Melchisedek richtete in dem Land in seinen Tagen Frieden auf

Alma der Jüngere unterrichtet die Ammonihaiten über das Wirken des Hohepriesters Melchesedek unter seinem in die Irre gegangenen Volk (Alma 13:17): „aber Melchisedek, da er mächtigen Glauben ausgeübt und das Amt des Hohen Priestertums gemäß der heiligen Ordnung Gottes empfangen hatte, predigte seinem Volk Umkehr. Und siehe, sie kehrten um; und Melchisedek richtete in dem Land in seinen Tagen Frieden auf; darum wurde er der Fürst des Friedens genannt, denn er war der König von Salem; und er regierte unter seinem Vater.“ (Alma 13:18).

Melchisedek richtete in dem Land in seinen Tagen Frieden auf. Obwohl in der Einheitsübersetzung im Alten Testament nur an zwei Stellen erwähnt und im Neuen Testament an neun, wissen wir doch aus diesen dürftigen Angaben und aus weiteren Quellen, dass Melchisedek ein höchst geachteter Diener Gottes war. Im Brief des Paulus oder einer seiner Mitarbeiter an die Hebräer wird er als „Abbild des Sohnes Gottes“ (Hebräer 7:3) und in neuzeitlicher Offenbarung an Joseph Smith sogar, aufgrund seiner erfolgreichen Friedensbemühungen unter seinem Volk, als „der Fürst des Friedens …“ bezeichnet (JSÜ Genesis 14:33), wie auch Christus (Jesaja 9:5). Kein Wunder, war er doch ein „Mann des Glaubens, der Rechtschaffenheit wirkte“ und Gott schon als Kind fürchtete und Wundertaten vollbrachte (JSÜ Genesis 14:26).

So von Gott anerkannt, wurde er dann auch „… als Hoherpriester nach der Ordnung des Bundes ordiniert, den Gott mit Henoch gemacht hatte, …“ (JSÜ Genesis 14:27-28). Alma der Jüngere rundet das Bild über Melchisedek ab: „Nun gab es viele vor ihm und es gab auch viele nach ihm, aber keiner war größer; darum hat er besondere Erwähnung durch sie gefunden.“ (Alma 13:19). Sogar das Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes wurde nach ihm benannt (Lehre und Bündnisse 107:4). Ich lerne daraus, dass jemand, der nicht unbedingt in den Vordergrund gerückt wird, also populär ist, dennoch in den Augen Gottes Besonderes leisten kann. So gibt es unzählige Menschen, die nicht zu einem Neujahrsempfang des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue eingeladen werden, aber dennoch tagtäglich Großes in ihrem Bereich vollbringen. Man muss nicht im Rampenlicht stehen, die meisten Menschen dienen ihrem Nächsten erfolgreich ganz im Stillen (Matthäus 6:16-18). Bevorzugst du Popularität oder Dienst du im Stillen?

Bundespräsident Gauck ehrt ehrenamtlich engagierte Bürger
(Bild: Quelle)

Damit dadurch das Volk nach dem Sohn Gottes ausschauen würde

Nachdem Alma der Jüngere über die Verordnung gesprochen hat, mit der das Hohe Priestertum übertragen wurde (Alma 13:8), erklärt er den Grund für die Art des Vorgehens: „Nun wurden diese Verordnungen auf diese Weise gegeben, damit dadurch das Volk nach dem Sohn Gottes ausschauen würde, denn dies war ein Sinnbild seiner Ordnung, oder es war seine Ordnung; und dies, damit sie nach ihm ausschauten zur Vergebung ihrer Sünden, damit sie in die Ruhe des Herrn eingehen könnten.“ (Alma 13:16).

Eine Verordnung ist eine Norm – eine Regel – nach der man sich verhalten soll. Sie wird von einem hierzu autorisierten Organ erlassen. So `verordnet´ der Arzt z. B. ein Rezept, das besagt, welches Medikament der Patient bekommen und wie er es handhaben soll. Das Bundesverkehrsministerium z. B. erlässt eine „Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr (Fahrzeug-Zulassungsverordnung – FZV). Im Reich Gottes gibt es auch Verordnungen. Im Fall des Priestertums regelt sie, wie es zu übertragen und zu gebrauchen ist.

Damit dadurch das Volk nach dem Sohn Gottes ausschauen würde. Alle Verordnungen im Reich Gottes sind heilige Handlungen mit symbolischem Charakter. Bruce R. McConkie, verstorbenes Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, erklärte: „Jede göttliche Verordnung und Verrichtung, die von Gott gegeben wurde, jedes Opfer, Symbol und Gleichnis, alles, was Gott seinem Volk jemals gegeben hat – all dies wurde dazu verordnet und eingerichtet, dass es von seinem Sohn Zeugnis ablege und den Glauben gläubiger Menschen auf ihn ausrichte und die Erlösung, zu der er vorherordiniert war, zustande bringe.“ (The Promised Messiah: The First Coming of Christ, 1978, Seite 28). So ist z. B. die Taufe eine Verordnung, die die Grablegung des sündigen Menschen und die Auferstehung des gereinigten Menschen symbolisiert, und damit auf das Sühnopfer von Jesus Christus hinweist. Das Aufsehen zu der an einer Stange aufgehängten Kupferschlange rettete den Israeliten, der von einer Schlange gebissen wurde. Dies symbolisiert die Errettung der Menschen durch den Kreuzestod Jesu, wenn sie auf ihn blicken (Numeri 21:8-9; 1. Petrus 2:24). Wollen wir in die Gegenwart unserer himmlischen Eltern zurückkehren, „in die Ruhe des Herrn eingehen“, müssen wir alle für uns gültigen göttlichen Verordnungen befolgen (Lehre und Bündnisse 52:14-16). Welche göttlichen Verordnungen kennst du aus der Heiligen Schrift?

Die Siegelung, eine Tempelverordnung
(Bild: Quelle; lies dort auch den Artikel: „Unsere Bündnisse mit Gott begreifen“)

Selbst unser Vater Abraham zahlte als Zehnten den zehnten Teil all dessen, was er besaß

Alma der Jüngere erklärt weiter: „Und es war dieser selbe Melchisedek, dem Abraham den Zehnten zahlte; ja, selbst unser Vater Abraham zahlte als Zehnten den zehnten Teil all dessen, was er besaß.“ (Alma 13:15).

Woher wusste Alma, dass Abraham dem Hohen Priester Melchisedek den Zehnten zahlte, und was ist der Zehnte? Die Nephiten hatten ja aus Jerusalem die Messingplatten Labans mitgenommen. Auf ihnen sind die Prophezeiungen der heiligen Propheten, vom Schöpfungsbericht bis hin zur Regierung Zidkijas, dem letzten König von Juda (2. Könige 14:17-20), aufgezeichnet (1. Nephi 5:10-16). Und so kannten sie natürlich auch die Geschichte, wie Abraham zu Melchisedek kam und ihm, dem Hohepriester, der u. a. dazu berufen war „… den Zehnten für die Armen zu empfangen.“ (JSÜ Genesis 14:36-38), seinen Zehnten übergab (Um 2000 v. Chr.; Genesis 14:18-20). Der Zehnte Ist, wie wir aus dem Alten Testament her wissen, eine Abgabe an den Herrn, und zwar ein Zehntel des Ertrages, und dieser Teil ist dem Herrn etwas Heiliges (Levitikus 27:30). Früher wurde er in Naturalien entrichet, heutzutage in monetärer Form.

Auch heute gilt dieses Gesetz und ein jedes gläubige und treue Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entrichtet diesen monatlich oder jährlich an seinen Bischof (Lehre und Bündnisse 119:4). Über die Verwendung entscheidet der „Rat zur Verwendung der Zehntengelder“, der aus der Ersten Präsidentschaft, dem Kollegium der Zwölf Apostel und der Präsidierenden Bischofschaft besteht (Lehre und Bündnisse 120). Elder Dallin H. Oaks hat erklärt: „Die [Zehntengelder] werden verwendet, um Tempel und andere Gotteshäuser zu bauen und zu unterhalten, in aller Welt Missionsarbeit zu betreiben, die heiligen Schriften zu übersetzen und zu veröffentlichen, Hilfsmittel für die Erlösung der Toten zu beschaffen, religiöse Unterweisung zu finanzieren und andere Absichten der Kirche zu unterstützen, wie es die erwählten Diener des Herrn bestimmen.“ (Der Stern, Juli 1994, Seite 31.). Der Zehnte ist eine Glaubensprüfung mit Segnungen für die Ewigkeit (lies die Aussagen von Elder Robert D. Hales).

Selbst unser Vater Abraham zahlte als Zehnten den zehnten Teil all dessen, was er besaß. Ich folge gern der Aufforderung aus Maleachi 3:8-10 (um die 400 v. Chr.) und bin bemüht, den Herrn nicht zu betrügen und meinen vollen Zehnten in sein Kornhaus zu bringen. Wie gehst du mit diesem Gesetz um?

Treffen Abrahams und Melchisedeks, Ölgemälde von Dierick Bouts
(Bild: Quelle)

Dass ihr euch vor Gott demütigt und Frucht hervorbringt, die der Umkehr entspricht

Alma der Jüngere fährt fort über die Ordinierung zum Hohen Priestertum zu sprechen (Alma 12:7-12) und gibt dann seinen Zuhörern eine Aufforderung: „Und nun, meine Brüder, möchte ich, dass ihr euch vor Gott demütigt und Frucht hervorbringt, die der Umkehr entspricht, damit auch ihr in diese Ruhe eingehen könnt.“ (Alma 13:13)
Was nützen einem Belehrungen und daraus gezogene Erkenntnisse, wenn man diese nicht auch im täglichen Leben richtig anwendet. Nur ist es meistens so, dass wir Menschen träge sind und nicht unbedingt Änderungen in unserem Leben ganz freiwillig angehen. In der Physik ist die Massenträgheit die Eigenschaft der Körper, ihre Position oder Bewegung beizubehalten, solange keine äußere Kraft auf sie einwirkt. Aus diesem Grund ist es auch bei uns Menschen hilfreich, wenn wir durch Aufforderungen von außen ermuntert werden, etwas für unseren Fortschritt zu tun.
Dass ihr euch vor Gott demütigt und Frucht hervorbringt, die der Umkehr entspricht. In ganz ähnlicher Weise forderte auch Johannes der Täufer seine Zuhörerschaft auf: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, …“ (Matthäus 3:8). Was ist nun die Frucht der Umkehr? In einem Brief Mormons an seinen Sohn verabscheut dieser die Taufe von Kleinkindern, da sie noch keine Sünde begehen können (Moroni 8:8-9), aber für Menschen, die das Alter der Verantwortlichkeit für ihr Tun erreicht haben (Moroni 8:10), ist die erste Frucht der Umkehr die Taufe (Moroni 8:25). Weitere Früchte ergeben sich aus dem gelebten Glauben in Zusammenhang mit dem Halten der Gebote des Herrn, und zwar bis ans Lebensende (2. Nephi 31:20). Welche Früchte der Umkehr kommen dir in den Sinn? Eventuell möchtest du in der Ansprache von Russel M. Nelson spicken unter „Die Früchte der Umkehr“.

(Bild: Quelle)

Darum wurden sie nach dieser heiligen Ordnung berufen und wurden geheiligt

Über diejenigen, die zum Hohen Priestertum berufen und ordiniert wurden, sagt Alma der Jüngere: „darum wurden sie nach dieser heiligen Ordnung berufen und wurden geheiligt, und ihre Kleider wurden durch das Blut des Lammes weiß gewaschen. 12  Nun konnten sie, nachdem sie durch den Heiligen Geist geheiligt worden waren, weil sie ihre Kleider hatten weiß machen lassen und selbst vor Gott rein und makellos waren, nicht anders, als nur mit Abscheu auf Sünde blicken; und es gab viele, überaus sehr viele, die rein gemacht wurden und in die Ruhe des Herrn, ihres Gottes, eingingen.“ (Alma 13:11-12).

Darum wurden sie nach dieser heiligen Ordnung berufen und wurden geheiligt. Was ist darunter zu verstehen, dass sie geheiligt wurden? Nachdem wir hier auf dieser Erde oft gegenüber unserem himmlischen Vater ungehorsam sind, verunreinigen wir uns. Von dieser Unreinheit müssen wir wieder gereinigt werden, wollen wir in seine Gegenwart zurückkehren. Diese Reinigung erfolgt durch die „Neugeburt“, die Taufe im Wasser und die anschließende Taufe durch den Geist; und durch das Blut Christi werden wir schlussendlich geheiligt (Köstliche Perle Mose 6:59-60).

Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass auch wenn wir geheiligt wurden, wir in unserem weiteren irdischen Leben Versuchungen ausgesetzt bleiben, und wenn wir ihnen nachgeben, wir uns dadurch erneut immer wieder „entheiligen“. Deshalb sind wir alle aufgefordert immer zu wachen und zu beten, damit wir nicht in Versuchung fallen (Lehre und Bündnisse 20:33-34). Zu seinen Jüngern sagte er in Getsemani: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ (Matthäus 26:41). Was unternimmst du, um geheiligt zu bleiben oder wieder erneut zu werden?

Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
(Matthäus 26:41; Bild: Quelle)

So werden sie Hohepriester immerdar nach der Ordnung des Sohnes

Alma der Ältere spricht weiter über die Ordinierung von Hohepriestern: „so werden sie Hohepriester immerdar nach der Ordnung des Sohnes, des Einziggezeugten des Vaters, der ohne Anfang der Tage oder Ende der Jahre ist, der voller Gnade, Gerechtigkeit und Wahrheit ist. Und so ist es. Amen.“ (Alma 13:9).

So werden sie Hohepriester immerdar nach der Ordnung des Sohnes. Wie ist diese Aussage zu verstehen, sie werden Hohepriester sein immerdar? In neuzeitlicher Offenbarung an den Propheten Joseph Smith, erklärt der Herr ihm im September 1832, nachdem er ihm die Priestertumslinie von Mose bis Adam aufgezeigt hatte (Lehre und Bündnisse 84:6-16), dass dieses Priestertum „… ohne Anfang der Tage oder Ende der Jahre.“ ist (Lehre und Bündnisse 84:17). Über Melchisedek, einen solchen Hohepriester wird uns berichtet, dass er dieses Amt für immer bekleiden wird (Hebräer 7:3; 6:20; Alma 13:14). Präsident Joseph Fielding Smith sagte einmal zu Elder Harold B. Lee: „Wenn Sie einen Mann in dieser Kirche in ein Amt berufen und er stirbt am nächsten Tag, so hat dieses Amt einen Einfluss darauf, wozu er berufen werden wird, wenn er diese Erde verlässt.“ (siehe hier, allerdings in Englisch: „If you have called a man to a position in this church and he dies the next day, that position would have a bearing on what he will be called to do when he leaves this earth.“).

Aus all diesen Aussagen lerne ich: Dieses Priestertum bestand schon immer und wird ewig bestehen und diejenigen, die dazu ordiniert wurden, werden ebenso für immer darin dienen dürfen, wenn sie als rechtschaffene Menschen sterben. Demzufolge bemühe ich mich Schritt für Schritt, rechtschaffener zu werden.

König Benjamin ordiniert seinen Sohn Mosia um 121 v. Chr.
(Mosia 6:3; Bild: Quelle)

So dass auch sie in seine Ruhe eingehen können

Alma der Jüngere weiter in Bezug auf die Berufung zum Hohen Priestertum: „und so wurden sie zu dieser heiligen Berufung berufen und zum Hohen Priestertum der heiligen Ordnung Gottes ordiniert, um die Menschenkinder seine Gebote zu lehren, so dass auch sie in seine Ruhe eingehen können“ (Alma 13:6).

So dass auch sie in seine Ruhe eingehen können. Ruhe bedeutet im Alltag z. B. Abwesenheit von Lärm, von Hektik, von Arbeit, Entspannung von den anstrengenden Tätigkeiten des normalen Tagesablaufs. In der Nacht ruht man sich z. B. davon aus und sammelt wieder neue Kräfte. Ruhe bedeutet aber auch, sich des Friedens und der Abwesenheit von Sorgen und Aufruhr zu erfreuen. Dieser Art der Ruhe erfreue ich mich, wenn ich das Erlösungswerk von Jesus Christus kenne, den Plan der Erlösung (Alma 12:25), der durch sein Sühnopfer zustande gebracht wurde. Wenn ich sein Sühnopfer annehme, indem ich mich taufen lasse und die Bündnisse halte, werde ich trotz aller Unruhe in der Welt, in meinem Innersten Ruhe empfinden, da ich mir gewiss sein kann, dass Christus alles zum Guten wenden wird. Und wenn ich dann in diesem Tun auch noch bis ans Ende ausharre, werde ich „in seine Ruhe eingehen“, nämlich in die himmlische Ruhe, die der Herr all den rechtschaffenen versprochen hat (Alma 40:12). Was bedeutet es für dich, in die Ruhe des Herrn einzugehen?

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“
(Matthäus 11:28; Bild: Quelle)

Den Geist Gottes aufgrund der Härte ihres Herzens und Verblendung ihres Sinnes verwerfen

Als Alma der Jüngere über die Art der Erwählung göttlicher Diener in der Geisterwelt, unserem vorirdischen Dasein, für diese Erde sprach (Alma 13:3), erwähnt er auch unsere dortige Entscheidungsfreiheit: „Und so sind sie aufgrund ihres Glaubens zu dieser heiligen Berufung berufen, während andere den Geist Gottes aufgrund der Härte ihres Herzens und Verblendung ihres Sinnes verwerfen, während sie, wenn es nicht deswegen wäre, eine ebenso große Freiheit gehabt hätten wie ihre Brüder.“ (Alma 13:4).

Den Geist Gottes aufgrund der Härte ihres Herzens und Verblendung ihres Sinnes verwerfen. Wie konnte man den Geist Gottes verwerfen, wenn es in der Präexistenz keinen freien Willen gegeben hätte? Über das Dasein in der Präexistenz ist uns sehr wenig offenbart. Was uns aber offenbart ist, ist, dass alle Geistkinder Gottes schon im vorirdischen Dasein, in der Geisterwelt, unterwiesen wurden (Lehre und Bündnisse 138:56). Dann durften wir hier auf die Erde kommen, um unseren Glauben und Gehorsam gegenüber Gott zu beweisen und uns, aufgrund von Erfahrungen in einem sterblichen Körper, weiter zu entwickeln. Auch hat uns der Herr offenbart, dass es schon dort Wesen gab, die sich aufgrund Entscheidungsfreiheit gegen ihn auflehnten (Lehre und Bündnisse 29:36).

Es gab also auch dort schon Gegensätze, zwischen denen man sich entscheiden konnte (Abraham 3:26). Der Bruder von Jesus, Judas, berichtet uns in seinem Brief, dass es Engel gab, die „ihren hohen Rang missachtet und ihren Wohnsitz verlassen haben, …“ (Juda 1:6). Nachdem wir hier auf dieser Erde sind, gehören wir nicht zu jenem Drittel, das mit Luzifer verbannt worden ist, sondern zu denen, die aufgrund ihres dortigen erwiesenen Glaubens, Aufgaben übertragen bekommen haben, die nun hier auf Erden übernommen und erfüllt werden dürfen – allerdings auch wieder unter Berücksichtigung der Entscheidungsfreiheit. Hast du dich dafür entschieden, die Berufungen anzunehmen, zu denen du dort vorherordiniert wurdest (Epheser 1:3-4; Römer 8:28-30)?

(Bild: Quelle)

Dies ist die Weise, nach der sie ordiniert wurden

Nun erklärt Alma der Jüngere Zeezrom und den Ammonihaiten, auf welche Art und Weise der Herr jemanden zum Dienst in seinem Werk befähigt: „Und dies ist die Weise, nach der sie ordiniert wurden—sie waren von Grundlegung der Welt an gemäß dem Vorherwissen Gottes und aufgrund ihres außerordentlichen Glaubens und ihrer guten Werke berufen und vorbereitet; zuallererst war es ihnen überlassen, Gut oder Böse zu wählen; weil sie nun das Gute erwählt und überaus großen Glauben ausgeübt haben, sind sie durch eine heilige Berufung berufen, ja, durch jene heilige Berufung, die zusammen mit einer vorbereitenden Erlösung und gemäß derselben für so jemand bereitet worden ist.“ (Alma 13:3).

Zum besseren Verständnis müssen wir unterscheiden zwischen Erwählung, Berufung und Ordinierung:

Erwählung
Bevor der Herr jemandem eine Aufgabe anträgt, wählt er diesen aus einer vorhandenen Menge von Intelligenzen (Köstliche Perle Abraham 3:22) aus, und zwar aufgrund seiner Kenntnis jedes Einzelnen. Diese Erwählung fand schon im Vorherdasein statt (Epheser 1:4; Lehre und Bündnisse 138:55-56; Köstliche Perle Abraham 3:23; Jeremia 1:5).

Berufung
Nachdem diejenige Intelligenz erwählt wurde, wird sie nun auf Erden in ihrem Bewährungszustand, durch Offenbarung an den entsprechenden Schlüsselträger (Lehre und Bündnisse 112:30-32), in einem Berufungsgespräch berufen (Hebräer 5:1-4), wobei gefragt wird, ob sie diese annehmen oder ablehnen will, nämlich das Prinzip des freien Willens einhaltend (Köstliche Perle Mose 7:32).

Ordinierung
Nach der Zustimmung der so berufenen Person, wird sie der Kirche zur Abstimmung vorgelegt (Lehre und Bündnisse 20:65). Nach ihrer Bestätigung erfolgt dann die Übertragung, der zur Ausübung der Aufgabe erforderlichen Vollmacht, durch hierzu beauftragte Schlüsselträger, in einer Ordination (Mosia 18:18).

Dies ist die Weise, nach der sie ordiniert wurden. Und so erfolgen auch heute noch die Ordinierungen zu einem Dienst in der Kirche des Herrn, seinem eigenen Vorbild entsprechend (siehe Bild unten).

Christ Ordaining the Twelve Apostles, by Harry Anderson
(Bild: Quelle)

Dass der Herr, Gott, Priester ordiniert hat nach seiner heiligen Ordnung

Alma der Jüngere belehrt Zeezrom und die Ammonihaiten, seine Brüder im Evangelium, weiter: „Und weiter, meine Brüder, möchte ich euren Sinn vorwärtslenken auf die Zeit, da der Herr, Gott, seinen Kindern diese Gebote gegeben hat; und ich möchte, dass ihr daran denkt, dass der Herr, Gott, Priester ordiniert hat nach seiner heiligen Ordnung, die nach der Ordnung seines Sohnes ist, um dem Volk dies alles zu lehren.“ (Alma 13:1).

Dass der Herr, Gott, Priester ordiniert hat nach seiner heiligen Ordnung. Was ist unter dieser Formulierung „nach seiner heiligen Ordnung“ zu verstehen? In einer Offenbarung an den Propheten der Wiederherstellung, Joseph Smith, vom 28. März 1835, erklärt der Herr ihm, dass es zwei Priestertümer gibt: „… nämlich das Melchisedekische und das Aaronische, welches das Levitische Priestertum einschließt.“ (Lehre und Bündnisse 107:1). Bei dem Zweiten handelt es sich um ein `vorbereitendes Priestertum´, durch welches Menschen, mit der Vollmacht Gottes, in weltlichen Angelegenheiten gedient wird (Lehre und Bündnisse 107:14), und beim Ersten um das höhere, welches die „… Schlüssel aller geistigen Segnungen der Kirche“ umfasst (Lehre und Bündnisse 107:18), wodurch den Menschen die Macht des Göttlichen kundgetan wird (Lehre und Bündnisse 84:19-20).

Der Herr erklärt Joseph Smith weiter, dass dieses höhere Priestertum in früherer Zeit das „Heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes.“ genannt wurde (Lehre und Bündnisse 107:3). Aber vor Ehrfurcht und um den Namen Gottes nicht allzu häufig zu wiederholen, wurde es nach dem benannt, der es vorzeiten auch trug: Melchisedek (Lehre und Bündnisse 107:4). Sogar Christus selber wurde von seinem himmlischen Vater entsprechend „… angeredet als «Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks».“ (Hebräer 5:8-10). Diese beiden Priestertümer sind heute auch wieder auf Erden, um den Menschen mit göttlicher Vollmacht zu dienen, um ihnen aufzuzeigen, in welcher „… Weise sie nach seinem Sohn ausschauen sollten wegen der Erlösung“ (Alma 13:2). Wie hältst du Ausschau nach dem Sohn Gottes?

Melchizedek Blesses Abram, by Walter Rane
(Hebräer 7:1; Bild: Quelle)