Darum gab es bis zum fünften Jahr der Regierung der Richter unter dem Volk Nephi viel Frieden

„Und es begab sich: Dadurch, dass das Gesetz so auf sie angewendet wurde, indem jedermann gemäß dem litt, was er getan hatte, wurden sie friedlicher und wagten keinerlei Schlechtigkeit zu begehen, die bekannt werden würde; darum gab es bis zum fünften Jahr der Regierung der Richter unter dem Volk Nephi viel Frieden.“ (Alma 1:33).

Darum gab es bis zum fünften Jahr der Regierung der Richter unter dem Volk Nephi viel Frieden. Ich lerne aus dieser Schriftstelle, was auch heute für uns genauso gilt: Gesetze alleine nützen nicht viel, ihre Einhaltung muss auch überwacht und Übertretungen müssen geahndet werden. Überwacht? Das ist wohl bei vielen inzwischen ein Reizwort. Im Alten Testament wird die Überwachung als Eigenschaft der Weisheit aufgezählt (Weisheit 7:22-23). Hat Überwachung also etwas mit weise sein zu tun?

Klar ist doch, dass wenn es z. B. keine Geschwindigkeitsüberwachung geben würde, fast niemand die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einhalten würde. Anwohner würden durch zu starken Lärm belästigt und durch erhöhten Schadstoffausstoß gesundheitlich stärker gefährdet und somit `unzufrieden´ sein. Schlimmer noch die akute Lebensgefahr durch Raser. Dann gibt es noch Überwachungsgeräte, die mitteilen, wo überwacht wird, um die eigene Übertretung nicht `bekannt werden´ zu lassen …

Klar ist für mich: Überwachung, mit Durchsetzung angedrohter Konsequenzen, führt letztendlich zu Frieden, ob im weltlichen Bereich oder im Reich Gottes. Der größte Überwacher bin ich allerdings selber. All mein Denken und Handeln werden in meinem `Gehirn´ unauslöschlich gespeichert und zu gegebener Zeit vor dem großen Richter ausgespeichert. Mein Gewissen, das innere Gespür für richtig und falsch, das vom Licht Christi her rührt, ist das Überwachungsgerät, das mich vor Übertretung warnt (Römer 2:14-15; Moroni 7:16). Ich bin sehr bemüht, seine Warnungen des eigenen Friedens willen, aber ebenso des meiner Mitmenschen, ernst zu nehmen. Was sind deine Gedanken zum Thema Überwachung?

Überwachung(Bild: Quelle)

Und so erging es ihnen wohl

Über die materielle Situation der gläubigen Mitglieder der Kirche des Herrn zuzeiten Alma des Jüngeren heißt es: „Und so erging es ihnen wohl, und sie wurden viel wohlhabender als diejenigen, die nicht ihrer Kirche angehörten. 32  Denn diejenigen, die nicht ihrer Kirche angehörten, gaben sich Zaubereien und Götzendienst oder Müßiggang hin, ebenso dem Geschwätz und dem Neid und dem Hader; sie trugen kostbare Gewänder; sie wurden im Stolz ihrer eigenen Augen überheblich; sie verfolgten, logen, stahlen, raubten, begingen Hurerei und Mord und allerart Schlechtigkeit; doch wurde das Gesetz, soweit dies möglich war, bei all denen geltend gemacht, die es übertraten.“ (Alma 1:31-32).

  • Zaubereien und Götzendienst
    Zauberei und Götzendienst hat der Herr schon dem Volk Israel verboten (Levitikus 19:26; Exodus 20:3-4) und dieses war ihnen bekannt.
  • Müßiggang
    Denkst du, dass die Ermahnung des Apostels Paulus an die Thessalonicher bezüglich Müßiggang nur diesen galt: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (2. Thessalonicher 3:10)? Bei der Vertreibung aus dem Garten Eden hat der Herr dem Menschen geboten: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, …“ (Genesis 3:19).
  • Geschwätz
    Schon der Psalmist warnt uns: „Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede!“ (Psalm 34:14).
  • Neid und … Hader
    Bei Neid bin ich mit etwas oder jemandem unzufrieden, ich hadere mit den Umständen, bin unzufrieden und beklage mich ggf. darüber. Der Herr hat uns gesagt, dass das größte Gebot die Liebe sei. Wenn wir dieses Gebot befolgen, werden wir automatisch nicht neiden (Moroni 7:45). All dies gab es unter den Nephiten nach dem Erscheinen von Christus nicht (4. Nephi 1:16).

Und so erging es ihnen wohl. Ich lerne daraus, dass ich darauf achten muss, dass, wenn es mir gut geht, daran zu denken, wem ich das zu verdanken habe, ich muss demütig bleiben. Zwar habe ich meinen Teil dazu beigetragen materiell gut dazustehen, aber wer hat mir diese Güter bereitgestellt? Welche Gefahren siehst du für dich, für den Fall, dass du in allen Dingen reichlich hast?

müßiggang„Müßiggang ist aller Laster Anfang“
(Bild: Quelle)

Sie trugen keine kostbaren Gewänder, doch waren sie ordentlich und schicklich

Wie sich die Nephiten zuzeiten Alma des Jüngeren um 90 v. Chr. in Amerika kleideten: „…und sie trugen keine kostbaren Gewänder, doch waren sie ordentlich und schicklich. 28  Und so ordneten sie die Angelegenheiten der Kirche; und so fingen sie wiederum an, beständig Frieden zu haben, trotz all ihrer Verfolgungen.“ (Alma 1:27-28).

Sie trugen keine kostbaren Gewänder, doch waren sie ordentlich und schicklich. Obwohl die Nephiten zuzeiten Alma des Jüngeren, aufgrund ihres Gehorsams gegenüber den Geboten des Herrn, erfolgreich in ihren Unternehmungen und dadurch reich waren (Alma 1:29), zeigten sie dies nicht durch extravagante Kleidung. Sie begnügten sich damit, „ordentlich und schicklich“ gekleidet zu sein.

Heute sind wir ebenso aufgefordert uns was Kleidung, äußere Erscheinung, Ausdrucksweise und Verhalten angeht, von Bescheidenheit und Schicklichkeit leiten zu lassen, um keine ungebührliche Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Sollten wir unsicher sein, welche Kleidung diese Forderungen erfüllt, könnten wir uns fragen: „Würde ich mich mit meinem Aussehen wohlfühlen, wenn ich mich in der Gegenwart des Herrn befände?“ Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass unsere Kleidung Ausdruck unserer Persönlichkeit ist. Durch angemessene Kleidung laden wir den Heiligen Geist ein, unser Begleiter zu sein und können auf unsere Mitmenschen einen guten Einfluss ausüben. „An unserem Aussehen und unserem Verhalten soll erkennbar sein, dass wir wahrhaftig Jünger Christi sind.“ (Elder Jeffrey R. Holland). Was ist deine Einstellung zu ordentlicher und schicklicher Kleidung?

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(Bild: Quelle)

Sie teilten von ihrer Habe

Die Nephiten zuzeiten Alma des Jüngeren um 90 v. Chr. in Zentralamerika: „… teilten von ihrer Habe, ein jeder gemäß dem, was er hatte, mit den Armen und den Bedürftigen und den Kranken und den Bedrängten; und sie trugen keine kostbaren Gewänder, doch waren sie ordentlich und schicklich. 28  Und so ordneten sie die Angelegenheiten der Kirche; und so fingen sie wiederum an, beständig Frieden zu haben, trotz all ihrer Verfolgungen.“ (Alma 1:27-28).

Auch hierin hielten sich die Mitglieder der Kirche zuzeiten Alma des Jüngeren an das, wozu sie nach dem Evangelium aufgefordert waren (Mosia 18:27). Dabei denke ich an die Aufforderung Jesu an den reichen Jüngling, der all die von Jesus im Gespräch angeführten Gebote schon gehalten hatte, aber dieser letzen nicht nachkam: „… Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen …“ (Lukas 18:22). Wollte Jesus ihn, und damit auch uns, auffordern, all unsere Habe zu veräußern, um mit dem Erlös den armen zu helfen? Ich denke, dass dies nicht die Lehre ist, die wir daraus ziehen sollen, denn anschließend sagt er seinen Jüngern, dass es für diejenigen, die an ihrem weltlichen Reichtum hängen und eher darauf setzen, als auf den Dienst am Nächsten, schwerer sein wird, in sein Reich zu gelangen als einem Kamel durch den niedrigen kleinen Seiteneingang des Stadttores in die Stadt zu gelangen (Markus 10:23-25).

Sie teilten von ihrer Habe. Ich bin nicht wirklich aufgefordert all meinen Besitz aufzugeben, um es unter den materiell Bedürftigen zu verteilen. Die vollkommenste Form wäre die, die die Nephiten, nach dem Besuch des Heilandes bei ihnen, lebten: „… sie hatten alles unter sich gemeinsam …“ (4. Nephi 1:3). Sie lebten nach dem Gesetz der `Weihung´, welches der Herr auch den Mitgliedern der wiederhergestellten Kirche 1831 gab (Lehre und Bündnisse 70:14).

Auch wir sind heute aufgefordert, uns um die Bedürftigen zu kümmern und ihnen von dem Überfluss, den uns der Herr schenkt, abzugeben (Lehre und Bündnisse 104:17-18). Durch eine großzügige Spende in den Fastopferfond der Kirche, der speziell allen materiell Bedürftigen zugutekommt „… seien sie alt oder jung, seien sie geknechtet oder frei, seien sie männlich oder weiblich, sei es außerhalb der Kirche oder in der Kirche …“ (Alma 1:30), komme ich dieser Aufforderung des Herrn nach. Vorbild sind mir dabei gerade die Nephiten zuzeiten Alma des Jüngeren. Wie sieht dein Teilen mit den Armen aus?

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Diakone sammeln das Fastopfer ein
(Bild: Quelle; lies auch den gesamten Artikel „Fasten und Fastopfer“)

Der Priester achtete sich nicht höher als seine Zuhörer

Über die Tätigkeit der Priester um die 90 v. Chr. in Amerika wird uns berichtet: „Und wenn die Priester ihre Arbeit verließen, um dem Volk das Wort Gottes mitzuteilen, da verließ auch das Volk seine Arbeit, um das Wort Gottes zu hören. Und wenn die Priester ihnen das Wort Gottes mitgeteilt hatten, kehrten alle eifrig zu ihrer Arbeit zurück; und der Priester achtete sich nicht höher als seine Zuhörer, denn der Prediger war nicht besser als der Hörer, und der Lehrer war um nichts besser als der Lernende; und so waren sie alle gleich, und sie arbeiteten alle, ein jeder gemäß seiner Kraft.“ (Alma 1:26).

Einen Tag in der Woche hatten die Nephiten festgesetzt, an dem sie zusammenkommen wollten, um im Wort Gottes zu unterweisen und unterwiesen zu werden, darüber hinaus wollten sie sich so oft versammeln, wie es in ihrer Macht stand (Mosia 18:25). Dabei verließ ein jeder seine Arbeit, denn jeder war angehalten selber für seinen Unterhalt zu sorgen und keiner sollte sich höher schätzen als seinen Nächsten (Mosia 27:4). Bei allem sollten sie sich dabei aber nicht über ihre Kräfte hinaus abmühen und dennoch eifrig sein (Mosia 4:27). Gleichen weisen Umgang mit unseren Kräften hat der Herr uns heute genauso empfohlen (Lehre und Bündnisse 10:4).

Der Priester achtete sich nicht höher als seine Zuhörer. Sicherlich bist du schon Mitmenschen begegnet, die bei dir den Eindruck hinterlassen haben, dass sie aufgrund ihrer Stellung etwas Besseres seien als du. Sie haben sich selbst überbewertet und überheblich auf dich herabgesehen. Sie waren einfach eingebildet, anmaßend, arrogant, großtuerisch, dünkelhaft, selbstgefällig, aufgeblasen, blasiert.

Für mich ist es allerdings wichtiger meine eigene Art zu reflektieren und darauf zu achten, dass ich selber nicht in die gleichen Muster verfalle. Dabei hilft mir ungemein, auf die verbalen, als auch nonverbalen Rückmeldungen meiner Mitmenschen zu achten. Außerdem gibt es im Berufsleben sogenannte Mitarbeitergespräche. Wenn ich diese Rückmeldungen selbstkritisch reflektiere, helfen sie mir zu erkennen, wie ich auf andere wirke. Nun muss ich nur noch die richtigen Schlüsse daraus ziehen und bereit sein, sie umzusetzen. Welche Möglichkeiten nutzt du, um Negativeigenschaften zu erkennen und zu vermeiden?

eingebildet(Bild: Quelle)

Nun war dies eine große Prüfung für diejenigen, die fest im Glauben standen

Die Bedrängnisse durch die Ungläubigen: „… war … eine große Prüfung für diejenigen, die fest im Glauben standen; doch waren sie standhaft und unverrückbar im Halten der Gebote Gottes, und sie ertrugen die Verfolgung, womit sie überhäuft wurden, mit Geduld.“ (Alma 1:25).

  • Standhaft, unverrückbar
    ist man, wenn man trotz Widerwärtigkeiten entschlossen zu seinem Glauben steht und darin Beharrlichkeit zeigt. Schon immer gab es Menschen, die ihres Glaubens an das Wort Gottes Willen verfolgt wurden und der Herr hat ihnen gesagt: „Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“ (Matthäus 10:22). Paulus ermuntert die Mitglieder in Korinth, dass sie standhaft und unerschütterlich am Werk des Herrn teilnehmen sollen und diese Mühe nicht vergeblich wäre (1. Korinther 15:58). Die Krönung der Standhaftigkeit im Glauben ist das ewige Leben (2. Nephi 31:20).
  • Geduldiges Ertragen
    ist die Fähigkeit Bedrängnisse, Beleidigungen oder Kränkungen klaglos und ohne Vergeltung hinzunehmen. Die Apostel und Hiob sind uns darin ein großes Vorbild (Jakobus 5:10-11).

Nun war dies eine große Prüfung für diejenigen, die fest im Glauben standen. Durch eine Prüfung will der Prüfer in einer arrangierten Situation die Leistungsfähigkeit des Prüflings feststellen. Diese arrangierte Situation kann z. B. eine Versuchung oder ein schweres Leid sein. Oftmals finden wir uns in einer solchen Situation wieder und dürfen unsere Standhaftigkeit oder unser geduldiges Ertragen unter Beweis stellen. Täglich bitte ich den Herrn um Kraft, solche Prüfungen zu bestehen. Das alleine reicht allerdings nicht aus, ich muss selber auch etwas dafür tun, ich muss meinen Geist trainieren, indem ich die Schriften studiere, um sie dann in diesen Situationen richtig anzuwenden. Wie gehst du mit solchen Prüfungen um?

prüfung(Bild: Quelle)

Vielen verhärtete sich das Herz, und ihre Namen wurden ausgelöscht

„Nun geschah dies [die Streitigkeiten mit Handgreiflichkeit; siehe Vers 22] im zweiten Jahr der Regierung Almas, und es war die Ursache von viel Bedrängnis für die Kirche; ja, es war die Ursache von viel Prüfung für die Kirche. 24  Denn vielen verhärtete sich das Herz, und ihre Namen wurden ausgelöscht, so dass man ihrer unter dem Volk Gottes nicht mehr gedachte. Und auch zogen sich viele von ihnen zurück.“ (Alma 1: 23-24).

Auch hierin handelten die Kirchenautoritäten zuzeiten des Volkes Nephi nach dem Gesetz, das der Herr dem Mose gab, als er bei ihm Sühne erwirken wollte, dafür, dass sich das Volk während seiner Abwesenheit Götter aus Gold gemacht hatte: „Der Herr antwortete Mose: Nur den, der gegen mich gesündigt hat, streiche ich aus meinem Buch.“ (Exodus 32:33).

Vielen verhärtete sich das Herz, und ihre Namen wurden ausgelöscht. So wie es schon immer im Reich des Herrn auf Erden gehandhabt wurde, nämlich, dass Umkehrunwillige bei entsprechenden Übertretungen ihre Rechte der Mitgliedschaft in der Kirche des Herrn verwirkten und aus den Büchern gestrichen wurden, geschieht es auch heute (Lehre und Bündnisse 42:28). In Lehre und Bündnisse 102 ist das Ausschlussverfahren durch das Gremium des Hohen Rates niedergelegt, der in die Verfahren durchzuführen hat, die nicht von einem Bischof zur Zufriedenheit der Beteiligten durchgeführt wurde (Lehre und Bündnisse 102:2). Sollte das Verfahren hier auch unzufriedenstellend ausgehen, können die Beteiligten Berufung beim Hohen Rat am Sitz der Ersten Präsidentschaft der Kirche einlegen (Lehre und Bündnisse 102:27). Dies ist die letzte anzurufende Instanz (Lehre und Bündnisse 102:31), wobei die Erste Präsidentschaft jedoch darüber entscheiden kann, ob „… ein Anspruch auf eine neue Verhandlung gerechtfertigt ist“ (Lehre und Bündnisse 102:33).

Ich habe nicht das Verlangen danach, mein Herz gegen die Lehre und die Kirche des Herrn zu verhärten, auch wenn es ebenso heute viele Mitglieder der Kirche gibt, die falsche Lehren verbreiten. Wie gehst du damit um?

ausgelöscht(Bild: Quelle)

Doch gab es viele unter ihnen, die anfingen, … mit ihren Gegnern hitzig zu streiten

Obwohl niemand andere verfolgen sollte (Alma 1:21): „… gab es viele unter ihnen, die anfingen, stolz zu sein, und anfingen, mit ihren Gegnern hitzig zu streiten, ja, bis zu Schlägereien; ja, sie schlugen einander mit Fäusten.“ (Alma 1:22).

Ob die Raufbolde sich dabei wohl auf die Aussagen im Gesetz des Mose bezogen, in denen Vergehen gegen Leib und Leben behandelt werden: „Wenn Männer miteinander streiten und einer schlägt den andern mit einem Stein oder mit der Faust, dass er nicht stirbt, sondern zu Bett liegen muss 19 und wieder aufkommt und ausgehen kann an seinem Stock, so soll der, der ihn schlug, nicht bestraft werden; er soll ihm aber bezahlen, was er versäumt hat, und das Arztgeld geben.“ (Exodus 21:18-19)? Dass dies aber nicht zu wahrer Frömmigkeit gehört, haben sie wohl ausgeblendet (Jesaja 58:4).

Doch gab es viele unter ihnen, die anfingen, … mit ihren Gegnern hitzig zu streiten. Bei den Anhängern Nehors ging es nicht um konstruktive Streitgespräche, sondern seine Meinung mit der Faust durchzusetzen. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916, österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin) prägte folgenden Aphorismus: „Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.“ Schon Abraham sagte zu Lot: „Zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten soll es keinen Streit geben; wir sind doch Brüder.“ (Genesis 13:8). In Zusammenhang mit der erneuten Warnung vor Irrlehren sagte Titus, einer der ersten Mitarbeiter des Apostels Paulus, dass man sich nicht „… auf Streit und Gezänk über das Gesetz …“ einlassen solle, denn „… sie sind nutzlos und vergeblich.“ (Titus 3:9). Sicherlich gibt es konstruktive Streitgespräche bei der Lösungsfindung bei Konflikten, diese werden aber unter Einhaltung bestimmter Regeln geführt (nicht verletzende „Ich-Botschaften“, Thema konkret und sachlich ansprechen, keine Streiteskalierer, einander zuhören, Verständnis aufbringen, Bedürfnisse identifizieren, gemeinsame Lösungssuche …), ohne dass die Fäuste zu Argumenten werden. Allerdings sehe ich nicht die Notwendigkeit, mich mit anderen über Evangeliumsgrundsätze zu streiten und lasse mich darauf auch nie ein. Wie gehst du mit Streit um?

streit_nl(Bild: Quelle)

Nun gab es unter dem Volk der Kirche ein strenges Gesetz

Bezügich der Gesetzeslage zur freien Religionsausübung bei den Nephiten, wird uns berichtet: „Nun gab es unter dem Volk der Kirche ein strenges Gesetz, dass niemand, der der Kirche angehörte, aufstehen und diejenigen verfolgen dürfe, die nicht der Kirche angehörten, und dass es unter ihnen selbst keine Verfolgung geben dürfe.“ (Alma 1:21).

Andere belästigen oder unterdrücken, ihnen ihres Glaubens oder ihrer gesellschaftlichen Stellung wegen Leid oder Schmerz zufügen, war also um die 90 v. Chr. bei den Nephiten gesetzlich verboten.

Nun gab es unter dem Volk der Kirche ein strenges Gesetz. Auch heute gilt ein solches Gesetz unter den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage: „Wir beanspruchen das Recht, den Allmächtigen Gott zu verehren, wie es uns das eigene Gewissen gebietet, und gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.“ (Glaubensartikel 11; siehe auch Lehre und Bündnisse 134:4). Wenn wir anderen also das Recht der freien Ausübung ihres Glaubens zugestehen, dann dürfen wir sie natürlich auch nicht verfolgen. Ebenso dürfen wir niemanden innerhalb der Kirche wegen seiner Einstellung oder seiner Ansichten verfolgen. Das Einzige, wozu wir berechtigt sind, ist sie bei falschen Ansichten und Handlungen liebevoll auf die Lehre des Herrn hinzuweisen und wenn dazu berufen, zur Umkehr aufzurufen (Lehre und Bündnisse 6:9). Wegen welcher deiner Ansichten bist du schon mal verfolgt worden?

verfolgung(Bild: Quelle)

Wer nicht der Kirche Gottes angehörte, fing an, diejenigen zu verfolgen, die der Kirche Gottes angehörten

Diejenigen, die nicht der Kirche Gottes angehörten, verfolgten diejenigen, die den Namen Christi auf sich genommen hatten (Alma 1:19): „Ja, sie verfolgten sie und bedrängten sie mit allerart Worten, und dies wegen deren Demut, weil sie nicht in ihren eigenen Augen stolz waren und weil sie das Wort Gottes miteinander teilten, ohne Geld und ohne Kaufpreis.“ (Alma 1:20).

Dass es Verfolgung aufgrund von Glauben heutzutage geben sollte, konnte ich mir vor einigen Jahren nie und nimmer vorstellen. Doch leider haben wir dieses Extrem im 21. Jahrhundert immer noch: „Alle fünf Minuten wird ein Christ ermordet“ titelt die Baseler Zeitung am 03.04.2013 (siehe hier). Erschreckend, was in diesem Artikel publiziert wird. Nachdem ich mein ganzes lebenlang, bisher ohne an Leib und Leben Gefahr zu nehmen, äußern konnte, woran ich glaube, war mir gar nicht bewusst, dass die Religionsfreiheit so stark gefährdet ist. Immer wieder habe ich in letzter Zeit mit Verwunderung Autoritäten der Kirche dieses Thema ansprechen hören (siehe hier). Elder Robert D. Hales, Mitglied des Kollegiums der Zwölf, erklärte im April-Liahona 2013: „Um unsere Entscheidungsfreiheit gläubig nutzen zu können, ist Religionsfreiheit die Voraussetzung.“ (siehe hier).

Wer nicht der Kirche Gottes angehörte, fing an, diejenigen zu verfolgen, die der Kirche Gottes angehörten. Ich wünsche mir, sollte ich wegen meines Glaubens an Gott eines Tages doch bedrängt werden, dass ich treu zu ihm stehen werde und die Kraft haben werde, wie es Präsident Dieter F. Uchtdorf, zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, sagte: „… zwischen Menschen aller Religionen und jeglicher politischer Überzeugung oder Herkunft ein wohlwollendes Miteinander zu schaffen …“ (siehe hier). Was sind deine Erlebnisse in Bezug auf Religionsfreiheit?

religionsfreiheit„Religionsfreiheit ist der Grundstein für den Frieden in einer Welt mit vielen miteinander konkurrierenden Weltanschauungen“, erklärte Elder D. Todd Christofferson vom Kollegium der Zwölf Apostel im April 2015 bei einem interreligiösen Treffen in der brasilianischen Moschee in São Paulo.
(Bild: Quelle)