Mosia 28:1): „Als wir aber im Herzen niedergeschlagen waren und wir nahe daran waren zurückzukehren, siehe, da hat der Herr uns getröstet und gesagt: Geht hin unter eure Brüder, die Lamaniten, und tragt eure Bedrängnisse mit Geduld, und ich werde euch Erfolg schenken.“ (Alma 26:27).

In schwierigen Situationen bin ich leicht geneigt den Herrn zu bitten, diese schnellstmöglich zu einem guten Ende zu bringen. Insbesondere Schmerzen bin ich nicht gewohnt und liege dem Herrn schon bei kurzen kleinsten Anzeichen mit meinen Bitten in den Ohren. Ich sollte es aber besser wissen: Von dem römischen Epiker Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.) stammt der Aphorismus (geistreicher Sinnspruch): „Trage und dulde: dir wird dieser Schmerz dereinst noch nützen.“ Dann denke ich an all die vorbildlichen Beispiele aus den heiligen Schriften, Frauen und Männer, die durch unsagbares Leid geschickt wurden und daraus gestärkt hervorgingen. Paulus lehrt mich: „… Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; …“ (Römer 5:3-5).

Tragt eure Bedrängnisse mit Geduld, und ich werde euch Erfolg schenken. Ich muss noch stark daran arbeiten, die Fähigkeit Bedrängnisse, Beleidigungen oder Kränkungen ohne Klage oder Vergeltungswunsch zu bewältigen. Die Judenchristen feuert Paulus folgendermaßen an, und das soll auch mir als Ansporn dienen: „Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende, 12 damit ihr nicht träge werdet, sondern die nachahmt, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben. 13 Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst, da er bei keinem Größeren schwören konnte, 14 und sprach (1. Mose 22,17): »Wahrlich, ich will dich segnen und mehren.« 15 Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.“ (Hebräer 6:11-14; Lutherversion weil da der Begriff Geduld benutzt wird). Wie gehst du mit Bedrängnissen um?

An image of pink blossoms coupled with a quote by Elder Robert D. Hales: “Too often we pray to have patience, but we want it right now!”Viel zu oft bitten wir um Geduld, aber bitteschön sofort! – Hoffen auf den Herrn: „Dein Wille geschehe“ Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel
(Bild: Quelle)

Erinnert ihr euch, … dass sie uns ausgelacht haben?

Ammon spricht weiter zu seinen Missionsmitarbeitern: „Nun, meine Brüder, erinnert ihr euch, dass wir zu unseren Brüdern im Land Zarahemla gesagt haben, wir gingen in das Land Nephi hinauf, um unseren Brüdern, den Lamaniten, zu predigen, und dass sie uns ausgelacht haben?“ (Alam 26:23).

Bei den Überlegungen zu meinem Blogbeitrag bin ich auf eine Begebenheit aus dem Alten Testament gestoßen, die Familiengeschichte Judas (Genesis 38). Juda, der Sohn von Jakob und Lea (Genesis 29:31,35), hatte eine Schwiegertochter Tamar. Sie war zunächst mit dem ersten Sohn verheiratet, der aber verstarb und keine Kinder hinterließ. Dann war sie in Schwagerehe die Frau des zweiten Sohnes. Auch dieser verstarb, ohne Kinder zu hinterlassen. Juda sagte zu Tamar, sie solle auf den jüngsten Sohn warten und ihn dann heiraten. Inzwischen verstarb die Frau von Juda und er ging zur Schafschur, sah eine verschleierte Frau am Ortseingang sitzen, dachte es sei eine Dirne, hatte Verlangen nach ihr und schwängerte sie. Vorher hatten sie ausgemacht, dass sie für ihren Dienst ein Ziegenböckchen bekommen solle. Als Sicherheit sollte er seinen Siegelring als Pfand bei ihr lassen. Später schickte er seinen Freund mit dem Ziegenböckchen, um das Pfand auszulösen. Doch die angebliche Dirne konnte nicht gefunden werden. „Juda antwortete: Soll sie es behalten! Wenn man uns nur nicht auslacht! Ich habe ja dieses Böckchen geschickt, aber du hast sie nicht gefunden.“ (Genesis 38:23; Hervorhebung hinzugefügt).

Erinnert ihr euch, … dass sie uns ausgelacht haben? Lachst du mich an oder aus? Wirst du gerne ausgelacht? Das fühlt sich nicht gut an, wenn sich jemand über einen lustig macht, ihn verspottet, indem er über ihn lauthals lacht, oder? Insbesondere, wenn man überzeugt ist, einen guten Dienst anzutreten, wie Ammon mit seinen Brüdern. Dazu noch demotivierende Aussagen, wie: „… Meint ihr denn, ihr könnt die Lamaniten zur Erkenntnis der Wahrheit bringen? …“ (Alma 26:24). Ich lerne aus der Reaktion Ammons und seiner Brüder, dass sie sich von ihrem guten Vorhaben nicht abbringen ließen und mit ihrem Durchhaltevermögen eine unbeschreibliche Fülle an Segen, über sowohl die Lamaniten als auch über die Nephiten, brachten (Alma 26:31; 23:8-13). Dies soll mir ein Beispiel sein, bei einem guten Vorhaben, Auslachen tapfer zu ertragen, um in den Händen des Herrn ein Werkzeug zu sein, auf der anderen Seite aber mich auch davor zu hüten, andere, weswegen auch immer, auszulachen. Wie gehst du mit Spott und Häme um?

(Bild: Quelle)

Wer umkehrt … dem ist es gegeben, die Geheimnisse Gottes zu kennen

Ammon erklärt seinen Missionsmitarbeitern weiter: „Ja, wer umkehrt und Glauben ausübt und gute Werke hervorbringt und beständig ohne Unterlass betet—dem ist es gegeben, die Geheimnisse Gottes zu kennen; ja, dem wird es gegeben sein, Dinge zu offenbaren, die nie offenbart worden sind; ja, und dem wird es gegeben sein, Tausende Seelen zur Umkehr zu bringen, so wie es uns gegeben war, diese unsere Brüder zur Umkehr zu bringen.“ (Alma 26:22).

Alber Einstein sagte einmal: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“ (1953: Mein Weltbild, Seite 10, Europa Verlag). Wer ist nicht neugierig darauf, hinter die Kulissen zu schauen und Geheimnisse zu lüften. Ich erinnere mich an meine Kindheit: Im Rathaus von Berlin-Tempelhof gab es einen Paternoster. Als ich seine Bewegung im obersten Stockwerk betrachtete, kam ich ins Grübeln. Was passiert, wenn man drin stehen bleibt, wird man dann auf den Kopf gestellt? Irgendwann nahm ich dann mal allen Mut zusammen und blieb drin stehen. Wundersamerweise passierte nichts dergleichen und das Geheimnis war gelüftet.

Wer umkehrt … dem ist es gegeben, die Geheimnisse Gottes zu kennen. Was hat es mit den `Geheimnissen Gottes´ auf sich? Hierbei handelt es sich um „geistige Wahrheiten, die nur durch Offenbarung erkannt werden.“ Wie man an diese Geheimnisse kommt, verrät uns Ammon im oben zitierten Vers: Umkehr, Glauben, gute Werke, beständig ohne Unterlass beten. Auch, wenn ich diese Punkte alle erfülle, was sicherlich schwer genug ist, wird es dennoch so sein, dass Geheimnisse übrig bleiben, wie wir von Alma dem Jüngeren erfahren (Alma 37:11) und andere, die gehütet bleiben werden (Alma 40:3). Ich schaue mir in letzter Zeit diverse Dokumentationen über die Entstehung von Erde und Leben an. Alles äußerst interessant, und dennoch gibt es da viele Geheimnisse, die von der Wissenschaft noch nicht gelüftet wurden und deshalb ist das alles für einen Laien wie mich auch sehr verwirrend. Doch der Herr hat uns offenbart, dass wir am Tag, da er kommen wird, alles erfahren werden, was unsere Erde betrifft (Lehre und Bündnisse 101:32-33). Andere Geheimnisse, nämlich die geheimen `Werke der Finsternis´ will der Herr aber unbedingt kundgetan wissen (Alma 37:21). Ich lerne daraus, dass ich neugierig sein soll, aber mich zufriedengeben muss, wenn ich einiges nicht in Erfahrung bringen werde. Wie ergeht es dir bezüglich der `Geheimnisse Gottes´?

A massive young star cluster in the Carina spiral arm of the Milky Way.Mysterien der Schöpfung
(Bild: Quelle)

Gibt es einen natürlichen Menschen, der dies weiß?

Ammon fährt in seinen Ausführungen bezüglich Gerechtigkeit versus Barmherzigkeit, gegenüber seinen Mitarbeitern im Missionswerk fort: „Und nun siehe, meine Brüder, gibt es einen natürlichen Menschen, der dies weiß? Ich sage euch, es gibt niemanden, der dies weiß, als nur die Reumütigen.“ (Alma 26:21).
Gibt es einen natürlichen Menschen, der dies weiß? Was ist denn ein `natürlicher Mensch´ bitteschön? Im Brief des Apostels Paulus an die Kirche des Herrn in Korinth, wird uns erklärt, dass ein `natürlicher Mensch´ ein Mensch ist, der nichts annimmt, was vom Geist Gottes kommt; es sei für ihn Torheit (etwas, was er nicht nachvollziehen kann, solange er es nicht erlebt hat), die er nicht erkennen würde (1. Korinther 2:14; Lutherbibel 2017; die Einheitsübersetzung benutzt anstatt `natürlicher Mensch´, den Begriff: `irdisch gesinnter Mensch´). In seiner Rede an sein Volk erklärt König Benjamin, dass der `natürliche Mensch´ ein Feind Gottes ist, und zwar seit dem Fall Adams und dies so lange bleiben würde, solange „… er nicht den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachgibt …“ und das Sühnopfer des Herrn annimmt (Mosia 3:19).
Ich lerne also, dass Adam und Eva durch die Übertretung im Garten von Eden `natürliche Menschen´ wurden, weil sie dadurch in die Lage versetzt wurden, selber zu entscheiden, ob sie sich lieber irdischen Leidenschaften hingeben wollten, den Verführungen Satans zu folgen, oder eher den Eingebungen des Heiligen Geistes. Nachdem wir ihre Nachkommen sind, sind wir eben auch `natürliche Menschen´. Aber wir haben wie sie, glücklicherweise die Möglichkeit, uns dafür zu entscheiden, den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachzugeben, und durch die Annahme des Sühnopfers von Jesus Christus ein `Heiliger´ zu werden und Errettung zu erlangen (Lehre und Bündnisse 20:25). Um die Gegenwart Gottes aushalten zu können, ist es erforderlich, den `natürlichen Menschen´ abzulegen (Lehre und Bündnisse 67:12). Schritt für Schritt arbeite ich daran und danke dem Herrn, dass er mir diese Möglichkeit schenkt. Was verstehst du unter einem `natürlichen Menschen´?

A painting by Joseph Brickey of Adam and Eve walking together down a path bordered by green trees and bushes.Mit der Vertreibung aus dem Garten von Eden gab es den `natürlichen Menschen´
(Bild: Quelle)

Wir sind sogar mit Grimm hingegangen, mit mächtigen Drohungen, seine Kirche zu vernichten

Weiter führt der Missionar Ammon gegenüber seinen Mitarbeitern aus: „Wer hätte denn meinen dürfen, dass unser Gott so barmherzig sein würde, uns aus unserem furchtbaren, sündigen und verunreinigten Zustand zu reißen? 18  Siehe, wir sind sogar mit Grimm hingegangen, mit mächtigen Drohungen, seine Kirche zu vernichten. 19  O warum hat er uns dann nicht einer furchtbaren Vernichtung überantwortet, ja, warum hat er dann nicht das Schwert seiner Gerechtigkeit auf uns fallen lassen und uns zu ewiger Hoffnungslosigkeit verdammt? 20  O es ist beinah so, als enteile meine Seele bei dem Gedanken. Siehe, er hat nicht seine Gerechtigkeit an uns geübt, sondern hat uns in seiner großen Barmherzigkeit über jenen immerwährenden Abgrund des Todes und Elends hinweggeführt, ja, zur Errettung unserer Seele.“ (Alma 26:17-20).

Wir sind sogar mit Grimm hingegangen, mit mächtigen Drohungen, seine Kirche zu vernichten. Alma der Jüngere und seine Freunde, die Söhne König Mosia des Jüngeren, setzten in ihrer Jugend alles dran, die Kirche des Herrn zu vernichten (Mosia 27:8-10). Dennoch hat der Herr sie nicht vernichtet, hat Gnade statt Gerechtigkeit walten lassen. Warum hat er wohl so und nicht anders gehandelt? Weil er genau wusste, welches Potenzial in diesen jungen Männern steckt, dass sie nämlich ein äußerst brauchbares Werkzeug in seinen Händen werden würden. So hat er statt Vernichtung, einen Engel zu ihnen gesandt, der sie auf den rechten Weg zurückführen sollte (Mosia 27:11). Ungeachtet dessen, dass sie errettet wurden und eine Mission bei den Lamaniten erfüllten, mussten sie für ihre Verfehlungen leiden (Mosia 27:18-19; Alma 20:29-30).

Ich lerne daraus, dass der Herr jedes einzelne seiner Kinder genau kennt und weiß, wie es sich entwickeln kann und aufgrund dessen, individuell angepasste Mittel und Wege bereitet, mittels derer Einsicht seiner Missetaten geweckt und Möglichkeit der Umkehr eröffnet wird – der Herr also Gnade vor Recht ergehen lässt, Errettung, die größte Gabe Gottes, aufgrund des Sühnopfers Jesu, anstatt ewige Vernichtung (Lehre und Bündnisse 6:13). Um unsere Strafe kommen wir aber nicht herum. Wir werden angemessen leiden müssen für das was wir falsch gemacht haben, aber eben keine ewige Strafe, keine Vernichtung erleiden, wenn wir eine mächtige Herzenswandlung durchmachen (Mosia 5:2), sondern `nur´ im Körper gezüchtigt (Lehre und Bündnisse 95:1-2). Mir wurde nicht gleich ein Engel geschickt, der mit Donnerstimme zu mir sprach, aber dessen ungeachtet bin ich durch meine Lieben (Eltern, Verwandte, Kirchenführer) so angeleitet worden, dass ich erkannte, was falsch war und dass ich Umkehr zu üben hatte, um gereinigt vor den Herrn treten zu können (Abendmahl, aber auch zum Tage des Gerichtes; Helaman 3:35). Allerdings ging es auch bei mir nicht ohne Leiden für begangenes Unrecht ab. Wie sind deine Erlebnisse in dieser Hinsicht?

A conceptual photograph of a pair of very dirty hands washing with a white bar of soap, paired with the words “Repentance Is Strong Soap.”Umkehr ist wie starke Seife. Doch es fühlt sich so gut an, sauber zu sein
(Jesaja 1:18; Bild: Quelle)

Wer könnte zuviel von seiner … Langmut gegenüber den Menschenkindern [sprechen]?

Der nephitische Missionar Ammon, Sohn König Mosia des Jüngeren, führt gegenüber seinen Mitarbeitern im Missionswerk bezüglich der bekehrten Lamaniten im Land Lehi-Nephi weiter aus: „Darum lasst uns frohlocken, ja, wir wollen im Herrn frohlocken; ja, wir wollen uns freuen, denn unsere Freude ist voll; ja, wir wollen unseren Gott preisen immerdar. Siehe, wer könnte zuviel im Herrn frohlocken? Ja, wer könnte zuviel von seiner großen Macht sprechen und von seiner Barmherzigkeit und von seiner Langmut gegenüber den Menschenkindern? Siehe, ich sage euch, dass ich auch nicht den kleinsten Teil dessen sagen kann, was ich empfinde.“ (Alma 26:16).

Über das Frohlocken kannst du etwas in meinem früheren Blogbeitrag „Ich frohlocke in meinem Jesus“ nachlesen. Heute konzentriere ich mich bei diesem Vers auf die `Langmut gegenüber den Menschenkindern´. David lässt uns in seinem `Hilferuf eines Armen an Gott´ wissen, dass Langmut eine der Charaktereigenschaften Gottes ist (Psalm 86:15). In seinem Brief an die Gemeinden in Galatien schreibt Paulus, dass Langmut eine Frucht des Geistes sei – wobei der Heilige Geist gemeint ist (Galater 5:22). Was ist Langmut. Es ist eine altertümliche Bezeichnung für die Tugend Geduld, der Fähigkeit abwarten zu können, ausdauernd zu sein. So sehen wir bei den Lamaniten, dass sie sich seit Generationen dem Wort Gottes widersetzten und allerlei Schlechtes taten, der Herr aber immer seine Arme der Barmherzigkeit ausgebreitet hielt, um sie zu empfangen, wenn sie Umkehr üben würden, was ja nun aufgrund der Missionierung durch die nephitischen Missionare geschah.

Wer könnte zuviel von seiner … Langmut gegenüber den Menschenkindern [sprechen]? Auch mir geht es so, dass ich gar nicht zu viel von seiner Langmut mir gegenüber sprechen kann. Lange Zeit habe ich benötigt, verschiedene Übertretungen endgültig abzulegen. Immer und immer wieder habe ich Umkehr geübt, aber doch nicht so, dass in mir eine Herzenswandlung stattfand und ich keinen Wunsch mehr hatte zu übertreten. Dann, als der Leidensdruck für mich irgendwann zu groß wurde, und sich die Erkenntnis tief in mir entfaltete, wie sich der Herr fühlen musste, wenn ich den gleichen Fehler immer wieder beging, obwohl ich es besser wusste, begann die Herzenswandlung und ich hatte die Kraft, den Versuchungen Satans endgültig zu widerstehen (Mosia 5:2). Ich spürte voller Dankbarkeit im Herzen, wie langmütig der Herr mit ausgestreckten Armen auf mich wartete und der Friede des Herrn endlich in mir Platz ergriff. Ich lerne, dass Langmut oder Geduld nichts Passives, sondern etwas Aktives ist – der Herr erwartet uns mit ausgestreckten Armen und kommt auf uns zu, wenn wir uns ihm zuwenden, wie im Gleichnis mit dem verlorenen Sohn (Lukas 15:11-32). Ich erkenne aber auch, dass ich aufgefordert bin, mit der gleichen Langmut meinen Mitmenschen zu begegnen. Letztens hatte ich wieder ein solches Erlebnis an der Kasse. Ich ging an ein Band, an dem nur noch ein Mann stand. Als ich hinter ihm war, erlebte ich, wie er ganz gemächlich und äußerst konzentriert, ein Lied summend, seinen recht vollen Einkaufswagen auf das Kassenband entleerte. Ich schaute mich um und dachte, wäre ich doch bloß an die Nebenkasse gegangen, da wäre ich fertig gewesen, als er ganz bedächtig sein Geld abgezählt der Kassiererin übergab und dann gemächlich den Rest einpackte. Was hätte es gebracht, wenn ich mich aufgeregt hätte? Außer mir Beschwerden, gar nichts. Dieser Mann kommt scheinbar gemütlich und ohne Stress durchs Leben – was er dadurch manchen Beschäftigten an der Kasse antut … Ich lächelte in mich hinein und sagte mir: Er wird es nicht absichtlich machen, ich kenne seine Umstände nicht. Welche Erlebnisse in Sachen Langmut hast du schon gehabt?

An image of pink blossoms coupled with a quote by Elder Robert D. Hales: “Too often we pray to have patience, but we want it right now!”Viel zu oft bitten wir um Geduld, aber bitteschön sofort!
Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel
(Artikel lies hier; Bild: Quelle)